ZHdK | Medienstelle | News


Die School of Commons (SoC) ist ein Grassroots-Projekt für gemeinschaftliche und selbstorganisierte Lernpraktiken – sie ist offen für alle. Ziel der SoC ist es, selbstorganisierte Bildung und Forschung in drei Laboratorien zu fördern: Den LEARNs (Learning Environment and Research Nucleus), dem Study Lab und dem theorieorientierten Studio. Dabei wahrt SoC eine selbstkritische Haltung und ist offen für Veränderungen und Evaluierung durch ihre Peers. Wir verstehen selbstorganisierte Bildung als ein kollektives Unternehmen, dessen «Teilhabende» gemeinsam bestimmen, welche Form der praktischen Forschung ihren Interessen entspricht. Zusammenarbeit, Partizipation und gegenseitiger Austausch sind zentrale Werte der SoC. Wir fördern eine interdisziplinäre und ergebnisoffene Haltung, die eine flexible und disziplinenübergreifende Entwicklung von Projekten ermöglicht. Die SoC legt Wert auf Offenheit und Unvoreingenommenheit gegenüber Inhalten, Methoden und Formen der erzielten Ergebnisse und schafft Raum für regelmässige Reflexion im Plenum. Wir setzen uns für ein Lernumfeld ein, in dem alle Beteiligten zu aktiven Lernenden und Gestaltenden des SoC-Programms werden.

2017 von Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste ins Leben gerufen, bietet die SoC heute Begleitung, Ressourcen und Unterstützung für experimentelle Formen der Wissensproduktion und des Peer Learning. Die SoC ist ein Raum für Experimente, in dem Lern- und Lehrformen erprobt und nicht standardisierte Methoden und Ansätze entwickelt, umgesetzt und untersucht werden können. Ein Beispiel ist Jan Hofers Projekt «The New New Material». Sein LEARN versuchte, ein längst vergessenes schallabsorbierendes Material aus gebranntem Ton neu zu entdecken. Zu diesem Zweck suchte er nach der bestmöglichen Materialzusammensetzung und dem geeignetsten Herstellungsverfahren.


Frederic Poppenhäger: Warum hast du dich für den Master Trends & Identity entschieden?
Ludovica Galleani d’Agliano: Ich möchte die Gesellschaft, in der ich lebe, besser verstehen. So können wir eine bessere Zukunft gestalten. Zunächst war ich etwas überrascht, dass der Schwerpunkt des Studiums auf der Forschung und nicht direkt auf dem praktischen Aspekt des Designs liegt. Ich habe aber auch gemerkt, wie wichtig Forschung für solide und relevante Projektarbeit ist.

Du hast ein Exzellenzstipendium der Fondation ZHdK erhalten. Woran arbeitest du gerade?
Im Moment recherchiere ich über Sexarbeit mit einem postcyber-feministischen Ansatz. Dieses Thema ist in unserer Gesellschaft besonders relevant, weil es viele Aspekte wie Feminismus, Technopositivismus und psychische Gesundheit miteinander verbindet. Meine Forschung basiert auf einer ethnografischen Analyse der Identität von Sexarbeiter:innen, in Bezug auf digitale Technologien. Ich entschlüssle unterdrückende und stigmatisierende Codes, analysiere und reorganisiere sie. Das Ziel der Forschung ist die Rekonstruktion der Identität von Sexarbeiter:innen, die durch die Kontrollsysteme des öffentlichen Raums behindert werden.

Was hast du nach dem Studium vor?
Nach meinem Master möchte ich weiter in den Bereichen Gender, Technologie und Nachhaltigkeit arbeiten und forschen.

Welches ist dein Lieblingsort in Zürich?
Die Shedhalle, ein Kunst-Offspace in der Roten Fabrik in Wollishofen. Dort finden immer sehr interessante Ausstellungen und Performances statt.

Welches war bis jetzt deine beste Entscheidung?
Diese Ausbildung zu machen! Obwohl der kreative Bereich hart und konkurrenzbetont sein kann, habe ich es nicht bereut, diesen Weg gewählt zu haben. Ich schätze mich glücklich, in einem so kreativen, offenen und inspirierenden Umfeld aufgewachsen zu sein, das mich für viele wichtige Themen sensibilisiert hat, die sonst nicht oft diskutiert werden.


Martina Egli: Welches sind deine aktuellen Projekte?
Lisa Fasching: Ich bin dabei, zu sammeln, zu forschen und Dinge zu erproben. Inputs, Materialien und Möglichkeiten. Es ist toll, dass wir uns im Bachelor Art Education in den unterschiedlichen Werkstätten bewegen und mit verschiedensten Techniken in Kontakt kommen. So eignen wir uns ein Repertoire an, auf das wir später zurückgreifen können. In meinen Projekten sind kommunikative und kognitive Aspekte sehr wichtig: Ich möchte mit meinen künstlerischen Arbeiten und Vermittlungsprojekten Fragen stellen und Neugier wecken.

Brauchen wir Kunst? Und wenn ja, warum?
Dass es den Kunstmarkt braucht, auf dem Geld und Investitionen im Zentrum stehen, glaube ich nicht. Aber Kunst an sich, das Gestalten, ist etwas Urmenschliches, ein soziales Grundbedürfnis. Wir benötigen Kunst als gesellschaftspolitisches Sprachrohr und auch als persönliche Verarbeitungsstrategie.

Was würdest du an der ZHdK verändern?
Besonders in den Seminar- und Vorlesungsräumen, wo volle Konzentration gefragt ist, herrschen Lichtverhältnisse, die einem die Energie entziehen können. Ein neues, wärmeres Lichtkonzept für das Toni-Areal wäre ein Projekt für sich.

Deine Pläne nach dem Studium?
Ich habe schon in der Vergangenheit darüber nachgedacht, mich politisch zu engagieren. Heute weiss ich, dass Kunst und Vermittlung Möglichkeiten bieten, aktivistisch zu sein und in der Gesellschaft etwas zu verändern. Entsprechend werde ich künftig sicherlich an aktivistischen Projekten arbeiten. Wichtig ist mir, die Offenheit für verschiedene Lebensrealitäten zu fördern. Wir gestalten unsere Lebenswelt gemeinsam und diese sollte sich an Vielfalt und nicht bloss an einer Norm orientieren.

Welches war bis jetzt deine beste Entscheidung?
Den kreativen Weg zu verfolgen. Für mich war klar, dass ich für mich und nicht für irgendeinen Abschluss studieren möchte – das würde ich sofort wieder tun.


Die ZHdK blickt auf ein intensives Jahr zurück. Mit wichtigen Meilensteinen in der Forschung und Lehre – 20 Jahre Game Design etwa, das neu lancierte Zentrum Künste und Kulturtheorie in Kooperation mit der Universität Zürich oder auch der Auftakt des neu konzipierten Theater-Masterstudiengangs MATch. Gleichzeitig konnten Grossprojekte, die in den vergangenen Jahren in Angriff genommen wurden, umgesetzt oder abgeschlossen werden. So ist das neue Major-Minor-Studienmodell per Herbstsemester mit Unterricht auf Bachelor- und Master-Stufe in allen Majors und Minors Realität geworden, hinzu kamen Projekte im Rahmen der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH) oder auch die Umsetzung der neuen Personalverordnung der Zürcher Fachhochschulen (nPVF).

Jahresrechnung, Finanzplanung und Bilanzreserven
Nebst den erwähnten Grossprojekten beanspruchten der vom Fachhochschulrat genehmigte Sozialplan im Rahmen der Umstellung auf das neue Major-Minor-Studienmodell und betriebliche Mehrkosten zusätzliche finanzielle Ressourcen. Entsprechend schloss die Jahresrechnung mit einem Aufwandüberschuss in Höhe von CHF 5.9 Millionen. Für das laufende Jahr 2025 budgetiert die ZHdK nochmals einen Aufwandüberschuss für den Abschluss der Grossprojekte, bevor ab 2026 wieder ausgeglichene Abschlüsse erwartet werden.

Die Aufwandüberschüsse der ZHdK sind durch gezielt angesparte Reserven gedeckt. Der Einsatz dieser Reserven für die Finanzierung der Grossprojekte erfolgt im Rahmen der langfristigen Finanzplanungen, welche jeweils durch den Fachhochschulrat genehmigt werden. Es werden keine zusätzlichen Steuergelder benötigt.

Stabilisierungsinitiative zur Wahrung des finanziellen Handlungsspielraums
Um die Handlungs- und Entwicklungsfähigkeit der Hochschule nachhaltig zu gewährleisten und die Reserven für zukünftige Vorhaben erneut aufzubauen, hat die ZHdK im Sommer die Initiative zur Stabilisierung der Finanzen ausgearbeitet. Mit dem Ziel, die Bilanzreserven zu erhöhen, soll der finanzielle Spielraum sichergestellt werden. In den Jahren 2025 bis 2029 sind im Rahmen einer Portfolio- und Leistungsüberprüfung entsprechende Einsparungen zu realisieren. 

Zu den kurzfristigen Massnahmen ab 2025 gehören Einsparungen bei Beschaffungen und Kommunikationsformaten, ein gezielter Abbau von Mehrzeiten, der Verzicht auf Sabbaticals sowie angepasste Zutrittszeiten für das Toni-Areal, die Gessnerallee (Schliessung von 24 bis 7 Uhr) und die Werkstätten für die Lehre. Hinzu kommen Leistungsanpassungen und Optimierungen in den zentralen Diensten. Für die Zeit ab 2026 werden die ordentlichen Budgets aller Organisationseinheiten nach transparenten Kriterien individuell überprüft und angepasst.


Wo sonst geprobt und das Know-how des Theaters gelehrt wird, herrscht Ausnahmezustand. Rund 80 grössere und kleinere Theateraufführungen, Performances, Installationen, Konzerte, Lesungen und genreübergreifende Projekte stehen Anfang September auf dem Spielplan. An der Gessnerallee in direkter Nähe zum Hauptbahnhof kann sich das Publikum am Theater der Künste der ZHdK frei durch die Räume bewegen und Theater geniessen. Von der kleinen Duschkabine bis hin zur grossen Hauptbühne – in (fast) jedem Raum wird gespielt.


Mit Beginn des Herbstsemesters 2025 starten 738 Studierende ihr Studium an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Damit liegt die Zahl der Neueintritte leicht über dem Vorjahr (711). 340 Bachelor- und 398 Masterstudierende treten ihr Studium an (Vorjahr: 352 Bachelor- und 359 Master), das nun vollständig eingeführt wurde. Insgesamt zählt die ZHdK 2'140 Studierende (Vorjahr: 2'158) und bewegt sich damit seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau.

Zuwächse bei Masterstudierenden
Die Zahl der Erstsemestrigen ist gegenüber dem Vorjahr um 3,8 Prozent gestiegen, bei den Masterstudierenden um 9,1 Prozent. Insgesamt verteilen sich die Neueintritte wie folgt: 289 auf den Bereich Musik (Vorjahr: 265), 148 auf Design (162), 82 auf Fine Arts (91), 115 auf Kulturanalysen und Vermittlung (108) sowie 104 auf Darstellende Künste und Film (104). Der Zugang zur Hochschule ist durch ein strenges Aufnahmeverfahren geregelt, das die hohe Qualität des Studiums sicherstellt.

Internationale Mobilität
Für das Herbstsemester 2025/26 begrüsst die ZHdK 40 neue Austauschstudierende. Zeitgleich werden 45 Studierende ein Austauschsemester an einer Partnerhochschule absolvieren, weitere 13 Studierende verbringen ein Praktikum im Ausland. Damit bleibt die internationale Mobilität ein wichtiger Bestandteil des Studiums an der ZHdK.

Künstlerische Relevanz im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Die Eröffnungsrede zum Semesterstart hielt dieses Jahr Prof. Hansuli Matter, stellvertretender Rektor und Direktor des Departements Design. Darin betonte er die Rolle der Künste in einer zunehmend von Künstlicher Intelligenz (KI) geprägten Welt: «Was KI  – gemäss Nobelpreisträger Daniel Kahneman – nicht erzeugen kann, ist die ‹unsystematische, psychologisch bedingte Abweichung von der Rationalität› – oder anders formuliert: das Unberechenbare. Das sind doch gute Nachrichten für eine längst fällige Emanzipation der Künste und des Designs. Ihnen kommt heute schon und ganz besonders auch in Zukunft – neben den MINT-Fächern – eine bedeutende, gesellschaftlich relevante Rolle zu.»


Vom 2. bis 5. Oktober 2025 beleuchten internationale Künstler:innen und Designschaffende an der 6. Ausgabe des Festivals REFRESH aus kritischer Perspektive die gesellschaftspolitischen Folgen eines von Effizienz, Wettbewerb und Ertrag geprägten Verständnisses von Arbeit, das sich durch Digitalisierung und Automatisierung weiter verschärft und drastische Spuren in unserem Ökosystem hinterlässt. Das Motto der diesjährigen Ausgabe von REFRESH lautet «Futures of Uncertainties», das Festival unterstreicht die Relevanz der Künste und des Designs in einer von Umbrüchen gezeichneten Zeit und spekuliert gemeinsam mit Gästen und Publikum über mögliche Zukünfte.

Kostenfrei besucht werden können Keynotes, Ausstellungen, Masterclasses, Filmvorführungen und Performances.

REFRESH ist eine Initiative des Departements Design und des Immersive Arts Space der Zürcher Hochschule der Künste.

Wir vermitteln Ihnen gerne Interviews mit den beteiligten Designer:innen, Künstler:innen und Forschenden oder dem Festival-Leitungsteam, eine Auswahl der Speaker:

  • Julian Rosefeldt zählt zu den bedeutenden Kunst- und Filmschaffenden der Gegenwart. Seine Werke sind aufwendig inszenierte Installationen, die sich durch eine komplexe Verflechtung verschiedener Dimensionen unserer Wirklichkeit auszeichnen. Seine 13-Kanal-Filminstallation «Manifesto» mit der australischen Schauspielerin Cate Blanchett wurde weltweit gezeigt. In seinem Werkvortrag gibt der Künstler Einblick in seine künstlerische Praxis und gewährt dem Publikum einen Blick hinter die Kulissen seiner Dreharbeiten – in der immer auch die Mythenmaschine Kino und der Apparat der Filmproduktionen selbst zum Inhalt der Arbeiten werden.
  • Marina Otero Verzier analysiert in ihrer Keynote das Versinken des Inselstaats Tuvalu im Pazifischen Ozean, der wegen des steigenden Meeresspiegels in einigen Jahren unbewohnbar sein wird. In ihrer Keynote geht es um die Pläne Tuvalus, eine vollständig virtuelle und digitalisierte Nation zu werden. Was Fragen aufwirft, wie mit der Fragilität von Umgebungen und Gemeinschaften, ihrer Pflege, Bewahrung, Erhaltung und ihrem letztendlichen Verlust angesichts der Klimakatastrophe umgegangen werden soll. Die Architektin und Forscherin wird sich mit der inhärenten Spannung zwischen digitaler Bewahrung und den nicht nachhaltigen Praktiken der Datenspeicherindustrie befassen.
  • Die Medientheoretikerin und Künstlerin Martyna Marciniak beleuchtet das Thema der Desinformation durch synthetische Bilder anhand einer Sammlung von Bildern aus den Jahren 2018 bis heute. Anfang 2023 markierte eine Reihe hochrealistischer Bilder, die mit neuartigen generativen Tools erstellt wurden, den vermeintlichen «Beginn vom Ende der visuellen Wahrheit». Der Vortrag hinterfragt die Trennung in «echt» und «gefälscht» und warnt davor, mittels Künstlicher Intelligenz geschaffene Falschinformationen zu überschätzen.
  • Marcel Rickli ist Künstler und ZHdK Alumnus und beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Menschen auf den Planeten. Mit Fotografie, Design und experimenteller Technik untersucht sein Projekt «CLYMERA Inc.» die Grenze zwischen Technologieoptimismus und wissenschaftlicher Imagination. Welche Rolle spielt Technologie – etwa Geoengineering – im Kampf gegen den Klimawandel, und können wir ihren Versprechen trauen?
  • Fragmentin ist ein 2014 in Lausanne gegründetes Künstler:innenkollektiv, das an der Schnittstelle von Kunst, Design und Technologie arbeitet. Ihre Masterclass reflektiert die Rolle von Designer:innen im Zeitalter der Automatisierung und zieht Parallelen zu selbstfahrenden Autos, deren Systeme nur durch menschliche Regeln, Training und Aufsicht funktionieren – ein Hinweis darauf, dass Automatisierung nie neutral ist, sondern durch Designentscheidungen geprägt ist.

Zum Programm und für weitere Informationen: refresh.zhdk.ch/

Kostenlose Tickets für die verschiedenen Veranstaltungsangebote können hier bezogen werden.

An allen Tagen finden geführte Touren durch die Ausstellung statt. Hier geht es zur Anmeldung.


Ziel ist es, die Verbindung von künstlerischer Praxis, Ausbildung, Forschung und Vermittlung auf eine langfristige systematische Grundlage zu stellen, die nächsten Generationen von Künstler:innen gezielt zu fördern und gemeinsam innovative Projekte für ein vielfältiges und junges Publikum zu entwickeln.

Die Partnerschaft baut auf erfolgreichen Kooperationen der vergangenen Jahre auf, etwa zwischen ZHdK/taZ und dem Ballett Zürich, und erweitert diese künftig sparten- und abteilungsübergreifend. Geplant sind u. a. gemeinsame Formate in der neuen Spielstätte des Opernhauses in Oerlikon, die Entwicklung digitaler Projekte, die Mitwirkung an Festivals wie Zürich Barock sowie Symposien, Forschungs- und Netzwerkinitiativen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Förderung junger Künstler:innen. Dazu gehören Praktika, Mentoring-Programme, Austauschformate sowie gemeinsame Projekte zur Musik- und Tanzvermittlung. Studierenden der ZHdK werden dadurch praxisnahe Einblicke in die künstlerische Arbeit am Opernhaus ermöglicht. Gleichzeitig soll die Vernetzung von Ausbildungs- und Kulturinstitutionen über Zürich hinaus gestärkt, um die Entwicklung junger Talente auch international noch wirksamer zu unterstützen.

Auf Seiten der ZHdK sind insbesondere die Departemente Darstellende Künste und Film sowie Musik, mit den dazugehörigen Fachbereichen, sowie der Immersive Arts Space beteiligt. Das Opernhaus Zürich bringt sich sparten- und abteilungsübergreifend ein. Die Kooperationsfelder reichen von Ballett, Orchester und Gesang (inklusive Internationalem Opernstudio, Orchesterakademie und Junior Ballett) über Dramaturgie, Regie, Szenografie bis hin zur digitalen Innovation, sowie Vermittlung und Outreach.


Der Lehrpreis der ZHdK wird alle zwei Jahre vom Dossier Learning & Teaching verliehen – um hervorragende Lehre auszuzeichnen, aber auch, um eine vertiefte Auseinandersetzung mit Lehren und Lernen anzustossen. In diesem Jahr wurde das Team von Karin Fromherz und Christian Vetter vom DKV ausgezeichnet. «Der Lehrpreis der ZHdK bestärkt uns darin, die Hochschule als gestaltbares Ökosystem zu verstehen und über die Grenzen des Unterrichtsraums hinaus nach den Verbindungen der Lehre mit den uns umgebenden Realitäten zu fragen. Bildung wird dort wirksam, wo Studierende erfahren, dass es von ihnen abhängt, was sich aus einer Situation entwickelt. Gemeinsam mit den Studierenden werden wir entscheiden, wofür wir das Preisgeld einsetzen.» Ihr Konzept «Ökologie des Lernens – Vom universellen zum kontextbezogenen Lernen» erhält den mit 10’000 Franken dotierten Preis, der feierlich von der Rektorin Karin Mairitsch überreicht wurde.

Lehr-Lernbeziehung gemeinsam gestalten
Beim prämierten Konzept steht das Knüpfen von Beziehungen im Vordergrund – jene zwischen Lehrenden und Studierenden, zwischen Hochschule und Umwelt sowie zwischen Wissen und Erfahrung. Gerade in Zeiten der wachsenden Distanz zwischen Generationen müsse gute Lehre dafür sorgen, dass Dozierende und Studierende die Lehr-Lernbeziehung gemeinsam gestalten, so die Begründung der Jury. «Lehre ist kein Rezept, sondern ein emergenter Prozess. Im Unterricht von Karin Fromherz, Christian Vetter und ihrem Team entsteht eine geteilte Verantwortung, und Studierende erhalten echte Möglichkeiten zur Mitgestaltung.»

Unterricht über die Hochschule hinaus
Konkret erweitert das Team den Unterricht bewusst über die Hochschule hinaus: Im Minor «Common Grounds» werden beispielsweise die Küche oder der Gemüseacker der Hofkooperative ortoloco zum Lern- und Begegnungsraum. Im Modul «Moment Mal!» wird das Studium selbst zum Lerngegenstand. Studierende und Lehrende schaffen gemeinsam einen Aushandlungsraum, in dem es um geteilte Verantwortung, institutionelle Grenzen und Bildung als Gestaltungsprozess geht – ein Ort, an dem Zukunft verhandelt wird.


Das neue Jahr 2026 begrüssen wir mit einer musikalischen Vielfalt – zart, kraftvoll, vertraut und frisch. Die Welt klingt bunt und vielschichtig, genau wie die Klänge, die uns durch das Jahr begleiten. 

Musik verbindet, inspiriert und öffnet Horizonte. Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen viele stimmige Momente. 
— Karin Mairitsch, Rektorin ZHdK 

Hören Sie hier den musikalischen Neujahrsgruss der ZHdK: 
[Zur Musikdatei / Zum Neujahrsgruss] (Link einfügen) 

Aus einer Stunde freier Improvisation am Klavier entstand diese Komposition mit zwei kontrastierenden Themen, die wie ein Frage-Antwort-Spiel die frische Energie und die Herausforderungen des neuen Jahres einfangen. 
— Seraphin Basedau, Komponist des diesjährigen musikalischen Neujahrsgrusses 

Wir wünschen allen ein inspirierendes und klangvolles 2026! 


Das Departement Fine Arts der ZHdK lädt mit der Fondation ZHdK zur traditionellen «Winter Auction» ein. Vom 2. bis 11. Dezember 2025 präsentieren Studierende des Departments Fine Arts ihre Arbeiten im Nordraum des Toni-Areals. Die Ausstellung zeigt 25 von einer Jury ausgewählte Arbeiten – darunter Malerei, Fotografie, Keramik und Skulptur. Die Werke reflektieren sowohl gesellschaftsrelevante Themen als auch persönliche Perspektiven und zeichnen ein vielfältiges Bild des aktuellen künstlerischen Schaffens an der ZHdK.

Die Kunstwerke können im Rahmen einer Online-Auktion erstanden werden, die vom 2. bis 7. Dezember 2025 stattfindet. Die Startgebote liegen bei 400 Franken. Der Erlös kommt je zur Hälfte den teilnehmenden Künstler:innen sowie dem Solidaritätsfonds der Fondation ZHdK zugute. Dieser unterstützt Studierende der ZHdK, die sich in finanziellen Notlagen befinden.

Termine: 

  • Vernissage & Auktionsstart: Dienstag, 2. Dezember 2025, 17 Uhr
  • Auktionsschluss: Sonntag, 7. Dezember 2005, 20 Uhr
  • Ausstellung: Dienstag, 2. bis Donnerstag, 11. Dezember 2025, jeweils 12–20 Uhr
  • Ort: Toni-Areal, Nordraum 3. T01, Ebene 3 (Eingangshalle), Pfingstweidstrasse 96, Zürich
  • Zur Auktion geht's hier

Sensoren messen, was wir fühlen, tun oder auch lassen. Das zweitägige Festival «Captured!» im Kornhausforum Bern macht diese oft unsichtbaren Technologien sichtbar und lädt dazu ein, ihre gesellschaftlichen Folgen kritisch zu erkunden. Kuratiert wird die Ausstellung von Prof. Chris Salter, Leiter des Immersive Arts Space der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), Jana Eske, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Immersive Arts Space, und Nicolas Kerksieck, Leiter des Kornhausforums Bern.

Ob in Kleidung, Autos oder Arbeits- und Lebensräumen: Sensoren sind allgegenwärtig. In Kombination mit Künstlicher Intelligenz erfassen und analysieren sie kontinuierlich Daten und verschieben die Grenzen zwischen Körper und Gerät. «Captured!» untersucht, wie diese Sensor- und Datenerfassungstechnologien unser Verständnis von Körper, Öffentlichkeit und Wahrnehmung verändern – und was das für unseren Alltag bedeutet.

Auswirkungen neuer Technologien
Das Festival zeigt künstlerische Arbeiten aus der Schweiz, Indien sowie Süd- und Nordamerika. Im Fokus stehen Themen wie Sensorik, Überwachung und Hacking. Zu sehen sind Videoprojektionen und Installationen, VR-Arbeiten und Audioformate. Highlight ist eine Live-Performance, bei der Besuchende ihre eigenen Biosignale in Echtzeit hören und sehen können. Workshops und interaktive Gespräche mit Künstler:innen, Expert:innen und Vertreter:innen von Schweizer Open-Data-Non-Profit-Organisationen vertiefen das Erlebte und öffnen den Raum für Diskussion. 

Das Festival ist Teil von «Bodies-Machines-Publics» – einem zweijährigen Kunst-Wissenschaft-Technologie-Projekt, das von Pro Helvetia finanziert wurde. Es verbindet den Immersive Arts Space der ZHdK, das Kornhausforum Bern, die Khoj Studios in New Delhi und das NAVE center for artistic residencies and creation in Santiago de Chile miteinander. «Captured!» wird vom Agora-Programm des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt.

«Captured! Zwischen Aufmerksamkeit und Überwachung»
Kornhausforum Bern
14. & 15. Februar 2026
– Samstag: 11 bis 17 Uhr, Vernissage mit DJ von 17.30 bis 21 Uhr
– Sonntag: 11 bis 17 Uhr

Mehr Informationen zum Programm und zu den teilnehmenden Künstler:innen


Der Prix de Lausanne 2026 fand vom 1. bis 8. Februar 2026 statt. Aus 444 Bewerber:innen konnten sich 79 Tänzer:innen aus 18 Ländern der Jury präsentieren. William Gyves von der Tanz Akademie Zürich (taZ) konnte den prestigeträchtigen Wettbewerb für sich entscheiden. Für die taZ nahmen insgesamt fünf Schüler:innen aus der Abschlussklasse des Hauptstudiums teil. Es wurden mehrere Auszeichnungen vergeben. Die starke Vertretung der taZ am diesjährigen Prix de Lausanne belegt das hohe Niveau der Tanzausbildung. Der Wettbewerb gilt als eines der wichtigen Sprungbretter für eine Karriere im professionellen Tanz.

Die Teilnehmer:innen:

  • William Gyves (18) aus den USA – ausgezeichnet mit: Gewinner des 54. Prix de Lausanne; Scholarship / Fondation Caris; Best Swiss Candidate Award / Fondation Jacqueline de Cérenville 
  • Dragos Gramada (18) aus Rumänien – ausgezeichnet mit: Aud Jebsen Scholarship; Contemporary Dance Award / Minerva Kunststiftung; Beaulieu Award / Beaulieu SA 
  • Lisa Ito (17) aus Japan – Finalistin
  • Estefania Guajardo Livas (18) aus Mexiko
  • Goda Budrevičiūtė (18) aus Litauen

Starke Präsenz auch in Begleitformaten
Neben dem Hauptwettbewerb war die Tanz Akademie Zürich auch in weiteren Formaten des Prix de Lausanne vertreten: Im «Partner School Choreographic Project» arbeitete Jana Garcia Oliveras (Klasse H2) an der Entstehung und Präsentation einer neuen Choreografie von Edwaard Liang. Am «Young Creation Award» präsentierte Emaline Ownby die Choreografie «Noise in Silence» von Anastasiia Protsenko-Herman (beide Klasse H2). Clara-Maria Oiceags (Klasse H3) «Duck Lake» tanzte Medeea Caplea (Klasse H1). Zusätzlich erhielt Clara-Maria Oiceags eine Einladung als Gastchoreografin bei Grad Pro, einem internationalen professionellen Tanz-Ausbildungsprogramm, im Rahmen der Summer Intensive Week.

Die Tanz Akademie Zürich und die Zürcher Hochschule der Künste
Als professionelle Ausbildung im klassischen Tanz bereitet die Tanz Akademie Zürich, die zur Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) gehört, talentierte Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 19 Jahren auf ihre zukünftige Karriere als Bühnentänzer:innen vor.
Mit rund 2100 Bachelor- und Masterstudierenden zählt die Zürcher Hochschule der Künste zu den führenden Kunsthochschulen Europas. Das Studien- und Forschungsprogramm umfasst die Bereiche Art Education, Cultural Critique, Design, Film, Fine Arts, Musik, Tanz, Theater und Transdisziplinarität. Zur Hochschule gehören zahlreiche Ausstellungs- und Aufführungsorte, wo die Ergebnisse der Ausbildung öffentlich gemacht werden.


Die kommende Ausgabe der Zürcher Spielfilmtagung ZFICTION beleuchtet das Production Design als eigenständiges künstlerisches und wissenschaftliches Feld. Production Design umfasst alles Physische vor der Kamera – von der Location-Suche über das Set bis hin zur Gestaltung der Welt, in der sich die Figuren bewegen. Erst durch die Kamera entsteht daraus der filmische Raum. «Schon minimale gestalterische Eingriffe können eine grosse Wirkung haben», erklären die beiden Tagungskurator:innen Silke Fischer und Georg Bringolf. «Das Alltägliche wird oft übersehen – dabei ist es für unsere Arbeit essenziell.»

Interdisziplinäre Perspektiven auf das Alltägliche
Die beiden etablierten Filmtagungen ZFICTION und ZDOK wechseln sich jährlich ab. Während sich das Format ZDOK dem Dokumentarfilm widmet, dreht sich bei ZFICTION alles um den Spielfilm. Dieses Jahr blickt auf das Production Design und ermöglicht eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit diesem Feld. In Vorträgen, Case Studies und Diskussionen treten Filmschaffende und Forschende aus Production Design, Filmwissenschaft, Architekturtheorie, Kulturgeografie und weiteren Disziplinen in Dialog.

Im Zentrum stehen gewöhnliche Umgebungen: Wohnräume, Strassenecken, Büroräume oder Übergangszonen – Räume, die selbstverständlich erscheinen und gerade deshalb selten thematisiert werden. ZFICTION.26 fragt, wie solche Räume filmisch entstehen, welche gesellschaftlichen und politischen Dimensionen sie tragen und weshalb sie für die Wirkung eines Films zentral sind. An beiden Tagen finden Vorträge mit anschliessenden Diskussionsrunden statt. Parallel dazu wird eine Ausstellung des Künstlers Reynold Reynolds gezeigt. In seinen Filmen konfrontiert er scheinbar banale Alltags-Situationen mit elementaren Gewalten wie Feuer und Wasser; Gewöhnliches und allzu Bekanntes erfahren dadurch eine neue Sinnlichkeit, was dem Production Design zu einem einzigartigen Stellenwert verhilft.

Kuratiert von ausgewiesenen Expert:innen
Silke Fischer ist Professorin für Production Design und leitet seit 2018 den entsprechenden Bachelor-Studiengang an der ZHdK. Zu ihren Arbeiten zählen unter anderem «Lore» (2012), «Toni Erdmann» (2016) sowie die Netflix-Serie «Unorthodox» (2020).

Georg Bringolf unterrichtet seit 2007 im Bereich Production Design an der ZHdK. Als Production Designer war er an zahlreichen Schweizer und internationalen Projekten beteiligt, darunter «Platzspitzbaby» (2020), «Atlas» (2021), «Die Schwarze Spinne» (2022) und «Les Indociles» (2023).

Internationale Gäste aus Praxis und Theorie
Zu den eingeladenen Gästen zählen Jaqueline Abrahams («The Lobster», «Lady Macbeth», «His House», «Wallander»), Jason Kisvarday («Everything Everywhere All at Once», «Palm Springs», «Swiss Army Man», «The Legend of Ochi») und Kelsi Ephraim («Everything Everywhere All at Once», «MaXXXine», «To Catch a Killer», «Swiss Army Man») sowie weitere internationale Filmschaffende.

Die Zürcher Spielfilmtagung ist eine Veranstaltung des Institute for the Performing Arts and Film und der Fachrichtung Film der ZHdK. Mit Unterstützung von der Stiftung Weiterbildung Film und Audiovision FOCAL und dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF).


Wasser prägt unsere Landschaften und Städte – und doch nehmen wir seine Rolle oft erst bewusst wahr, wenn sich Veränderungen bemerkbar machen. Zürich mit seinem See und seinen Flüssen wirkt auf den ersten Blick wie ein naturnaher Raum mitten in der Stadt. Gleichzeitig beeinflussen Hochwasser, Trockenzeiten und Fragen der Qualität und Nutzung des Wassers zunehmend den Alltag. Auch unsere lokalen Gewässer stehen im Spannungsfeld von Klimawandel und Ressourcennutzung. Wasser ist lebenswichtig, es gestaltet städtische Räume, das Zusammenleben und unseren Alltag. Doch welche Bedeutung gewinnt Wasser, wenn wir es nicht nur als Ressource, sondern als gemeinsames kulturelles Gut erfahren?

Mit diesen Perspektiven verwandelt das Kunstfestival «Urban Waters» das GZ Wipkingen in einen Ort des Austauschs, der Erfahrung und der Reflexion. In Kunstinstallationen, Performances, Konzerten, Lesungen und Workshops erschliesst sich Besucher:innen die vielschichtige Rolle des Wassers in der Stadt und im globalen Zusammenhang. Die Ausstellung vereint 22 Arbeiten und wird von einem vielfältigen Rahmenprogramm mit 17 Veranstaltungen begleitet. Der Besuch ist kostenlos.


Mit der Entwicklung einer neuen Organisationsstruktur wurden die Weichen zur Etablierung der Prorektorate «Bildung» sowie «Forschung und Innovation» gestellt und damit die Grundlage für eine zukunftsfähige Hochschulentwicklung geschaffen. Parallel dazu waren Studierende aus allen Departementen auch im Jahr 2025 in Forschungs- und Kreationsprozessen weltweit vernetzt und haben ihre Arbeiten unter anderem an der Weltausstellung EXPO 2025 in Osaka oder in Boston und New York präsentiert.

Anlass zum Feiern gab es in der Musik: Zwei für das hiesige Musikschaffen prägende Studiengänge und ein Forschungsinstitut blicken auf ihr 20-jähriges Bestehen zurück. Herausragend war das Jahr für die Filmschaffenden der ZHdK, die eine Vielzahl an renommierten Auszeichnungen entgegennehmen durften. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz wurde zudem ein breites Angebot an Austausch- und Weiterbildungsformaten konzipiert, mit dem Hochschulangehörige ihre entsprechenden Kompetenzen weiterentwickeln.

Stabilisierung der Finanzen zeigt Wirkung
Im Sommer 2024 hatte die ZHdK die Stabilisierungsinitiative der Finanzen lanciert, um die Handlungs- und Entwicklungsfähigkeit der Hochschule nachhaltig zu gewährleisten und die Reserven für künftige Vorhaben wieder aufzubauen. In den Jahren 2025 bis 2029 sind entsprechende Einsparungen zu realisieren. Die Hochschule ist auf Kurs, der Jahresabschluss 2025 bestätigt die Wirksamkeit der Stabilisierungsinitiative: Die ZHdK präsentiert mit einem Gewinn von CHF 4.1 Millionen ein positives Jahresergebnis und kann ihre Reserven erhöhen.
Für 2026 rechnet die ZHdK erneut mit einem positiven Ergebnis, während sich das Sparpaket des Bundes und wieder steigende Projektkosten ab 2027 in der Rechnung niederschlagen werden.

Gesellschaftliche Relevanz der Künste
Die ZHdK ist ein Ort, an dem Kunst entsteht, an dem aber auch immer die Gesellschaft hinterfragt und gestaltet wird. Absolventinnen und Absolventen sind qualifiziert, einen relevanten Beitrag für die Gesellschaft zu leisten und begehen vielfältige Wege in- und vor allem ausserhalb der klassischen Kreativwirtschaft. Denn: Nur ein Drittel der Personen in kreativen Berufen – beispielsweise Designer:innen, Autor:innen oder Entwickler:innen – arbeitet in der klassischen Kreativwirtschaft wie in Verlagen, Theatern oder Designbüros. Die grosse, oft übersehene Mehrheit der sogenannten «embedded creatives» ist in kreativen Berufen tätig, aber ausserhalb des Kreativsektors. Der Markt hat den Wert kreativer Kompetenzen längst erkannt. Um dieser Realität Rechnung zu tragen, muss der Begriff der Wertschöpfung neu gedacht werden. Ein Fokus des Jahresberichts widmet sich dem Aspekt der Relevanz der Künste und zeichnet auch nach, wie Studierende ihre spezifischen Profile für die Arbeitswelt von morgen gestalten und unternehmerisches Denken und Handeln entwickeln.

Der Blick auf 2025 zeigt, wie die ZHdK konkrete Perspektiven angesichts der realen gesellschaftlichen Herausforderungen anbietet. «Lehre und Forschung an einer Kunsthochschule bringen Sichtweisen ein, die anderswo fehlen: kritisch, spekulativ, sinnlich, ganzheitlich, zukunftsgerichtet», betont Rektorin Karin Mairitsch in ihrem Vorwort zum Jahresbericht.


Juryauswahl aus 65 eingereichten Arbeiten
Die eigens für diese Ausstellung entstandenen Werke wurden von einer Jury ausgewählt, bestehend aus Mitgliedern der Kommission des Dossiers Nachhaltigkeit der ZHdK sowie des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL). Eingereicht wurden Projekte von Studierenden, Forschenden und Mitarbeitenden der ZHdK.

«Urban Waters» wird im Rahmen des Projekts #hallowasser vom Kanton Zürich gefördert.


Das diesjährige Motto lautet «RESET» – alles auf Anfang: Das Festival bekommt ein neues, festes Datum im September und soll zukünftig immer das neue Theater-Studienjahr an der ZHdK eröffnen. Die Studierenden der Vertiefungen Bühnenbild, Dramaturgie, Regie, Schauspiel, Theaterpädagogik und Film stürzen sich in eine intensive zweiwöchige Probenphase. An den letzten beiden Festivaltagen wird das Erprobte dem Publikum gezeigt: TiaR erlaubt es den Studierenden, in Eigenregie zu experimentieren, zu wagen und auch grandios zu scheitern. Der Erlös kommt vollumfänglich dem «Verein der Theaterfreund:innen der ZHdK» zugute, welcher studentische Projekte und Studierende bei materiellen Schwierigkeiten unterstützt.

Während der Aufführungstage sorgt eine Bar und ein Foodtruck für das leibliche Wohl der Besucher:innen. An TiaR wird gespielt, gesungen, getanzt, aber auch gegessen, getrunken und gefeiert! 
  

Über die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK)
Die ZHdK zählt zu den führenden Kunsthochschulen Europas. Das Studien- und Forschungsprogramm umfasst die Bereiche Art Education, Cultural Critique, Design, Film, Fine Arts, Musik, Tanz, Theater und Transdisziplinarität.


In der nun vertieften Partnerschaft zwischen der Zürcher Hochschule der Künste und dem Opernhaus Zürich begegnen sich zwei prägende Institutionen in einem inspirierenden Austausch. Gemeinsam investieren wir in die Zukunft des Kultur- und Bildungsstandorts Zürich. Unseren Studierenden eröffnen sich dadurch praxisnahe Horizonte zum Lernen, Erproben und Über-sich-hinauswachsen. Mit ihrer Kreativität und ihrem Können werden sie zu Künstler:innen, die die Bühnen von morgen auf höchstem Niveau prägen

Dr. Karin Mairitsch, Rektorin Zürcher Hochschule der Künste

Die Herausforderungen und Chancen unserer Zeit verlangen nach neuen Formen der Zusammenarbeit zwischen Kulturinstitutionen und Ausbildungsstätten. Dadurch entstehen Brücken zwischen Ausbildung und Bühne sowie Räume für Innovation. Unser gemeinsames Ziel mit der ZHdK ist es, die künstlerische Entwicklung junger Talente gezielt zu fördern, neue Formate für ein breites Publikum zu erschliessen und damit einen nachhaltigen Beitrag zur kulturellen Bildung und gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten.

Matthias Schulz, Intendant Opernhaus Zürich

Über die ZHdK

Mit rund 2100 Bachelor- und Masterstudierenden zählt die Zürcher Hochschule der Künste zu den führenden Kunsthochschulen Europas. Das Studien- und Forschungsprogramm umfasst die Bereiche Art Education, Cultural Critique, Design, Film, Fine Arts, Musik, Tanz, Theater und Transdisziplinarität. Zur Hochschule gehören zahlreiche Ausstellungs- und Aufführungsorte, wo die Ergebnisse der Ausbildung öffentlich gemacht werden.


Über die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK)
Die ZHdK zählt zu den führenden Kunsthochschulen Europas. Das Studien- und Forschungsprogramm umfasst die Bereiche Art Education, Cultural Critique, Design, Film, Fine Arts, Musik, Tanz, Theater und Transdisziplinarität. Zur Hochschule gehören zahlreiche Ausstellungs- und Aufführungsorte, wo die Ergebnisse der Ausbildung öffentlich gemacht werden.

Lea Ingber: Du studierst im Master Specialized Music Performance, Solist. Wie sieht dein Tagesablauf aus?

Carter Muller: Jeder Tag ist anders. Ich geniesse diese Freiheit, da ich neugierig bin und jede Gelegenheit nutze, meinen Horizont zu erweitern. Natürlich übe ich täglich am Klavier und habe regelmässig Stunden bei meinem Hauptdozenten Till Fellner. Zudem belege ich Kurse, die mich auf mein Leben als Profimusiker vorbereiten: zum Beispiel wie ich eine Webseite aufbaue oder mich in den sozialen Medien präsentiere.

Du bist schon oft aufgetreten. Gab es ein Highlight?

Mein Bachelorprojekt im vergangenen Juni war wichtig für mich. Ich habe Schuberts «Kreisleriana» mit einer meiner Eigenkompositionen kombiniert. Ich habe dazu mit dem Designstudenten Dominic Rüegg zusammengearbeitet, der das Stück visuell umgesetzt hat. Entstanden ist eine Art immersives Erlebnis. Ich liebe es, zu experimentieren und Neues auszuprobieren.

Wie würdest du deinen Stil umschreiben?

Das mag paradox klingen, doch ich gehe Musik zugleich intellektuell als auch intuitiv an. Für mich ist es wichtig, beide Seiten zu integrieren. Wenn ich spiele, fühle ich mich immer wieder anders, selbst wenn ich dasselbe Stück mehrmals spiele. Das ist das Wunderbare an Musik: Man kann wirklich alles fühlen. Grundsätzlich gibt mir Musik ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit.

Die meisten jungen Menschen interessieren sich nicht für klassische Musik. Klischee oder wahr?

Ich bin vielleicht naiv, aber ich glaube nicht, dass die klassische Musik an Wichtigkeit verlieren wird. Viele Konzerthäuser bemühen sich, ein jugendliches Publikum zu erreichen. Ist die anfängliche Skepsis erst einmal überwunden, entdecken viele, wie verbunden klassische Musik mit ihrer eigenen Musik ist. Sie ist viel zugänglicher, als die meisten glauben. Du entdeckst in jeder Komposition immer wieder Neues und Interessantes.

Was hast du nach dem Studium vor?

Vorläufig will ich weiterstudieren und von anderen Pianist:innen lernen. Mittlerweile werde ich aufgrund meines Spielstils für Konzerte angefragt – darauf bin ich wirklich stolz. Ich hoffe, das geht so weiter und es ergeben sich dauerhafte Verbindungen mit anderen Musiker:innen.

Welches war deine bisher beste Entscheidung?

Mit 17 Jahren nach Zürich zu kommen und hier meinen Bachelor an der ZHdK zu machen. Ich habe viel über die Musik und mich selbst gelernt und bin tollen Menschen begegnet.


Die Einführung des neuen Studienmodells Major-Minor an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) erfordert die weitere Umsetzung eines Sozialplans. Am 12. November 2024 wurde dieser vom Fachhochschulrat genehmigt. Aufgrund des flexibleren Major-Minor-Modells ergeben sich Veränderungen in der Ressourcenplanung für das Lehrpersonal. Voraussichtlich werden 18 Mitarbeitende von Pensenkürzungen betroffen sein, hauptsächlich in Teilpensen aus Modulen, die in der neuen Struktur nicht mehr in der bisherigen Form angeboten werden können. Einige grössere Pensen fallen aufgrund fachlicher oder organisatorischer Neuausrichtungen innerhalb der Studiengänge vollständig weg. Insgesamt betrifft die Reduktion rund 0,3 % der Anstellungen und entspricht in etwa einer Gesamtpensenreduktion von 2,1 % im Lehrpersonal. 
 
Der Sozialplan umfasst Massnahmen wie Abfindungen, vorzeitige Entlassungen aus Altersgründen sowie finanzielle Unterstützung für Weiterbildungen oder Beratungsangebote. Diese sollen die Folgen der Kürzungen für die Betroffenen abfedern. Wo möglich, wurde das neue Studienmodell mit bestehendem Personal umgesetzt, unterstützt durch interne Stellenausschreibungen und das Human-Resources-Team.


An der «Langen Nacht» führen jedes Jahr Studierende aller Fachrichtungen und weitere ZHdK-Angehörige in Sälen, Hallen, auf Treppen und unter freiem Himmel eine Vielfalt musikalischer Werke und Installationen auf. Unterstützt vom Institute for Computer Music and Sound Technology (ICST) und dem Farb-Licht-Zentrum der ZHdK entsteht ein interdisziplinäres Fest der Musik; Livemusik in allen Konzertsälen, Interventionen in den Gängen, Klang- und Lichtinstallationen im Kunstraum und eine Soundperformance über sieben Stockwerke.

«Das Programm der ‹Langen Nacht›, welches nach einem unkuratierten Prinzip entsteht, spiegelt die Vielfalt der an der ZHdK entstehenden Projekte und die genuinen Interessen der Künstler:innen wider. Die Möglichkeit, sich nicht einem Thema anpassen zu müssen oder einem vorgegebenen Diskurs zu entsprechen, eröffnet die Chance, genau das zu zeigen, was dem eigenen Herzen am nächsten ist. So kann das Publikum an der ‹Langen Nacht› von zarten bis extrovertierten, historischen bis zeitgenössischen, klassischen bis experimentellen Konzerten, Performances oder Installationen eine Bandbreite an Projekten entdecken», sagt Magda Drozd, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studio Zeitgenössische Musik der ZHdK.


Wie jedes Jahr lädt die ZHdK die interessierte Öffentlichkeit ins Toni-Areal ein, um die Abschlussarbeiten der Bachelor- und Masterstudierenden zu präsentieren. Neben Live-Performances aus den Bereichen Fine Arts und Transdisziplinarität sowie Musik- und Filmaufführungen, erhalten die Besucher:innen Einblicke in die verschiedenen Disziplinen der ZHdK. Hier einige Highlights der Ausstellung:

Fine Arts

Der Titel der diesjährigen Masterausstellung ist «All Dimensions», er stellt die These auf, dass Kunst niemals nur eine Sache ist und Ausstellungen mehr als eine Lesart bieten. Überzeugen Sie sich selbst davon, es werden Führungen durch die Bachelor- und Master-Ausstellungen angeboten. Im Rahmen der Diplomausstellung finden zudem verschiedene Performances statt: «Its been good. (Gratis)» von Ice Wong Kei Suet und «Laptop Peace with Oblique Casualty» von Lelah Neary sind zwei Performances, die auch an der Vernissage aufgeführt werden.

Design

Bei den Diplomprojekten Bachelor Major des Departements Design stehen in diesem Jahr folgende Themen im Fokus: ökologische Nachhaltigkeit, Identität, digitale Fabrikationstechnologien, Gesundheit, soziokulturelle Trends, Materialforschung, Interaktion und Storytelling. Im Rahmen einer Führung werden ausgewählte Arbeiten aller Fachrichtungen präsentiert. Expert:innen aus Lehre und Forschung führen durch die Ausstellung und erläutern zentrale Ansätze und Fragestellungen. Sie findet am 18. Juni um 16 Uhr statt, Treffpunkt ist der Infopoint in der Eingangshalle. Eine Anmeldung via Eventbrite ist erwünscht.

Film

Rund 30 Diplomand:innen zeigen ihre Filme an der Vernissage ab 18 Uhr im Kino Toni im Toni-Areal. Die Filme «Wie war dein Tag»(Max-Ophüls-Preis, Weltpremiere), «Fitting in» (Visions du Réel) und «Flying Scents» haben es bereits auf die Festivalbühne geschafft und Preise gewonnen. Hier sind alle Trailer der Filme 2025 zu finden und weitere Daten der Diplomfilmscreenings.

Theater

Theateraufführungen wie «Acting Crisis», «Eine Moderne Tragödie» oder «Aus dem Takt» machen die Diplomarbeiten erlebbar. Das Masterprojekt Theaterpädagogik «Aus dem Takt» hat die schulische Normzeit kritisch befragt und in einem Primarschulhaus in Buchs AG einen ZeitRaum installiert. Was gilt als institutionalisierte Normzeit? Wann brauche ich eine Pause und wie erhole ich mich wirklich? Einblicke in das Projekt gibt das Show&Tell-Format am 11. Juni 2025 um 17 Uhr im Schulhaus Risiacher in Buchs.

Transdisziplinarität

Mit Laundromat.86 präsentiert sich der neue Masterstudiengang «Cultural Critique» mit den Programmen aus den Bereichen Curatorial Studies und Kulturpublizistik erstmals gemeinsam zur Diplomausstellung. Der Waschsalon dient dabei als Sinnbild für den Prozess der Schreibarbeit. Sammeln, wählen, schleudern, säubern, glätten, tragen! 6. bis 16. Juni 2025, jeweils Fr., Sa., So. und Mo. von 12 bis 18.30 Uhr, Toni-Areal, Raum 4.T39.

Musik

Junger, frischer, quicklebendiger Jazz – wie das klingt, zeigen unsere Absolvent:innen jährlich an den Finals im Mehrspur. Sie tragen mit ihren Inputs dazu bei, dass sich der Jazz laufend neu erfindet und Vielfalt die Szene belebt. Die Finals-Konzerte vom 14. Mai bis zum 7. Juni spiegeln zeitgenössische Klangwelten und Persönlichkeiten einer neuen Musikgeneration wider. Die Musik der Jazz-Sängerin und Diplomandin Marie Poisson etwa lässt sich als eine Mischung aus groovigem Neo-Soul, eingängigen Melodien und einem Hauch von Jazz beschreiben. Sie ist am 6. Juni 2025 um 22 Uhr im Mehrspur zu sehen.

Mehr Informationen zu den Diplomen und allen Veranstaltungen samt Diplomkonzerten aus dem Departement Musik gibt es unter zhdk.ch/diplome und auf Social Media unter den Hashtags #zhdkdiplome und #zhdkdiplomas.


Der diesjährige Hochschultag im Kino des Campus Toni-Areal wird wieder zur Nacht der Auszeichnungen. Rektorin Karin Mairitsch überreicht am 17. Juni 2025 drei Alumni den Ehrenpreis für deren Beiträge mit hoher gesellschaftlicher Relevanz, dies in Anwesenheit von Dr. Silvia Steiner, Regierungsrätin und Bildungsdirektorin des Kantons Zürich, sowie weiteren Vertreter:innen aus Politik und Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft.

Im Vorprogramm der feierlichen Veranstaltung führen Rundgänge durch die diesjährige Diplomausstellung (5.–20.6.2025) und präsentieren die Abschlussarbeiten aus Art Education, Cultural Critique, Design, Film, Fine Arts, Musik, Tanz, Theater, Transdisziplinarität und Weiterbildung.

Honorary Companion: Thomas Hirschhorn – Installationen für Partizipation und Wandel
Der «Honorary Companion ZHdK» geht an Thomes Hirschhorn. Der Absolvent der damaligen Hochschule für Gestaltung Zürich zählt zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern seiner Generation. In vielschichtigen und komplexen partizipativen Installationen setzt er sich seit vielen Jahren mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinander. Besonders seine Arbeiten im öffentlichen Raum finden grosse Beachtung und regen durch Momente der Partizipation gesellschaftliche Prozesse an.

Companions: Simon Oschwald und Fabian Engel – Design und soziale Verantwortung
Mit dem «Companion ZHdK» würdigt die Hochschule Simon Oschwald und Fabian Engel für ihr Projekt «Circleg». Das Spin-off der ZHdK entwickelt erschwingliche, nachhaltige und hochwertige Prothesen für die unteren Gliedmassen, speziell zugeschnitten auf die Bedürfnisse von amputierten Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die beiden Preisträger nehmen eine wichtige Vorbildrolle ein und zeigen eindrücklich, wie Design und soziale Verantwortung ineinandergreifen können.

Ehrentitel der ZHdK
Die jährlich vergebenen ZHdK-Ehrentitel sind mit keiner finanziellen Zuwendung verbunden. Angehörige der ZHdK können Preisträger:innen vorschlagen. Die Hochschulleitung, beraten von einem Ausschusskomitee, entscheidet über die Vergabe. Die Ehrentitel werden am Hochschultag der ZHdK verliehen. Die Veranstaltung ist nicht öffentlich.

Wir vermitteln Ihnen gern Interviews mit den Ausgezeichneten.



Giulia Adagazza: Wieso hast du dich für Kulturpublizistik entschieden?

Livia Berta: Ich habe bereits eine Lehre als Polygrafin und ein Bachelorstudium in Journalismus und Organisationskommunikation absolviert. Weil ich den Fokus meiner Arbeit in den Kulturbereich verschieben und meine bestehenden Tätigkeitsfelder in der Kommunikation und der Grafik miteinander verknüpfen wollte, entschied ich mich für diesen Master. Und ich wollte auch – so plump es klingen mag – weiterstudieren, um einen Austausch mit anderen zu haben und neuen Input zu erhalten.

Wurden deine Erwartungen bis jetzt erfüllt?

Ja, absolut. Inhaltliche Erwartungen hatte ich keine spezifischen. Ich hatte jedoch sehr gehofft, dass es mich persönlich weiterbringe. Und das tut es. Ich fühle mich gefordert. Zudem bietet das Studium die Möglichkeit, an realen Projekten aus der Praxis mitzuarbeiten, die nicht einfach in einer Schublade verschwinden.

Wie sieht das konkret aus?

Vor Kurzem durfte ich im Rahmen des Semesterprogramms «Transcultural Collaboration» zweieinhalb Monate in Hong Kong und Shanghai verbringen. Das internationale Programm verbindet die ZHdK mit Hochschulen aus Hong Kong, Taiwan, China und Singapur und bringt Studierende aus allen Disziplinen zusammen. Als Kulturpublizistikstudentin begleitete ich die Studierenden und den Entstehungsprozess ihrer Arbeiten, beobachtete von aussen und dokumentierte alles für die Website.

Welches sind deine aktuellen Projekte?

Ich arbeite mit Mitstudierenden und dem Fotomuseum Winterthur an einer Publikation: Mehrere Autoren und Autorinnen reagieren mit literarischen Texten auf Bilder aus der Sammlung des Museums. Wir konnten und können dabei von Anfang bis Schluss Teil der Produktion sein: von der Ideenfindung über die Konzeptausarbeitung, Organisation und Kommunikation bis hin zum eigenen Mitwirken als Autorin.

Was ist «roh» an deinem Schaffen?

Für mich fühlt es sich an, als wäre ich selbst als verletzliche Person das Roheste an meinem Schaffen. Meist steht man im kreativen Prozess ja davor, etwas Persönliches nach aussen zu stülpen. Egal, an welchem Punkt ich mich im Schaffensprozess befinde: Dieses Moment des Sichexponierens stellt für mich das Rohe dar.

Welche Autorin hat dich zuletzt begeistert?

Kate Tempest. Sie schreibt in einem schnellen Rhythmus, was ich sehr gerne mag, und sie zeichnet Bilder mit einer ungewöhnlich scharfen und originellen Beobachtungsgabe.



Caroline Süess: Was ist deine frühste Erinnerung in Zusammenhang mit Handwerk?
Swetlana Heger-Davis: Meine Grossmutter mütterlicherseits schenkte mir eine Puppe, ich muss ungefähr vier gewesen sein. Für diese Puppe nähte sie Kleider mit Knöpfen und Borten. Ich sass dabei und war fasziniert davon, wie etwas aus verschiedenen Materialien durch die Hände entsteht.

Im Handwerk und in der Kunst gibt es viele Parallelen, etwa in den Prozessen, der Ästhetik und der Logistik.

Was ist dein Handwerk?
Als Künstlerin bin ich keine Handwerkerin im klassischen Sinn, aber im konzeptuellen. Ich stelle keine industriellen Erzeugnisse her, sondern Unikate mit Unperfektheiten, Eigenarten und etwas Persönlichem. Im Handwerk und in der Kunst gibt es viele Parallelen, etwa in den Prozessen, der Ästhetik und der Logistik. Viele Kunstwerke entstehen in Auftragsarbeit, zum Beispiel für Museen. Dies ist wie beim Schreiner, der einen Schrank in Auftrag hat, oder bei einer Schneiderin, die ein Kleid für eine Kundin näht. Als Direktorin des Departements Kunst & Medien bin ich eine Managerin, die Wissen, Intuition, Spontaneität und Kreativität beim Problemlösen kombiniert.

Mit welchen Materialien umgibst du dich gerne?
Mit Holz. Ein guter Stuhl aus gutem Holz ist etwas Wunderbares. Aber ich mag auch neue, «digitale» Materialien sehr gerne, zum Beispiel Nanotextilien, die auf Licht reagieren. In der Lounge des Museum für Gestaltung Zürich an der Ausstellungsstrasse habe ich einen skulpturalen Vorhangstoff gesehen, der aussieht wie aus Stein.

Wenn du dich entscheiden müsstest: lieber ein neues, fiktives Bild von van Gogh, vom Computer mithilfe künstlicher Intelligenz gemalt, oder einen van Gogh aus Shenzhen, wie sie im Film «China’s van Goghs» gezeigt werden?
Ich wähle das digitale Bild. Die Kopie interessiert mich nicht. Mich interessiert die neue Technologie, es ist spannend, darüber nachzudenken.

Autonomie ist ein wichtiger Begriff in Richard Sennetts Buch «Handwerk». Inwiefern gehört Autonomie zum Handwerk?
Handwerk ist etwas Autonomes, das von einer persönlichen Idee ausgeht. Es gibt zwei Ebenen: die laienhafte und die professionelle. Das Laienhafte findet in der Freizeit statt, es gibt keine Regeln, dafür mehr Freiheiten, Auftraggeber und Autor sind identisch. Im Professionellen gibt es Regeln. Es geht um eine Einzelanfertigung, darum, etwas Originelles zu schaffen. Es gibt einen Auftraggeber: den Kunden. Ein Beispiel: Als Laie kann ich einen Pullover stricken, der einen roten und einen blauen Ärmel hat, einfach, weil ich es so will. Im professionellen Bereich funktioniert das nicht, wenn der Kunde zwei blaue Ärmel wünscht.

Es ist eine romantische Auffassung, dass man als Künstlerin alles selbst mache.

Im Kontext der zeitgenössischen Kunst ist oft von Autorenschaft die Rede. Wie steht dieses Konzept zu jenem des Handwerks?
In den Künsten spielte die Autorenschaft schon immer eine Rolle – spätestens seit den Medici, die ihre Aufträge an ausgewählte Künstler vergaben. Die Unterschrift bestätigt die Originalität, weist die Autorin oder den Autor aus. Es ist eine romantische Auffassung, dass man als Künstlerin alles selbst mache. Die Unterschrift kann heute als Hinweis auf den Ideengeber, nicht aber auf den Ausführenden verstanden werden. Beim Handwerk spielt der Name keine grosse Rolle, was nicht heisst, dass es nicht Handwerker gibt, die sich einen Namen gemacht haben. Aber ein Handwerksstück kann auch ohne Autor vollkommen sein, man denke an die Shakers: Diese religiöse Gruppe entwickelte Techniken aus der Native American Art weiter und stellte wunderschöne, primitiv anmutende Objekte her, zum Beispiel Körbe mit Nägeln aus Holz. Diese sind heute Sammelstücke.

Erlebt die zeitgenössische Kunst ein Comeback des Handwerklichen?
Das Handwerkliche war schon immer Teil der Kunst, es wird nicht verschwinden, auch wenn das Digitale an Einfluss gewinnt. Um eine Einzelarbeit zu kreieren, greife ich auf verschiedene Medien, Technologien und Handwerke zurück. Ich arbeite sehr oft mit anderen Expertinnen zusammen, mit Schreinern, Glasmacherinnen oder Metallbauern. In Schweden, wo ich die letzten Jahre gelebt habe, gibt es eine sehr lebendige Start-up-Bewegung, die sich auf «customized» und «personalized» Einzelanfertigungen oder limitierte Auflagen spezialisiert hat. Hier sehe ich Parallelen zur Schweiz: Qualität ist wichtig, und man investiert gerne in etwas Dauerhaftes.

An einer Kunsthochschule soll auch vermittelt werden, wie man mit Handwerkerinnen und Handwerkern zusammenarbeitet.

Wo an der ZHdK kann man Handwerkerinnen bei der Arbeit beobachten?
In den Werkstätten! Aber auch im Tanz oder in der Musik. Die Arbeitsorte der visuellen Künstlerinnen und Künstler gleichen hingegen mehr Labors als Werkstätten.

Welcher Typus ist an einer Kunsthochschule ebenso wichtig wie der Handwerker?
Die Denkerin – beide sind gleich wichtig. Es gibt die Idee und die Umsetzung derselben, aber Letztere muss nicht immer vom Künstler selbst stammen. Wir können nicht Experten in allem sein. Früher habe ich alles selbst gemacht – man lernt viel dabei, aber man scheitert halt auch oft. Es ist schön, wenn man sich Unterstützung leisten kann.

Was soll eine Kunsthochschule den Studierenden in Bezug auf Handwerk vermitteln?
Drei Sachen: die Basis eines Handwerks, Materialkunde und das Netzwerk. Als Künstlerin verwendet man oft Verfahren, die nichts mit klassischen künstlerischen Techniken zu tun haben. Dazu arbeitet man mit Handwerkern zusammen, mit Autolackierern oder Werbeschildspezialistinnen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese sich sehr gerne auf künstlerische Projekte einlassen. An einer Kunsthochschule soll auch vermittelt werden, wie man mit Handwerkerinnen und Handwerkern zusammenarbeitet.
Eine handwerkliche Aufgabe, die ich meinen Studierenden sehr oft gestellt habe, ist, ein fertiges Kunstwerk zu analysieren. Wie würden sie vorgehen, um es zu reproduzieren? Dabei lernen sie sehr viel.

Ein einzeln angefertigtes Objekt hat seinen berechtigten Preis. Trotzdem geben die meisten Leute eher Geld für eine Tasche aus als für ein Kunstwerk.

Die Grundlage eines Handwerks war schon immer ein Markt. Gilt das auch für die Kunst?
Zwischen Kunst und Handwerk gibt es viele Parallelen. Man denke an die Geschichte des Porzellans aus China oder der holländischen Tulpen: Das waren Währungen. Man erzeugt ein Luxusgut – das ist Kunst auch – und eröffnet sich damit einen Markt. Die Preise für Kunst mögen erstaunen, die für eine Birkin Bag von Hermès auch. Doch wenn man weiss, wie diese von verschiedenen Arbeiterinnen in vielen Stunden Handarbeit und mit grosser Liebe zum Detail hergestellt wird, versteht man den Preis. Dies gilt auch für die Kunst. Ein einzeln angefertigtes Objekt hat seinen berechtigten Preis. Trotzdem geben die meisten Leute eher Geld für eine Tasche aus als für ein Kunstwerk. Die Tasche sehen sie wohl eher als Anlage. Letztlich geht es um «Objects of Desire» – so auch der Titel einer meiner frühen Arbeiten.

Worum ging es dabei?
Es war eine Auftragsarbeit für ein Museum: eine lackierte Holzplattform, die man während der Dauer der Ausstellung mieten konnte. Aus den Einnahmen kaufte ich Objekte – Möbel und Kunstwerke – von Freundinnen und Freunden. Eigentlich wollte ich sie für mich, für mein Zuhause – aber schliesslich kaufte jemand meine gesamte Arbeit «Objects of Desire». Das wäre eigentlich auch ein guter Titel für dieses Interview.


Martina Egli: Wieso hast du dich für Curatorial Studies entschieden?
Ugo Pecoraio: Als Designer habe ich mir schon immer die Frage gestellt, wie man eine Arbeit am besten vermittelt, inszeniert und ausstellt. Die aktuelle Krise hat die diesbezüglichen Schwächen der Museen und Ausstellungshäuser offengelegt, aber auch Chancen aufgezeigt. Welchen Weg die Institutionen auch wählen, sie müssen sich anpassen, um nicht aus unserem Leben zu verschwinden. Während meines Studiums möchte ich Möglichkeitsräume reflektieren, im Dialog neue Ansätze entwickeln und diese vielleicht sogar erproben.

Welches sind deine aktuellen Projekte?
Ugo Pecoraio: Über alle meine Projekte hinweg beschäftige ich mich mit der Frage, wie man die Zukunft des Ausstellens neu gestalten könnte. Welche Möglichkeiten bieten scheinbar endlose virtuelle Räume? Welchen Einfluss hat die Digitalität auf die Museen, die Ausstellungshäuser und die Kunst der Zukunft? Und wie gelingt es uns, Ausstellungen zu realisieren, die nicht nur mit den Mitteln der Kunst vor dem Klimawandel warnen, sondern mit klimaneutralen Ausstellungsformaten selbst aktiv die Gestaltung unserer Zukunft in die Hand nehmen?

Brauchen wir Kunst? Und wenn ja, warum?
Kunst ist unabdingbar für die Gesellschaft! Kunstschaffende beschäftigen sich mit den kritischen Fragen unserer Zeit und helfen uns dabei, über die Gegenwart nachzudenken. Dass Kunst in Zukunft noch immer primär an Wänden hängen wird, bezweifle ich allerdings. Vielleicht haben wir bald eine Sammlung auf unserem Smartphone oder tragen digitale Kunstwerke auf einem Datenträger mit uns. Tendenzen in diese Richtung zeigen aktuell die NFTs, die Non-Fungible Tokens, auf dem Kryptomarkt. Ob Kryptokunst die Zukunft des Kunstmarktes sein wird oder nur ein Hype, wird sich wohl erst zeigen.

Wer oder was verdient es, dass wir genauer hinhören?
Unsere Zukunft. Um auf der Erde eine lebenswerte Zukunft zu haben, ist Handeln unabdingbar. In der Kunst haben wir noch einiges aufzuholen. Nach wie vor gibt es zahlreiche Museen, die mit Blockbusterausstellungen zu regelrechten Energieschleudern werden.


Diese Nacht verwandelte sich die Baustelle des «Haus zum Falken» am Bahnhof Stadelhofen zu einem Schauplatz der Kunstinszenierung. Nachdem das letzte Tram durchgefahren war, wurde die Falkenstrasse kurz nach Mitternacht abgesperrt und die Kunstwerke der drei Studierenden im 70 Meter langen und 3 Meter hohen Schutztunnel umgesetzt. 

Ausschreibung an der Zürcher Hochschule der Künste 
Das Kunstprojekt wurde in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) realisiert. Studierende aus allen Jahrgängen des Departements Fine Arts der ZHdK konnten ihre Konzeptideen einreichen. Unter dem Motto «See you in 2124 – Artistic Perspectives on Future Zurich» sind acht Projekte eingegangen. Aus diesen hat eine Jury, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der VBZ, Vereinigung Stadelhofen und der AXA, drei Projekte ausgewählt. «Unsere Studierenden verfolgen visionäre Kunstprojekte und beschäftigen sich auch im Studium mit der Rolle der Kunst in der Gesellschaft. Dabei lernen sie, ihre Ideen nach aussen zu tragen und in Dialog mit einem Publikum zu treten. Das ‹Kunst am Bau›-Projekt ist eine ausgezeichnete Möglichkeit für die Studierenden, die Zürcher Bevölkerung anzusprechen und hoffentlich auch anzuregen», so Swetlana Heger, Leiterin des Departments Fine Arts. 

Schutztunnel wird zum «Museum»
Die drei Kunstwerke werten ab sofort den Schutztunnel entlang der Baustelle des «Haus zum Falken» auf. «Wir möchten den Leuten aus und im Quartier etwas zurückgeben und sie auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause neugierig machen», so Jan Kalt, Projektverantwortlicher bei den AXA Investment Managers. Silvia Behofsits, Leiterin Unternehmenskommunikation der Verkehrsbetriebe Zürich VBZ ergänzt: «Mit dem Kunstprojekt verwandeln wir die Fahrt durch den Schutztunnel zu einem faszinierenden Ereignis, welches nur aus den VBZ-Trams oder der Forchbahn erlebt werden kann.» Eine Anforderung an die Studierenden war deshalb, dass ihre Projekte in voller Fahrt erfassbar sein sollen. 

Vision von Zürich in 100 Jahren
Ein Thema – drei unterschiedliche künstlerische Interpretationen von «See you in 2124»: Der Studierende Lorenzo Aloisi hat sein Projekt mittels ChatGPT umgesetzt. Getreu dem Ansatz, dass niemand die Zukunft voraussehen, aber jeder sie mitgestalten kann, hat er mit Hilfe von OpenAI 25 Wünsche und Hoffnungen eingefangen und im binären Alphabet in Schwarz und Weiss wiedergegeben. Das entstehende Muster widerspiegelt die Visionen eines vielfältigen Zürichs in hundert Jahren. Wer die binären Codes lesen kann, kann auch die Botschaften dahinter entschlüsseln. 

Die Studierende Zoé Kendall hat ihre Interpretation des zukünftigen Zürichs mittels Photoshop-Collagen erstellt. Inspiriert von Architekturzeichnungen und Illustrationen verwendet sie insbesondere Bilder des zeitgenössischen Zürichs und der Architektur rund um die Stadt. Gleichzeitig möchte sie mit Bildern der «Seegfrörni» von 1962/1963 anregen, sich über die Klimakrise und das Klima im zukünftigen Zürich Gedanken zu machen. 

Das dritte Siegerprojekt stammt von Moritz Becker, der mit seinem Werk innovative Kontraste setzen möchte, um nicht in der Tradition zu verharren. In seiner naturalistisch angelehnten Darstellung schafft er Interaktionsräume, die verschiedene soziale Schichten und Milieus zusammenbringen, um Kommunikation und gegenseitige Wertschätzung zu fördern und sozialer Segregation entgegenzuwirken. 

«Wir sind erfreut und beeindruckt, wie sich die Studierenden mit dem Thema auseinandergesetzt haben und so dieses Kunstprojekt ermöglichten», so Jan Kalt. Der Tunnel bleibt noch bis im Sommer 2025 bestehen und wird vorbeifahrenden Trampassagierinnen und -passagieren bis dahin als temporären Kunstraum dienen. 

Das «Haus zum Falken»: Es geht in die Höhe 
Nach der Grundsteinlegung vergangenen Herbst in 12 Metern Tiefe ist man zwischenzeitlich auf dem Niveau des 3. Obergeschosses angelangt. Bis Ende September ist der Rohbau abgeschlossen und das Gebäude von aussen erstmals als solches erkennbar. Ab Spätherbst 2024 beginnt die Montage der Glasfassade. Bis Ende 2025 wird der Neubau des «Haus zum Falken», dessen Umbau in den Händen des international renommierten Architekten Santiago Calatrava liegt, fertiggestellt und bezugsbereit sein. Ebenso die Velostation mit den rund 800 Abstellplätzen, welche im Auftrag der Stadt Zürich im Untergeschoss des Gebäudes auf drei Etagen und mit direktem Zugang zur Bahnhofspassage und den Gleisen erstellt wird.


Heute nehmen 711 Studierende ihr Studium an der ZHdK im Toni-Areal und in der Gessnerallee auf, davon 352 Bachelor- und 359 Masterstudierende im letzten Herbst etappenweise eingeführten Major-Minor-Studienmodell. Von ihnen haben sich 265 für einen Studiengang im Bereich Musik immatrikuliert, 148 in Design, 86 in Fine Arts, 112 in Kulturanalysen und Vermittlung sowie 100 in den Darstellenden Künsten und Film.

Insgesamt studieren an der ZHdK 2158 Personen. Die Studierendenzahl ist gegenüber den letzten Jahren konstant geblieben. An der ZHdK gilt ein Numerus clausus; Studieninteressierte durchlaufen vorgängig ein strenges Zulassungsverfahren.


Im Gegensatz zu traditionellen Bildungssystemen folgt die School of Commons keinem festen Lehrplan. Stattdessen werden Inhalte, Methoden und Ausrichtungen durch das kollektive Wissen, die Zusammenarbeit und die Neugier der Teilnehmenden bestimmt. Dieses innovative Bildungsmodell fördert einen kollaborativen Geist, der kontinuierliche Wissensexploration und den Austausch von Ideen ermöglicht. 
 
Die Projekte innerhalb des SoC-Programms zeichnen sich durch ihre Vielfalt in Themen und Herangehensweisen aus. In den vergangenen acht Jahren wurden zahlreiche Projekte erfolgreich umgesetzt, darunter der Schutz des Flusses Vjosa in Albanien sowie die Gründung der ersten unabhängigen Zeitung im Kosovo. Themen wie lebenslanges Lernen, kollektive Intelligenz nach Naturkatastrophen und feministische Datenkompetenz zeugen von der Breite und Relevanz der Projekte. 
 
Vielfalt der Projekte und Peer-Learning
Ein wesentliches Element der SoC ist das Peer-Learning, das kollaboratives Lernen in den Mittelpunkt stellt. Der Austausch von Wissen, Erfahrungen und Perspektiven ermöglicht es den Teilnehmenden, ein tiefes Verständnis für andere Ansätze zu entwickeln und ihre eigenen Projekte weiterzuentwickeln. Dieser Ansatz fördert nicht nur kritisches Denken, sondern auch soziale und interkulturelle Kompetenzen. 
Ab Herbst 2024 bietet die SoC ihren Studierenden die Möglichkeit, ECTS-Punkte zu erwerben. Jedes Jahr werden im Schnitt 16 bis 20 Projekte von 30 bis 40 Teilnehmenden durchgeführt. Die Auswahl erfolgt durch eine jährlich wechselnde Peer-Jury in einem zweistufigen, anonymen Verfahren. Studierende bewerben sich mit einem eigenen Projektvorschlag, der die Grundlage ihrer Teilnahme bildet. 
 
Neuer Digitaler Raum
In den jährlich stattfindenden «Kitchen Sessions» können die Teilnehmenden ihre Projekte in einem informellen Rahmen vorstellen, offene Fragen diskutieren und Unsicherheiten teilen. Diese Sessions fördern eine Kultur des Verlernens und des dynamischen Austauschs. Auf der neu lancierten Webseite der School of Commons, ihrem «digital garden», steht das stetig wachsende Archiv des «Ways & Workings»-Verzeichnisses als Ressource zur Verfügung. Dieses digitale Ökosystem bietet einen gemeinsamen Raum für die kollaborative Erforschung und Verbesserung von Infrastrukturen, die Peer-Learning und gemeinschaftliches Arbeiten fördern.   
 
Open Call
Die School of Commons sucht nach individuellen und kollektiven Projekten, die die SoC-Lernumgebung von April 2025 bis Februar 2026 gestalten. Für 2025 werden 16 geförderte Projekte ausgewählt: Acht von Studierenden und Teammitgliedern, die derzeit an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) als Studierende oder Mitarbeitende eingeschrieben sind, und acht Projekte ausserhalb der ZHdK. Jedes der 16 Projekte erhält ein Gesamtbudget von CHF 1'500 sowie Zugang zu Publikationsmöglichkeiten, Unterkunft in Zürich während des Halbjahrestreffens, Mentor:innen/Referent:innen, Workshops über alternative Wege und Arbeitsweisen, Peer-Learning, Kooperationen und mehr. Am Mittwoch, den 16. Oktober 2024, findet von 16 bis 17.30 Uhr über ZOOM eine Q+A-Session zum Open Call statt. Hier können sich Interessierte anmelden.

Wir vermitteln Ihnen gern Gespräche mit den verantwortlichen Personen.


Die deutschen Filmhochschulen (Deutsche Film‐ und Fernsehakademie Berlin, Filmakademie Baden‐Württemberg, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, Hamburg Media School, Hochschule für Fernsehen und Film München, ifs Internationale Filmschule Köln, Kunsthochschule für Medien Köln) sowie die Filmakademie Wien, die Zürcher Hochschule der Künste und die Hochschule Luzern – Design Film Kunst fordern eindringlich, die Eigenständigkeit des deutschsprachigen Kulturkanals 3sat zu erhalten.

Grundsätzlich begrüssen die Filmhochschulen notwendige Reformen zur Weiterentwicklung des öffentlich‐rechtlichen Rundfunks mit Blick auf die Akzeptanzsteigerung in weiten Teilen der Gesellschaft – gerade bei jüngeren Zielgruppen. Eine Fusion von 3sat mit ARTE würde das ohnehin begrenzte Kulturangebot jedoch massiv schwächen. Die erwähnten Filmhochschulen machen sich stark für 3sat als Plattform für kritische Debatten, als Bühne für kreative Vielfalt und als Stimme der europäischen Kultur.


Die Ausstellung «The Red Herring», angelehnt an die englische Redewendung für eine falsche oder irreführende Fährte, spielt mit Ablenkung, vor allem aber mit Mehrdeutigkeit und den Erwartungen gegenüber zeitgenössischer Kunst und dem historischen Geburtsort von Dada im Cabaret Voltaire. Dieser Ort wird täglich von Tourist:innen, der Kunstszene und zufällig Vorbeikommenden besucht – einige hoffen, dort Schätze aus dem letzten Jahrhundert zu entdecken. Die Spuren der dort Ausstellenden lenken bewusst von geradlinigen Interpretationen ab, führen aber stets zurück zu Dada, zur Geschichte des Ortes, zu ihren eigenen künstlerischen Konzepten, die mit der Idee einer Kunstkneipe verknüpft sind: 1916 wurde das Cabaret Voltaire im oberen Stockwerk gegründet, bekannt als Holländerstübli der holländischen Meierei, ein Treffpunkt, an dem Bier und Wein angeboten wurden und wo der alte Seemann Jan Ephraim gelegentlich Fisch servierte. Schon damals stand dieser Ort für Internationalität und Vielfalt. Die heutige «Künstler*innenkneipe» versucht, diese Tradition zu erweitern, indem sie zeitgenössische Praktiken und Fragen einbezieht.

Camille Lütjens, Carlo Travaglia, Elena Barmpa, Laura Nan, Stéphane Nabil Petitmermet und Ice Wong Kei Suet absolvieren derzeit ihren Master in Fine Arts an der ZHdK. Auch die Dadaist:innen selbst waren Anfang zwanzig, als sie das Cabaret Voltaire gründeten – einige noch Studierende, während andere, wie Sophie Taeuber-Arp, schon an der heutigen ZHdK tätig waren. In ihrem Bestreben, Künstler:innen am Anfang ihrer Karriere neben etablierten und historischen Figuren zu integrieren, hat das Cabaret Voltaire diese sechs aufstrebenden Kunstschaffenden eingeladen, gemeinsam die «Künstler*innenkneipe» zu bespielen und durch ihre individuellen Praktiken neu zu interpretieren.


Malerei und Fotografie, Keramik und Skulptur: Für die vierte «Winter Auction» haben 25 Fine-Arts-Studierende der ZHdK Kunstwerke zur Verfügung gestellt, die in Zusammenarbeit mit der Fondation ZHdK ab dem 25. November 2024 in einer Ausstellung im Toni-Areal besichtigt (die Vernissage startet um 17 Uhr) und bis zum 1. Dezember 2024 online ersteigert werden können. Rund 60 junge Kunstschaffende haben sich für die Teilnahme beworben, eine Jury hat eine Auswahl von Werken getroffen. Diese setzen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen aus dem Alltag der jungen Kunstschaffenden auseinander. Der Erlös geht je zur Hälfte an die Kunstschaffenden und an den Solidaritätsfonds der Fondation ZHdK, die damit ZHdK-Studierende in finanzieller Not unterstützt.
> Online-Auktion von Montag, 25.11.2024, ab 17 Uhr (Vernissage vor Ort) bis Sonntag, 1.12.2024, um 20 Uhr unter auction.zhdk.ch (die Webseite wird bis zum 18.11.2024 mit den diesjährigen Werken aktualisiert und für die Auktion bereitgestellt)
> Ausstellung der Werke im Toni-Areal, Nordraum (3.T01), Pfingstweidstrasse 96, Zürich, 26.11.–5.12.2024, 12 bis 20 Uhr
> Mehr Informationen unter zhdk.ch/winter-auction-fine-arts

Aus dem ZHdK-Kosmos: Innovatives Design online …
In den Studios von Alumni und Mitarbeitenden entstehen zahlreiche Designprodukte, die durch Ästhetik, Mehrwert im Alltag, textile Raffinesse oder innovative Konzepte bestechen. Der «Design Market» des Departements Design fungiert als Online-Plattform für solche Produkte und legt den Fokus der Selektion und der Studiopräsentationen auf nachhaltigen Produktionsweisen und eigenständigen Designprozessen.
> zum Design Market online auf design.zhdk.ch/design-market/

… und facettenreicher Kunstmarkt im Musikklub
Wieder findet der vorweihnachtliche Kunstmarkt im Musikklub Mehrspur statt, mit Selbstgemachtem aus unterschiedlichen Disziplinen, von Malereien und Fotografien über Karten und Drucken bis zu Schmuck und Accessoires.
> Kunstmarkt im Musikklub Mehrspur am Samstag, 7.12.2024, von 14 bis 22 Uhr. Toni-Areal, Förrlibuckstrasse 109, Zürich | mehr dazu

Wissen schenken
Sich mit aktuellen Themen auseinandersetzen, Wissen auffrischen, neue Inspiration finden: Die «Winter School» der ZHdK lädt vom 30. Januar bis 9. Februar 2025 dazu ein, sich in den Künsten, im Design oder in der Vermittlung weiterzubilden. Kompakte und oft interdisziplinäre Bausteine bieten praxisnahe Impulse von erfahrenen Dozierenden und die Möglichkeit zum Austausch. Die Themen reichen von Transformation und Technologie über das eigene Auftreten und mentale Strategien bis hin zu Gestaltung und Kreativität. Anmeldeschluss ist der 3. Januar 2025.
> zu den «Winter School»-Kursen auf zhdk.ch/sws

Viel mehr als Plakate und Ausstellungskataloge
Das Museum für Gestaltung zeigt experimentierfreudige Projekte und bezieht zu aktuellen Debatten in Design und Gesellschaft Stellung. Die Museumsshops im Toni-Areal und an der Ausstellungsstrasse 60 widerspiegeln all diese Aktivitäten und bieten ein sorgfältig kuratiertes Sortiment: von Accessoires und Inneneinrichtung über Literatur und Kunsthandwerk bis zu geistreichen Trouvaillen für jedes Alter.
> beide Shops geöffnet Di–So 10–17 Uhr, Do 10–20 Uhr, Mo geschlossen | mehr dazu


Die Schweiz gehört zu den wasserreichsten Ländern Europas, Zürich mit seinem klaren See und den belebenden Flüssen mag auf den ersten Blick ein kleines ökologisches Paradies sein. Doch selbst hier tangieren immer wieder Wetterereignisse wie Überschwemmungen und Trockenheit die Alltagsroutine der Bevölkerung, Themen wie Klimawandel, Verschmutzung und Wasserknappheit betreffen auch unsere lokalen Gewässer. Wasser ist die Essenz allen Lebens, es speist unsere Städte und verbindet seit jeher die Menschen. Doch was passiert, wenn wir Wasser nicht nur als Ressource sehen, sondern als kulturelles Gut?

Diesen Aspekten widmet sich «Urban Waters» (1.–23.2.2025), welches das Zürcher Strandbad Tiefenbrunnen in einen Ort der Begegnung, Erfahrung und Reflexion verwandelt. Interessierte entdecken durch Kunstinstallationen, Performances und Workshops die facettenreiche Bedeutung des Elements Wasser in der Stadt und im globalen Kontext. Die Ausstellung mit zehn Arbeiten wird durch ein vielseitiges Rahmenprogramm mit 19 Veranstaltungen ergänzt.

So klingt der Zürichsee
«Urban Waters» setzt dabei auf die Kraft der Künste. Denn sie bieten einen direkten Zugang zu unseren Emotionen und Sinnen, fordern und inspirieren, laden ein, eigene Erfahrungen zu machen und neue Perspektiven zu erschliessen.

Beispielsweise spürt die chilenische Mapuche-Künstlerin Neyen Pailamilla mit der Video-Performance «Where Does the Dream Begin?» der spirituellen Verbindung zwischen Mensch und Fluss nach. Der meditative Audiowalk «SeeCode» von Diana Fry übersetzt indes die unsichtbare Klangwelt des Zürichsees in eine poetische Sprache – Besuchende werden eingeladen, das Wasser zu hören, zu fühlen und es als lebendigen Akteur wahrzunehmen und nicht als blosse Kulisse.

In Projekten wie «Fussbad für alle» von Julia Weber und Mayumi Arai wird das Strandbad Tiefenbrunnen in einen Raum verwandelt, in dem Seewasser als Ressource für Fürsorge und Solidarität erfahren wird.

Juryauswahl aus 65 eingereichten Kunstprojekten
Die eigens für diese Ausstellung entstandenen Arbeiten wurden von einer Jury, bestehend aus Mitgliedern der Kommission des Dossiers Nachhaltigkeit der ZHdK, des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft AWEL und des Sportamts der Stadt Zürich, ausgewählt. Eingaben wurden von Studierenden, Forschenden und Mitarbeitenden der ZHdK gemacht. 

«Urban Waters» wird im Rahmen des Projekts #hallowasser vom Kanton Zürich gefördert. hallowasser.ch

Vertiefung im Museum für Gestaltung
Das Thema Wasser gibt auch im Museum für Gestaltung mit seiner Ausstellung «Wasser. Gestaltung für die Zukunft» (bis 6.4.2025) den Ton an. Zudem zeigt das Museum in der Eingangshalle des Toni-Areals mit «Jeder Tropfen zählt! Wasser im Plakat» (28.1.–30.3.2025) gestalterische Highlights, die mit dem blauen Element spielen.
Ein Besuch im Frühjahr bietet sich besonders an – am 22. März ist Weltwassertag.


Die Einführung der Berufsmaturität eröffnet den Absolvent:innen der taZ – die zur Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) gehört – neue Bildungs- und Karriereperspektiven: Mit der Berufsmaturität ist der Zugang zu Fachhochschulen sowie mit einer Passerelle das Erlangen der Eidgenössischen Matura möglich. Die Einführung der Berufsmaturität 1 ARTE unterstreicht das Bestreben der Tanz Akademie Zürich, ihren Schüler:innen nicht nur eine exzellente tänzerische Ausbildung zu bieten, sondern auch die beruflichen Perspektiven durch eine hochstehende schulische Qualifikation zu erweitern.

Jason Beechey, Head of Dance der ZHdK, sagt: «Dieses neue Angebot ist ein entscheidender Schritt, um die professionelle Tanzbildung in der Schweiz weiter zu stärken. Es bietet jungen Talenten die Möglichkeit, ihre tänzerische Ausbildung mit einer hochstehenden akademischen Qualifikation zu verbinden, und öffnet so Türen zu weiterführenden Bildungswegen und beruflichen Perspektiven.»

Berufsbegleitende Ausbildung in der Berufsmaturität 1
Die Berufsmaturität 1 ARTE wird berufsbegleitend während der vierjährigen Berufslehre in der taZ erworben. Der Unterricht an der Berufsmaturitätsschule Zürich (BMZ) findet jeweils an zwei Nachmittagen, mittwochs und freitags, statt. Die Berufsmatura 1 richtet sich an alle, die eine fundierte tänzerische Ausbildung mit der bestmöglichen schulischen Grundlage kombinieren möchten.

Zugangsvoraussetzungen und Aufnahmeprüfung
Die Zulassung zur Berufsmaturität 1 ARTE setzt das Bestehen der Kantonalen Zentralen Aufnahmeprüfung (ZAP) voraus. Diese findet im März 2025 statt, wobei die Prüfungsanmeldung zwischen dem 1. Januar und dem 5. Februar 2025 möglich ist. Die Vorbereitung auf die ZAP erfolgt durch Sekundarschulen und private Anbieter. Die Prüfungen sowie der Unterricht sind in deutscher Sprache.

Flexibilität im Ausbildungsweg
Sollte ein:e Schüler:in die Aufnahmeprüfung oder spätere BM-Prüfungen nicht bestehen, wird der Lehrvertrag für die Berufslehre Bühnentanz nicht gefährdet. In diesem Fall erfolgt der Abschluss der Lehre mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ohne Berufsmaturität.

Weitere Informationen zur Berufsmaturität 1 ARTE und zur Anmeldung zur Aufnahmeprüfung sind unter www.zhdk.ch/taz verfügbar. Gerne arrangieren wir für Sie ein Hintergrundgespräch mit Jason Beechey.


Aufgrund ihrer der Schokolade nicht unähnlichen Form werden sie umgangssprachlich «Toblerone» genannt: Panzersperren sind zahlreich in der Schweizer Landschaft zu finden. Unter der offiziellen Bezeichnung «Geländepanzerhindernisse» wurden diese Sperrriegel hauptsächlich während des Zweiten Weltkrieges als Verteidigungsanlagen gegen einen möglichen Angriff aus Deutschland errichtet. Seit den 1990er Jahren haben sie militärisch gesehen allerdings keine Bedeutung mehr und werden grösstenteils zivil genutzt.

Etwa, wenn einzelne Höcker Teil von Privatgärten werden, Panzersperren als ökologische Verbindungskorridore für vom Aussterben bedrohte Amphibien gelten, «Toblerone» aus Beton zu Kinderspielplätzen mutieren oder von Künstler:innen als Land Art in Szene gesetzt werden. Die Panzersperren werden als kulturelles Erbe die Geschichte überdauern. Wie etwa der «Sentiers des Toblerones», ein 17 Kilometer langer Lehrpfad vom Jurafuss bis zum Genfersee.

Ausstellung in Aarau
Wie sich der Bedeutungswandel der Objekte seit der militärischen Obsoleszenz vollzogen hat und weiter vollzieht, untersucht das ethnografisch-künstlerische und vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierte Forschungsprojekt «Materialisierte Erinnerungen (in) der Landschaft» (2019–2023) der Zürcher Hochschule der Künste (Forschungsschwerpunkt Kulturanalyse in den Künsten, ZHdK). Die Forschungsergebnisse sind nun im Rahmen einer Ausstellung im Forum Schlossplatz in Aarau zu sehen. Mit einem Blick in die Vergangenheit und angereichert mit künstlerischen Positionen soll über die gegenwärtige und zukünftige Bedeutung dieser Relikte nachgedacht und diskutiert werden. Zur Ausstellung findet ein vielseitiges Rahmenprogramm statt.

Die Ausstellung ist in verschiedene Kapitel gegliedert, in denen das Objekt aus historischer, aber auch künstlerischer Perspektive behandelt wird. Zudem leiten multiperspektivische Hörstationen die Besucher:innen durch die Räume. Diese bringen unterschiedliche Stimmen aus der Bevölkerung miteinander ins Gespräch.

Gerne arrangieren wir individuelle Medienrundgänge mit den Ausstellungsmachern und Verantwortlichen des Forschungsprojektes Sønke Gau und Simon Graf oder der Co-Kuratorin der Ausstellung, Barbara Ruf (Forum Schlossplatz).


Das Zusammenspiel zwischen Filmenden und Gefilmten ist komplex, verläuft nicht immer reibungslos und dennoch, wenn es passt, ist dies nicht selten der Anfang eines aussergewöhnlichen Films. Aber wer steht da eigentlich vor der Kamera? Sind es Teilnehmer:innen, Mitwirkende, Partner:innen? Oder sind es doch eher Figuren, Protagonist:innen, die erst im Schnittprozess geformt werden? 

An der Tagung ZDOK.25 werden Fragen wie diese von Filmenden, Gefilmten und Forschenden erörtert: Wie gehen wir mit ­den gefilmten Personen um? Wie viel Mitspracherecht haben sie? Kümmern wir uns noch um sie, wenn der Film fertiggestellt ist?

Einige Highlights der Tagung

  • Der mit dem Prix de Soleure soeben erst ausgezeichnete Dokumentarfilm «Immortals» fängt im Nachgang der Revolution von 2019 die Stimmen einer irakischen Jugend ein, die für eine bessere Zukunft kämpft (CH-Filmstart 24. April 2025). Am Donnerstag, 20. März, um 16.30 Uhr findet dazu der Beitrag «Partizipatives Erzählen im Dokumentarfilm» mit der Regisseurin Maja Tschumi und ihrer Protagonistin Milo statt.
  • Der viel beachtete Film «Die Anhörung» (u.a. Schweizer Filmpreis 2024) gibt Einblick in die heikle Anhörungssituation von Asylverfahren und stellt diese dabei selbst in Frage. Am Donnerstag, 20. März,um 14.30 Uhr macht der Beitrag «Mein Gegenüber» die vielschichtigen Prozesse hinter diesem Film sichtbar, von Lisa Gerig mit Living Smile Vidya.
  • Wie sieht das Leben einer vom FBI gesuchten Hackerin aus, deren Aktivismus globale Wellen schlägt? Die Antwort darauf wird ein Film geben, der momentan noch entwickelt wird. Die Hackerin und Protagonistin Maia Arson Crimew aka «Tiny Kitten» und das Filmemacherinnen-Team Marisa Meier, Luisa Ricar und Franziska Sonder geben am Freitag, 21. März, um 13.30 Uhr «Einblicke in die partizipative Entstehung von TINY KITTEN VS 2NARY SYSTEM».
  • Rand Beirutys Kurzfilm «Shadows» spielt auf einem überfüllten Flughafen. Hier kämpft Ahlam, eine 14-jährige Mutter auf der Flucht, gegen die lauernden Schatten, die versuchen, ihr den einzigen Traum zu stehlen, der sie befreien wird. Die wahre Geschichte von Ahlam, einer Teenagermutter, die aus dem Irak geflohen ist, angetrieben von dem Wunsch nach Freiheit. 

Mehr Informationen zur Tagung und zum Programm. Neben den Filmemachenden werden auch die jeweiligen Protagonist:innen anwesend sein. 

Die Zürcher Dokumentarfilmtagung ist eine Veranstaltung des Institute for the Performing Arts and Film in Zusammenarbeit mit der Fachrichtung Film der ZHdK. Die Tagung wird unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF), der Stiftung Weiterbildung Film und Audiovision FOCAL und SRF Dok, dem Bereich Dokumentarfilm und Reportage des Schweizer Fernsehens. 

Tickets im Vorverkauf bis am 13. März um 12 Uhr: Eventfrog.
Für Presseakkreditierungen wenden sie sich bitte an zdok.info@zhdk.ch.


Giulia Adagazza: What are your current projects?
Livia Berta: I am working with fellow students and the Fotomuseum Winterthur on a publication: it includes the literary responses of several authors to pictures from the museum’s collection. We are part of the production process from start to finish: from brainstorming, concept development, organisation and communication to our own involvement as authors.

What is “raw” about your work?
For me it feels as if I, as a vulnerable person, am the rawest part of my work. The  creative process usually means turning something personal outward. Wherever I am in the creative process, this exposure is the raw part.


Toni-Areal: von der Grossmolkerei zur renommierten Kunsthochschule
Der heutige Herbst-Semesterstart ist der zehnte seit der Einweihung des Toni-Areals 2014. Grund genug, einen Blick zurückzuwerfen. In die Zeiten der Toni-Molkerei etwa – bis zu 1’000’000 Liter Milch pro Tag setzte der grösste Milchverarbeitungsbetrieb Europas um, der unter anderem den britischen Thronfolger Prinz Charles zum Besuch empfing und 1999 nach 22 Jahren Betrieb geschlossen wurde. Auf der anlässlich des Jubiläums eingerichteten Webseite finden sich auch Impressionen zum darauf folgenden Umbau, der 220 Firmen involvierte und zu Spitzenzeiten 1200 Personen gleichzeitig auf der Baustelle beschäftigte. Ausserdem werden Einblicke in den facettenreichen Hochschulalltag gewährt, der seit dem Einzug statt an den zuvor 37 Standorten in Zürich und Winterthur nun nur noch auf dem Campus in Zürich-West sowie der Gessnerallee stattfindet. Die beiden Architekten von damals teilen ihre Gedanken zum Toni-Areal in der heutigen Zeit. Konzeptionelle Überlegungen zum Campus vervollständigen den Rückblick, von der Öffnung der Hochschule für die Bevölkerung über den Einbezug der Studierenden bei dessen Neugestaltung bis zu innovativen Modellen für sinnlich stimulierende Lernumgebungen.

Diese und weitere Eindrücke und Geschichten versammelt zhdk.ch/zehn-jahre-toni, laufend werden hier Trouvaillen aus dem Fundus des Toni-Areals ergänzt.



Mai 2020. Seit März gilt wegen des neuen Coronavirus die «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiengesetz in der Schweiz, und seither liegt auch das Toni-Areal im Dornröschenschlaf. Es herrscht eine surreale Atmosphäre im Gebäude: sauber geputzte und aufgeräumte Teeküchen, lange leere Gänge, eilig zusammengestellte Möbel im Oberlichtsaal, verlassene Werkstätten, Papierkörbe, die ein Eigenleben führen, Musiksäle in Schockstarre. Und immer wieder Stühle! Stühle, mal fein säuberlich gestapelt, mal achtlos zusammengestellt, mal arrangiert.


Der Blick für die Architektur ist geschärft, und unscheinbare Orte haben ihren grossen Auftritt. Es herrscht Monotonie im «Toni» – die Architektur genügt sich selber, ist aber letztlich ohne Menschen sinn- und energielos. Seltsam, durch die Stille nimmt man die Gebäudetechnik als Geräuschkulisse wahr und wünscht sich das pulsierende Leben zurück.

  • Test- und Impfzentrum im Toni-Areal
    Test- und Impfzentrum im Toni-Areal
  • Fotos: Johannes Dietschi
    Fotos: Johannes Dietschi
  • Semesterstart 2020
    Semesterstart 2020
  • Tanzunterricht während Corona
    Tanzunterricht während Corona

Blockflöte spielen ist einfach, und das ist wunderbar und furchtbar zugleich. Man bläst hinein, und schon ist ein Ton da. Anders als beispielsweise Rohrblattinstrumente wie die Klarinette reagiert die Blockflöte sehr direkt auf Luftschwankungen. So verrät das Instrument auf unverblümte Art sehr viel über den Spielenden. Wer Blockflöte spielt, kann sich nicht verstecken. Das Instrument vermittelt starke Emotionen, und es erstaunt deshalb nicht, dass die Blockflöte symbolisch sowohl mit Liebe als auch Tod assoziiert wird. Letzteres zum Beispiel in der Kantate «Actus Tragicus» von Johann Sebastian Bach.

Ob aus Elfenbein oder Sperrholz, in Säulenform oder vierkantig an Ikea erinnernd, 30 Zentimeter oder 2,5 Meter lang: Verzaubern können alle Modelle. Die frühesten Funde von Blockflöten gehen auf das 14. Jahrhundert zurück, wobei wir aber annehmen, dass es schon viel früher Blockflöten gegeben hat. Als goldenes Zeitalter der Blockflöte gilt das 16. Jahrhundert. Ausgehend von Venedig, verbreitete sich das Instrument in ganz Europa und wurde teuer gehandelt. Der englische König Heinrich VIII. soll 72 Blockflöten in seinem Besitz gehabt und jeden Tag auf ihnen gespielt haben.

In der Neuzeit erlebt die Blockflöte eine Renaissance. Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird sie wieder stärker wahrgenommen und in Aufführungen eingebunden. Das hat sie wohl vor allem ihrer Assoziation mit Liebe und Tod zu verdanken. Denn wer mit solch elementaren und tragischen Themen in Verbindung gebracht wird, stirbt nicht aus.


Drei aktuelle Diplomprojekte nehmen sich typisch schweizerischen Themen an: Es geht um überraschende Persönlichkeiten aus der Schweizer Geschichte, um die Wiederbelebung von Quartiervereinen oder um ausrangierte SBB-Sitzbezüge, aus denen knallige Mode wird. An der ZHdK bilden Lehre und Forschung so die Welt, in der wir leben, ab und hinterfragen sie, gestalten sie gedanklich neu, liefern Anstösse und tragen Reflexionen in die Gesellschaft zurück.

  • Schweiz-Geschichte neu beleuchtet
    «Im Schatten des Matterhorns» von Anna Suter und Loris Bosco
    Ein Projekt von zwei Geschichtsbegeisterten. Loris, der bis in die Nacht hinein Archive ausgräbt, und Anna, die eigentlich nur animieren will, aber irgendwie in den History-Bann hineingezogen wurde. In den drei Pilotfolgen des Edutainment-Formats werden drei Persönlichkeiten vorgestellt, die den Stereotyp Schweiz in Sachen Sklaverei, Frauenrechte und Nationalsozialismus aufrüttelt. Auf ihrem TikTok-Kanal lernen Zuschauer:innen Anna und Loris kennen, die vom Ort des Geschehens berichten und überraschende Geschichten aus der Schweiz präsentieren. | mehr dazu
     
  • Quartiervereine als Chance
    «projekt umkreis» von Aline Siegenthaler
    Das Potenzial des Quartiervereins im Gesellschaftswandel: «projekt umkreis» unterstützt Quartiervereine dabei, sich als zukunftsfähige, soziale Gemeinschaft neu zu etablieren – als ein Ort des Zusammenhalts, der allen offensteht. Denn in Zeiten von Individualisierung, Multioptionsgesellschaft und vielfältigen weltweiten Krisen wächst der Wunsch nach Solidarität und Zugehörigkeit, besonders im mikrosozialen Kontext. | mehr dazu
     
  • Mode aus alten SBB-Sitzbezügen
    «Kanza x Railway» von Raoul Batantu Mukanza
    Schweizer Designgeschichte: Aus den Reststoffen ihrer Sitzbezüge ist mit Zustimmung der SBB eine Kleiderkollektion entstanden, die Kontext und Biografie dieser Textilien verändert. Die Kollektion greift Graffiti, Stickers und Tags auf, die wir als Werkzeug der Aneignung und Kommunikation aus dem öffentlichen Raum wie Zug und ÖV kennen. Durch die Methode des Sampling bekommen die betaggten Sitzbezüge ein zweites Leben als Street- und Workwear im Rahmen des Labels Kanza. | mehr dazu

Gerne arrangieren wir Gespräche mit den Absolvent:innen oder halten uns bereit, falls wir Inputs zu anderen Themen liefern können.

Übrigens, zur Folklore rund um den 1. August weiss ZHdK-Dozent und Musikethnologe Dieter Ringli Bescheid, er ist Experte für Volksmusik und kann sie in unsere Gegenwart einordnen.


Der St.Galler Globus Online wurde um animierte Inhalte sowie zahlreiche Erklärungen ergänzt. In Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Knowledge Visualization der Zürcher Hochschule der Künste werden Geschichte und Funktionen des Globus anschaulich und unterhaltsam erklärt. Ausgewählte Punkte am Sternenhimmel und im Erdkartenbild erzählen von Seemonstern, legendären Inseln und Entdeckungsreisen. Die erläuterten Reiseberichte und -routen spiegeln den Beginn der Globalisierung und des westeuropäischen Kolonialismus. Das alles kann dank einer jetzt stark erhöhten Auflösung bis ins kleinste Detail erkundet werden.

Jetzt entdecken unter 3dglobus.ch.

Aufbauend auf der neuen Online-Version sind für nächstes Jahr weitere Umsetzungen geplant, die Forschungsprojekte unter Mithilfe der Bevölkerung ermöglichen. So sollen über diese Plattform die Orts- und Gewässernamen im Kartenbild erforscht werden. Dadurch ergibt sich ein Beitrag zum Verständnis der Anfänge der Globalisierungs- und Kolonialgeschichte, und es resultiert ein wichtiger Diskussionsbeitrag zur Erforschung der damaligen europäischen Wahrnehmung von Überseegebieten.

Aufgrund der im Projekt bisher gewonnenen Daten wird demnächst eine auf gut einen Viertel verkleinerte, aber form- und farbauthentische sowie funktionsfähige Kopie des St.Galler Globus fertiggestellt. Die meisten Einzelteile dieser neuen Botschafterin für das Online-Projekt werden mithilfe von 3D-Druckverfahren produziert.

Der Globus gehört zu den bedeutendsten kulturhistorischen Objekten der Schweiz. Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass er von Tilemann Stella konzipiert und um 1576 in Mecklenburg fertiggestellt wurde. Er kombiniert Himmel und Erde auf derselben Kugeloberfläche. Das Original ist heute im Landesmuseum Zürich, in der Dauerausstellung zur Sammlung ausgestellt, eine originalgetreue Replik in der Stiftsbibliothek St.Gallen. Bei der Übergabe dieser Replik 2009 haben das Schweizerische Nationalmuseum, die Stiftsbibliothek St.Gallen und die Zentralbibliothek Zürich vereinbart, gemeinsam über den Globus weiter zu forschen. Daraus ist das Projekt zu einem Online-Modell entstanden. Denn wegen der schieren Grösse des Instruments kommt auch die funktionstüchtige Replik an ihre museumsdidaktischen Grenzen. Der Online-Globus ermöglicht es orts- und zeitunabhängig, bequem alle Stellen an dem 2.3 Meter hohen Instrument zu betrachten.


Die Ausstellung REFRESH x Fantoche bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst, Design und Technologie. Sie beschäftigt sich in Games, Videoarbeiten und immersiven Installationen mit den Themen «Care», Gemeinschaft, mit der ökologischen Krise und dem komplexen Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Die Gestalter:innen kombinieren mutig unterschiedlichste Technologien, um ihre Geschichten zeitgemäss und immersiv zu erzählen. Mal rührend, mal urkomisch, mal kritisch und immer zutiefst persönlich – die internationale Gruppenschau zeigt 16 Arbeiten und formuliert ein Plädoyer für ein neues «Wir».

Ausgewählte Projekte:

  • «After the Fallout» vom Schweizer Fotojournalisten Dominic Nahr und Emmy-Preisträger Sam Wolson ist ein immersives Mosaik, das die emotionale Schwere des Lebens in Fukushima sieben Jahre nach der Nuklearkatastrophe von 2011 heraufbeschwört. Der immersive Dokumentarfilm führt durch surreale Umgebungen in der Sperrzone und erkundet das Leben von Familien, die sich in einer neuen Welt zurechtfinden müssen. Das Projekt wurde 2020 am renommierten Filmfestival Sundance uraufgeführt.
  • In Anlehnung an die klassische Tamagotchi-Mechanik ist das Ziel von «In Full Bloom» (2024) von den Spielentwickler:innen Lisa Bach und Charisse Ann de Leon klar: Die Kreatur muss am Leben erhalten werden. Während die Spielenden das immer hungrige Wesen füttern, wächst es weiter über seine Umgebung hinaus. Spielerisch wird hier auf den Konflikt zwischen Verantwortung und sinnlosem Konsum verwiesen.
  • «More Moor» ist eine interaktive Lernumgebung der Designerin Riva Pinto. Obwohl Moore nur drei Prozent der weltweiten Landfläche bedecken, speichern sie doppelt so viel klimaschädliche Gase im Boden wie alle Wälder der Welt zusammen. Angesichts ihres zunehmenden Aussterbens und der akuten Klima- und Artenkrise muss das Bewusstsein für die globale Bedeutung der Moore geschärft werden. In Zusammenarbeit mit dem Komponisten Nepomuk Heller wurden im Moor gesammelte Tonaufnahmen zu einem emotionalen Klangerlebnis kombiniert. Die Klänge werden durch die weichen Materialien übertragen und sind so auf der begehbaren Bodenskulptur hör- und körperlich erfahrbar.
  • «Doppelgänger» ist ein Mixed-Reality-Erlebnis für mehrere Benutzende und ein aktuelles Projekt des Immersive Arts Space der ZHdK, bei dem die Teilnehmenden ihrem computergenerierten 3D-Double in der realen Umgebung gegenüberstehen. Während sich das Gefühl einstellt, die Kontrolle über sein «Spiegelbild» zu haben, ändert sich dies nach kurzer Zeit jedoch rapide, was zu einem beunruhigenden und vielleicht sogar ein wenig unheimlichen Spiel zwischen den beiden führt.
  • «RE-ANIMATED» wiederbelebt den Kaua'i ʻōʻō-Vogel. Das letzte Exemplar starb 1987 und besiegelte damit das Aussterben seiner Art. «RE-ANIMATED» bringt den Vogel und seinen Gesang in einer verzerrten digitalen Rekonstruktion des ursprünglichen Lebensraums des Kaua'i ʻōʻō. Wir können zwar nicht zurückbringen, was verloren gegangen ist, aber wir können die Erinnerung nutzen, um neues Leben und neue Visionen für die Zukunft zu schaffen. Jakob Kudsk Steensen ist ein international renommierter Künstler, der mit Hilfe von 3D-Animationen, Sound und immersiven Installationen Umweltgeschichten erzählt.  

REFRESH x Fantoche ist eine Kooperation zwischen dem Departement Design, dem Immersive Arts Space der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und dem Internationalen Festival für Animationsfilm FANTOCHE. Gerne vermitteln wir Ihnen Interviews mit den beteiligten Designer:innen, Künstler:innen und Forscher:innen oder mit der Kuratorin der Ausstellung Maike Thies.


Ein Mann tritt aus dem Dunkeln, torkelt auf die Rampe des Toni-Areals, wo ein Auto quietschend bremst. Plötzlich wird das Auto wie von Geisterhand vom Boden gerissen und verschwindet. «Noch einmal», murmelt Norbert Kottmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Departement Darstellende Künste und Film, und bewegt ein Plastikobjekt über den Tisch. Auf dem Bildschirm daneben tut es das Auto dem Plastikobjekt gleich.

Die Kameraleute können sich schon im Vorfeld ausmalen, was an der Location möglich ist und was nicht.

Norbert Kottmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Departement Darstellende Künste und Film

Was an ein digitales Legospiel erinnert, ist in Wirklichkeit virtuelles Filmschaffen am Previsualisation Table. «Master- und Bachelorstudierende können damit noch vor dem Dreh technisch aufwendige Filmprojekte vorvisualisieren», erklärt Kottmann, der an der Weiterentwicklung des Previsualisation Table im Immersive Arts Space der ZHdK beteiligt ist. Denn den Tisch gibt es noch nicht auf dem Markt. Er ist Teil einer Forschungszusammenarbeit zwischen der ZHdK, der Stockholm University of the Arts und dem Royale Institute of Technology, Stockholm.

Um die Location für den Einsatz am Previsualisation Table genau abzubilden, wird sie im Vorfeld gescannt. Die Software Reality Capture erschafft dazu aus Hunderten von Fotos ein dreidimensionales Abbild der Location. Die Figuren und Requisiten werden von Plastikobjekten mit daran befestigten reflektierenden Kugeln dargestellt. Bewegt man sie,  erfassen sechs Infrarotkameras ihre Position, und ihr virtuelles Ebenbild bewegt sich in Echtzeit auf dem Bildschirm.

Das eigentliche Herzstück ist aber die virtuelle Kamera. Auch sie liegt auf dem Tisch als Plastikobjekt bereit. «Die Kameraleute können sich schon im Vorfeld ausmalen, was an der Location möglich ist und was nicht», so Kottmann. Ein gewaltiger Fortschritt gegenüber der Zeit, als man das Filmmaterial erst Tage nach dem Dreh erstmals anschauen konnte. Noch vor dem Dreh kann die Filmcrew gemeinsam Lichter setzen, Objekte platzieren und sogar Szenen vorschneiden. Nur real umsetzen muss man den Film dann doch noch.


Laura Rosini: Warum hast du für dein Gitarrenstudium die ZHdK ausgewählt?
Hedvika Svendova: Ein Kollege meiner Mutter, die selbst Gitarrenlehrerin in Tschechien ist, hat mir von der ZHdK erzählt. Er hat selber einen Austausch hier verbracht. Wir sind für ein Konzert zu Besuch nach Zürich gekommen, und als ich die ZHdK sah, wusste ich, das ist die perfekte Schule für mich. Vor allem auch deshalb, weil sie rund um die Uhr geöffnet ist – ich verbringe viel Zeit an der Schule, bevorzugt am Abend, wenn die grossen Säle verfügbar sind und es still ist.

Brauchen wir Kunst? Und wenn ja, warum?
Für die Emotionen im Leben! Und Kunst in Form einer Musiktherapie kann auch helfen. Kunst ist aber auch Inspiration für andere. Sie ist ein Gefühl, das vermittelt wird. Und ein bisschen wie eine überraschend neue Farbe, welche die starren und korsettartigen Gesellschaftskonstruktionen neu einfärben kann.

Du spielst Gitarre und Flöte, weshalb?
Ich mag beide Instrumente sehr und mir gefällt ihre Diversität: Gitarre kann ich gut solo spielen, denn sie ist wie ein kleines Orchester für sich. Mit der Flöte hingegen muss ich mich stärker integrieren, um als Teil von etwas Grösserem im Orchester zu spielen – das gefällt mir wirklich sehr gut.

Welches sind deine Pläne nach dem Studium?
Nach diesem Studium möchte ich den Master Flöte sowie eine Pädagogikausbildung machen und dann an einer Schule unterrichten. Mein Traum ist es, in einem professionellen Orchester zu spielen. Am liebsten in der Tonhalle Zürich oder im Berliner Philharmonie-Orchester.

Welches sind deine aktuellen Projekte?
Meine Schwester Dominika und ich spielen viele verschiedenen Transkriptionen bekannter Autoren im Duo – von Bach bis Schulhoff. Im Rahmen meiner Masterarbeit möchte ich ein 45-minütiges Konzert gestalten, das gemeinsam mit Tänzern aufgeführt wird. Ich stelle mir vor, dass ich stehend spiele und mich gemeinsam mit den Tänzern zur Musik bewege.

Was bedeutet das Exzellenzstipendium für dich?
Ich bin sehr dankbar dafür und freue mich darüber. Das Stipendium ist mein derzeitiges Einkommen, ohne das ich viel mehr Stress hätte. Jetzt kann ich mich ganz auf mein Studium konzentrieren und meine Energie da reinstecken.

Was möchtest du heute in einem Jahr in die Tat umgesetzt haben?
Ich habe die Aufnahmeprüfung für Flöte hier an der ZHdK gemacht und bin zugelassen worden. Wundervoll wäre es, wenn ich eine Tour mit einem sehr guten Orchester machen und dabei ein Flöten- und Gitarrenkonzert spielen könnte. Und ich wünsche mir, dass es keinen Krieg mehr gibt und wir uns täglich bewusst sind, wie glücklich wir uns schätzen können, hier zu sein.


Sophie Käser: Nach dem Bachelor an der ZHdK studierst du jetzt Regie im Master Theater. Wieso hast du dich für dieses Studium entschieden?
Fynn Malte Schmidt: Ich war auf einer Sportschule, da war vieles auf Norm getrimmt. Theater war in diesem Umfeld ein Ort, der anders funktionieren darf und soll. Die Position der Regie finde ich spannend, weil sie moderiert, gestaltet und Gedanken und Menschen zusammenführt. Der Master ermöglicht mir, meine Praxis weiterzuentwickeln.

Dein Diplomprojekt feiert im Dezember Premiere. Was kannst du darüber verraten?
Wir bauen einen Diner auf der Bühne A an der Gessnerallee auf und denken mit Milkshakes und vielfältigen Materialien in der Hand über Arbeits- und Lebenszeit nach. Wie ist unser Verhältnis zur Arbeit? In welchen Systemen werden wir in Zukunft arbeiten? Von der kleinen Diner-Welt zu philosophischen Fragen – die wir sicher nicht abschliessend werden beantworten können.

Du hast den ZHdK-Bachelor-Förderpreis Theater und auch ein Exzellenzstipendium der Fondation ZHdK erhalten. Was zeichnet deine Arbeit aus?
Ich glaube, es gelingt mir häufig, eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Das ist mir wichtig und das merkt man am Ende auch auf der Bühne. Wir haben es in den letzten Arbeiten oft geschafft, verschiedene Mikrokosmen im Bühnenraum erfahrbar zu machen. Diese Poesie der kleinen Welten erzählt viel darüber, wo und wie sich Menschen begegnen. Dies in verschiedenen ästhetischen Versuchen und Texten abzubilden, interessiert mich.

Du bist Teil der Studierendeninitiative «Kollektiv der Künste» und engagierst dich bei der Studierendenorganisation VERSO. Was treibt dich an?
Ich finde es wahnsinnig wichtig, das direkte Umfeld durch politische Arbeit zu gestalten und Veränderungen anzustossen, die man ohne dieses Engagement vielleicht nur theoretisch verhandeln würde.

Welches sind deine Pläne nach dem Studium?
Ich möchte als Regisseur zusammen mit Kompliz:innen die Welt aus möglichst vielen Perspektiven beschreiben und im besten Fall durch unsere Praxis Prozesse in den Institutionen reformieren.

Wer oder was verdient es, dass wir genauer hinhören?
Alle Menschen verdienen es, dass wir genauer hinhören, wenn sie aus ihrer Realität berichten. Darauf zu achten, dass diese Realitäten nicht ausschliesslich eurozentrischen, weissen und männlichen Ursprungs sind, wäre ein guter Anfang für etwas, das Kunst sein will.

Aktuell auf der Bühne A, Theater der Künste, Gessnerallee 9 zu sehen:
«Nightshifts on Beatrice», das Diplomprojekt von Fynn Malte Schmidt und Timo Raddatz


Für die gegenwärtigen Entwicklungen – Klimakrise, reale Kriege und Kulturkriege, Digitalisierung und «Künstliche Intelligenz» (KI) – sind die Künste sowie die Kunst- und Kulturtheorien wichtige Orte der Reflexion, der Spekulation und der Kritik. Während des Kick-offs diskutieren Mitglieder des ZKK mit internationalen Gästen aus Wissenschaften und Künsten entlang der drei Themenblöcke «The Planetary and the Usefulness of Artistic», «Culture Wars in Times of Real Wars» und «Art With/Against AI» über Herausforderungen unserer Zeit.

ZKK als Brücke zwischen UZH und ZHdK und DIZH-Brückenprofessur
Vor zehn Jahren wurde an der UZH die Vorgängerinstitution, das Kompetenzzentrum Künste und Kulturtheorie, gegründet. Die Idee hierfür war es, die Spezifik künstlerischer Erkenntnis für die Herausbildung von Kulturtheorien zu untersuchen. Dabei standen die kritischen, selbstreflexiven und projektiven Dimensionen der Künste in Neuzeit, Moderne und Gegenwart, aber auch in globalhistorischer Perspektive im Mittelpunkt. In der eigenen Reihe «Denkt Kunst», die seit 2014 im Verlag diaphanes erscheint, sind bis heute an die fünfzig Bücher in deutscher, englischer und belarussischer Sprache erschienen. Das neue, transdisziplinäre und transinstitutionelle ZKK unter der Co-Leitung von Sylvia Sasse (UZH) und Judith Siegmund (ZHdK) widmet sich auch zukünftig der Rolle der Künste und der Kultur in den gesellschaftlichen Debatten der Gegenwart. Im Zusammenschluss mit der ZHdK sollen gemeinsame Projekte in Forschung und Lehre angeregt und gefördert werden. Mit der ZHdK treten nun die Künste und ihre Theorien in einer neuen Weise in den Dialog mit der universitären Wissenschaft. Künstlerische Praxis und die Theorien der Künste werden für neue Perspektiven und für unvorhersehbare Kollaborationen sorgen. 
Dazu gehört auch die Einrichtung einer Brückenprofessur für Digitale Kulturen und Künste, die per 1. Juli 2024 mit dem Bild- und Medienwissenschaftler Roland Meyer im Rahmen der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH) besetzt wird. Meyer wird sowohl an der UZH als auch an der ZHdK forschen und lehren. Zu seinen inhaltlichen Schwerpunkten zählen algorithmisch vernetzte Bildkulturen, operative Bilder der Gesichts- und Mustererkennung, forensische Bildpraktiken, generative KI und synthetische Medien sowie neue Körper- und Wahrnehmungsverhältnisse in medial erweiterten Räumen. Während des Kick-offs co-moderiert er das Panel «Art With/Against AI».


Die ZHdK präsentiert die Diplome 24 und mit ihnen vielseitige Veranstaltungen im Toni-Areal: Am Donnerstag, 6. Juni 2024, eröffnet Rektorin Karin Mairitsch um 17 Uhr die Diplomausstellung, die bis 21. Juni 2024 zu sehen ist. Die Abschlussarbeiten widerspiegeln die künstlerisch-gestalterische Vielfalt der ZHdK, eine Auswahl:

  • Komposition, Einstudierung und Aufführung ihres Musicals mit sechs Kinderchören der Stadt Zürich – das alles verbindet die Diplomarbeit «Persephone, Persephone!» von Joanna Lohmann (BA Musik Klassik): Den roten Faden bildet die von einer Erzählerin vorgetragene Persephone-Geschichte aus der griechischen Mythologie. Konzert am 22.6.2024 um 17 Uhr, Pfarrei Herz Jesu Wiedikon.
  • Zwei Diplomveranstaltungen machen die Arbeiten von Theater-Diplomand:innen erlebbar: Das multimediale Essay «Keeping the Gates» von Carolin Bodensteiner (Bachelor Theater, Regie) lehnt sich an Rodins Höllentor an und widmet sich dem Öffnen von Verschlossenem, dem Bewachen von Eingängen und dem Verfolgen von Verwischtem (5./6./7. Juni 2024, 20 Uhr, Toni-Areal). Die Aufführung «Bry_Lyndon» von Matthias Huser (Master Theater, Regie) hingegen inspiriert sich an Stanley Kubricks Film «Barry Lyndon» und inszeniert eine Reise durch die Zeiten seit 1789 (13./14./15.6.2024, 20 Uhr, Theater der Künste, Gessnerallee 9).
  • Das Radioprojekt «fm-eral: A Journey into Translocality» (MA Transdisziplinarität in den Künsten) widmet sich der Verflechtung und dynamischen Bewegung von Ideen, Menschen und Praktiken über verschiedene Orte hinweg. Was hat dies mit Radio zu tun? Und wie ist der Austausch von Wissen, Kultur und Ressourcen über verschiedene geografische, soziale und kulturelle Kontexte hinweg möglich? Studierende senden live, integriert in eine Ausstellung mit Diplomarbeiten.
  • In der Konzeptarbeit «senso» entwickelt Nadine Brandenberg (BA Major Industrial Design) ein medizinisches Produkt zur effektiven Behandlung von diabetischer Neuropathie. Schmerzen und Gefühlsstörungen in den Füssen sind ein verbreitetes Problem bei Diabetiker:innen, zu der es keine adäquate Therapie gibt. «senso» wird wie ein Strumpf getragen, der die Nerven der Füsse mit Elektrotherapie stimuliert und so die Schmerzen lindert, was die Empfindung in den Füssen verbessert.

Die Diplomausstellung ist vom 7. bis 21. Juni 2024 im Toni-Areal täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

Diverse Formate bieten Zugänge zu den Diplomarbeiten, darunter:

  • Zum Thema «Sichtpunkte Nachhaltigkeit – Perspektiven der Künste und des Designs» findet am Montag, 17. Juni 2024, um 17.30 Uhr eine Führung durch ausgewählte Projekte im Beisein der Studierenden statt.
  • Der Branchen-Event «Bildstark für die Wissenschaft» am Dienstag, 18. Juni 2024, um 17.30 Uhr mit Niklaus Heeb, Leiter Fachrichtung und Master Knowledge Visualization, erschliesst eine visuelle Reise von der Tiefsee bis in den Weltraum und durch die Zeit.
  • Aus dem Filmbereich zeigen rund 30 Diplomand:innen ihre Diplomfilme, an der Vernissage sowie dienstags bis donnerstags während der Diplomausstellung im Kino Toni im Toni-Areal.
  • Im Rahmen der Diplomausstellung lädt die Curateria 2024 im Zeichnungssaal des Toni-Areals zum Lesen, Sehen und Hören von Masterthesen der Absolvent:innen des Master Art Education ein. Ein fünftägiges Festival mit Workshops und Lesungen, Screenings und Podiumsgesprächen läutet die Ausstellung ein.
  • Zu den Diplomarbeiten aus dem Departement Fine Arts finden diverse Führungen statt. So auch am 8. Juni 2024 um 15 Uhr, wenn Ann-Kathrin Eickhoff und Elisa R. Linn, Co-Leiterinnen der Halle für Kunst Lüneburg und diesjährige Kuratorinnen der Diplomschau «making space, finding form», durch die Ausstellung führen – samt Lesung, Performance, Musik und Screenings und der Präsentation der Publikation, die eine Gruppe von Absolvent:innen zum Thema «LOVE» erstellt hat.

 
Mehr Informationen
zu den Diplomen und allen Veranstaltungen samt Diplomkonzerten aus dem Departement Musik unter zhdk.ch/diplome und auf Social Media mit den Hashtags #zhdkdiplome und #zhdkdiplomas.

Gerne bieten wir auf Anfrage individuelle Rundgänge an und vermitteln Interviews mit Studierenden und Dozierenden.


Der Bericht soll jährlich publiziert werden und dient Branchenakteur:innen wie Kunstschaffenden, Start-up Gründer:innen, Unternehmer:innen; Investor:innen und Studierenden als wichtige Ressource. Der 100-seitige Bericht bietet einen umfassenden Einblick in das Ökosystem der Kreativtechnologie und beleuchtet Bildungsinitiativen, Risikofinanzierung und verschiedene Möglichkeiten für Partnerschaften, die das Wachstum in diesem dynamischen Sektor fördern. Neben dem akademischen Beitrag leistet der Bericht eine wichtige Hilfestellung für Creative-Tech-Start-ups, die ihre Aktivitäten in den verschiedenen Kantonen der Schweiz auf- oder ausbauen wollen.

Der Swiss Creative Tech Startups Report 2024 adressiert einen wichtigen Graben: Während die Zusammenarbeit von Technologie mit Sektoren wie Finanzen, Gesundheit und Biologie gut erforscht und strategisch entwickelt sind, wurden die Verbindungen zur Kreativwirtschaft vernachlässigt. Der gemeinsame Bericht möchte das Potenzial dieser Sektoren für die Schweiz aufzeigen und auf mögliche Entwicklung hinweisen.

Fünf zentrale Erkenntnisse aus dem Swiss Creative Tech Startups Report 2024:

  • 277 Start-ups im Schweizer Creative Tech Ökosystem, 17% des Gesamtvolumens;
  • 1,75 Milliarden Dollar Gesamtfinanzierung seit 1985, 13% der gesamten Schweizer Start-up-Finanzierung;
  • 40% der Investitionsrunden werden von lokalen Schweizer Investoren angeführt;
  • 26% Erfolgsquote, wobei 73 von 277 Start-ups den Markt erfolgreich verlassen haben;
  • 69% der Start-ups nennen ein konservatives Geschäftsumfeld als grösste Herausforderung auf dem lokalen Markt.

Der Bericht liefert wichtige Erkenntnisse, darunter Herausforderungen, mit denen die Schweizer Branchenakteur:innen zu kämpfen haben. 46% der Schweizer Creative-Tech-Start-ups sind mit Schwierigkeiten nach dem Pitch konfrontiert und nennen das als Haupthindernis für Investitionen. Allgemein sind die Akteure nicht bereit, Elevator Pitches durchzuführen und Beziehungen zu Investoren zu pflegen. Darüber hinaus bekundeten 62% der Gründer:innen ihr Interesse an der Einrichtung eines Risikofonds, um nach dem Exit aus ihrem derzeitigen Unternehmen in andere Start-ups zu investieren, was die weit verbreitete investitionsorientierte Denkweise unter Schweizer Unternehmern unterstreicht. Die Umfrage ergab auch eine grosse Nachfrage nach kreativen unternehmerischen Fähigkeiten, die 77% der Befragten in ihrer Ausbildung vermissten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit für Schweizer Universitäten, praxisorientierte Kurse in den Bereichen Teambildung, Marktanpassung und Kapitalbeschaffung in ihre Ausbildungsprogramme zu integrieren, um zukünftige Unternehmer besser vorzubereiten.

Dieser Bericht enthält eine Reihe von Interviews mit führenden Persönlichkeiten der Schweizer Kreativwirtschaft. Der bekannte Kunstsammler und Tech-Investor Uli Sigg hebt das hochwertige Bildungssystem der Schweiz als wichtigstes Kapital hervor. Nathalie Pichard, Executive Director & Curator der ArtTech Foundation, betont, wie wichtig es ist, den Austausch zwischen Kultur und Technologie zu fördern, um Expert:innen und Unternehmer:innen aus der ganzen Welt in die Schweiz zu locken.

Rodrigo Esmela, Chief Commercial & Product Officer bei Arcual, führt die herausragende Stellung der Schweiz im Bereich Art+Tech auf das reiche kulturelle Erbe, die solide Bildungslandschaft und den starken Finanzmarkt zurück, die gemeinsam künstlerische Innovation und interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern. Benjamin Bollmann, CEO von Swissnex in Boston und New York, unterstreicht die entscheidende Rolle der Kreativität bei der Förderung von Innovation und die Mission von Swissnex, Schweizer Bildung, Forschung und Innovation mit globalen Möglichkeiten zu verbinden.

Conrad von Grebel, Business Developer & Co-Founder bei Seervision, erörtert die zentrale Rolle von Markterfahrung aus erster Hand für B2B-Start-ups und die bedeutenden Fortschritte der KI in der Kreativbranche. Ryan Zurrer, VC-Investor und Kunstsammler, betont das Potenzial branchenübergreifender Synergien, insbesondere die Integration von Krypto und KI, als Schlüsselbereiche für künftiges Wachstum. Mit Blick auf die Zukunft ist Marc Spiegler, ehemaliger Global Director der Art Basel, der Ansicht, dass die Zusammenarbeit innerhalb der Kreativwirtschaft und die Co-Kreation für die Zukunft der Kreativwirtschaft von zentraler Bedeutung sind, wobei die Schweiz eine führende Rolle einnehmen wird.

Christoph Weckerle, Direktor des Zurich Centre for Creative Economies (ZCCE) an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK):
«Wir sehen in diesem ersten Bericht einen wichtigen Beitrag zur Darstellung des kreativen Tech-Ökosystems in der Schweiz. Mit solchen Berichten stärken wir das Argument für die Schweiz führend im Creative-Tech-Start-up-Bereich zu sein.»

Denis Belkevich, General Partner von Fuelarts:
«Wir hoffen, dass dieser Bericht den jungen Pionieren der Kreativwirtschaft – Studierenden, Unternehmer:innen und Start-up-Gründer:innen – als Leuchtturm dient und sie befähigt, eine bessere Welt zu schaffen, indem sie ihre innovativen und unternehmerischen Visionen verfolgen können.»


Wo sonst geprobt und das Knowhow des Theaters gelehrt wird, herrscht Ausnahmezustand: Rund 80 grössere und kleinere Theateraufführungen, Performances, Installationen, Konzerte, Lesungen und genreübergreifende Projekte stehen auf dem Spielplan. Am Standort Gessnerallee direkt neben dem Hauptbahnhof kann sich das Publikum am Theater der Künste der ZHdK frei durch die Räume bewegen und Theater geniessen. Von der kleinen Duschkabine bis hin zur grossen Hauptbühne – in jedem Raum wird gespielt. 

Unter dem Motto «Aufgetaucht» stürzen sich Studierende der Vertiefungen Bühnenbild, Dramaturgie, Regie, Schauspiel, Theaterpädagogik und Film sowie externe Mitwirkende in eine intensive zweiwöchige Probenphase. An den letzten beiden Festivaltagen wird das Erprobte gezeigt: «TiaR» erlaubt es den Studierenden in Eigenregie zu experimentieren, zu wagen und auch grandios zu scheitern. 

Kinderprogramm
Am Samstag gibt es ab 16 Uhr ein Kinderprogramm in Form eines Parcours durch die kindertauglichen Aufführungen.

Aufführungen
28. Juni 2024 von 18 bis 23 Uhr und 29. Juni 2024 von 16 bis 24 Uhr 
Zürcher Hochschule der Künste, Gessnerallee 11-13, 8001 Zürich

Eintritt pro Abend 15 Franken, Kinder bis einschliesslich 12 Jahren haben freien Eintritt. Kartenvorverkauf ab einer Stunde vor der ersten Vorstellung. Reservationen sind nicht möglich. Der Erlös kommt vollumfänglich dem Verein der Theaterfreund:innen der ZHdK zugute, welcher studentische Projekte fördert und Studierenden bei materiellen Schwierigkeiten unter die Arme greift.

Alle Informationen unter www.tiar.ch Instagram @tiar_theater_in_allen_raumen


Programm des Kick-Offs am 24. Mai 2024

Unpredictable Collaborations
Inaugurating the New Centre for Arts and Cultural Theory

24 May 2024, Museum für Gestaltung Zurich, Ausstellungsstrasse 60

Program

  • 9:30 Welcome Notes
    Karin Mairitsch, Rector ZHdK
    Michael Schaepman, Rector UZH
    Sylvia Sasse, UZH & Judith Siegmund, ZHdK, Co-Direction ZKK
  • 10:00-12:00 The Planetary and the Usefulness of Artistic Action
    With Alistair Hudson (Center for Art and Media Karlsruhe – ZKM), Claudia Keller (UZH), Moritz Matschke (University of Arts Linz)
    The idea of the Anthropocene is contrasted today by the concept of the planetary as a response to a call for a "deliberate decentering of the human being". What could our ability to act after such an intentional decentering of the human being look like? And who is this "we"?

    12:00-14:00 Lunch Break
     
  • 14:00-16:00 Culture Wars in Times of Real Wars
    With Agnieszka Graff (University of Warsaw), Elżbieta Korolczuk (Södertörn University, Stockholm), Henrike Naumann (London/Berlin)
    The current military wars are fueled by cultural wars. Using the example of the Russian war against Ukraine, we would like to shed light from a scientific and artistic perspective on which cultural wars are being fought in parallel and what it means to be caught up in them.

    16:00-16:30 Break
     
  • 16.30-18:30 Art With/Against AI
    With Nora Al-Badri (Berlin/ETH Zurich), Vladan Joler (University of Novi Sad), Bruno Moreschi (Collegium Helveticum, Zurich)
    From ChatGPT to Sora, the latest advances in 'generative AI' are as spectacular as they are controversial. They raise questions about the future of authorship, the value of creative work, the character of imagination, and the concentration of power in the hands of big tech companies. What might alternative models for working with and against AI look like?

    18:30-19:00 Break
     
  • 19:00-19:30 The Future of ZKK – Unpredictable Collaborations
  • 19:30 Party

«Gereizt» oder «unsicher»? «Zuversichtlich» oder «euphorisch»? Gleich zu Beginn fragt die Handy-App «Heavy Mental» nach aktuellen Gemütszuständen. Abhängig von der Intensität der gewählten Gefühle wird ein Gebilde generiert, von ruhig wabernd bis zu nervös zuckend, in unterschiedlichen Farben und eingebettet in sphärischen Klanglandschaften. Mittels Augmented Reality können Benutzende dieses Gefühlsbild im Raum vor sich schweben lassen, drehen und wenden und als Bild oder Video speichern, um so ein persönliches Tagebuch der Emotionen anzulegen. Oder aber man teilt das Ergebnis mit Freundinnen und Freunden und lässt sie an seiner Stimmung teilhaben. Über den «Help»-Knopf verknüpft die App bestehende Hilfsangebote der Jugendhilfe von Pro Juventute per Telefonanruf, Chat und E-Mail.

An der ZHdK wurde «Heavy Mental» in der Design-Studienvertiefung Trends & Identity im Forschungsfeld Care Futures realisiert. Die App ist das Resultat von drei aufeinander aufbauenden Forschungsprojekten: Mit Unterstützung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Pro Juventute wurde zu den Motiven geforscht, die den Umgang von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit psychischen Krisen prägen. Die App selbst wurde mit der Unterstützung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen entwickelt und fortlaufend mit deren Bedürfnissen abgeglichen. Finanziell unterstützt wurde die Arbeit von der Stiftung Sanitas Krankenversicherung.


Gianna Bärtsch: Wie war dein erster Tag im coronabedingten Homeoffice?
Susanne Schumacher: Das war keine grosse Umstellung, denn meine Arbeit organisiere ich ohnehin online und ich arbeite öfter im Homeoffice. Doch als dann alles nur noch zu Hause stattfand, wurde die Trennung von Arbeit und Privatleben schwierig. Da bin ich, wie viele andere auch, an meine Grenzen gestossen.

Was bedeutete der Corona-Lockdown für die ZHdK?
Die ZHdK durchlief in wenigen Wochen einen forcierten digitalen Wandel. Zum Glück war sie in wichtigen technischen Bereichen gut aufgestellt und die Massnahmen in der unvorhergesehenen Situation wurden durch den Epidemie-/Pandemie-Stab koordiniert. Die Umstellung der Lehre war die grösste Herausforderung. Die ZHdK hat den Unterricht für eine Woche ausgesetzt, um in dieser Zeit bestmöglich auf den digitalen Unterricht umzusteigen. Studierende und Dozierende wurden vom E-Learning-Team, von den zentralen Diensten und der einberufenen Koordinationsgruppe Digitaler Unterricht unterstützt.

Wie ist die Umstellung auf digitalen Unterricht gelungen?
Vieles wurde ad hoc mit grossem persönlichem Engagement möglich gemacht. Dozierende und Studierende erprobten neue Unterrichtsformen – sie drehten beispielsweise ein Online-Dirigiertutorial oder schalteten das Zeichenmodell virtuell via Zoom zu. Online-Mentorate und digitale Exkursionen wurden Teil des Studiums. Die Aufnahmeprüfungen in der Musik wurden als digitale Assessments durchgeführt. Begleitend hat das E-Learning-Team Lehrende eingeladen, ihre praktischen Erfahrungen zu teilen. So wurden neue didaktische und künstlerische Fragen thematisiert und durch die gemeinsame Reflexion die Möglichkeiten und Grenzen des digitalen Lehrens und Lernens ausgelotet.

Wo lagen die Grenzen?
Künstlerische und gestalterische Praktiken, die mit der Interaktion von Körper, Raum und Material arbeiten, etwa Theater, Musik oder Tanz, können nicht oder nur bedingt in ein virtuelles Setting verlagert werden. Während des Corona-Lockdowns wurden aber zugleich neue kreative Techniken entwickelt, um auch virtuell Nähe herzustellen, Beziehungen auf Distanz zu pflegen oder Resonanzräume aufzubauen.

Wie will der Digitalrat die Erfahrungen aus der Corona-Krise für den digitalen Wandel der ZHdK nutzen?
Der Digitalrat trägt seit Mai 2020 Erfahrungen aus den Abteilungen zusammen und hat relevante Themen identifiziert. Wir schaffen Formate, mit deren Hilfe sich die Hochschulangehörigen zu diesen Themen hochschulweit oder in Peer Groups austauschen und gemeinsam Bilder für die Zukunft entwickeln können. Das Projekt nennt sich «Digital Reports + Fictions».

Was will die ZHdK in puncto Digitalität erreichen?
Digitale Expertise und Exzellenz. Die ZHdK möchte die Kultur der Digitalität aktiv mitgestalten – ihre Studierenden sollen Kompetenzen für die digitalisierte Gesellschaft erwerben. Zudem ist die ZHdK Teil der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen. Insgesamt sollen 300 Millionen Franken in das Vorhaben investiert werden. Wir bringen uns mit den Schwerpunkten «Immersive Arts» und «Creative Economies» sowie mit Aktivitäten im Bereich Digital Skills ein. Ein Beispiel ist das Projekt «Destination Digital». In diesem werden niederschwellig Themen wie Social Media aufgenommen und in internen Weiterbildungen, Blogbeiträgen und Videoformaten behandelt.

Hat Home-X – die vielfältige Nutzung unseres Zuhauses – eher positive oder eher negative Seiten?
Ich bin zwiegespalten. Im Home-X erleben wir die Prinzipien der Digitalisierung sehr persönlich: Unsere Arbeit wird abstrakter, Begegnungen werden formatierter, der Alltag wird fragmentierter, Raum und Zeit werden unwichtiger, Vernetzung ist alles. Zum Glück können wir die Variable X durch beliebige Tätigkeiten ersetzen.


Lea Dahinden: Shared Campus ist eine neue Kooperationsplattform für internationale Bildungsformate, Forschungsnetzwerke und Koproduktionen. Worauf basiert die Idee?
Daniel Späti: Mit Shared Campus wollen wir die Interessen, Kompetenzen, Ressourcen und Infrastrukturen der Partner zusammenführen und gemeinsam nutzen, um nachhaltiges Wissen in global relevanten Themenfeldern aufzubauen und transkulturelle Perspektiven in der Lehre zu verankern. Internationale Vernetzung sowie grenz- und kulturübergreifende Zusammenarbeit sind unerlässlich für die künftige Arbeitswelt und damit auch für moderne Hochschulen. Es reicht nicht mehr, diese auf der Basis einzelner Kontakte aufzubauen, es braucht einen strategischen Ansatz.

An Shared Campus beteiligen sich sieben führende asiatische und europäische Kunsthochschulen. Wie erlebst du die Zusammenarbeit?
Mich beeindruckt immer wieder die Intensität der Zusammenarbeit. Prallen verschiedene Kulturen aufeinander, stellen sich grundlegende Fragen. Welche Werte vertreten wir? Sind wir bereit, uns auf andere Sichtweisen einzulassen? Wie gehen wir Aufgabenstellungen an? Eine vermeintlich einfache Frage, beispielsweise wieso mir etwas gefällt, wird plötzlich komplex. Studierende und Dozierende müssen sich erklären und ihre eigene Haltung infrage stellen. Daraus kann man sehr viel lernen.

Wie sieht die Zusammenarbeit aus?
Shared Campus verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Wir haben fünf elementare Themenfelder definiert: Social Transformation, Pop Cultures, Critical Ecologies, Cultures – Histories and Futures und Tools. In diesen Themenfeldern kommen Spezialistinnen und Experten aus allen künstlerischen und gestalterischen Disziplinen in Arbeitsgruppen zusammen. Sie sollen nachhaltige und langfristig angelegte Formate für die Lehre, Forschungsnetzwerke und Koproduktionen entwickeln. Der Innovationsbedarf ist gross, das sieht man an der Frage nach zeitgemässen Unterrichtsformen oder der Gewichtung ökologischer Kriterien in der internationalen Zusammenarbeit. Hier sind neue Standards gefragt.

Weshalb braucht es ein Projekt wie Shared Campus?
Eine isolierte Hochschule wird in Zukunft nicht mehr funktionieren. Es braucht Zusammenarbeit, bei der wir voneinander lernen und unterschiedliche Sichtweisen zusammenführen und diskutieren können. Die Digitalisierung der Lehre ist ein umfangreiches und langfristiges Unterfangen, das wir im Verbund mit anderen Hochschulen angehen müssen, damit Ressourcen und Kompetenzen sinnvoll eingesetzt und Synergien genutzt werden. Auch der Zugang zu Wissen ist ein zentrales Thema und ortsunabhängiges Studieren die Zukunft, denn Städte wie London, Hong Kong oder Zürich sind zunehmend überteuert.

Was ist für deine Arbeit entscheidend?
Ich versuche zu vermitteln, dass Shared Campus nur Sinn ergibt, wenn wir langfristig denken. Gerade im Aufbau sind internationale Kooperationsprojekte kosten- und zeitintensiv, da man sich neue Strukturen und gute Kontakte erarbeiten muss, das wird einem nicht geschenkt. Man muss die Zusammenarbeit über Jahre entwickeln und verbessern, damit man die gewünschte Qualität erhält. Die ZHdK hat sich mit dem koordinierten Vorgehen der letzten Jahre ein grosses Potenzial erarbeitet, das wir in den nächsten Jahren unbedingt ausschöpfen und mit anderen teilen sollten.

Wann wird es schwierig?
Schwierig sind oft universitäre Strukturen wie unterschiedliche Semesterdaten, Bewertungs- und Creditsysteme oder Hierarchiestrukturen. Hinzu kommen kulturelle Unterschiede wie die Sprache, Denk-, Werte-, Moralsysteme, politische und ökonomische Verhältnisse, das Kunst- und Designverständnis, Lernmethoden, die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft … Es geht bei Shared Campus aber nicht primär um eine Harmonisierung, sondern eben gerade um das Wahrnehmen und Verstehen von Differenzen. In diesem Sinn sind Differenzen hilfreich, um das eigene System zu reflektieren und sich bewusst zu machen.

Verschlechtert ein Projekt wie Shared Campus die Ökobilanz der ZHdK?
Schon vor der Corona-Pandemie gab es bei uns Unterrichtsformate, die ausschliesslich online stattfanden. Eine digitale Lehr-, Lern-, Wissens- und Austauschplattform, die wir entlang unserer Aktivitäten und Themenfelder aufbauen, wird das Kernstück des Shared Campus. Reisen werden hoffentlich weiterhin möglich sein, denn sich physisch zu begegnen und in ein anderes Lebensumfeld einzutauchen, ist prägend. Wir müssen aber klar definieren, wann eine Reise ökologisch vertretbar ist. Ich denke da zum Beispiel an eine Mindestaufenthaltsdauer auf anderen Kontinenten.

Wie geht es mit Shared Campus weiter?
Die Gründungskonferenz war ein wichtiger Schritt, bei dem wir ein Zweijahresabkommen mit den beteiligten Hochschulen unterzeichnet haben. Nun haben wir bis 2021 Zeit, ein solides Fundament zu legen, indem wir Entwicklungslinien abstecken und Nachhaltigkeitsziele definieren. Wir bauen Co-Teaching-Module auf, bereiten uns auf Summer Schools, Symposien und Forschungsnetzwerke vor und entwickeln eine digitale Plattform sowie ein neuartiges Forschungstool und Publikationsformate. Weiter werden mit den Partnerinstitutionen gemeinsame Unterrichtsformate sondiert, die unter anderem in das Major-Minor-Modell integriert werden sollen. Bereits haben wir Anfragen von acht weiteren Kunsthochschulen, die sich am Projekt beteiligen möchten. Da sind spannende Hochschulen dabei, die unsere Idee verstehen und deren Potenzial sehen. Wir möchten allerdings nicht zu schnell wachsen, sondern Schritt für Schritt und gezielt zusätzliche Partner integrieren.


Es blitzt und donnert, der Regen peitscht übers Deck. Die «Flying Dutchman» bahnt sich ihren Weg durch die gefährlichen Wellen. Davy Jones, Kapitän des Piratenschiffs, feuert seine Crew an. Dann zieht er sich in seine Kajüte zurück. Und spielt Orgel. Eine meterhohe, Rauch speiende, korallenbewachsene Orgel. Diese Szene spielt im Hollywood-Blockbuster «Fluch der Karibik 2». Das sakrale Instrument hat es aus den Kirchen in die Kinosäle geschafft.

Eigentlich dürfte es nicht verwundern, dass die Populärkultur Gefallen an der Orgel findet. Schliesslich vereint kein Instrument so viele Superlative wie sie. Jede Orgel ist einzigartig. Einige sind so klein wie ein Klavier, andere wiederum so hoch wie ein zweistöckiges Haus. Die grösste spielbare Orgel steht in einem Kaufhaus in Philadelphia, mit rund 28’500 Pfeifen auf sieben Stockwerke verteilt. Und kein Instrument schmettert seine Töne lauter als die Orgel. Den Guinness-Weltrekord als lautestes jemals gebautes Musikinstrument hält eine Orgel in Südkorea mit 138,4 Dezibel. Das entspricht in etwa dem Lärmpegel eines startenden Flugzeugs.

Eine Orgel steht nie einfach irgendwo. Ihrem Spitznamen «Königin» gebührend, wird ihr immer ein spezieller Ort zugewiesen. Traditionellerweise die Kirchenempore. Auch die ZHdK hat ihrer Orgel einen eigenen Raum gewidmet, er ist eine der Hauptattraktionen des Toni-Areals. Mit seinen schwarzen Wänden und Lichtreflexionen ist der Orgelsaal eine mystische Oase mitten im turbulenten Studienalltag.

Klänge mischen und würzen

Orgeldozent Tobias Willi ist seinem Instrument seit über 30 Jahren treu. «Mit einer Orgel hat man ein ganzes Orchester unter zwei Händen und zwei Füssen.» Klänge mischen, Klangfarben anderer Instrumente imitieren, bis zu acht Oktaven bespielen – alles kein Problem für die Königin. «Das ist wie in der Küche vor dem Gewürzregal: Orgelspieler können nach Lust und Laune kombinieren», sagt Willi.

Heutzutage wird die Orgel häufig sehr klischeehaft dargestellt. Davy Jones ist nicht der einzige Seemann, der orgelspielend die Weltmeere befährt. Als Vorlage diente Kapitän Nemo von Jules Verne, der in seinem Unterseebot «Nautilus» die Orgel erklingen lässt. Andere unheimliche Organisten sind das Phantom der Oper oder der mordende Dr. Phibes in seinem «Schreckenskabinett». Ein weiteres Beispiel: Im Comic «Yoko Tsuno et l’orgue du diable» aus dem Jahr 1972 dient eine riesige Orgel als Folterinstrument mit tödlich tiefen Frequenzen. Das Lieblingsinstrument raublustiger Piraten, kaltblütiger Mörder und sogar eine Foltermaschine – wieso ist die Orgel oft so düster konnotiert? Tobias Willi erklärt schmunzelnd: «Organistinnen und Organisten werden in der Populärkultur oft als neurotische bis psychopathische Einzelgänger dargestellt.» Die Orgel spiele man meist alleine, trotz ihrer imposanten Gestalt. «Das befeuert sicherlich das Bild des grössenwahnsinnigen Organisten, der eine Kathedrale erzittern lassen kann.»

Die Orgel erobert neue Sphären

«Immer weniger Menschen besuchen regelmässig einen Gottesdienst. Die Orgel ist vielen nicht mehr vertraut», sagt Willi. Darin sieht er aber auch Vorteile: «Wir haben dadurch Carte blanche, die Freiheit, auch Unerwartetes auszuprobieren.» Und davon machen die Organistinnen und Organisten regen Gebrauch. Orgel trifft modernes Ballett, Orgel trifft Saxofon, Orgel trifft Lyrik … Die Liste solch neuer Konstellationen wird immer länger. Denn diese ungewöhnlichen Paarungen kommen beim Publikum sehr gut an. Tobias Willi erlebt das jeweils, wenn er zu Stummfilmen live auf der Orgel improvisiert. «Dann merken die Leute, die Orgel macht nicht nur – wie mir einmal gesagt wurde – im Gottesdienst Krach, sondern es gibt tausend zarte Abstufungen.» Bei seiner längsten Vorführung spielte er zweieinhalb Stunden durch: «Das war ein ‚Chrampf‘. Aber als Organist kann man Emotionen auf eine ganz neue Ebene bringen.»


Sätze wie: «Nachhaltige Materialien sind zu bevorzugen», funktionieren weder im Allgemeinen noch im Konkreten. Was soll denn «nachhaltiger Kunststoff», was «nachhaltige Schafwolle» sein?

Nur der Umgang mit einem Material kann nachhaltig oder auch nicht sein. Ein Rohstoff kann einfach oder aufwendig gewonnen werden, seine Weiterverarbeitung mit dem Verwenden von Giftstoffen oder mit hohem Energieaufwand einhergehen. Es kann in wenigen, einfachen Verfahren ein Werkstoff entstehen oder in vielen, teuren. Dieser Prozess kann Tier- und Menschenleid nach sich ziehen. Der fertige Werkstoff kann schwer und sperrig sein, von weit her kommen, einen hohen Wartungsaufwand verlangen oder in seiner Entsorgung zum ernsten Umweltproblem werden.


Die Arbeiten junger Kunstschaffender erwerben und dabei noch Gutes tun: Malerei, Keramik, Textil – für die dritte «Winter Auction» haben 20 Fine-Arts-Studierende der ZHdK Kunstwerke zur Verfügung gestellt, die in Zusammenarbeit mit der Fondation ZHdK ab dem 4. Dezember 2023 in einer Ausstellung im Toni-Areal besichtigt und online ersteigert werden können. 70 junge Kunstschaffende haben sich für die Teilnahme beworben, eine Jury hat eine Auswahl von Werken getroffen. Diese setzen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen aus dem Alltag der jungen Kunstschaffenden auseinander. Der Erlös geht je zur Hälfte an die Kunstschaffenden und an den Solidaritätsfonds der Fondation ZHdK, die damit ZHdK-Studierende in finanzieller Not unterstützt.
Online-Auktion unter https://auction.zhdk.ch, Start am Montag, 4. Dezember 2023. Ausstellung der Werke (entspricht der Dauer der Auktion): vom 4.12.2023 um 17 Uhr (Vernissage) bis 10.12.2023 um 20 Uhr, Toni-Areal, Ebene 5, Kaskadenhalle 5.K500, Pfingstweidstrasse 96, Zürich
Mehr Informationen unter zhdk.ch/winter-auction-fine-arts
 
Wissen schenken
Sich selbst oder anderen eine Weiterbildung unter den Baum legen: Die ZHdK Winter School lädt vom 1. bis 11. Februar 2024 zur Weiterbildung in den Künsten, im Design oder der Vermittlung ein. 25 kompakte Kurse, die oft mehrere Disziplinen abdecken, bieten praxisnahe Impulse von erfahrenen Dozierenden und die Möglichkeit zum Austausch mit den Teilnehmenden. Das Themenspektrum ist breit: von Transformation und Technologie über das eigene Auftreten bis zu Gestaltung und Kreativität.
Mehr Informationen und alle Kurse der Winter School auf zhdk.ch/weiterbildung/sws, Anmeldung bis 5. Januar 2024.

Mehr als Plakate und Kataloge
Das Museum für Gestaltung im Toni-Areal schlägt mit wechselnden Ausstellungen eine Brücke zur ZHdK, zeigt experimentierfreudige Projekte und bezieht zu aktuellen Debatten in Design und Gesellschaft Stellung. Der Museumsshop widerspiegelt all diese Aktivitäten und bietet darüber hinaus ein sorgfältig kuratiertes Sortiment: von Accessoires und Inneneinrichtung über Literatur und Kunsthandwerk bis zu geistreichen Trouvaillen für jedes Alter.
Shop an der Pfingstweidstrasse 96, Di–So 10–17 Uhr, Do 10–20 Uhr, Mo geschlossen. Mehr dazu


Der 3. Dezember ist der Internationale Tag von Menschen mit Behinderungen. Zwei ZHdK-Initiativen unterstützen diesen Aktionstag und gehen gezielt auf zwei Lebenswelten körperlicher Beeinträchtigungen ein.


Im neuen Studienmodell Major-Minor werden einzelne Module nicht mehr in der gleichen Form angeboten. Zudem gibt es vereinzelt grössere Pensen, die aufgrund einer fachlichen und organisatorischen Neuausrichtung innerhalb der Studiengänge vollumfänglich wegfallen. An der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) sind voraussichtlich insgesamt 34 Personen von Pensenkürzungen betroffen. Es handelt sich grösstenteils um nicht mehr benötigte Teilpensen.

«Wir haben die Personalprozesse lange und intensiv diskutiert, mit dem Ziel, für die Mitarbeitenden Perspektiven und Sicherheit zu schaffen. Dabei war es unser grosses Anliegen, die Zahl der Betroffenen so gering wie möglich zu halten», führt Karin Mairitsch, Rektorin der ZHdK, aus. Entsprechend dem personalpolitischen Grundsatz der ZHdK wurde die Einführung des Major-Minor-Modells – wo immer möglich – mit dem bestehenden Lehrpersonal realisiert. Massnahmen wie interne Stellenausschreibungen und Unterstützung durch den Bereich Human Resources begleiteten diesen Prozess.

Gemessen an der Gesamtbelegschaft des Lehrpersonals handelt es sich um eine Reduktion des Gesamt-Pensums von ca. 1,5%. Der Anteil der betroffenen Anstellungen beträgt ca. 3%.

Aufstellen für die Zukunft
Die ZHdK nutzt den aktuellen Wechsel zu Major-Minor zur vertieften Analyse von Themen wie den Umgang mit Pensenschwankungen, um derartige Prozesse zukünftig zu optimieren. «Dabei gilt es, die Besonderheiten einzelner Departemente miteinzubeziehen und gleichzeitig dem wachsenden Bedarf nach individualisierbaren Studienverläufen gerecht zu werden», betont Mairitsch. «Nur so können wir uns für die Zukunft gut aufstellen.»

Nächste Schritte
Die betroffenen Mitarbeitenden wurden informiert und erhalten Anfang Januar 2024 die geplanten (Änderungs-)Kündigungen und die für sie vorgesehenen Leistungen aus dem Sozialplan. Dieser umfasst Massnahmen wie Abfindungen, vorzeitige Pensionierungen und finanzielle Beiträge an Weiterbildungen oder an Beratungsangeboten. Die Mitarbeitenden haben anschliessend im Rahmen des rechtlichen Gehörs die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. Die definitiven Pensenkürzungen werden Ende Januar 2024 verfügt und ab dem Studienjahr 2024/2025 in Kraft treten.


Wie ist es, wenn mir jemand mit Sprache und Musik begegnet? Wie wird im Kinderspital musiktherapeutisch gearbeitet und wie kann mit Jugendlichen über deren Lieblingslieder in Dialog getreten werden? Die Ansätze der Musiktherapie fördern auf künstlerische Art die Kommunikationsfähigkeit sowie den kreativen Ausdruck und sie können auch Stimmungen regulieren. Welche Rolle dabei die Sprache und das Sprechen spielen, steht im Zentrum des zweitägigen ZHdK-Symposiums «Sprachkunst in der Musiktherapie» am Freitag und Samstag, 26./27. Januar 2024.

Die Referent:innen und Workshop-Leiter:innen beleuchten das Feld aus unterschiedlichen Perspektiven:

  • Der Schriftsteller und Spoken Word Artist Jürg Halter entwickelte als Kutti MC die Schweizer Rap-Szene massgeblich mit, das Thema Rapmusiktherapie wird ausserdem in einem Workshop vom Musiktherapeuten Benjamin Hoeltje erörtert.
  • Sandra Lutz Hochreutener widmet sich den Übergängen zwischen Musik und Sprache in der praktischen Arbeit.
  • Die Musikerin Betty Legler forscht und wirkt als klinische Musiktherapeutin unter anderem im Neonatologie-Bereich.
  • «Ich sehe was, was du nicht siehst»: Wie sich Wortspiele in der rezeptiven Musiktherapie verwenden lassen, diesem Thema widmet sich Diandra Russo, die an der ZHdK den Bereich der Musiktherapie co-leitet.

Gerne vermitteln wir Ihnen Gespräche.

Die Sprache soll nicht auf ihre Funktionalität reduziert werden, sondern auch in ihrer traditionsreichen Kunstform den Raum bekommen, den sie verdient. Sie verleiht der Musiktherapie eine besondere Note, eine besondere Aussagekraft: Lieder und Rap, Sprachspiele und Improvisationen spielen in zahlreichen Praxisfeldern der Musiktherapie eine zentrale Rolle. So dient die Sprache als Brücke, um der Flüchtigkeit der Musik einen Rahmen zu geben.
 
Inklusive Vernissage des neu erschienenen Buchs Literaturkompass Musiktherapie. Eine Reise durch Praxis, Theorie und Forschung mit 101 Büchern (Psychosozial-Verlag, November 2023)
 
Mehr Informationen zu Programm und Workshop-Leitenden: zhdk.ch/symposium-musiktherapie2024


Die Untersuchung kommt zum Schluss, dass die taZ als Ausbildungsbetrieb ihre Fürsorgepflicht im Umgang mit Verletzungen und Schmerzen ausreichend wahrgenommen hat. Der in den Medien vermittelte Eindruck, an der taZ sei fahrlässig mit Schmerzen und Verletzungen von Schülerinnen und Schülern umgegangen worden, liess sich in der umfangreichen Untersuchung nicht bestätigen. Einzig in Fällen, die den Umgang mit dem Körpergewicht und die psychische Integrität betreffen, hat die taZ ihre Fürsorgepflicht teilweise zu wenig wahrgenommen.

Der Bericht zeigt indessen auf, dass an der taZ im untersuchten Zeitraum keine offene Kommunikationskultur und kein ermutigendes Motivationsklima gemäss heutigen pädagogischen Standards vorherrschten. Der hohen mentalen Belastung der Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Schulalltags wurde zu wenig Rechnung getragen.

Schliesslich zeigt die Untersuchung auch, dass sich die Leitung der taZ und die Dozierenden nicht immer dessen bewusst waren, dass ihr Umgang mit den Schülerinnen und Schülern auf diese beleidigend, demütigend oder blossstellend wirken konnte. Die Empfehlung, die Dozierenden und ihre Vorgesetzten mit wiederkehrenden Schulungen zu sensibilisieren und ihnen alternative Handlungsformen aufzuzeigen, wurde bereits umgesetzt: Seit dem Herbstsemester 2022 wurden umfangreiche Weiterbildungen mit Dozierenden und dem Interim-Leitungsteam der taZ durchgeführt sowie Anpassungen in der Unterrichtsmethodik und Führung der taZ vorgenommen.

Seit Juni 2022 werden Schülerinnen und Schüler der taZ regelmässig darüber informiert, an welche Stellen sie sich im Beschwerdefall wenden können. Wie allen ZHdK-Angehörigen stehen ihnen sechs interne Vertrauenspersonen sowie eine externe Vertrauensstelle zur Verfügung, die sie aufsuchen können. Sowohl die internen Vertrauenspersonen als auch die externe Stelle bieten höchsten Schutz und Diskretion.

Der Auftrag für die Administrativuntersuchung wurde der Anwaltskanzlei Rudin Cantieni Rechtsanwälte AG im Juni 2022 erteilt. Gegenstand der Untersuchung waren in den Medien geäusserte Vorwürfe ehemaliger Schülerinnen und Schüler der taZ, die psychischen Missbrauch, systematische Erniedrigung, Bodyshaming sowie Gefährdungen der körperlichen Unversehrtheit in den Mittelpunkt stellten. Im Rahmen der Untersuchung, die Vorwürfe sowie Mängel und Pflichtverletzungen an der taZ vollständig aufklären sollte, fanden 76 Befragungen statt. Der Bericht ist ab sofort öffentlich einsehbar.


ZFICTION.24 lädt internationale Filmschaffende, Schauspielende, Forschende sowie Studierende zu einem fachlichen und kreativen Austausch ein. Fragen zur Kreation und Wahrnehmung von «gutem» Schauspiel aus filmwissenschaftlicher und psychologischer Sicht werden dabei ebenso thematisiert wie die Rolle von Schauspielenden als Datenlieferantinnen und -lieferanten in einer digitalisierten Welt. Technologische Auswirkungen auf aktuelle und künftige Arbeitsfelder aus künstlerischer und ethischer Sicht und neue Ansätze in der Schauspielausbildung ergänzen Fragen zu Partizipation, Diversität im Casting und in den Arbeitsbeziehungen Schauspiel-Regie-Coach. Die Veranstaltung bietet eine Vielzahl von Vorträgen und Case Studies, darunter Beiträge von renommierten Persönlichkeiten wie:

Die Zürcher Spielfilmtagung ist eine Veranstaltung des Institute for the Performing Arts and Film der ZHdK in Zusammenarbeit mit der Fachrichtung Film der ZHdK. Mit Unterstützung von der Stiftung Weiterbildung Film und Audiovision FOCAL und dem Schweizerischen Nationalfonds SNF.

Tickets für die deutsch- und englischsprachige Tagung sind hier erhältlich.

«Future Bodies – Screen Acting in the Digital Age»
21. und 22. März 2024, 9:15 bis 18 Uhr
Gessnerallee, Bühne A, Zürich
blog.zhdk.ch/zfiction/zfiction-24/


An der ZHdK finden täglich unzählige Begegnungen statt. Hier studieren, lehren, forschen, arbeiten und bilden sich Menschen aus über 75 Ländern. Ein Mikrokosmos vielfältigster Talente, durch deren Aufeinandertreffen Aussergewöhnliches entsteht. Der ZHdK kann man derweil nicht nur am Campus Toni-Areal und an der Gessnerallee begegnen, sie wirkt hinaus in die Stadt Zürich, in die Schweiz, sie ist weltweit vernetzt. In einer globalisierten Welt des Austauschs und der Vielfalt ist sie ein Beispiel der transformativen Kraft von Begegnungen.

Von all dem berichtet der Jahresbericht 2023 der ZHdK: Wie unterstützt Dialogdesign menschliche Begegnungen in Konfliktsituationen? Was entsteht, wenn Kunst und Aktivismus sich begegnen? Welche Perspektiven zum Klimawandel erarbeiten Doktorierende von vier Kunsthochschulen? Als künstlerisches Highlight begleitet eine Filmcrew Arc-en-Ciel, das Ensemble für zeitgenössische Musik der ZHdK, bei dem Musikstudierende sich zum gemeinsamen Spiel und zur Interaktion mit den Dirigier- und Kompositionspersönlichkeiten treffen – um mit den Zuhörenden das gemeinsame Musikerlebnis im Hier und Jetzt zu geniessen.

«Rund um den Einsatz nachhaltiger Materialien ist im Designmarketing momentan eine problematische Augenwischerei zu beobachten.»

Franziska Müller-Reissmann

Recyclingfähigkeit, die in der Vermarktung von Materialien gerne und oft mit Nachhaltigkeit gleichgesetzt wird, ist von bestehenden Kreisläufen abhängig, die es im Materialbereich nur dort gibt, wo es sich wirtschaftlich rechnet. Bei Kunststoffen ist das eher die Ausnahme als die Regel. Das Label «-bar» (kompostier-bar, recycel-bar) reicht hier offenbar als Ausweis purer Möglichkeit fürs gute Gewissen.

Rund um den Einsatz nachhaltiger Materialien ist im Designmarketing momentan eine problematische Augenwischerei zu beobachten. Sie hat eine eigene Nachhaltigkeitsästhetik entstehen lassen, die über klare, einfach lesbare Codes verfügt: Biokunststoff = nachhaltig, veganes Leder = nachhaltige Alternative.

Doch der Einsatz eines Materials ist nicht in erster Linie sozialer oder ökologischer Sinnhaftigkeit unterworfen. Der Werkstoff muss einem Zweck dienen, technologische Bedingungen erfüllen, ästhetischen und gesellschaftlichen Anforderungen genügen, die sich stetig wandeln.

«Nicht mehr Material zu nutzen, als sich regeneriert, ist ein komplexes Vorhaben und ein unmögliches Unterfangen in unserer Massenkultur.»

Franziska Müller-Reissmann

Nachhaltig im wahren Sinn des Wortes zu sein ist nicht möglich, nur nachhaltiges Wirtschaften ergibt als Sprachkonstruktion einen Sinn. Da Wirtschaften eng mit der Kultur der Massenproduktion verwoben ist, die ihrerseits wiederum an eine moderne Identität gekoppelt und entsprechend schwer abzuschaffen ist, ist wenig Hoffnung angesagt. Denn nachhaltiges Wirtschaften kann es heute kaum geben. Etwas nachzutragen für die Zukunft, also im eigentlichen Wortsinn der Idee Nachhaltigkeit, nicht mehr zu nehmen, als sich regeneriert, ist ein komplexes Vorhaben und ein unmögliches Unterfangen in unserer Massenkultur.

Wenn es aber ums Eingreifen in die Welt geht, herrscht eine andere Perspektive auf das Thema Nachhaltigkeit und Material. Die eigene Zeit in einem bestimmten Lebensumfeld auf dieser Welt macht Handeln notwendig. Ohne den Optimismus der Tat im Lebensalltag hat dieser wenig Sinn.

Der Blick ins Designlabor lässt vieles möglich erscheinen: vollständig und sehr schnell kompostierbare Pilzmaterialien, die ohne zusätzlichen Energiebedarf von Organismen hergestellt werden und gegen Hightech-Kunststoffe bestehen können, oder 3D-gedruckte Keramikskulpturen, die – im Meer versenkt – Korallen einen Lebensraum bieten.

«Neben der Gestaltung mit einem sinnvollen Material erlaubt die Gestaltung des Materials selbst eine wichtige Weichenstellung hinsichtlich Nachhaltigkeit.»

Franziska Müller-Reissmann

Design hat hier viele Möglichkeiten. Neben der Gestaltung mit einem sinnvollen Material erlaubt die Gestaltung des Materials selbst eine wichtige Weichenstellung hinsichtlich Nachhaltigkeitsüberlegungen. Wie zur Zeit der Materialerfindungen von circa 1850 bis 1950 sehen wir uns heute wieder der Notwendigkeit gegenüber, neue Materialien für komplexe Lösungen zu finden. Wie damals sind auch heute schwindende Ressourcen ein bedrückendes und daher treibendes Motiv für Nachhaltigkeitsdenken und für Innovationen in der Gestaltung. Heute ist die apokalyptische Vorstellung eines nahenden Endes nicht mehr nur rein ökonomisch konnotiert, sondern man bangt zudem um humanistische und soziale Errungenschaften. Das einstige «Ach herrje! Es gibt ja gar nicht genug Elfenbein für alle!» (Folge: Erfindung von Kunststoffen wie Zelluloid und Bakelit) und die Holzknappheit vor der Industrialisierung (Folge: Erfindung des Koks zur Eisenverhüttung) werden zu: «Vorsicht! Wir richten tief greifenden, irreparablen Schaden an der Ökologie der Erde an.» (Folge: ?)

Eine gute Zeit für Design: dafür, neue und altbekannte Biopolymere zu synthetisieren, in Kreisläufen zu denken, zu experimentieren, zu reduzieren. Gesellschaftlich wirkt schlaues Materialdesign als Katalysator für Bewertungen und Haltungen und dient als Entscheidungsgrundlage für die Wahl von Verfahren und Prozessen. Hier liegt die Verpflichtung des nachhaltigen Gestaltens.

Die App sieht anders aus und funktioniert anders als beispielsweise die Mediations-Apps ihrer Mütter – und genau darum geht es.

Judith Mair

«Die meisten Angebote, die sich im Kontext von psychischer Gesundheit an Jugendliche wenden, erreichen sie nicht. Sie orientieren sich an den Vorstellungen von Eltern und Erwachsenen, haben aber mit der Lebensrealität der Jugendlichen, die oft in der digitalen Sphäre stattfindet, herzlich wenig zu tun», erklärt Judith Mair, Projektleiterin an der ZHdK. «‹Heavy Mental› wurde zusammen mit Jugendlichen für Jugendliche entwickelt. Die App sieht anders aus und funktioniert anders als beispielsweise die Mediations-Apps ihrer Mütter – und genau darum geht es.»

Die Entwicklerinnen und Entwickler standen auch in Kontakt mit Pro Juventute, der grössten Schweizer Stiftung für Kinder und Jugendliche. Für sie schaffen Apps wie «Heavy Mental» Schnittstellen zu psychosozialen Hilfsangeboten wie 147.ch von Pro Juventute – dies mit einem innovativen, spielerisch-digitalen Ansatz, der die Zielgruppe direkt anspricht.

Design: Ariane Spanier | Programmierung: Milk Interactive 

Mehr zum Entstehungsprozess und wissenschaftlichen Hintergrund auf www.heavy-mental.ch


Erschwingliche und lokal produzierte Beinprothesen

Gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO sind 35 bis 40 Millionen Menschen weltweit auf orthopädische Produkte angewiesen. Dabei hat nur jede zehnte Person Zugang zu erschwinglichen Hilfsmitteln wie Prothesen. Die meisten kostengünstigen Prothesenlösungen sind dabei von Spendengeldern abhängig, und bei zahlreichen Produkten mangelt es an Funktionalität und Komfort.

Abhilfe schaffen will das Sozialunternehmen «Circleg», das 2018 an der ZHdK als Bachelor-Arbeit in Industriedesign zum Leben erwachte. Die Initianten Fabian Engel und Simon Oschwald brachten in der Zeit nach ihrem Studienabschluss das Projekt durch Forschung und Entwicklung zur Serien- und Marktreife. Das mittlerweile aus 13 Personen bestehende Start-up – je zur Hälfte in der Schweiz und in Kenia ansässig – setzt alles daran, eine hochwertige Versorgung mit nachhaltig und lokal produzierten Prothesen umzusetzen. Zudem will «Circleg» die Stigmatisierung von Amputationen in der Gesellschaft verringern. «Circleg» ist mehrfach ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem «Design Preis Schweiz» in der Kategorie «Going Circular Economy» und anlässlich des Swiss Green Economy Symposium mit dem «Sustainable Development Goals Award».

In den letzten fünf Jahren hat «Circleg» ein umfassendes Netzwerk an Produzenten, Lieferanten und Unterstützern in Ostafrika, der Schweiz und Europa aufgebaut und gleichzeitig alle relevanten Spitäler mit Orthopädie-Werkstätten in Ostafrika erschlossen. Mitte Oktober erfolgte nun der Product Launch in Nairobi, zusammen mit lokalen Interessengruppen, Prothesenträger:innen als Circleg Ambassadors und Podiumsdiskussionen über die Bereitstellung einer ganzheitlichen prothetischen Versorgung in Kenia. Die Produkteinführung in Kenia soll den Auftakt darstellen für die weitere Etablierung auf dem afrikanischen Markt und darüber hinaus.

Mehr Informationen auf der offiziellen Webseite


Smartes Modedesign: Regenschutz für Menschen im Rollstuhl

Geeignete und modische Kleidung finden, die auch den technischen Anforderungen entsprechen: Gerade Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen bereitet dies grosse Schwierigkeiten. Insbesondere bei Outdoor-Bekleidung wie dem Regenschutz besteht ein großer Bedarf an neuen und innovativen Lösungen.

Hier knüpft der Regenschutz «Para» an und trägt mit innovativen und funktionalen Detail-Lösungen zur Individualisierung und Erleichterung der Handhabung den spezifischen Anforderungen Rechnung. Beispielsweise ist das Oberteil, vergleichbar mit herkömmlichen Regenjacken, kürzer geschnitten und bietet generell eine bessere und verstellbare Passform. Oder die Kapuze dreht sich mit dem Kopf mit und gewährleistet stets freies Sichtfeld. Da Rollstuhlfahrer:innen im Schulterbereich mehr Bewegungsfreiheit der Arme für die Fortbewegung brauchen, wurde am Rücken ein Mesh-Einsatz eingenäht, der Elastizität bietet und jede Bewegung mitmacht. An die Jacke lässt sich ein Beinschutz anknüpfen, der leicht und selbständig anzuziehen und mit grossen Taschen versehen ist. Sämtliche Verschlüsse sind auch bei eingeschränkter Beweglichkeit der Hände und Finger rasch zu bedienen, die Reissverschlüsse haben grosse Laschen, alle übrigen Verschlüsse bieten integrierte Magnete zur einfachen Bedienung. Im Design setzt sich «Para» durch zahlreiche reflektierende Elemente in Szene und lässt den Regenschutz sehr modisch aussehen.

Das Resultat ist ein fertig erstellter und marktreifer Design-Prototyp, der auf die Bachelorarbeit der Industriedesign-Absolventin Tabea Wschiansky zurückgeht. Als nächstes soll der Design-Prototyp in ein marktfähiges Produkt umgesetzt werden – Ziel ist die Produktion und der Verkauf von «Para», dafür ist Tabea noch auf der Suche nach Kooperationspartnern und interessierten Investoren oder Institutionen. «Para» wurde 2023 vom «James Dyson Award» als National Winner ausgezeichnet, hinzu kamen Nominierungen im Rahmen der laufenden «Global Design Graduate Show» von Arts Thread sowie für «Prototypes For Humanity» und «Die Besten» von Hochparterre.

Mehr Informationen im ZHdK Showcases Design


Every two years, the Young Graphics Award 2023 honours graphics projects by students and trainees from all over Switzerland. A nine-member jury of renowned graphic designers selected 30 works from over 300 submissions. The Award Night took place on 18 November 2023 - now one of the leading young talent platforms for graphic design.
The 30 winners will be presented in a publication and showcased on the competition website. The award ceremony also marks the start of a travelling exhibition: the winning works will be on display at the Graphic Design Festival in Lucerne and then in Zurich, Sierre and Geneva.
 
The winners from the Zurich University of the Arts are:

ZHdK Nachhaltigkeitsbericht 2020-21: Severin Weber, Tanja Vogt, Armando Guetg

Archeology of Consequent Forms: Orlando Brunner

Hans Neuburg – Haltung und Gestaltung: Dimitris Giannoulas, Orlando Brunner, Nathan Meyer

Canvas: Nathan Meyer

Two Constructivist Manifestos: Stanislav Favre

The Glass Ceiling: Rebekka Hausmann


Every two years, the Young Graphics Award 2023 honours graphics projects by students and trainees from all over Switzerland. A nine-member jury of renowned graphic designers selected 30 works from over 300 submissions. The Award Night took place on 18 November 2023 - now one of the leading young talent platforms for graphic design.
The 30 winners will be presented in a publication and showcased on the competition website. The award ceremony also marks the start of a travelling exhibition: the winning works will be on display at the Graphic Design Festival in Lucerne and then in Zurich, Sierre and Geneva.
 
The winners from the Zurich University of the Arts are:

ZHdK Nachhaltigkeitsbericht 2020-21: Severin Weber, Tanja Vogt, Armando Guetg

Archeology of Consequent Forms: Orlando Brunner

Hans Neuburg – Haltung und Gestaltung: Dimitris Giannoulas, Orlando Brunner, Nathan Meyer

Canvas: Nathan Meyer

Two Constructivist Manifestos: Stanislav Favre

The Glass Ceiling: Rebekka Hausmann


Der neue Podcast «Kunstlicht» ist nah dran an aktuell diskutierten Themen: Es geht um Triggerwarnungen, Debattenkultur oder was genau eigentlich Innovation bedeutet. Aus Perspektive der Kunstwelt werden gesellschaftliche Fragen verhandelt, immer unter der Prämisse, dass Kunst «Zugänge zur Welt vermittelt, die nicht so ohne weiteres formalisierbar, planbar, standardisierbar, domestizierbar sind. Deshalb bildet Kunst ein Risiko.»

Diesem Risiko stellen sich die Hosts des Podcasts mit Eloquenz und Lust an der Debatte. Das Gespann hat einen vielfältigen Hintergrund: Eva Pauline Bossow kennt das Dreieck Kreativwirtschaft, öffentliche Kulturinstitutionen und Privatwirtschaft aus unterschiedlichen Positionen und ist heute als Beirätin und Beraterin aktiv. An der ZHdK war sie im Zurich Centre for Creative Economies (ZCCE) sowie im Digitalrat tätig. Jörg Scheller ist Professor im Departement Fine Arts, unterrichtet Kunstgeschichte und ist leidenschaftlicher Bodybuilder und Heavy-Metal Musiker.

Ergänzt werden ihre Positionen durch spannende Gäste. In der Rubrik «Fernlicht» kommen unter anderem ZHdK-Alumni zu Wort, die nicht in klassischen Kunstberufen tätig sind. Zum Beispiel erzählt Fine-Arts-Alumna Lauren Wildbolz, wie sie das erste vegane Restaurant der Schweiz eröffnet hat.

Jetzt reinhören auf Spotify oder ITunes.


Die ZHdK zelebriert die Diplome 23 und mit ihnen ein facettenreiches Veranstaltungsprogramm im Toni-Areal: Am Donnerstag, 8. Juni, 17 Uhr, eröffnet Rektorin Karin Mairitsch die Diplomausstellung in der Eingangshalle des Toni-Areals. Die Vernissage der Diplomausstellung findet dieses Jahr im Rahmen der Installation des Departements Darstellende Künste und Film statt, Tanzperformances inklusive.

Danach ist das Publikum eingeladen, an der Ausstellung, bei Filmvorführungen, Konzerten, Tanz- und Theateraufführungen die Diplomprojekte zu entdecken. Die Abschlussarbeiten geben einen konzentrierten Einblick in die künstlerisch-gestalterische Vielfalt der ZHdK. Einige Beispiele:

Simona Boscardin (BA Cast Audiovisual Media): ON FIRE

ON FIRE ist ein satirisches Nachrichtenformat, das einen aufschlussreichen und sorgfältig recherchierten Blick auf Geschehnisse und drängende politische, soziale und kulturelle Themen in der Schweiz bietet. Die Pilotfolge wirft einen Blick auf die Woke-Debatte und geht der Frage nach, wie es um die Meinungsfreiheit in der Schweiz tatsächlich steht.

Elena Kaeser (BA Knowledge Visualisation): Bergdrama. Eine noch nicht eingetroffene Naturkatastrophe

Die Aktualität alpiner Naturgefahren verlangt eine allgemein verständliche Kommunikationsmethode. Ein Beispiel für einen potenziellen Bergsturz stellt «Spitze Stei» oberhalb von Kandersteg dar. Die 3D-Animation erlaubt das Miterleben einer noch nicht eingetroffenen Naturkatastrophe.

Feministische Lesung: Warum wir schreiben, manchmal auch schreien

10. Juni, 18:30 – 19:30, Toni-Areal, Zeichnungssaal 7.G01
Ist Schreiben eine Möglichkeit, gegen etwas zu protestieren? Und welchen Hürden begegnen wir, wenn wir die eigene Geschichte und diejenigen anderer Frauen aufschreiben? Die Kulturpublizistik-Absolventinnen Pascale Gähler, Hannah Grüninger, Annatina Nay, Noëmi Roos und Gianna Rovere reflektieren ihr Selbstverständnis als Autorinnen im Gespräch mit der Verlegerin Jil Erdmann.

Öffentliche Führung des Master Fine Arts mit der Kuratorin Anna Goetz.

10. Juni, 14 Uhr, Toni-Areal, Kino Toni

Zum Fokus Nachhaltigkeit werden am 19. Juni um 17.30 und um 19 Uhr Führungen angeboten.

Die Fachstelle Gleichstellung und Diversity organisiert am 20. Juni um 12.15 Uhr einen Lunch-Talk.

Diplomausstellung

Die Ausstellung findet vom 9. bis 23. Juni im Toni-Areal statt und ist täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Diplomfilme

An der Vernissage sowie vom 13. bis 15. Juni und vom 20. bis 22. Juni zeigen Filmstudierende ihre Abschlussfilme im Kino Toni im Toni-Areal. Zu sehen sind 17 Filme, ein Showreel und eine Ausstellung aus dem Production Design. Das Programm ist unter filmstudieren.ch/event/screening-diplomfilme verfügbar.

Weitere Diplomveranstaltungen

Im Juni sowie über das ganze Jahr verteilt finden im Toni-Areal und im Theater der Künste an der Gessnerallee in Zürich Diplomkonzerte, Tanz- und Theateraufführungen statt.


Der Hochschultag 2023 im grossen Konzertsaal des Campus Toni-Areal wird einmal mehr zur Nacht der Auszeichnungen. In diesem Jahr verleiht die ZHdK am 9. November zwei herausragenden Persönlichkeiten aus der Kunst- und Kulturszene den Ehrenpreis. Überreicht werden die Ehrentitel von der Rektorin Karin Mairitsch.

Honorary Companion: Christoph Hefti – Grenzgänger zwischen Design und Kunst 
Der «Honorary Companion ZHdK 2023» geht an den Schweizer Christoph Hefti. Der Grenzgänger zwischen den Disziplinen Design und Kunst schloss 1989 an der damaligen Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich als Textilgestalter ab und studierte dann Mode am Central Saint Martins in London. Sein beruflicher Weg als Textil- und Modegestalter führte ihn zu Häusern wie Dries Van Noten, Lanvin und Balenciaga. Parallel kreierte Hefti Musik, Videos, Performances und Bühnenkostüme. Seit 2015 konzentriert er sich hauptsächlich auf das Entwerfen und Entwickeln von in Nepal handgeknüpften Teppichen, eigens hergestellten Keramiken und grossbedruckten Vorhängen, die in namhaften Design- und Kunstgalerien weltweit zu sehen sind. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Schweizer Grand Prix Design.

Companion: Vicky Krieps – Leidenschaft fürs Schauspiel
International von sich reden macht auch die Schauspielerin Vicky Krieps, die mit dem «Companion ZHdK 2023» ausgezeichnet wird. Ihre Karriere begann neben Daniel Day-Lewis in «Phantom Thread», ab Oktober ist sie in Margarethe von Trottas «Ingeborg Bachmann» zu sehen. Für ihre Darstellung der Kaiserin Sisi im Film «Corsage», bei der sie auch als Executive Producer fungierte, erhielt Krieps den Europäischen Filmpreis. 2023 wurde ihr vom französischen Kulturministerium der «Ordre des Arts et des Lettres» verliehen. Als nächstes ist sie im feministischen Western «The Dead Don't Hurt» zu sehen, der ihr gerade am renommierten Toronto International Film Festival den «Tribute Award» bescherte. Die Luxemburgerin schloss ihr Schauspielstudium an der ZHdK 2008 ab. 


Ehrentitel der ZHdK
Die ZHdK-Ehrentitel werden einmal pro Jahr vergeben und sind mit keiner finanziellen Zuwendung verbunden. Angehörige der ZHdK können Preisträger:innen vorschlagen. Die Hochschulleitung, beraten von einem Ausschusskomitee, entscheidet über die Vergabe. Die Ehrentitel werden am Hochschultag der ZHdK verliehen. Die Veranstaltung ist nicht öffentlich.

Wir vermitteln Ihnen gern Interviews mit Christoph Hefti.


«Sich aussetzen» ist das ambitionierte Motto der diesjährigen Ausgabe des REFRESH Festivals, das zum kritischen Austausch anregen und gemeinsam mit internationalen Gästen die heutige wie zukünftige Rolle von Kulturschaffenden in einer hochdigitalisierten, kriegs- und krisengeschüttelten Welt beleuchten soll.

REFRESH findet vom 9. bis 12. November 2023 im Toni-Areal statt und befasst sich mit drängenden Fragestellungen an der Schnittstelle von Kunst, Design und Technologie. Schwerpunktthemen der diesjährigen Ausgabe sind «Immersive Journalism», «Worldbuilding», «Design Realities», «Future Technologies» und «New Ecologies».

Eine Auswahl der Teilnehmer:innen: 

  • Die Folgen unseres Handelns für die Natur sind inzwischen bekannt. Doch die Emissionen steigen weiter. Forderungen nach Klimaschutz führen zu neuen gesellschaftlichen Spaltungen. Der dänische Soziologe Nikolaj Schultz befasst sich in seiner Forschung mit den gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels. Mit dem französischen Soziologen Bruno Latour hat er das Buch «Zur Entstehung einer ökologischen Klasse» (edition suhrkamp) verfasst. Für beide ist klar: So wie einst die Arbeiterklasse den sozialen Fortschritt erkämpfte, bedarf es heute einer ökologischen Klasse, um den Klimawandel aufzuhalten.
     
  • Könnte so die Zukunft des Journalismus aussehen? «VR wurde zu einem perfekten Medium, um Menschen in ansonsten unzugängliche physische und emotionale Räume zu bringen», sagt der immersive Filmemacher Sam Wolson aus den USA, der zuvor als Dokumentarfotograf für «National Geographic» und «The New York Times» arbeitete. 2017 war er Co-Regisseur des VR-Films «We Who Remain», dem ersten charaktergesteuerten VR-Film, der in einem aktiven Kriegsgebiet im Sudan gedreht wurde. Sein 2021 fertiggestellter VR-Dokumentarfilm «Reeducated» führt die Zuschauer:innen in ein Gefangenenlager im chinesischen Xinjiang. Drei Betroffene berichten über ihre persönlichen Erfahrungen vor Ort. Das mehrteilige immersive Projekt, das Wolson im Rahmen seiner aktuellen Anstellung bei «The New Yorker» umsetzte, wurde u.a. mit einem Emmy ausgezeichnet.
     
  • Dominic Nahr (CH) ist ein international anerkannter Fotograf, der gewaltsame Konflikte und humanitäre Krisen dokumentiert. Für das «Time Magazine» war er 2011 in Fukushima. Seitdem berichtet er über die Folgen der Nuklearkatastrophe. Die in Zusammenarbeit mit Sam Wolson entstandene VR-Erfahrung «After the Fallout» wird erstmals am REFRESH #5 in der Schweiz gezeigt. Die immersive Dokumentation zeigt die gelebten Realitäten und Konsequenzen des postnuklearen Fukushima. Nahr wurde mehrfach ausgezeichnet, etwa am World Press Photo, seine Arbeiten waren im «National Geographic Magazine», «The New Yorker» oder «Der Spiegel» zu sehen.
     
  • Revolutioniert sie unseren Museumsbesuch? Sarah Kenderdine ist leitende Kuratorin der EPFL Pavilions, Professorin für digitale Museologie an der EPFL Lausanne und bringt 360-Grad-Panoramen und digitale Replikas in die Museen. Die Australierin beschäftigt sich mit der Frage, wie wir Kultur in Zukunft begegnen werden. Kenderdine forscht im Bereich interaktiver und immersiver Erfahrungen für Galerien, Bibliotheken, Archive und Museen. Nicht umsonst wurde sie bereits als Pixel-Visionärin bezeichnet. Sie hat über 90 Ausstellungen und Installationen für Museen auf der ganzen Welt realisiert, darunter einen Museumskomplex in Indien, und für diese Arbeit eine Reihe bedeutender internationaler Auszeichnungen erhalten.
     
  • Unsere Sicht auf die Welt erweitern will auch die in Montreal lebende kanadische Künstlerin Sabrina Ratté. Sie nutzt digitale Technologien wie Video, Animation, audiovisuelle Performances und virtuelle Realität und mischt sie mit analogen Technologien und Fotografie: «Ich habe Video immer als eine Art Malerei mit elektronischem Licht betrachtet.»
     
  • Anan Fries (CH) schafft mit «Posthuman Wombs» eine Welt, in der alle Körper schwanger werden können. Der 28-minütige VR-Trip ist «eine zärtliche Reise in den Bauch des schwangeren Post-Humans» (hau4.de). Hier ist das Geschlecht nicht binär, Natur und Technologie stehen nicht im Gegensatz zueinander. Persönliche Erfahrungen und philosophische Überlegungen setzen sich dabei mit nicht-normativen Schwangerschaften auseinander.

Die Veranstaltung ist öffentlich. Kostenlose Tickets für die verschiedenen Veranstaltungsangebote müssen unter refresh.zhdk.ch bezogen werden.

REFRESH ist eine Initiative des Departements Design und des Immersive Arts Space der Zürcher Hochschule der Künste. 

Programm und weitere Informationen: refresh.zhdk.ch

Festival REFRESH #5
9. bis 12. November 2023
Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, Zürich

---

Gerne vermitteln wir Ihnen Interviews mit den beteiligten Designer:innen, Künstler:innen und Forscher:innen oder mit dem Festival-Leitungsteam: Co-Leiterin und Kuratorin REFRESH Maike Thies (E-Mail) sowie Co-Leiter REFRESH und Leiter des Immersive Arts Space (ZHdK) Prof. Dr. Chris Salter (E-Mail).


Die Hochschulleitung der ZHdK hat Jason Beechey als Head of Dance bestätigt. Damit folgte sie der Empfehlung der Findungskommission des Departements Darstellende Künste und Film. Jason Beechey wird ab 1. Januar 2024 designierter Head of Dance und tritt sein Amt per 1. August 2024 vollständig an. Beechey ist Teil des Interimsleitungsteams der taZ, das in seiner Zusammensetzung für das aktuelle akademische Jahr unverändert bleibt.

Jason Beechey ist seit 18 Jahren Rektor an der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden und arbeitete zuvor als pädagogischer Leiter am Nationalen Choreografiezentrum in Belgien, dort gründete er auch sein eigenes Studio «The Loft». Vor seiner Zeit als Solist beim London City Ballett absolvierte er die School of American Ballet, die Waganowa Akademie und die National Ballet School in Kanada. Er hat u.a. zusammengearbeitet mit den Choreografen Wayne McGregor, Frédéric Flamand und William Forsythe. Beechey betont das Individuum in seinem tänzerischen Schaffen und trieb seine Vision mit der Entwicklung von neuen Ausbildungsprogrammen, Gesundheitsteams sowie einem globalen Netzwerk an Partnerinstitutionen voran.

«Die Ausbildungsangebote an der ZHdK decken bereits heute die Breite an Berufsmöglichkeiten im Tanz ab, und das, obwohl die professionelle Tanzausbildung in der Schweiz noch sehr jung ist. Wie in kaum einem anderen Feld kann hier über die Sparten und Generationen hinweg ausgebildet werden. Zusammen mit der Leitung der Studiengänge Contemporary Dance und der Interimsleitung taZ wurde entschieden, diese Synergien nun weiter zu nutzen und in einem integrativen Umfeld einen zukunftsweisenden Fachbereich aufzubauen. Jason Beechey hat uns mit seinem Engagement im Berufsfeld, an der Hochschule und innerhalb internationaler Netzwerke überzeugt. Seine Erfahrung, Integrität und Begeisterung für das Potenzial des Tanzes in Kunst und Gesellschaft ist für die ZHdK ein grosser Gewinn. Sein Bekenntnis zu Transparenz und Teilhabe ist die ideale Voraussetzung für eine werteorientierte Haltung, die von den aktuellen Leitungsteams bereits gelebt wird», sagt Marijke Hoogenboom, Direktorin Departement Darstellende Künste und Film.

«Dies ist eine inspirierende Chance, durch eine gemeinsame Vision eine neue Ära für den Tanz an der ZHdK, in Zürich und der Schweiz zu schaffen. Ich möchte im Geiste der Zusammenarbeit und der gemeinsamen Gestaltung eine neue Dynamik entfachen, für eine gesunde und inklusive Tanzausbildung, vom klassischen Ballett bis zum zeitgenössischen Tanz – von der Pädagogik bis zur Forschung. Ich freue mich sehr auf die Aufgabe, die ZHdK an die Spitze von Innovation und Entwicklung in der Tanzausbildung zu bringen», so Jason Beechey.



CEF 2023: Entrepreneurial Strategies in the Creative Economies

Under the motto "Keep your Dreams Alive - Entrepreneurial Strategies", the Creative Economies Forum (CEF) at the Toni Areal on October 4 and 5, 2023, will explore the question of what are sustainable and promising strategies for the Creative Economies. The CEF is an annual event that brings together creative economy stakeholders and provides a platform for the exchange of ideas, experiences and innovative approaches. Admission is free, but registration is requested: https://www.zhdk.ch/zcce/cef

Generative artificial intelligence instead of design practices, promising activity profiles instead of cultural professions, social impact and green deal instead of arts; external developments intensely challenge the cultural sector. What does it take today to make a relevant impact as an artist:in or designer:in? What are the expectations in the job market? Are there too many cultural workers in Switzerland? Do the art academies and funding agencies have a new role to play in these developments? This year, CEF focuses on entrepreneurial strategies that help keep creative dreams alive and successful.

CEF is an opportunity to learn from top industry experts, researchers, entrepreneurs and artists, and to share ideas at lectures, panels, workshops. The panel discussion will focus on current issues and challenges in the creative industries, while the workshops will provide participants with practical tools and strategic courses of action. Topics of the workshops will be: opportunities and risks of AI in the arts, careers & assessments, new impact strategies, alternative funding models and many more.

The keynote "Zero Bullshit Strategy" on Wednesday evening will kick off with the young producer and founder Mariska van Lavieren, who follows a novel strategy approach with her agency NAVADA and helps female creatives to brunch through. Afterwards, Simon Grand (Research Fellow ZCCE, Titular Professor HSG) will moderate a panel with the Rector of ZHdK Karin Mairitsch, Miriam Walther Kohn (PUBLIX, Gessnerallee Zurich, Labor mit Utopieverdacht, artFAQ) and Daniel Freitag (Co-Founder Freitag) and Mariska van Lavieren.

About the Creative Economies Forum:

CEF 2023 is organized annually by the Zurich Centre for Creative Economies (ZCCE) with the aim of connecting the community of artists, designers, entrepreneurs, researchers, students, policy makers and cultural enthusiasts. This year, the European research project "Creative Impact Research Centre Europe" (CIRCE) is a guest at the CEF. As one of five research labs, the ZCCE is working on the focus of "Entrepreneurial Strategies" in the Creative Economies within this project: www.creativeimpact.eu.

The Zurich Centre for Creative Economies (ZCCE) is a competence and research center of the Zurich University of the Arts (ZHdK) at the interfaces of science, business, politics and society.

This release and images can be found at www.zhdk.ch/newsroom.

Contact

Lilla Lukacs, Zurich University of the Arts, University Communications, zhdk.kommunikation@zhdk.ch, +41 43 446 44 20, www.zhdk.ch

Lea Ingber: Entspricht das Studium bis anhin deinen Erwartungen?

Laura Morales: Nachdem ich als Fotografin gearbeitet und auch Film studiert hatte, wollte ich mich eingehender mit den technischen Aspekten des Metiers befassen. Und Zürich ist dafür der beste Ort in der Schweiz. Ich mag es, dass die Dozierenden einem einerseits helfend zur Seite stehen, wenn man Fragen hat, andererseits aber freie Hand lassen und vertrauen.

Welches sind deine derzeitigen Projekte?

Ich arbeite zurzeit mit Regiestudent Andrea Popović, der in Belgrad seinen Master-Film dreht. Ich lerne bei jedem Film Neues dazu. Der letzte Film, an dem ich mitgearbeitet habe, war so was wie ein Mix aus Guy Ritchie und James Bond. Die Sache hat mich interessiert, weil sie eigentlich überhaupt nicht in mein sonstiges Referenz- und Ästhetikschema passt, aber für mich natürlich eine Erweiterung in Sachen Filmsprache ist.

Was ist dein Lieblingsmoment während der Dreharbeiten?

Es sind diese kurzen Momente der Stille, des Innehaltens. Du drehst eine Szene, die Schauspieler:innen haben ihren Part im Griff, die Kameraführung stimmt… und du spürst dieses verbindende Wissen darum, dass alles wunderbar geklappt hat. Man schaut sich gegenseitig an und weiss: Wir haben einen perfekten Take.

Der Beruf der Kamerafrau hat sich über die letzten Jahre grundlegend gewandelt. Heute können ja alle ihr Handy zücken und loslegen.

Ich persönlich mag es, dass alle Zugang zu diesem Medium haben und aktiv werden können, sei dies aus politischen oder medienbezogenen Gründen. Ich glaube aber nicht, dass das einen grundlegenden Einfluss auf meine Arbeit als Kamerafrau hat. Nicht alle können schliesslich ein Set gut ausleuchten, eine Szene im Detail komponieren usw., und dieses Können ist es ja, das unseren Beruf ausmacht.

Welches sind deine Pläne für die Zeit nach dem Studium?

Ich würde gerne an einem abendfüllenden Dokumentarfilm mitarbeiten und mich im Bereich Spielfilm weiterentwickeln. Und natürlich würde ich auch gerne einen eigenen Dokumentarfilm realisieren. Mich interessieren Tourismus und Neokolonialismus sehr, speziell die Beziehung zwischen Reiseführer:innen und Tourist:innen, die entlegene exotische Ziele besuchen.

Wer oder was verdient es, dass wir genauer hinhören?

Die Zeit. Als Kameraleute kämpfen wir immer gegen die Uhr und versuchen trotzdem, kreativ und innovativ zu bleiben. Wir sollten uns mehr Zeit nehmen und sorgfältig mit dieser Zeit umgehen.


Giulia Adagazza: Wieso hast du dich für das Studium im Master Musikpädagogik entschieden?

George Marti: Ich habe bereits einen Master in Performance am Berklee College of Music absolviert. Im Master Musikpädagogik erwerbe ich nun Kompetenzen rund um die Vermittlung von Musik und Klang. Ich lerne im Studium auch, Projekte zu planen, zu reflektieren und zu kommunizieren. Die ZHdK ist der ideale Ort, um mich weiterzuentwickeln – auch in der Qualität meines künstlerischen Ausdrucks. Da alle Künste unter einem Dach vereint sind, kann ich mich vielfältig vernetzen und mich immer wieder aufs Neue inspirieren lassen.

Welches sind deine aktuellen Projekte?

Mit meinem Improvisationstrio Jorges Orbe und im Unterricht verfeinere ich das Hören und Spielen von Jazzimprovisation. Dabei arbeite ich ausschliesslich auditiv. Der authentische Klang und die Energie, die meine Musik transportiert, sind mir sehr wichtig. Neben dem Studium spiele ich Posaune in der Salsaband Jorges Conexión und der Jazzband Esencia.

Was inspiriert dich?

Dichte und pulsierende Stadtatmosphären: Das Klangbild, die Energie und die Spannung übertragen sich auf mich. Ich filtere Tonfolgen, Unterbrechungen und Unerwartetes heraus und speichere diese ab. Solche Momente des Innehaltens und Eintauchens hinterlassen tiefe Spuren in mir. In meiner Musik nehme ich sie wieder auf und interpretiere sie.

Brauchen wir Kunst?

Ja, unbedingt. Kunst kann der Anfang der Zukunft sein. Kunst ist aber auch zentral in der Kommunikation und Interaktion, denn sie ist eine universelle Sprache, die Menschen verbindet.

Welches sind deine Pläne nach dem Studium?

Ich möchte auf vielfältige Art und Weise mit Künstlerinnen und Musikern interdisziplinäre Projekte umsetzen. Ich sehe mich dabei als Musiker, Pädagoge, Sound- und Improvisationscoach oder als Workshop-Leiter. Nebenbei würde ich gerne in einer Musikbar, Bibliothek oder einem Kunsthaus arbeiten, um Inspiration für Projekte zu sammeln.


Lea Ingber: Ihr leitet zusammen Verso. Was heisst das genau?
Soraya-Thashima Rutschmann: Wir setzen uns für die Anliegen der Studierenden der ZHdK ein und versuchen, möglichst alle Bedürfnisse abzuholen. Dazu ist es wichtig, dass wir im Austausch mit den Studierenden bleiben. Zum Beispiel arbeiten wir an einer verbesserten Feedback-Kultur, das heisst daran, wie etwa eine Benotung begründet wird. Verso hat im Departement Design dazu eine Umfrage durchgeführt, die auch auf andere Departemente übertragen werden soll.

David Bircher: Auf der anderen Seite pflegen wir auch den Austausch mit der Hochschule und arbeiten auf verschiedenen Ebenen mit ihr zusammen, um die Interessen der Studierenden zu vertreten und zu kommunizieren. Als Co-Präsidium ist es unsere Aufgabe, diese Abläufe im Überblick zu haben und zu koordinieren.

Welche Themen brennen euch derzeit unter den Nägeln?
David Bircher: Diesen Frühling steht eine Premiere an: die ersten ZHdK-weiten Verso-Wahlen. Alle Studierenden haben die Möglichkeit, zu kandidieren, einen Wahlkampf mit Plakaten zu führen und anschliessend ihre künftigen Vertretungen zu wählen. Bisher wurden die Studierenden, die an einem Amt interessiert waren, von den jeweiligen Vertretungen im Departement bestätigt. Wir freuen uns deshalb sehr auf die Wahlen und hoffen, so noch mehr Studierende direkt anzusprechen und einzubinden.

Wieso findet ihr es wichtig, euch bei Verso zu engagieren?
Soraya-Thashima Rutschmann: Mir ist es wichtig, dem Blickwinkel der Studierenden mehr Gewicht zu verschaffen. Unsere Perspektive ist zentral für die ZHdK, da die Studierenden das Herz und Zentrum der Hochschule sind.

David Bircher: Zudem ist es ein guter Ausgleich zum Studium. Ich lerne viel über Organisation und Vereinswesen. Dieses Wissen wird als Ergänzung zu meinem künstlerischen Schaffen sehr hilfreich sein.

Was würdet ihr an der ZHdK verändern?
David Bircher: Die ZHdK ist extrem vielfältig. Das ist sehr bereichernd. Es bedeutet aber auch, dass es wohl mehr Meinungen als Personen gibt. Wir versuchen, den Studienalltag laufend zu vereinfachen und zu verbessern.

Soraya-Thashima Rutschmann: Genau, wir wollen die Entwicklung der Hochschule mitgestalten, damit die Studierenden eine möglichst gute und zeitgemässe Ausbildung erhalten. Im besten Fall machen wir unsere Arbeit so gut, dass Studierende während ihres Studiums auf möglichst wenige Hürden stossen.


Wann setze ich sinnvollerweise auf Unterstützung von künstlicher Intelligenz (KI)? Wie rede ich mit ihr? Und wie liefert sie mir die besten Ergebnisse? An der Hochschule der Künste hat sich über alle Disziplinen hinweg, von Musik über Design bis zu Fine Arts, eine Expertise zur zukunftsweisenden Technologie gebildet. Im Kurs «AI Encounter» betrachten die Teilnehmenden das Thema aus einer neuen Perspektive. In experimentellen Formaten diskutieren, erarbeiten und schärfen sie die eigene Haltung zum Thema KI und lernen, die neu gewonnenen Fähigkeiten in der Arbeits- und Vermittlungspraxis anzuwenden.

«Der Kurs, der vom Bereich E-Learning und vom Zentrum Weiterbildung der ZHdK verantwortet wird, will den Interessierten eine spielerische Begegnung mit der Technologie ermöglichen», führt Charlotte Axelsson, Leiterin E-Learning an der ZHdK, aus. «Beim Umgang mit KI greifen wir lediglich auf Datenbanken zurück», präzisiert Marcial Koch, Interaction Designer und Kursleiter AI Encounter. Anschliessend rückt er die Prioritäten zurecht: «Intelligenz und Kreativität liegen dabei bei uns, nicht bei der KI.»

Expert:innen aus der KI-Praxis leiten die einzelnen Module und schöpfen aus dem Vollen, behandelt werden Themen wie erfolgreiches Prompten, Personal und Generative AI sowie die ethischen Aspekte der KI-Nutzung. Wir stellen gern den Kontakt zu Gesprächspartner:innen her.


Eva Vögtli: Du hast viel Erfahrung in der Filmbranche gesammelt. Nun hast du dich für den Master Transdisziplinarität entschieden.
Tillo Spreng: Ich begann, meine Haltung im künstlerischen und kommerziellen Schaffen zu hinterfragen, nachdem ich viel Erfahrung in der Filmbranche gesammelt hatte. Dabei ging es teils weniger um den geschaffenen Inhalt als darum, noch aufwendiger zu drehen und noch «schönere» Bilder zu machen. Die Bedingungen, unter denen kreative Prozesse ablaufen, und die Arbeitsverhältnisse in der Filmproduktion störten mich zunehmend. Deshalb wollte ich mich eingehender und kritisch damit auseinandersetzen, wie ich Bilder und Wissen in die Welt setze.

Hält das Studium, was du dir davon versprochen hast?
In vielerlei Hinsicht ja. Ich treffe auf Mitstudierende, die zwar in ganz anderen Feldern tätig sind, sich aber dieselben Fragen stellen wie ich. Der Austausch mit diesen unterschiedlichen Positionen ist sehr anregend. Die Seminare und Labs helfen mir, meine eigene Praxis zu hinterfragen und meine Position zu schärfen. Bei meinem letzten Kurzfilm spielten geteilte Autor:innenschaft und Repräsentation eine grosse Rolle. Genau zu diesen Themen konnte ich im Vorfeld Seminare besuchen, die mir wichtige Impulse für meine Arbeit gaben.

Welches sind deine aktuellen Projekte?
Mein letztes grösseres Projekt war der Kurzfilm «GAZE». Dabei geht es um Selbst- und Fremdwahrnehmung von Genderidentität und wie diese im Medium Film verhandelt werden können.

Was möchtest du heute in einem Jahr in die Tat umgesetzt haben?
Aktuell arbeite ich an meinem ersten Spielfilm, an dessen Drehbuch ich mit Co-Autor Stefan Staub während der letzten vier Jahre geschrieben habe. Darin geht es ebenfalls um Identität – sie wird aber auf eine poetischere und spekulativere Art verhandelt. Wir haben für die Herstellung dieses Films öffentliche Gelder beantragt und beginnen nun mit dem Dreh. Ich möchte diesen Film heute in einem Jahr umgesetzt haben.


Christina Wallat: Wieso hast du dich für diesen Studiengang entschieden?
Mirjam Skal: Mit vier Jahren habe ich zu improvisieren und zu komponieren begonnen, habe aber das Komponieren nie als Beruf betrachtet. An einem Infotag der ZHdK bekam ich Einblicke in den Studiengang «Komposition für Film, Theater und Medien»: Da war es um mich geschehen!

Wie lernt man an der ZHdK, Klangwelten umzusetzen?
Ich empfinde die ZHdK als eine Art Petrischale für Kreativität. Uns Studierenden wird ein Nährboden gegeben, um darauf zu experimentieren und uns von verschiedensten Einflüssen leiten zu lassen. Wir arbeiten mit Studierenden aus Cast, Tanz, Game Design und natürlich Film zusammen.

Hält das Studium, was du dir davon versprochen hast?
Ich werde stets ermutigt, meinen Interessen zu folgen. Ich empfinde nie Druck, einer Norm entsprechen zu müssen. Ich kann mich musikalisch entfalten. Die tolle Infrastruktur der Studios ist eine Quelle der Inspiration auf der Suche nach Klängen oder der perfekten Filmmusik. Ich schätze es sehr, dass unsere Studiengangleiter Felix Baumann und André Bellmont so innovativ sind und sich für die Interessen von uns Studierenden einsetzen.

Was inspiriert dich?
Als Synästhetikerin sind Farben eine meiner Hauptinspirationsquellen. Meistens brauche ich nur einen kleinen Funken, um eine musikalische Idee zu zünden: ein Bild, ein Klang, ein Instrument, ein Text, eine Person. Im Kompositionsprozess gehe ich immer intuitiv vor.

Du bist für die Berlinale Talents 2021 ausgewählt worden – als eines von 200 Talenten aus 65 Ländern – und du nimmst am Mentoratsprogramm der Alliance for Women Film Composers (AWFC) teil.
Es war für mich sehr inspirierend, auch während der Pandemie weiterhin aktiv zu sein und mich im Rahmen der Berlinale Talents mit jungen Filmemacher:innen aus der ganzen Welt zu vernetzen. Auch das Mentorat der AWFC bedeutet mir sehr viel. Von Oscar-Preisträger Mychael Danna, der unter anderem die Filmmusik zu «The Life of Pi» komponiert hat, regelmässig gecoacht zu werden, ist ein Traum.

Wer oder was verdient es, dass wir genauer hinhören?
Alle ungehörten Stimmen! Wir befinden uns im Zeitalter der Diversität und der Gleichberechtigung. Es ist bereichernd, fremden, neuen, unbeachteten oder ganz leisen Stimmen zuzuhören.


Lea Ingber: Wie hat dein Fine-Arts-Studium deine Kunst bisher geprägt?
Duke Aslani: Es hat mir geholfen, mich besser als Künstler zu verstehen. Meine Kunst sowie meine Praxis sind in Sachen Selbstausdruck und Kreativität im Studium deutlich gefördert worden.

Welches sind deine aktuellen Projekte?
Wir führen als Klasse in der Stadt Zürich eine Ausstellung in Form eines Spaziergangs durch. Ich gehe dabei auf Queer Spaces ein, die gerade im Kreis 4 immer mehr verschwinden. Mittels Augmented Reality – 3D-Modellen und Texten in meiner Farbenwelt – erobere ich diese Plätze visuell zurück. Das Publikum kann auf dem Smartphone meine Realität sehen, eine Realität, in der Queerness einen Platz hat.

Du benutzt knallige Farben. Welche Bedeutung haben Farben für dich?
Ich drücke über sie meine zwei Identitäten aus. Ich mische die Farben, die typischerweise mit Gender oder Sexualität verknüpft sind – Pink und Blau. Dadurch erzeuge ich Fluidität und zeige meinen Widerstand gegen eine heteronormative Gesellschaft. Ausserdem zeige ich durch Farben das Aufwachsen in zwei diversen Kulturen – der Schweiz und dem Kosovo.

Du beschreibst deine Kunst als futuristisch und nostalgisch zugleich.
Meine Kunst enthält viele Elemente aus meiner Kindheit. Ich arbeite gerne mit Dead Media, zum Beispiel VHS-Kassetten. Heutzutage ist alles zu scharf, zu HD, zu 4K. Physische Medien ermöglichen ein anderes Erlebnis. Futuristisch wird es durch die Inszenierung. Ich erzeuge durch Lichter eine futuristische Stimmung, inspiriert vom Retrofuturismus der 1980er-Jahre.

Wer oder was verdient es, dass wir genauer zuhören?
Leute, die von Kunstinstitutionen nicht richtig wahrgenommen werden, weil sie keinen eurozentrischen Hintergrund haben und ihnen wichtige Netzwerke fehlen. Ich kuratiere zusammen mit einem Freund eine Online-Galerie. Unser Ziel ist es, genau diesen Menschen eine Stimme zu geben.


«Wir verabschieden heute eine grosse Persönlichkeit», begrüsste Bildungsdirektorin Silvia Steiner die im grossen Konzertsaal des Toni-Areals versammelten ZHdK-Angehörigen sowie Thomas D. Meiers Wegbegleiter:innen aus Politik, Kultur und Gesellschaft. «Thomas Meier hat die ZHdK nach allen Regeln der Kunst geführt. Dabei verlor er das grosse Ganze – das Gesamtkunstwerk – nie aus den Augen. Ich danke ihm herzlich für sein Engagement für die ZHdK und damit für den Kanton Zürich.» Der Rücktritt des langjährigen Rektors erfolgt auf Ende September 2022, er verabschiedet sich in den Ruhestand. Am 1. Oktober tritt Dr. Karin Mairitsch seine Nachfolge an.

Studierende und ihre Werke im Mittelpunkt

Für Thomas D. Meier standen stets die Studierenden im Mittelpunkt seiner Arbeit: «Zu den schönsten Erinnerungen zählen ihre oft grossartigen Produktionen und Werke, die ich miterleben durfte. In solchen Momenten wusste ich immer, wozu unsere Arbeit dient.» Das künstlerische Programm der Abschiedsfeier zeigte eindrücklich die hohe Qualität und kreative Kraft der Ausbildungen an der ZHdK. Die Violinistin und Studentin Solveig Steinthorsdottir brachte den Konzertsaal zum Schwingen, die Alumnae-Band Ikan Hyu liess es krachen und die Tanzstücke «Sunscreen» und «Zoetic» der Studierenden des Bachelorstudiengangs Contemporary Dance machten die ansteckende Energie der Künste erlebbar. «Die ZHdK ist ein lebendiger Ort. Hier werden Debatten geführt, Argumente ausgetauscht und es wird gemeinsam um Lösungen gerungen. Reibungsflächen bieten immer Chancen, auch wenn der Weg zu tragfähigen Lösungen ein langer sein kann. Ich bin stolz auf die gestaltende Kraft der ZHdK und werde ihr auch nach meinem Rücktritt verbunden bleiben», sagte Thomas D. Meier beim Interview. Der Stellvertreter des Rektors Prof. Michael Eidenbenz würdigte ihn als «ebenso weitsichtigen wie aufmerksamen, als fordernden wie verständnisvollen Chef». Video-Grussbotschaften aus der ganzen Welt zeigten, welche Resonanz Thomas D. Meiers Schaffen international erzeugt hat.

Er führte 39 Standorte im Campus Toni-Areal zusammen

Ein Meilenstein der vergangenen 13 Jahre war 2014 der Zusammenzug der ZHdK von 39 Standorten ins Toni-Areal in Zürich West. Eine ebenso grosse Bedeutung hat die aktuell laufende Studienreform zum europaweit einzigartigen Major-Minor-System, die Thomas D. Meier initiiert und vorangetrieben hat. Ab Herbstsemester 2023/24 können Studierende ihr Studium individuell und disziplinenübergreifend zusammenstellen.

Wichtig war dem Rektor die Vernetzung am Hochschulplatz Zürich. Unter seiner Leitung ging die ZHdK zahlreiche langfristig angelegte Kooperationen mit anderen Zürcher Hochschulen ein, zum Beispiel in der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH), dem Collegium Helveticum und dem Zurich Knowledge Center for Sustainable Development. Auch im Bereich der Internationalisierung stiess Thomas D. Meier wegweisende Projekte an: Er machte die ZHdK international sichtbarer und schärfte ihr Profil, etwa mit dem Aufbau des Zurich Centre for Creative Economies oder der internationalen Kooperationsplattform Shared Campus. Ein besonderes Anliegen war ihm das eigenständige Promotionsrecht. Mit dem Aufbau von Doktoratsprogrammen in Kooperation mit Partnerhochschulen führte er die ZHdK einen grossen Schritt näher an dieses Ziel heran. Die ZHdK zählt heute mit rund 2100 Studierenden und 650 Dozierenden zu den grössten Kunsthochschulen Europas und ist seit 2021 institutionell akkreditiert.

Kulturvermittler und Netzwerker

Thomas D. Meier, 1958 in Basel geboren und in Wil/SG aufgewachsen, wurde im Dezember 2008 vom Zürcher Fachhochschulrat zum Rektor der ZHdK gewählt und trat sein Amt im November 2009 an. 2010 wurde er in das Representative Board von ELIA (European League of Institutes of the Arts) gewählt, von 2014 bis 2018 präsidierte er diese grosse Vereinigung der europäischen Kunsthochschulen. 2013 und 2014 war er zudem Präsident der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen der Schweiz und Mitglied des Vorstands von swissuniversities. Zuvor war der promovierte Historiker und Anglist Direktor der Hochschule der Künste Bern. Von 1996 und 2003 leitete er das Museum für Kommunikation in Bern. Aktuell präsidiert Thomas D. Meier unter anderem den Stiftungsrat des Zentrums für Kulturproduktion PROGR in Bern.

Zum Interview mit Thomas D. Meier im Hochschulmagazin Zett.

Zur Medienmitteilung zum Amtsantritt von Karin Mairitsch.


Frederic Poppenhäger: Wieso hast du dich für den Studiengang Game Design entschieden?
Natasha Sebben: Ich erzähle und erlebe gerne Geschichten. Das Medium Game ermöglicht mir dies auf unterschiedliche Weise. Mich fasziniert die Interdisziplinarität der Game-Entwicklung: Von Storytelling über Programmierung bis hin zu Sound Design ist alles dabei. In dieser Durchmischung sehe ich viel Potenzial. Auch der Bereich der Serious and Applied Games interessiert mich, insbesondere der Einsatz von Games in einem psychotherapeutischen Kontext.

Hält das Studium, was du dir davon versprochen hast?
In den vergangenen Semestern habe ich viel gelernt. Programmieren beispielsweise macht mir inzwischen kaum mehr Angst. Das Game-Design-Studium ist generalistisch angelegt. Wir werden also zu Allrounder:innen ausgebildet. Das ermöglicht mir ein Verständnis unterschiedlichster Bereiche.

Welches sind deine aktuellen Projekte?
Aktuell arbeite ich an «My Burning Mind». Das Spiel erzählt die Geschichte von Maggie, einer 80-jährigen Frau, die als Kind missbraucht wurde. Im Gespräch helfen die Spieler:innen Maggie, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Bei der Arbeit an «My Burning Mind» setze ich mich intensiv mit posttraumatischen Belastungsstörungen und indirekter Spieler:innenkontrolle auseinander.

Mit wem würdest du gern ein halbes Jahr die Rolle tauschen?
Mit Sabine Rückert. Sie ist Gerichts- und Kriminalreporterin sowie stellvertretende Chefredakteurin der Wochenzeitung «Die Zeit» und bewegt sich in Bereichen, die ich unglaublich spannend finde. Trotzdem weiss ich, dass ich eine solche Karriere nicht länger als sechs Monate aushalten würde.

Was sind deine Pläne nach dem Studium?
Ich möchte ein Game-Studio hier in der Schweiz gründen. Idealerweise mit einem Fokus auf das Geschichtenerzählen, und dies möglichst interdisziplinär. Eventuell mache ich davor ein Praktikum. Am liebsten bei ZA/UM. Diese haben «Disco Elysium» entwickelt, mein Lieblingsspiel.


Von den 702 neuen Studierenden an der ZHdK haben sich 306 für einen Bachelor- oder Masterstudiengang im Bereich Musik immatrikuliert, 116 in Design, 85 in Fine Arts, 111 in Kulturanalysen und Vermittlung sowie 84 in den Darstellenden Künsten und Film.

Individuell und fachübergreifend: Auftakt zum neuen Studienmodell
Neu wählen Studierende ab diesem Semester mit dem Major ihren Studienschwerpunkt. Dazu können sie einen oder zwei Minors wählen, mit denen die Kompetenzen aus dem Major vertieft oder disziplinenübergreifend erweitert werden. Die ZHdK ermöglicht mit dieser Wahlvielfalt eine ganz individuelle Entwicklung und Schärfung des eigenen Studienprofils.
Das Major-Minor-Studienmodell wird etappenweise eingeführt. Der Bachelor startet diesen Herbst, der Master folgt 2024. Das Minor-Angebot steht ab 2024 offen. Mehr dazu online.

«Wir freuen uns auf den Semesterstart mit dem zukunftsweisenden Modell», äussert sich Karin Mairitsch, Rektorin der ZHdK. «Unsere Studierenden stellen die Weichen und wählen, ob sie ihre Fertigkeiten in die Breite oder in die Tiefe schärfen möchten. Das ermöglicht ihnen den Blick über den Tellerrand hinaus, womit sie sich ideal und selbstbestimmt auf eine vernetzte und digitale Arbeitswelt vorbereiten.»

Stabile Zahlen
Insgesamt studieren an der ZHdK 2154 Personen. Davon absolvieren 1224 einen der acht Bachelor- und 930 einen der elf Masterstudiengänge. Die Studierendenzahl ist gegenüber den letzten Jahren konstant geblieben. An der ZHdK gilt ein Numerus clausus; Studieninteressierte durchlaufen vorgängig ein strenges Zulassungsverfahren.


Generative künstliche Intelligenz statt Entwurfspraktiken, zukunftsträchtige Tätigkeitsprofile statt Kulturberufe, sozialer Impact und Green Deal statt Künste; externe Entwicklungen fordern den kulturellen Sektor intensiv heraus. Was braucht es heute, um als Künstler:in oder Designer:in eine relevante Wirkung zu erzielen? Was sind die Erwartungen auf dem Arbeitsmarkt? Gibt es zu viele Kulturschaffende in der Schweiz? Haben die Kunsthochschulen und Förderagenturen eine neue Rolle in diesen Entwicklungen zu spielen? In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt des CEF auf unternehmerischen Strategien, die dazu beitragen, kreative Träume lebendig zu halten und erfolgreich umzusetzen.
Das CEF bietet eine Gelegenheit, um von hochkarätigen Branchenexpert:innen, Forschenden, Unternehmer:innen und Künstler:innen zu lernen und sich an Vorträgen, Panels, Workshops auszutauschen. Die Paneldiskussion wird sich auf aktuelle Fragen und Herausforderungen in der Kreativwirtschaft konzentrieren, während die Workshops den Teilnehmenden praktische Tools und strategische Handlungsweisen vermitteln. – Der Eintritt ist kostenlos, jedoch wird um Anmeldung gebeten: www.zhdk.ch/zcce/cef

Themen der Workshops werden sein: Chancen und Risiken von KI in den Künsten, Laufbahnen & Bewertungen, New Impact Strategies, alternative Finanzierungsmodelle und viele mehr. Den Auftakt mit der Keynote «Zero Bullshit Strategy» am Mittwochabend macht die junge Produzentin und Gründerin Mariska van Lavieren, die mit ihrer Agentur NAVADA einem neuartigen Strategieansatz folgt und weiblichen Kreativen zum Durchbrunch verhilft. Anschliessend moderiert Simon Grand (Research Fellow ZCCE, Titularprofessor HSG) ein Panel mit der Rektorin der ZHdK Karin Mairitsch, Miriam Walther Kohn (PUBLIX, Gessnerallee Zürich, Labor mit Utopieverdacht, artFAQ) und Daniel Freitag (Co-Founder Freitag) und Mariska van Lavieren.


Giulia Adagazza: What inspires you?
George Marti: A dense and pulsating city atmosphere: the sound, the energy and the tension transfer themselves onto me. I filter out tone sequences, interruptions and the unexpected and store them. Such moments of pausing and immersing myself leave strong traces in me. In my music I take them up again and interpret them.

What have you got planned after graduation?
I would like to implement interdisciplinary projects with artists and musicians in a variety of ways. I see myself as a musician, educator, sound and improvisation coach or workshop leader. Besides, I would like to work in a music bar, library or art house in order to gain further inspiration for projects.


Lea Ingber: Has your programme so far met your expectations?
Laura Morales: After working as a photographer and studying film in Geneva I wanted to learn more about the technical approach. Zurich is the best place in Switzerland to do it. I like the fact that the teachers support us when we ask for help or tips, but on the other hand they offer us freedom and trust.

What are your current projects?
I work with director student Andrea Popović for his final master film, that we shoot in Belgrad. You learn something new with each film. For example, the last film I did had a mix of Guy Ritchie and James Bond references. I decided to work on it because my work is normally pretty far from theses codes and aesthetics, and it was a chance to grow further.

What is your favourite moment while filming?
It is the little moment of silence. You’re filming a take, the actor nailed it, the camera did a good job, everything worked. And when you cut, you have this little moment of silence. You can feel the common joy, everybody is looking at each other and we all now: this was a good take.

The profession of cinematographer has changed a lot in recent years, now that everyone can film with a cell phone.
Personally, I like that everybody can film with a cell phone. It helps politically and for media coverage. And i don’t feel that it effects my work as a cinematographer. Not everyone is able to create good light and composition, and those elements are what make a good picture.

What are your plans after studying?
I hope I can work on a long featured documentary and continue to develop my work in fiction projects. And I also aim to direct a documentary myself. I’m really interested in tourism and neocolonialism, especially the relationship between a tourist guide and people who visit remote places.

Who or what deserves to be listened to more closely?
Time. As cinematographers we fight against the clock all the time and try to push the limits. We should work with time and be more carefully with it.


Eva Vögtli: Wie hat das Studium deine künstlerische Praxis bisher geprägt?
Line Chevalley: Im Gespräch mit Dozierenden erhielt ich den entscheidenden Ratschlag, präzise Entscheidungen zu treffen. Ich vertiefte mich in Readymades, bei denen die Präzision der Titelwahl eine zentrale Rolle spielt. Ein präziser Schaffensprozess verleiht dem Werk Eigenständigkeit.

Woran arbeitest du zurzeit?
Meine Praxis ist eine Assemblage aus vielen verschiedenen Techniken wie Zeichnen, analoger Fotografie, Skulptur und Text. Momentan beschäftige ich mich mit meinen Texten und ihrer Form im Raum. Ich denke über das Vorlesen nach und wie ich mit dem Einsatz meiner Stimme eine zusätzliche Ebene eröffnen kann. Die Sprache im Alltag interessiert mich generell sehr, auch gegensätzlich wirkende Oxymora. Mich reizt das Dazwischen, dieses subtile Moment der Gegensätzlichkeit.

Von September bis Mitte Dezember 2021 warst du mit «Transcultural Collaboration», einem internationalen Semesterprogramm für Masterstudierende, in Athen.
Genau, dieses Projekt ist eine Zusammenarbeit verschiedener Universitäten in Europa und Asien. In diesem Jahr beschäftigten wir uns mit dem Thema «Kontamination/Zuneigung» und lernten die Urbanisierung in Athen und die damit verbundenen Probleme kennen. Wir haben die Stadtviertel erkundet und uns mit Architektur, jüngerer Geschichte und Migration beschäftigt. Die Arbeit in einer interdisziplinären Gruppe fordert gegenseitiges Zuhören, aber auch das Vertreten eigener Ideen.

Brauchen wir Kunst? Und wenn ja, wieso?
Ja, weil sie mehr Fragen als Antworten bereithält. Kunst, in welcher Disziplin auch immer, vermag uns zu berühren und zu beleben. Eine emotionale Reaktion auf ein Werk ist bereits ein Erfolg. Kunst weckt Empfindungen und verbindet uns mit unseren im Alltag oft unterdrückten Gefühlen.

Welches war bis jetzt deine beste Entscheidung?
Nicht aufzugeben. Während meines Bachelors in Lausanne fragte ich mich zeitweise, wohin mich das Ganze führen soll. Dann kam ich nach Zürich, wo ich anfangs niemanden kannte. Ich stand für mich selbst ein und habe weiter Kunst gemacht, obwohl ich wusste, dass das Kunstfeld kein einfaches Pflaster ist. Sich darauf mit einer gewissen Offenheit zu bewegen, birgt jedoch unerwartete Möglichkeiten.


Bianca Bauer: Weshalb hast du deiner Tänzerkarriere ein Ende gesetzt?
Filipe Portugal: Tänzerkarrieren sind in der Regel nicht sehr lang. Du bist dir dessen bewusst und auch dein Körper erinnert dich immer wieder daran. Als Tänzer bist du mit Schmerzen und Erschöpfung vertraut und es kommt der Punkt, an dem du sagen musst: «Das wär’s jetzt gewesen.»

Welches ist das wichtigste Werkzeug eines Tänzers?
Eine starke Psyche. Zahlreiche Tänzer:innen sind ab einem gewissen Punkt dem Druck ihres Berufes nicht mehr gewachsen und müssen ihre Karriere beenden. Ohne Kopf geht im Tanz gar nichts. Du musst dir deiner Gedanken bewusst sein – so bleibst du positiv und siehst Hindernisse und Rückschläge als Teil deiner Reise. Meine Reise als Tänzer ist zwar vorbei, doch ich habe mich entschieden, als Choreograf neue Welten zu entdecken.

Brauchen wir die Kunst? Und wenn ja, weshalb?
Wir brauchen die Kunst, weil sie uns etwas fühlen lässt. Was genau wir fühlen, spielt keine Rolle, Hauptsache, man ist sich dieser Gefühle bewusst. Kunst muss man nicht verstehen, man muss sie spüren. Als Tänzer kann ich diesen Gefühlen auf künstlerische Art Ausdruck geben, sie durchströmen mich, und mein Körper wird zu ihrem Instrument.

Welches sind deine Ziele für 2022?
Mein Ziel ist es, mein Wirkungsfeld zu erweitern, zu wachsen, zu entdecken und mich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Covid fühlt sich an, als hätte jemand auf «Pause» gedrückt. Das ist jetzt mein Moment, meine Gelegenheit, Neues ohne Druck auszuprobieren. Ich sehe den Master Choreography als eine Investition in meine Zukunft.

Welches ist dein Lieblingsplatz in Zürich?
Das Opernhaus Zürich. Es ist mein Zuhause. Jedes Mal, wenn ich die Bühne betreten habe, habe ich mich absolut frei gefühlt. Wenn ich am Opernhaus vorbeigehe, spüre ich die Anerkennung, die mich über all die Jahre getragen hat. Eine der besten Entscheidungen war, mich zu akzeptieren und der zu sein, der ich wirklich bin. Das hat mir Freiheit geschenkt.

Welches war deine bisher beste Entscheidung?
Die Wahl, die man hat, sich zu akzeptieren und der zu sein, der man wirklich ist. Bewusst anzunehmen, wer ich wirklich bin, hat mir absolute Freiheit geschenkt.


Bianca Bauer: Wieso hast du dich für ein Theaterstudium entschieden?
Leon Blohm: Ich bin in einem sehr kleinen, ländlichen Dorf in Norddeutschland aufgewachsen und bereits als Kind mit dem Theater in Kontakt gekommen. Die regelmässigen Besuche im lokalen Freilufttheater mit meiner Mutter waren prägend. Diese ausdrucksstarke und spielerische Kunstform hat mich von Anfang an magisch angezogen, und der Wunsch, in diesem Kunstfeld tätig zu sein, ist mit mir mitgewachsen. Als ich Anfang zwanzig war, war mir klar: Ich werde Schauspiel studieren.

Was schätzt du am Theater?
Das Menschsein. Wir begegnen uns auf Augenhöhe, lernen Konflikte und Missverständnisse auf konstruktive Weise zu lösen, können zwischen den Zeilen lesen und verstehen die Nuancen. Ich schätze auch die Arbeit in interdisziplinären Gruppen und würde mir etwas mehr davon wünschen. Im Studium sind wir in der Gessnerallee zu Hause, die unglaublich intim und charmant ist, uns aber von anderen Studiengängen abschottet. Ich vermisse den Kontakt zu anderen Studierenden und geniesse es, wenn ich für einzelne Projekte durchs «Toni» streifen kann und dort zum Beispiel Musik und Tanz begegne.

Hast du ein aktuelles Projekt, an dem du arbeitest?
Ein Projekt, das ich schon lange in mir trage und dieses Jahr realisieren werde, ist «Strassentheater». Es hat noch keinen offiziellen Namen, und den braucht es vielleicht auch gar nicht. Ich möchte einfach auf der Strasse den Menschen begegnen und ihnen das Theater als Kunstform näherbringen. Der direkte Dialog mit den Passant:innen ist sowohl für mich wie auch für das Theater eine Chance, Brücken zu schlagen. So können alle, die mir begegnen, unabhängig von ihren Ressourcen, Theater hautnah und reduziert auf seine Essenz erleben.

Wie stellst du dir das Theater der Zukunft vor?
Für mich ist es ein Theater jenseits der 50-Franken-Eintrittskarten. Ein Theater für alle, ohne Schwellen und Hürden. Eines, das draussen stattfindet, mit dem Publikum spielt und interagiert. Das Theater der Zukunft sucht den Dialog und erzählt Geschichten, die das Leben reflektieren. Die Konzentrationsspanne hat sich durch die Neuen Medien und Erzählformen verändert. Wir sehen uns einen Film auf dem Laptop an, kommunizieren zeitgleich mit Freunden und scrollen dabei beiläufig auf Instagram. Das Theater der Zukunft hält dem stand, kreiert einen Ort, der Präsenz einfordert und einen zurück in den Moment, ins Leben bringt.


Lukas Zitzer: Please tell us a bit about yourself and your artistic practice.
Dorian Büchi: I grew up in the countryside between Geneva and Lausanne. I spent most of my childhood outside building things with my brother. Nature has always played a significant role in my life and is an important part of my art practice today. I am fascinated by how nature forges one’s aesthetics. I am also attracted by the idea of taking things from nature that have no apparent function for the direct survival of our species and destroying them to create art. At the moment, I am interested, among others, in the works of Martin Puryear, Julian Charrière, Chloe Wise and Andrea Zittel. I have also been revisiting art works from the 1930s and 40s by Georgia O’Keeffe and Barbara Hepworth.

What are your current projects?
I am currently working on a group of wooden sculptures inspired by traditional canoe paddles. They represent objects that may appear to be useful tools, but are constructed such that they cannot withstand the resistance of water and are therefore useless. I am aiming for something between design and sculpture. I have a deep connection with objects and tools and the meaning they convey. For some of my latest sculptural works, I have been using wood from my grandfather’s garden. I try, whenever I can, to use materials sourced in a circular way.

What value does craft have in your art?
Craftsmanship is not only a means to an end for me, but also an integral part of my practice. I like to explore traditional techniques and media and to apply them to a contemporary context. I try to do as much as I can on my own to gain as much know-how as possible. The more I understand a material and a technique, the more I can use it to interpret my ideas.

The theme of this issue of Zett is «renaissance.» Can you see an aspect of renaissance in your artistic work?
Sure, as artists, I believe we are constantly trying to reinvent ourselves and our ideas. I have been working for some time on a series of oil paintings representing prickly pear cacti. I am stunned by the speed at which they grow and thrive; they barely need any water and can grow anywhere. They just regenerate, as if they are constantly evolving.

Generally speaking, who or what deserves a renaissance?
Traditional printmaking.


AQUA:TOFANA hat an der ZHdK studiert und spricht in der SRF-Sendung Kulturplatz als feministische Kunstfigur der Schweizer Hiphop-Szene über Feminismus und Gender. 

Zum Beitrag auf SRF.


Lukas Zitzer: Bitte erzähl uns ein wenig über dich und deine künstlerische Praxis.

Dorian Büchi: Ich bin auf dem Land zwischen Genf und Lausanne aufgewachsen. Die meiste Zeit meiner Kindheit habe ich im Freien verbracht und mit meinem Bruder die verschiedensten Dinge gebaut. Die Natur hat in meinem Leben immer eine wichtige Rolle gespielt, und sie ist heute ein zentraler Teil meiner Kunstpraxis. Ich bin fasziniert von der Rolle der Natur bei der Ausformung der eigenen Ästhetik. Zudem reizt mich die Vorstellung, Dinge aus der Natur, die keine ersichtliche Funktion für das direkte Überleben unserer Spezies haben, zu nehmen und zu zerstören, um so Kunst zu schaffen. Im Moment interessiere ich mich für die Werke von Martin Puryear, Julian Charrière, Chloe Wise und Andrea Zittel, um nur einige zu nennen. Ich habe aber auch Werke aus den 1930er- und 1940er-Jahren von Georgia O’Keeffe und Barbara Hepworth wiederentdeckt.

Welches sind deine aktuellen Projekte?

Zurzeit arbeite ich an einer Serie von Holzskulpturen, die von traditionellen Kanupaddeln inspiriert sind. Sie stellen Objekte dar, die zwar als nützliche Werkzeuge erscheinen, aber so konstruiert sind, dass sie dem Widerstand des Wassers nicht standhalten und daher nutzlos sind. Ich strebe etwas zwischen Design und Skulptur an. Ich habe eine tiefe Verbindung zu Objekten und Werkzeugen sowie deren Bedeutung. Für einige meiner neusten Arbeiten habe ich Holz aus dem Garten meines Grossvaters benutzt. Ich versuche, wenn immer möglich, Materialien nachhaltig zu nutzen.

Welchen Wert hat das Handwerk in deiner Kunst?

Handwerk ist für mich nicht nur Mittel zum Zweck, sondern vielmehr integraler Bestandteil meiner Praxis. Ich mag es, traditionelle Techniken und Medien zu erforschen und sie in einem zeitgenössischen Kontext anzuwenden. Ich versuche, so viel wie möglich allein zu machen, um möglichst viel Know-how zu sammeln. Je genauer ich ein Material oder eine Technik verstehe, desto besser kann ich sie zur Interpretation meiner Ideen nutzen.

Das Thema dieser Ausgabe von Zett ist «Renaissance». Kannst du in deiner künstlerischen Arbeit einen Aspekt der Renaissance erkennen?

Sicher, ich glaube, dass wir als Künstler ständig versuchen, uns und unsere Ideen neu zu erfinden. Ich arbeite seit einiger Zeit an einer Reihe von Ölgemälden, die Feigenkakteen darstellen. Ich bin verblüfft von der Geschwindigkeit und der Art, wie sie gedeihen; sie brauchen kaum Wasser und können überall wachsen. Sie regenerieren sich einfach, es ist, als ob sie sich ständig weiterentwickeln würden.

Ganz allgemein: Wer oder was verdient eine Renaissance?

Die traditionelle Drucktechnik.


Haben Sie einen Lieblingsraum? Und wenn ja, wissen Sie eigentlich, warum Ihnen dieser Raum so gefällt? Würden Sie gar sagen, es herrsche dort eine besondere Atmosphäre? Falls ja, hat jemand gute Arbeit geleistet. Denn die Atmosphäre ist nicht einfach da, sie wird bewusst gestaltet. Möbelhäuser präsentieren Wohnwelten, die Besucherinnen und Besucher mit einem positiven Gefühl verlassen sollen. Im besten Fall wollen sie diese Welt gleich mit zu sich nach Hause nehmen. Die Einrichtungshäuser haben damit etwas Wichtiges erkannt: Die Menschen sehnen sich nach Geschichten und Stimmungen. Doch kommt diese Erkenntnis nicht etwas spät? «Es ist kein Geheimnis, dass sich die Möbelbranche in einem Wandel befindet», erklärt Michael Krohn, Programmverantwortlicher des Weiterbildungsangebots «Atmospheric Design» an der ZHdK. Wer überleben wolle, müsse mehr in Dienstleistungen als in Produkte investieren, denn: «Wer einfach nur ein Sofa verkaufen will, hat nicht viel verstanden.»

Möbelhaus trifft Kunsthochschule

Bereits 2018 lancierte die ZHdK zusammen mit IKEA Schweiz die Weiterbildung «Interior Design Development Programme». Im Sommer 2019 haben alle neun Teilnehmenden die einjährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und eine Vollzeitstelle in einem IKEA-Einrichtungshaus in der Schweiz angetreten. Ziel war es, eine enge Verbindung zwischen Ausbildung und beruflicher Laufbahn im Bereich Interior Design herzustellen. «Da gab es auch kritische Stimmen», erinnert sich Krohn, der auch dieses Angebot an der ZHdK verantwortete. «Es war die Rede von einer Ökonomisierung der Bildung.»  IKEA habe zwar die gesamten Studiengebühren und die Entwicklung des Programms vollumfänglich übernommen. «Die ZHdK war jedoch völlig frei in der inhaltlichen Gestaltung des Curriculums», so Krohn.

Aufgrund der guten Erfahrungen startet im Herbstsemester 2020 das Certificate of Advanced Studies (CAS) «Atmospheric Design» an der ZHdK. Auch an diesem beteiligen sich namhafte Möbelhäuser wie de Sede oder Teo Jakob. Die Zusammenarbeit bringt Vorteile für beide Seiten: Die Unternehmen finden an der Hochschule Talente mit einer guten Vorbildung und Dozierende mit breiter und interdisziplinärer Expertise. Die ZHdK im Gegenzug kann eine attraktive und zukunftsorientierte Weiterbildung mit starkem Praxisbezug anbieten.

Auf Hausbesuch mit einem Atmospheric Designer

Krohn ist sich bewusst, dass ein sechsmonatiges CAS keine Innenarchitekten oder Innenausstatterinnen hervorbringt. «Ein Innenarchitekt weiss, wie dick eine Mauer sein muss oder wo ein Wasseranschluss notwendig ist. Das ist nicht das, was wir unseren Teilnehmenden vermitteln», erklärt Krohn. Es geht vielmehr um Emotionen, Storytelling und Dramaturgie im Raum, um die Analyse von Bedürfnissen, um Wahrnehmungs- und Verhaltenspsychologie. Viele Leute lassen sich gutes Wohnen etwas kosten. Sie legen Wert auf nachhaltige Ausstattung und wollen etwas über deren Geschichte wissen. Krohn bringt das Beispiel einer Expat-Familie, die nach dem Umzug in die Schweiz für ihre Wohnung eine komplette Möblierung wünscht. Atmospheric Designers lernen die Familienmitglieder und die Wohnung kennen und entwerfen ausgehend von ihren Erkenntnissen eine stimmige Wohnwelt. Hat die Familie einen Hund, sollte dies bei der Teppichwahl berücksichtigt werden. Ist die Mutter studierte Japonologin, liegt nicht zufällig auf dem skizzierten Nachttisch der neuste Roman der Schriftstellerin Yoko Tawada. Atmosphären werden aber nicht nur für private Wohnungen oder Möbelhäuser geschaffen, sondern auch für Büros, Arztpraxen oder Restaurants: Überall, wo der Mensch sich wohlfühlt, bleibt er gerne länger.

Die vielen Wohnblogs beweisen: Der Blick in fremde Zimmer ist reizvoll und die Lust am Einrichten wird öffentlich geteilt. Fast 35 Millionen Bilder finden sich unter dem Hashtag #homesweethome in den sozialen Medien. Das Interesse an gestalteten Wohn-, Arbeits- oder Erlebnisräumen ist gross. Wer und wie viele sich für das CAS «Atmospheric Design» anmelden, ist für Michael Krohn schwierig vorherzusagen. Entscheidend ist für ihn, was nach dem Abschluss passiert: «Wir suchen Leute, die das, was sie bei uns gelernt haben, in die Berufswelt hinaustragen.»


Lea Dahinden: Welche neuen Töne schlägt der Schweizer Jazznachwuchs an?
Gregor Hilbe: Die Entwicklungen sind sehr vielseitig. Einerseits ist ein starkes Engagement in verschiedensten Improvisationsformen wahrzunehmen: Vom Gamut-Kollektiv bis zum neuen #JazzMarathon sind sehr starke Bewegungen und Initiativen in der Schweizer Szene bemerkbar, die auch ein sehr junges und aktives Publikum ansprechen. Andererseits sind in den elektroakustischen Mischformen sowohl ein historischer Fusion-Trend als auch eine starke Integration elektronischer Ästhetiken im Jazz hör- und spürbar.

Soll man die alten Traditionen im Jazz aufrechterhalten?
Man muss nichts künstlich aufrechterhalten: Starke Traditionen haben so oder so immer eine grosse Sogkraft für junge Musikerinnen und Musiker. Da Jazz die erste Musik war, die vor allem über Tonträger tradiert wurde, ist durch das unmittelbare Medium die direkte Emotion eines längst vergangenen Moments sofort greifbar. Die «Characters» der Protagonistinnen und Protagonisten sind ganz direkt emotional spürbar.

Inwiefern kann ein Festival wie das Input Festival die Entwicklung der Schweizer Jazzlandschaft beeinflussen?
Das Input Festival ist in der grossen Landschaft derartiger Events natürlich nur ein kleiner Puzzlestein, verbindet aber unterschiedlichste Communitys, die sich so noch besser kennenlernen, inspirieren und vernetzen können: Studierende mit Studierenden, relevante Artists mit Studierenden und Alumni, Dozierende mit Alumni etc.

Welche Fragen und Wünsche beschäftigen Jazzstudierende verschiedener Musikhochschulen?
Das ist höchst individuell: Viele Fragen kreisen um Kreationsprozesse, Performance, neue Businessmodelle, Vermittlung … Oft beschäftigen unsere Studierenden auch produktionsbezogene Fragen im Bühnen- und Studiobereich. Aber natürlich stehen auch persönliche Fragen im Zentrum: Identität, Fokus, Kreativität, Motivation und vieles mehr.

Das Input Festival bietet Raum für Austausch und Inspiration. Kommt es auch zu Konkurrenzkämpfen?
Es herrscht eine Atmosphäre der Kollegialität und oft auch tiefer Freundschaft zwischen unseren enorm umgänglichen und sozial-kompetenten Studierenden. Zusammenarbeit wird grossgeschrieben. In einem immens anspruchsvollen Gebiet wie dem Kunstbetrieb unterstützen sie sich gegenseitig, was ihnen auch zusätzliche Ressourcen zugänglich macht.


«Wir hören nicht einfach Neues, sondern wir hören auf neue Weise und mit anderen Ohren, wir hören in diesem Sinne Unerhörtes», schreibt der Philosoph Bernhard Waldenfels, der kürzlich an der ZHdK zu Gast war. Es hat mit einer Sehnsucht nach besonderer Intensität zu tun, wenn Gegenwartsmusik mit einer gewissen Selbstverständlichkeit auf eine Tonsprache setzt, die sich dem Geläufigen und leicht Eingängigen bewusst entzieht. Damit ist auch der Horizont der Arbeit vieler Komponistinnen und Komponisten – nicht zuletzt der an der ZHdK lehrenden und studierenden – umrissen.

Dem kommerziellen Musikbetrieb wird seit Langem vorgeworfen, dass er durch die Wiederholung des Immergleichen gerade dieser Art von Sehnsucht viel zu wenig entspreche. Tatsächlich scheint in ihm der Aspekt der Wahrnehmungsschulung des Öftern vernachlässigt zu werden – zugunsten jener vordergründigen Form von Sehnsucht, die primär auf das Wiederbegegnen mit Bekanntem zielt. Anknüpfend an diese Einschätzung lässt sich sagen, dass die Ausbildung an einer Musikhochschule nicht zuletzt das Ziel verfolgt, jeder Art von Verflachung entgegenzuwirken und damit auch die Sehnsucht nach Unbekanntem zu stimulieren. Da die Studierenden von heute die Hauptakteurinnen und -akteure von morgen sind, geht es damit zumindest indirekt um Gegenimpulse zu allen Tendenzen der Normierung oder Verharmlosung innerhalb des Musiklebens.

Sehnsucht verlockt zu Hörabenteuern

Die Frage liegt nahe, in welcher Weise denn das hier Angedeutete mit jenem geläufigen Bild von Sehnsucht zusammenhängt, das sich besonders in der Zeit der Romantik ausprägte und uns an Dichter wie E.T.A. Hoffmann oder Joseph Eichendorff denken lässt. Kaum kann man die als Sehnsuchtsmotiv berühmte «blaue Blume» der Romantik mit der von Waldenfels skizzierten Haltung gleichsetzen. Die Kluft zwischen beiden hat jedoch mit vielen Vergröberungen zu tun, die den Umgang mit vielen romantischen Werken präg(t)en. Denn schaut man genauer hin, zielt die Sehnsucht auf eine «poetische» Idee von Musik, wie sie etwa der Urromantiker Robert Schumann forderte, auf etwas bis heute Wichtiges: nämlich auf die Verlockung zu echten Hörabenteuern. Sie meint also keineswegs das wohlige Versinken in Altbekanntem. Umso mehr ist es an der Zeit, sogar auch die Sehnsuchtshaltung des Romantischen gewissermassen freizulegen, sie also von jenen kitschigen oder vordergründigen Zutaten und Entstellungen zu trennen, die ihr im Laufe der Jahrhunderte in manchen simplifizierenden Teilen des Kulturbetriebs aufgebürdet wurden. Dies gelingt dann, wenn man Musik dieser Zeit mit Hörabenteuern der Gegenwartsmusik konfrontiert – mit Werken von Komponistinnen und Komponisten, die mit Schumann und manchen anderen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit geistesverwandt sind.

Symposium mit Lachenmann: Schwerpunkt an der ZHdK

Helmut Lachenmanns Musik, die weit über Europa hinaus zu den prägenden Positionen der Gegenwartsmusik gezählt werden kann, wurde in Sinfoniekonzerten schon häufiger sinnfällig mit jener von Robert Schumann kombiniert, unlängst von Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern. Eines von Lachenmanns zentralen Stücken trägt den Titel «‚Zwei Gefühle …‘. Musik mit Leonardo». Es fand später Eingang in Lachenmanns wohl bekanntestes Werk, die Oper «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern». Sie ist auch inhaltlich ein höchst eindrucksvoller Beitrag zum Thema Sehnsucht. Dieses Stück, das bereits in Musikmetropolen Europas, Amerikas und Asiens zu hören war, steht von Oktober 2019 an in Zürich auf dem Spielplan. Um diese Musiktheateraufführung herum hat das Departement Musik der ZHdK gemeinsam mit dem Opernhaus Zürich ein kleines Lachenmann-Festival mit drei Konzerten und einem international besetzten Symposium organisiert.

Mit Fragen der Sehnsucht hat dieses Projekt, das mit „Was darin an Wunderbarem sein mag …“ überschrieben ist, viel zu tun. Denn gerade Lachenmanns Tonsprache navigiert immer wieder im Grenzbereich von Vertrautem und Unvertrautem. Enorme Klangentfaltungen stehen plötzlichen Reflexionsmomenten gegenüber, fast unvermittelt schlagen Andeutungen gewohnter Gesten, Akkorde oder Melodien in überraschende Suchbewegungen um. Die «Musik mit Leonardo …» entfaltet dies auf der Basis eines programmatischen Textes Leonardo da Vincis, dessen 500. Todestag dieses Jahr gefeiert wird. Seine Erzählung, der das Zürcher Veranstaltungsmotto entstammt, illustriert die Anstrengung, die der Staunende unternimmt, um etwas zu erkennen. Sie ist Ausdruck einer Sehnsucht nach dem, was auf irritierende Weise neu ist. Massgeblich für Lachenmanns Ansatz ist, dass seine Musik der durch Leonardos Denken verkörperten Entdeckerfreude entspricht, also gleichsam selbst eine Suchbewegung vollführt. Mit wechselnden Mitteln ruft sie zu Hörentdeckungsreisen auf. Diesen eingeschrieben ist die Aufforderung an Ausführende wie Hörende, über das Empfinden des bloss Verblüffenden, Kuriosen deutlich hinauszugehen. «Was einst nur angestaunt ward, wird schliesslich mit dem Geist erfasst», schrieb Johann Gottfried Herder im späten 18. Jahrhundert. Gegenwartsmusik wie jene von Lachenmann hat viel mit dieser Art von Sehnsucht zu tun, die bei solchem Erfassen mit dem Geist wohl stets mit im Spiel ist.


Wie kommt eine junge Frau aus den Buchsibergen auf die Idee, eine künstlerische Ausbildung machen zu wollen? – Wenn sie als Kind beim Heuen oder auf dem Kartoffelacker mitgeholfen habe, sei ihr oft ein älterer Mann aufgefallen, einer, der unter einem Sonnenschirm vor einer Staffelei gesessen und die Landschaft gemalt habe, erzählt Erika Fankhauser Schürch. Einer, der nicht vom Bauern gelebt habe, sondern vom Bildermachen. Einer, der Weltläufigkeit in den Weiler gebracht habe: Bruno Hesse, der älteste Sohn Hermann Hesses, als Pflegesohn aufgewachsen auf der Oschwand im Haus des Künstlers Cuno Amiet und später wohnhaft im Spych, in direkter Nachbarschaft zu Erikas Elternhaus.

Etwas Eigenes machen, mit den Händen und dem Kopf, das hat ihr schon immer gefallen, und auch anderen dieses Wissen um die Machbarkeit weiterzugeben. Mit dem Machen allein, dem Entwerfen und Gestalten wäre sie nicht zufrieden. Die Vermittlung steht bei ihr gleichwertig neben der Kunst und dem Kunsthandwerk.

Aus der Zeit fallen

Es raucht und dampft unter dem Bahnviadukt neben dem Toni-Areal, den ganzen Tag schon. Unter einfachen Metalleimern brennt Feuer, daneben stehen Kessel voller Sägemehl, andere sind mit Wasser gefüllt. Mit einer Zange legt Erika Fankhauser eine Schale in einen der improvisierten Öfen. «Westliche Künstler haben die japanische Raku-Technik in den 1960er-Jahren entdeckt», erklärt sie und dass der Raku-Brand einen experimentellen Zugang zur Keramik ermögliche. «Was mit dem Werkstück passiert, lässt sich hier noch weniger kontrollieren als in einem herkömmlichen Ofen. Jedes Ergebnis ist eine Überraschung.»

Etwas enttäuscht und ungeduldig betrachten zwei Studentinnen ihre Schalen. Sie haben mit einer anderen Farbe gerechnet und können sich noch nicht vorstellen, wie die vom Brand verletzte Oberfläche aussehen wird, ist der beim Abräuchern entstandene Russ erst einmal entfernt. «Mir gefällt die unerwartete Farbe, der rostige Ton», meint Erika und ermutigt sie zu etwas mehr Neugier und Offenheit. «Mit Stahlwolle kannst du die Glasur reinigen.»

Keramik braucht Zeit und Geduld; Tempo und Ton vertragen sich nicht. Vielen gefällt gerade diese Langsamkeit. «Es war schön, einen Prozess über einen längeren Zeitraum zu verfolgen», meint eine Studentin in der Schlussrunde zum 14-wöchigen Atelierkurs, «aber es war auch schwierig, diesen Prozess auszuhalten. Nichts geht schnell schnell und vieles bleibt lange offen.»

Zeit haben, Zeit lassen, aus der Zeit fallen, nicht mit der Zeit gehen: Themen, die Erika als Keramikerin und als Vermittlerin begleiten. In ihrem Atelier in Wynigen findet das Langsame Zeit. Die Arbeitsschritte sind komplex, aber klar. Jeder Schritt erfordert seine eigene Aufmerksamkeit, jeder Schritt birgt ein Risiko. Hetzen geht nicht, Trödeln auch nicht, nicht im Handwerk und nicht, wenn es darum geht, etwas zu lernen.

Denken im Dreck

«Lättele» sagen wir im Oberaargau, wo Erika und ich aufgewachsen sind, wenn Kinder mit Lehm spielen. Der Ausdruck hat etwas leicht Abwertendes. Im «Lättele» stecken das Ausprobieren und das zweckfreie Spiel, das freie Gestalten und Tun, um das die Erwachsenen die Kinder mit den dreckigen Händen ein wenig beneiden.

Für mich war «Lättele» eine Lieblingsbeschäftigung, und Erika erklärt mir warum: Im und mit dem «Lätt» entdecken wir den Raum und das Denken in der dritten Dimension. «Lättele» trainiert das räumliche Vorstellungsvermögen, was nicht zuletzt beim Lösen mathematischer Aufgaben hilft; als feinmotorische Tätigkeit regt es das Gehirn an. Leider, fügt sie an, scheuten viele Lehrkräfte das Arbeiten mit Ton: «Keramikprojekte brauchen Zeit, sind anspruchsvoll und aufwendig, und es gibt immer Dreck.» Der dreidimensionale Entwurf und damit das räumliche Denken liessen sich aber durchaus auch einfacher, mit weniger Aufwand vermitteln, mit Draht zum Beispiel oder mit Karton. Heute komme das Dreidimensionale im gestalterischen Unterricht auf allen Stufen zu kurz, auch im Bachelor Art Education. Umso wichtiger ist es Erika, den Studierenden zu zeigen, wo und wie sich das räumliche Gestalten vermitteln lässt – nicht nur im Keramikatelier.

Neben ihren Lehraufträgen an der ZHdK engagiert sich Erika Fankhauser im Lernwerk Bern in der Lehrerfortbildung. «Praxis ist wichtig, denn nur in der Praxis kannst du scheitern, und nur beim Scheitern lernst du etwas.» Sie selbst scheitere zum Beispiel immer wieder an der Aktualisierung ihrer Website, und das zeige sie den Studierenden auch. Ihre Beliebtheit schmälert das nicht. «Erika weiss einfach alles», heisst es in der Keramikwerkstatt. Dass sie immer den Überblick behalte, gut zuhören und erklären könne, dass sie den Studierenden auf Augenhöhe begegne und nie bevormundend sei, immer am einzelnen Menschen interessiert, an seinen Ideen. «Erika darfst du alles fragen!»

Erika Fankhauser ist eine versierte Kunsthandwerkerin und eine preisgekrönte Künstlerin. Sie hat an der Schule für Gestaltung Bern die Keramikfachklasse besucht, eine vierjährige Vollzeitausbildung, einen Master in Design an der Hochschule Luzern absolviert und betreibt seit vielen Jahren erfolgreich ein eigenes Atelier. Die Designsammlung des Kantons Bern und die Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums haben Werke von ihr gekauft. Sie wird an internationale Festivals eingeladen, zuletzt nach Südkorea, wo sie im Frühling 2018 gearbeitet hat. Können sich Studierende innerhalb weniger Wochen das keramische Handwerk aneignen? «Nein, aber darum geht es nicht. Es geht immer um die Vermittlung. Ich unterrichte hier angehende Vermittlungsprofis, nicht angehende Keramikerinnen. Das handwerkliche Basiswissen ist wichtig, aber wichtiger ist die pädagogische Übersetzung: Was kann ich mit Schülerinnen und Schülern in einer einfach eingerichteten Werkstatt machen? Was ist möglich und was nicht? Wie können wir Erfahrungen mit dem dreidimensionalen Gestalten vermitteln?»


Caroline Süess: Wie gross ist der ökologische Fussabdruck der ZHdK?
Claire E. Schnyder: Das wissen wir derzeit nicht. Wir sind daran, ein Unternehmen auszuwählen, das unsere erste Ökobilanz erstellt. Der Nachhaltigkeitsbericht 2019 wird erstmals unsere Umweltbelastungspunkte ausweisen.

Die ZHdK orientiert sich an den 17 Zielen für nachhaltige Ent­wicklung der Vereinten Nationen. Lassen sich diese auf eine Hochschule herunterbrechen?
Ja, wenn auch nicht alle im selben Mass. Nicht alle sind gleich rele­vant für eine Kunsthochschule. Wir verankern derzeit die 17 SDG (Sustainable Development Goals) im Hochschulalltag. Verschiedene Initiativen greifen das Thema in Lehre und Forschung auf, zum Bei­spiel der Pilot  «Ökologie/Nachhaltigkeit» und die Projektstudie «Zen­trum Nachhaltigkeit». Geplant ist unter anderem, dass thematisch passende Veranstaltungen im Vorlesungsverzeichnis diesen Zielen zugeordnet und entsprechend gekennzeichnet werden.

Die Flugreisen von ZHdK-Ange­hörigen konnten schneller als erwartet reduziert werden. Wie ist das gelungen?
Indem sich jedes Departement selbst Ziele gesetzt und die digitale Kommunikation vermehrt genutzt hat. Um unsere Flugreisen weiter zu reduzieren, wird das Koordinieren von Reisen wichtiger werden, denn idealerweise werden auf einer Reise mehrere Aufgaben erle­digt. Flugreisen sollten wo sinnvoll durch Zugreisen ersetzt und der CO2-Ausstoss standardmässig kompensiert werden.

Das neue, strategisch zentrale Projekt Shared Campus wird kaum weniger Flüge generieren.
In erster Linie ist der Shared Campus ein virtueller Campus. Die ZHdK und internationale Partnerhochschulen bündeln ihre Kompe­tenzen und Ressourcen für gemeinsame Angebote in Lehre und Forschung. Internationale Aktivitäten sind für uns unabdingbar – ein klimasensibler Umgang damit ist möglich.

Wann ist ein Studium sozial nachhaltig?
Wenn wir Studierende so ausbilden, dass sie später von ihrer pro­fessionellen Tätigkeit leben können und darauf vorbereitet sind, den Wandel aktiv mitzugestalten.

Wie nachhaltig ist das Toni-Areal?
Ziemlich nachhaltig, denn es erfüllt den Minergie-Standard. Grösse per se ist nicht klimafeindlich, im Gegenteil: Dreht man hier und dort an einer Schraube, macht dies schnell viel aus. Es sind auch viele kleinere Massnahmen, die Strom sparen, wie etwa die Voreinstel­lung der Bildschirmschoner auf Schwarzweiss oder die fortschrei­tende Zentralisierung der Datenspeicherung. Und nicht zu verges­sen: Die ZHdK verbraucht dank des Toni-Areals weniger Ressourcen als an ihren früher 39 Standorten.

Im Recycling – PET-Flaschen ausgenommen – schneidet die ZHdK schlecht ab. Woran liegt das?
Wir nutzen das Material aus Ausstellungen und Werkstätten häufig nur einmal. Brauchbares Material sollte aber nicht einfach entsorgt und bei Bedarf wieder neu angeschafft werden. Dies liegt zurzeit vor allem an fehlenden Lagermöglichkeiten. Wir sind deshalb dabei, Lagerflächen zu optimieren.

Was bedeutet Nachhaltigkeit bei der Materialbeschaffung?
Unsere Beschaffungsverantwortlichen überprüfen Unternehmen in Bezug auf ökologische wie auch soziale Nachhaltigkeitskriterien. In der IT orientiert sich die ZHdK neu an den Empfehlungen der Elec­tronics Watch, die auf faire Arbeitsbedingungen bei den Herstellern achtet. So üben wir mit unserem jährlichen Beschaffungsvolumen von 8 Millionen Franken einen gewissen Einfluss aus.

Bringt Nachhaltigkeit neue Freiheiten mit sich?
Die Frage der Freiheit ist eine persönliche Frage. Nachhaltiger zu leben bedeutet für mich, mir Gedanken zu machen, wie viel ich wovon konsumiere, und mich zu informieren. So gesehen ist Nach­haltigkeit in meinem Fall eine Befreiung von unreflektiertem Kon­sum. Wie für mich möchte ich meinen, dass Fakten und Zahlen auch für die ZHdK wichtig sind, weil sie uns helfen, unsere Anstrengungen für mehr Nachhaltigkeit zu steuern.

Deine aktuelle Lieblingsidee, um nachhaltig zu leben?
Bienenwachstücher statt Frischhaltefolie.

Wie arbeiten wir nachhaltig?
Indem wir bewusst mit unseren eigenen Kräften umgehen, Pausen machen und aufhören zu arbeiten, wenn es Zeit ist. Wichtig ist, dass man in der Freizeit abschalten kann. Das SDG dazu heisst «Gesundheit und Wohlergehen».


Als Kuratorin einer öffentlichen Sammlung stehe ich nicht unter demselben Druck wie ein Privatsammler, der seine Sammlung innerhalb seiner Lebenszeit und mit eigenen finanziellen Mitteln aufbaut. Und doch kenne ich das brennende Gefühl des Habenwollens, das einen etwa bei Auktionen oder an Möbelmessen schlagartig überfällt. Das Konkurrieren mit anderen Bietenden ist nicht angenehm. In solchen Momenten wird das Möbel zum begehrenswerten Objekt, sein Fehlen in der Sammlung als fast schmerzhaft empfunden.

Sich nach Fehlendem sehnen wird erst durch die Ordnung einer Sammlung möglich, das ist das Schicksal aller Sammelnden. Je unerreichbarer beziehungsweise seltener ein Objekt ist, desto grösser die Sehnsucht, es haben zu wollen. Möbelhändlerinnen und -händler wissen genau, wie sie mit diesem Begehren umgehen müssen, schliesslich entscheidet die Intensität der Nachfrage auch über den Verkaufspreis. Doch nicht selten sind diese den Möbeln ebenso verfallen wie ihre Kundinnen und Kunden und selbst süchtig nach bestimmten Namen, Stilepochen oder Materialien. Ich kenne einen Händler, der nur an Personen verkauft, die ihm würdig genug erscheinen, das begehrte Möbel auch zu besitzen.

Trennungsschmerz und Stolz

Die meisten der bedeutenden Möbel der Designsammlung sind Schenkungen. Ihre Übergabe ist jeweils von gemischten Gefühlen begleitet: Der Trennungsschmerz beim Weggeben eines Erinnerungsstücks wird abgelöst vom Stolz, dass der Kleiderschrank der Grossmutter nun ins Museum kommt und damit von öffentlichem Interesse wird. Meist wird dem Objekt noch eine persönliche Geschichte mitgegeben, etwa wie die Familie zum Möbel gekommen, wie und von wem es benutzt worden oder ob es repariert und im Laufe der Zeit verändert worden ist. Viele dieser Möbel tragen Gebrauchsspuren, eine Patina, die den seriell hergestellten Gegenstand individualisiert und auratisiert.

Wenn wir ein wertvolles Stück aus einem Privathaushalt oder von einem Sammler erhalten, bieten wir an, dass es bei uns im Museum besucht werden kann, sollte die Sehnsucht danach zu gross werden. In Ausstellungen und Publikationen nennen wir die Namen unserer Donatorinnen und Donatoren und dokumentieren so die Bindung zwischen Objekt und Person. Manchmal jedoch ist diese Bindung so stark, dass wir gemeinsam mit den Schenkenden einen Vertrag aufsetzen, der sie zur lebenslangen Nutzung des Möbels berechtigt, das sie nach ihrem Tod bei uns gut aufgehoben wissen wollen.

Nostalgie und Habenwollen

Es gibt viele Arten, Möbel zu präsentieren. Museumsbesucherinnen und -besucher lieben die sogenannten Period Rooms mit Möbelensembles, aber auch mit eingebauten Inneneinrichtungen, etwa Wandverkleidungen und Fenstern, seit ihrer Erfindung im 19. Jahrhundert. Sie bedienen den touristischen Blick oder nostalgische Sehnsüchte, evozieren eigene oder kollektive Erinnerungen und laden auf eine Zeitreise ein. Das Spiel mit der vermeintlichen Authentizität dieser detailliert ausstaffierten Zimmer, die zuweilen wie Filmkulissen anmuten, wurde aus verschiedenen Gründen kritisiert und doch immer wieder neu erfunden. Der Zeitgeist und die damit verbundenen Lebensstile, aber auch die Haltung und Intention der damaligen Gestalterinnen und Gestalter zeigen sich darin kondensiert wie in einer Momentaufnahme. Für die Betrachtenden können das Wiedererkennen von Exponaten und die dadurch evozierten Geschichten aber auch eine Reise in die eigene Vergangenheit anstossen. So brach etwa eine Besucherin bei einer Führung durchs Schaudepot in Tränen aus, weil sie nach vielen Jahren wieder die Stahlrohrmöbel sah, mit denen sie aufgewachsen war.

Nostalgie als etwas mildere Form der Sehnsucht, als wunschbeladene Hinwendung zu einem Gegenstand aus der Vergangenheit unterscheidet sich vom intensiven Antrieb des Habenwollens. Das anwesende Möbel repräsentiert die «verlorene Zeit», die unwiederbringlichen Momente eines Lebens unmittelbarer und sinnlicher als schriftliche Quellen oder Bilder. Entsprechend möchten viele Besucherinnen und Besucher die ausgestellten Möbel berühren, was leider aus konservatorischen Gründen nicht möglich ist.

Sehnsucht trifft Designgeschichte

Als Kuratorin des Museum für Gestaltung Zürich möchte ich vor allem designhistorische Aspekte, etwa die Entwurfshaltung einer Person oder einer Zeit, vermitteln. Doch stelle ich immer wieder fest, dass Alltagsobjekte aus dem 20. Jahrhundert eine diffuse, allgemeinere Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit wecken. Nach einer überschaubareren Welt, nach Entschleunigung und Dauerhaftigkeit. Und auch dies hat wiederum mit der Gestaltung und der Qualität der Möbel und den Vorstellungen von Wohnen zu tun. Es freut mich, wenn ich erlebe, wie sich persönliche Geschichten in die kollektive Designgeschichte einweben, wenn Designgeschichte vielstimmig wird und etwa bei Führungen oder Workshops gemeinsam mit dem Publikum entsteht. Letztlich beansprucht das Museum keine Deutungshoheit über seine Sammlungsobjekte, sondern stellt sie in immer neuen Konstellationen zur Debatte und fragt sich gleichsam: Wie wird Designgeschichte rekonstruiert?


Für die meisten Forschenden des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte (IBME) der Universität Zürich beginnt der Tag mit einem Kaffee. Danach schlagen sie ihre Bücher auf, schreiben Texte oder diskutieren ihre Forschungsprojekte. So weit, so alltäglich. Seit April 2019 jedoch schreibt sich ein Künstler in die Routinen des Instituts ein. Johannes Willi hat eine Ausschreibung des artists-in-labs program (AIL) der Zürcher Hochschule der Künste, des IBME und des Zentrums für Schmerzmedizin Nottwil gewonnen. Deshalb sitzt er nun in einem Büro des Instituts an seinem Arbeitstisch und erzählt von ersten Ideen für das Projekt.

«Das Unsichtbare erfahrbar machen – Schmerzpatient_innen und ihre Erzählungen» lautete das Thema der Ausschreibung. Chronische Schmerzen betreffen mehr als 1 Million Menschen in der Schweiz und stellen ein wachsendes gesellschaftliches Problem dar. Da die Ursache für diese über Jahre anhaltenden Schmerzen oft nicht (mehr) feststellbar ist, entsteht im Alltag und zwischen den Betroffenen, ihren Freunden, Angehörigen und Ärztinnen eine Vermittlungskrise. Die Künste können dafür vielfältige Ausdrucksformen und Übersetzungen finden, andere Perspektiven eröffnen sowie neue Fragen stellen. Willis sechsmonatige Residency steckt denn auch ein breites Feld ab: Von der thematischen und methodischen Recherche über Gespräche mit Forschenden am IBME bis zum Austausch mit Ärztinnen und Patienten des Zentrums für Schmerzmedizin hat der Künstler Zugang zu unterschiedlichsten Thesen und Infrastrukturen.

Eine kreative Komplizenschaft

Seit mehr als 15 Jahren mischt das AIL mit seinen Aktivitäten an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft im Feld der Transdisziplinarität mit. Kern dieser Aktivitäten bilden die Residencies – mehrmonatige Aufenthalte für Kunstschaffende in Forschungsgruppen renommierter Institutionen in der Schweiz und weltweit. Die Möglichkeit, sich über längere Zeit mit Protagonistinnen anderer Disziplinen auszutauschen, hat auch Johannes Willis Interesse geweckt. «Mit meiner Arbeit versuche ich Menschen so mit meiner Kunst zu verweben, dass sie zu Komplizen der Werke werden», sagt er und macht sich auf den Weg in die Bibliothek des Instituts.

Komplize – ein vielschichtiger Begriff, der sich durchaus auf die Philosophie des AIL beziehen lässt. Denn bevor sich die Ergebnisse eines Projekts materialisieren und über Ausstellungen, Publikationen oder Filme präsentiert werden können, geht es um die Begegnungen der Beteiligten. Es geht um ihre Gemeinsamkeiten und Überschneidungen, Abgrenzungen und Widersprüche und das Spannungsverhältnis, das sich daraus ergeben kann und soll – ihre kreative Komplizenschaft. Für Johannes Willi ist es erst mal eine Expedition ins Ungewisse. Und wie ein Forscher geht er deshalb auch vor.

Ein Institut im Institut

An einem Dienstagmorgen wird das Gewächshaus angeliefert: Ein Gerüst aus Aluminium trägt milchige Plexiglasplatten, ein erwachsener Mensch kann darin aufrecht stehen. In der Bibliothek des Instituts schraubt Willi es zusammen, richtet es sparsam ein und setzt sich auf einen Gymnastikball. Es ist von nun an sein Institut im Institut, das «Institut Indiskret». Hier plant er als Erstes eine Gesprächsreihe, und im Lauf der Zeit soll es überwuchern mit Notizen, Objekten und Ideen, die sich während der Residency ansammeln. Die Rolle des Aussenseiters in seiner neuen Umgebung nimmt er dabei als Quelle der Inspiration und als Moment der Ermächtigung wahr. Als Künstler könne er etwas aufzeigen, das nicht in die Logik der Institution passe, sagt er. Wie mit seiner Multimediainstallation an den Swiss Art Awards im Juni 2019, an der er bereits vor der Residency zu arbeiten begonnen hatte. Ärztinnen und Pflegende des Zentrums für Schmerzmedizin Nottwil reisten nach Basel, wo sie gemeinsam mit Willi die nominierte Arbeit des Künstlers besichtigten und diskutierten. Sie besteht aus zwei grossen, sich gegenüberstehenden Bildschirmen, die durch eine Halfpipe verbunden sind. Das eine Video zeigt Willi beim Besuch einer Therapiestunde bei einem Osteopathen. Dabei trägt der Künstler ein Affenskelett wie eine Marionette vor sich her. Das andere zeigt Schimpansen im Zoo Basel. Willi thematisiert das Verhältnis des Menschen zu seinem nächsten Verwandten und schafft komplexe Bezüge zwischen Wissenschaft, Macht, Schaulust und Spiel – und stellt nicht zuletzt unseren oftmals institutionalisierten Blick auf die Welt infrage.

Über solche Begegnungen soll die Residency einen Prozess des wechselseitigen Austauschs ermöglichen. Bestehendes Wissen wird geteilt, überdacht und neu kontextualisiert, Ideen werden hin und her gespielt und daraus neue Ansätze in Kunst und Wissenschaft entwickelt. In vielen Projekten des AIL ist dieser gemeinsame Arbeitsprozess auch der Ausgangspunkt einer langfristigen, über die ursprüngliche Projektdauer hinausgehenden Zusammenarbeit; Konzerte, Performances, Teilnahmen an Gruppenausstellungen oder Konferenzen gehören dazu. Zudem sind aus Residencies praxisbasierte künstlerische PhDs hervorgegangen. Zur Nachhaltigkeit trägt die Rückbindung an die ZHdK bei. Regelmässig finden Präsentationen aktueller oder ehemaliger artists-in-labs im Toni-Areal statt, und Studierende bringen sich in Projekte des AIL mit ein. Einen Bezug zur ZHdK hat auch Johannes Willi: Er ist nicht nur Alumnus der Vertiefung Trends & Identity, sondern seit einigen Jahren auch in der Lehre tätig. Und so treffen im Herbstsemester 2019 die Inhalte und Ideen aus seiner Residency auf jene von Studierenden.

Eine Spinne auf der Jagd nach Momenten

Wieder ist es Dienstagmorgen, diesmal im Zentrum für Schmerzmedizin Nottwil, das dem Schweizer Paraplegiker-Zentrum angeschlossen ist. Willi nimmt an einem Gruppentreffen nicht deutschsprachiger Schmerzpatientinnen teil. Die Probleme und Fragen sind komplex, die Kommunikation schwierig, der Ausgang unklar. Eine Situation, die dem Künstler liegt. Er reagiert darauf mit Intuition: «Meine Arbeit nährt sich aus den Begegnungen – ich treffe eine Ärztin oder einen Patienten, tausche mich mit ihnen aus, und wir gehen wieder getrennte Wege. Wie eine Spinne trage ich Momente zusammen und bringe sie ins Nest. Daraus wird langsam ein grosses Ganzes, von dem ich noch nicht weiss, wohin es mich letztlich führen wird.»


Der Spielfilm ist eine Kunstform, bei der aktiv gestaltet wird. Anders als beim Dokumentarfilm können Regieführende stärker in die Handlung eingreifen, eine Szene mehrmals drehen. Es gibt ein Drehbuch, und es gibt Schauspielerinnen und Schauspieler. Die Filmbranche war lange Zeit von Männern dominiert. Männer haben Drehbücher geschrieben. Männer haben Regie geführt. Dramaturgie und Narrative wurden auf der Basis des männlichen Helden geschaffen. Wohin aber führt die Reise der Heldin?

Bernadette Kolonko, 33, hat Spielfilmregie und Drehbuch studiert. Nach ihrem Abschluss an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf absolviert sie derzeit an der ZHdK das Fellowship-Programm des 3. Zyklus. Ihre Arbeit «Unsichtbares und Ungesagtes» geht der Frage nach, warum im Spielfilm immer wieder dieselben Frauenbilder gezeigt werden. «Ich hätte die gleiche Frage auch für das Männerbild im Spielfilm stellen können, denn auch bei diesem treffen wir immer wieder auf dieselben Stereotype», erklärt die Forscherin und betont: «Einengende oder ausschliessende Rollenbilder können alle Geschlechter betreffen.»

Was ist schon typisch Frau?

Kolonko hat sich auf die Suche nach dem Atypischen der Frau im Film gemacht. «Für meine Interviews habe ich Regisseurinnen ausgesucht, deren Werke mich neugierig gemacht haben, weil sie von Kämpfen und Sehnsüchten erzählen, die mich, meine Freundinnen, meine Mutter oder meine Grossmütter beschäftigen und die hier plötzlich ans Licht treten», erklärt sie ihre Motivation. Sie hat bis jetzt vier europäische Regisseurinnen im Alter zwischen 30 und 45 Jahren zu ihrer Arbeit mit Schauspielerinnen befragt. «Welche Rolle spielt Körperarbeit in deiner Arbeit mit Schauspielerinnen?» oder «Wann sind Figuren für dich Subjekte und wann Objekte – und spielt diese Frage in deinem Schaffen überhaupt eine Rolle?», steht da beispielsweise in ihrem Fragenkatalog. Kolonko vergegenwärtigt sich dabei immer wieder selbst ihre Verantwortung als Regisseurin: Vieles, was heute anders inszeniert wird, ist die Folge eines bewussten Regieentscheids. Zum Beispiel dann, wenn die Frau bei einem Date die Beine nicht übereinanderschlägt, den Kopf nicht verlegen zur Seite neigt oder ihre Schamhaare nicht rasiert.

Ein nackter Frauenkörper in der Badewanne ist ein sehr normierter Bildentwurf. Er kann aber zu etwas ganz anderem werden, wenn zum Beispiel in einer Bild- und Körperinszenierung Wasser das Fliessende betont und für Bewegung und Wandelbarkeit steht. Dann verbildlicht eine solche Szene mehr als bloss «waschen» oder «erotisch» und wird zu einer Inszenierung, die zum Denken anregt. Kolonko will in ihren Interviews mit Filmemacherinnen herausfinden, ob diese neue Bildsprache gezielt oder eher zufällig entstanden ist. Müsste sie diese Frage selbst beantworten, wählte sie Ersteres. Nur über das Bewusstsein ändern sich Dinge. Es braucht den gewollten Entscheid, nicht in die gängigen Muster zu fallen. Und nicht zuletzt braucht es auch Mut. Wie oft hat Kolonko schon Sätze gehört wie: «Aber das ist doch nicht spannend» oder «So fühlt doch keiner mehr mit dieser Frau mit». Ihre Antwort darauf: «Wer definiert denn überhaupt, wie Spannung und Mitgefühl bei einer Frau auszusehen haben?»

Von Interviews zu Körperübungen

Die Interviews dienen Kolonko als Grundlage für den zweiten Teil ihrer Forschungsarbeit. Ausgehend von den Antworten der Regisseurinnen führt sie mit Schauspielstudierenden der ZHdK Körperübungen durch. Bei den Inszenierungsversuchen geht es um «weibliche» und «männliche» Codes in Körperdarstellungen. Wie fühlt sich etwas an für die Schauspielerinnen? Ist es fremd, weil es ungewohnt ist, oder ist es ungewohnt, weil es fremd ist? Vielleicht ist das Bild, das einem als Erstes für eine Szene in den Sinn kommt, nicht immer das beste. Kolonko ermuntert dazu, auch mal bewusst das Widersprüchliche zu wählen.

Etwas anders zu machen kann attraktiv sein. Der Weg dorthin ist aber weder gerade noch einfach … und manchmal gar vergebens. Kolonko möchte nicht werten, sondern vielmehr zu Diversität aufrufen. Nur durch Sensibilisierung verändere sich das Rollenbild der Frau auf der Leinwand. Geschichten sollen nicht geschrieben werden, weil man schon im Vornherein weiss, dass sie funktionieren werden. Sondern weil jemand bewusst das Publikum mit einer Idee konfrontieren will. Irgendwann sind Schamhaare bei Frauen genauso unspektakulär wie die Dauerwelle auf dem Kopf.


Giulia Adagazza: Warum ist dieses Musiktheater für die ZHdK so besonders?
Ranko Marković: Die Studierenden überschreiten die Grenzen ihrer jeweiligen Disziplin, indem sie umfassende musiktheatralische Erfahrungen sammeln. Beispielsweise hat das Orchester der ZHdK schon lange keine Oper im herkömmlichen Sinn mehr gespielt und kaum mit Regie oder Szenografie kooperiert. In diesem Projekt tauchen Sängerinnen, Dirigenten, Streicherinnen, Bläser, Komponistinnen und Bühnenbildner gemeinsam in die verschiedenen Bereiche und Prozesse einer Musiktheaterproduktion ein.

Wer gibt den Ton an?
Die Studierenden! Die musikalische Darbietung, das Bühnenbild, die Kostüme und das Dirigat liegen fast vollumfänglich in ihren Händen. Bei diesem Gestaltungsprozess werden die Studierenden von den Dozierenden zwar angeleitet und unterstützt, der Fokus liegt aber auf der Entfaltung ihrer eigenen Ideen. Auf diesen hohen Grad an Partizipation legt Annette Uhlen, Musikdozentin an der ZHdK, in ihrem Regiekonzept besonderen Wert.

«Prima la musica e poi le parole» enthält verhältnismässig viele Rezitative, also Sprechgesang, und eher wenige Arien. Worauf darf sich das Publikum sonst noch freuen?
Auf einen regen und leidenschaftlichen Diskurs auf der Bühne. Ein Dichter und ein Komponist sollen in nur vier Tagen eine Oper kreieren und streiten dabei um die Vorherrschaft ihrer jeweiligen Disziplin. Ob Musik oder Literatur gewinnt, verrate ich hier nicht. Es gibt Einwürfe aus der populären Musik unserer Zeit und ein Bühnenkonzept, das die gewohnte Trennung von «Gesang oben – Orchester unten» überwindet. Bühne frei für die neue Generation!


Ein Artefakt in der künstlerischen Forschung ist ein Ding, das drei Dimensionen enthält, die das gesprochene Englisch auf wunderbare Weise verdeutlicht: Es ist arte-fact, etwas künstlich oder künstlerisch Hergestelltes (wie im Deutschen), es ist art-affect, ein Kunst-Affekt, eine durch Kunst hervorgerufene sinnliche Erregung, und es ist art-effect, ein Effekt oder eine Folge von Kunst.

Ergebnisse künstlerischer Forschung sind Artefakte in exakt diesem dreifachen Sinn. Diese Ergebnisse oder Resultate sind, anders als in den Natur- und den Geisteswissenschaften, nicht oder nicht nur Texte, die gelesen und vom Verstand verarbeitet werden. Sie sind Ergebnisse künstlerisch-forschenden Arbeitens, die einen, mehrere oder alle unsere Sinne gleichzeitig ansprechen. Sie beharren auf der spezifischen, eigensinnigen Qualität sinnlicher Erkenntnis. Sinnliche Erkenntnisse, früher als niedere Form von Erkenntnis taxiert, sind damit heute gleichwertige, aber andere Erkenntnisformen als die von Verstand und Vernunft produzierten. Die Ergebnisse künstlerischer Forschung sind Ergänzungen und Korrektive der Forschung in den Natur- und Technikwissenschaften einerseits und den Geisteswissenschaften andererseits. All diese Forschungsarten und deren Forschungsergebnisse sind nicht nur für ihre jeweiligen Disziplinen wie Chemie, Philosophie oder Kunst wichtig, sondern auch für die Gesellschaft als ganze: Künstlerische Forschung schaut anders auf die Bedürfnisse der Gesellschaft und geht anders mit diesen um, als Natur-, Technik- und Geisteswissenschaften dies tun.


«Stell dir vor, du hast ein Bein verloren und bekommst die Chance, wieder zu gehen. Es ist nicht nur ein Bein, das du erhältst. Es ist ein neues Leben.» Die beiden ZHdK-Industrial-Design-Absolventen Simon Oschwald und Fabian Engel wissen, wie man einer Jury Ideen verkauft. Wenn es sein muss auch in nur zweieinhalb Minuten. Mit Project Circleg, einer Beinprothese aus rezykliertem Kunststoff für Entwicklungsländer, qualifizierten sie sich für das internationale Falling-Walls-Lab-Finale in Berlin, gewannen den nationalen James Dyson Award 2018 und weitere nationale Auszeichnungen für Nachwuchsforschende.

Gerade haben sie noch die Studienbank gedrückt, und schon dreht sich bei den beiden Designern alles um Businesspläne, Geschäftsmodelle und die Suche nach Investorinnen. Das Einmaleins der Businesswelt hätten sie sich innerhalb kürzester Zeit angeeignet, erzählt Simon Oschwald: «Die Lust, ein eigenes Projekt von A bis Z umzusetzen und in die Start-up-Szene einzutauchen, treibt uns an.»

Keine Angst vor Neuland

Dass sie nicht vor thematischem Neuland zurückschrecken, bewiesen Simon Oschwald und Fabian Engel bereits bei der Wahl ihres Diplomprojekts, dem Startschuss zu Project Circleg. «Während des Studiums merkte ich, wie viel Potenzial der soziale Aspekt von Design eröffnet», erzählt Fabian Engel. Dazu gehöre auch die sinnvolle Wiederverwertung von Kunststoff. Ein Abfallprodukt, das besonders in Entwicklungsländern in grossen Mengen zu finden sei.

Der Wunsch, als Designer Sinnvolles zu bewirken, und das Interesse für Kunststoffabfälle machten aus den beiden Studenten ein Team. Innerhalb von sechs Monaten eigneten sie sich einen enormen Wissensschatz über Kunststoff und Prothetik an. Tauschten sich mit Materialexperten der Empa, des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes und Orthopädietechnikern aus und hielten schliesslich im Sommer 2018 den ersten Prototyp in der Hand.

Auslegeordnung des Designprozesses: Vom ersten Modell bis zum letzten Prototypen. Foto: © Project Circleg.

Begeisterung in der Schweiz und in Afrika

Das nationale und internationale Feedback auf das Projekt sei bereits während der Recherche sehr positiv gewesen, erinnert sich Fabian Engel: «Ein Prothesenproduzent in Kenia meinte gar sofort: <Schickt uns eure Pläne und wir starten die Produktion!>» Erfolgsmomente wie diese ermutigten die Designer schliesslich, die Grenze zwischen Diplomprojekt und eigenem Start-up zu überschreiten. «Es ist sicher von Vorteil, dass wir mit einem frischen Blick an die Thematik herangegangen sind», ist Simon Oschwald überzeugt. Der Austausch mit Betroffenen und Produzenten in Kenia habe geholfen, stets aus der Benutzerperspektive zu entwickeln. So ist ihre Beinprothese im Gegensatz zu den in Kenia erhältlichen Modellen mit einem Kniegelenk ausgestattet. Gelenke und Farben können dank des modularen Systems individuell angepasst werden.

In der Start-up-Szene angekommen

Überwältigt sind die beiden Entwickler nicht nur vom positiven Feedback, sondern auch von den Möglichkeiten für Start-ups in der Schweiz. «Stiftungen, Impact Hubs, Coachings oder Wettbewerbe, die Unterstützung für Start-ups ist fast unbegrenzt», schwärmt Oschwald. Am UZH Innovators Camp, einer einwöchigen Summer School in Kooperation mit dem Z-Kubator-Förderprogramm der ZHdK, tauchten sie erstmals tiefer in die Start-up-Szene ein. Es folgte eine Anschubfinanzierung des Instituts für Designforschung der ZHdK, die das Projekt weiter ins Rollen brachte. «Weconnex» und «Seif», zwei Unternehmen, die auf Social Entrepreneurship spezialisiert sind, stehen ihnen ebenfalls beratend zur Seite. Es scheint, als seien die beiden Designer mittlerweile in der Businesswelt angekommen. «Gewisse Situationen, zum Beispiel das Networking mit möglichen Geldgebern, brauchen immer noch Überwindung», gesteht Simon Oschwald.

Zurzeit stecken die Jungunternehmer ihre gesamte Zeit und Energie in das Projekt. Stösst man bei einem derart ehrgeizigen Zeitplan nicht an seine Grenzen? «Meine persönlichen Grenzen verschieben sich von Tag zu Tag», stellt Oschwald fest. Da verleihe die eingespielte Arbeit im Team besonderen Antrieb. «Bei einem Persönlichkeitstest fanden wir heraus, dass wir vom Charakter her sehr unterschiedlich sind, uns aber, was die Arbeitsmoral und die Wertvorstellungen betrifft, perfekt ergänzen», führt der Designer weiter aus. Beste Voraussetzungen also, um mit der Weiterentwicklung des Prototyps zu starten.


Jörg Scheller: Für manche ist Parfüm eine eher triviale Angelegenheit: Mode, Celebrities, Shopping … Bei genauerer Betrachtung erweist es sich jedoch als überraschend komplexes Phänomen. Wie kamen Sie zum Parfüm, und was fasziniert Sie daran?
Philip Kraft: Ich kam über die Chemie, und zwar ziemlich pubertär. Mit elf Jahren interessierte ich mich dafür, was Hormone sind, kaufte mir Karlsons «Biochemie» … und verstand nichts, weil mir die chemischen Grundlagen fehlten. Das nervte mich, und nach und nach kaufte ich weitere Chemielehrbücher, sodass ich als kleiner Punk in einer Hamburger Universitätsbuchhandlung irgendwann der Verkäuferin auffiel, die mir dann ein Probeabonnement von «Liebigs Annalen» schenkte. In diesen fand ich einen Artikel zum Design von Riechstoffen, der mich faszinierte, weil er mir die kreativen Dimensionen einer mir neuen Kommunikationswelt eröffnete.

Nicht gerade alltäglich, dass sich pubertierende Punks für die Chemie der Riechstoffe interessieren! Wie ging es weiter?
Ich schrieb die Riechstofffirma an, die die Verbindungen ausgewertet hatte, wurde eingeladen, erhielt Zugang zu Duftbausteinen und Kontakt mit Parfümeuren, brachte mir das Komponieren von Parfüms aber autodidaktisch bei. In der Folge entschied ich mich für ein Chemiestudium, und heute bin ich Riechstoffchemiker. Die Faszination, neue Düfte durch chemisches Design sowie parfümistische Komposition zu erdenken und zu entdecken, hält mich bis heute in ihrem Bann. Mich begeistern die Ausdrucksmöglichkeiten, die der Geruchssinn eröffnet. Bei 391 funktionalen Riechrezeptoren ergeben sich 5 043 456 793 138 493 339 171 717 132 818 382 567 050 206 626 619 577 173 497 381 555 743 452 386 751 642 958 261 026 080 625 269 202 023 248 382 759 272 448 Kombinationen, was den visuellen Farbraum von 370 bis 680 Nanometern oder den akustischen Hörbereich von 20 bis 20 000 Hertz geradezu mickrig anmuten lässt. Kein Molekül duftet wie ein anderes!

In der Kunstwissenschaft bilden Parfüms bislang eine Marginalie. Das überrascht, experimentiert doch insbesondere die Gegenwartskunst auch mit Düften und Gerüchen. Zeigt sich hier die überholte Privilegierung des Visuellen?
Viel hat wohl mit der irrigen Annahme von Plato, Kant und Hegel bis hin zu Santayana und Scruton zu tun, der visuelle und der akustische Sinn seien die einzigen «theoretischen Sinne». Das Unverständnis dieser Philosophen führte letztlich dazu, dass wir uns im Schulunterricht mit Kunst und Musik, aber nicht mit Parfümerie beschäftigen. Nur weil das Universum der Düfte und auch die Chemie zu komplex für das klassische philosophische Verständnis waren, blieb die Kunst der Parfümerie einer erschreckend grossen Anzahl Menschen so unzugänglich. Hinzu kam, dass Parfümeure ihr Wissen gerne geheim hielten. Heute kann man aber über das Internet fast alle Duftbausteine bestellen, wodurch auch die olfaktorische Dimension künstlerischen Ausdrucks breit erschlossen ist. Leider fristen Düfte an Kunsthochschulen aber immer noch ein elendes Dasein, und entsprechend fehlt die technische Beherrschung des Mediums – ein Teufelskreis.

In Ihrer wissenschaftlichen Forschung spezialisieren Sie sich auf Odorant Design. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff, und wie verhält sich Odorant Design zu Olfactory Art, also zur Duftkunst?
In meiner wissenschaftlichen Forschung geht es um die gezielte Synthese eines Duftes über das Modellieren eines Moleküls: die Architektur der Düfte sozusagen. Es geht um die Technik, wie ein Molekül massgeschneidert werden muss, damit es so riecht, wie es riechen soll. Düfte können aber durch das Kombinieren von Molekülfragmenten oder Duftbausteinen erzeugt werden. Somit kann beides zu Olfactory Art werden, wenn es bewegt und inspiriert. Das Funktionale des Odorant Design ist eine notwendige Vorstufe, Yves Kleins IKB 191 etwa existierte natürlich physikalisch schon vor dem Künstler, während jeder Duft erst materiell realisiert werden muss. Odorant Design erzeugt funktional die Elemente für Olfactory Art. Auf der nächsten Stufe kann es dann aber auch selber ästhetische Gefühle vermitteln, die individuelle Botschaften transportieren, dann wird es zu Olfactory Art: Kunst ist das, was wir als solche akzeptieren.

Parfüm hat auch eine subversive Dimension. Es fügt sich nicht in die traditionellen Gattungen der Künste, manipuliert die Wahrnehmung auf teils unterschwellige Weise, besetzt gleichsam ganze Räume. Besteht hier eine Verbindung zum Punk?
Ich denke nicht. Die Botschaft der Punkbewegung war ja, dass jeder alles machen kann. Man ging also raus und tat es einfach. Also von daher spielt auch keine Rolle, was die Kunsttheorie oder Kant sagen. Der britische Boutiquebetreiber Malcolm McLaren wollte eigentlich nur zwei Kids davon abbringen, Klamotten aus seinem Laden zu klauen – so entstanden die Sex Pistols. Dennoch war das Ergebnis eine enorme kreative Befreiung, ob die nun subversiv genutzt wurde oder nicht, war nur eine Angelegenheit des Herzens. Weder Punk noch die Parfümerie wollen manipulieren, sie wollen höchstens verführen. Und man verführt am besten, wenn man «echt» ist. Duft ist immer «echt». Molekulare Wirklichkeit!


Andrea Zeller: Christine Weidmann, du bist 2001 an der HGKZ als Gleichstellungsbeauftrage gestartet. Welche Themen brannten?
Christine Weidmann: Die Fachstelle wurde im Rahmen des Bundesprogramms für Chancengleichheit an Fachhochschulen geschaffen. Der ursprüngliche Fokus lag auf der Gleichstellung von Mann und Frau. Zusammen mit Gleichstellungsbeauftragten der PHZH, der ZHAW und der HWZ bauten wir in Kommissionen Reglemente gegen Diskriminierung, für Diversity und Nachwuchsförderung auf. Ich führte auch viele Beratungen durch.

Wie habt ihr die Reglemente umgesetzt?
CW: Wir haben beispielsweise Mentoringprogramme aufgebaut, die den Mittelbau fördern und Frauen in Führungspositionen unterstützen. Ich konnte zudem in den Findungskommissionen bei der Personalsuche Einsitz nehmen und dort für Chancengleichheit sensibilisieren.

Trotzdem ist nur eine Frau Direktorin eines Departements.
CW: Leider ja. Doch mittlerweile verfügen wir über Erfahrung, wie erfolgreiche Frauen zu gewinnen sind. Im Zentrum steht die aktive Personalsuche. Bei der Rekrutierung wartet man nicht auf gute Bewerbungen von Frauen, sondern aktiviert Netzwerke, Vermittlungsagenturen und persönliche Kontakte.

Worauf bist du besonders stolz?
CW: Ich merkte schnell, dass wir an der ZHdK Kinderbetreuung anbieten müssen. Ich organisierte also einige Plätze in einer Zürcher Kita. Als die Planung für das Toni-Areal anlief, fiel mir bei einer Orientierungsveranstaltung auf, dass wegen Platzmangels keine Kita angedacht war. Ich nahm die rudimentären Pläne mit nach Hause und schaute sie mit meinem Mann, einem Architekten, an. Bei der nächsten Orientierung ging ich auf die Architekten des Toni-Areals zu, sprach sie auf die fehlende Kita an und schlug vor, diese auf dem Dach zu platzieren. So kam es zur Kita Dachspatzen. Ich bin stolz darauf, dass ich mich dafür eingesetzt habe und dass die ZHdK ihre Angehörigen dabei unterstützt, Arbeit, Studium und Familie miteinander zu vereinbaren. Die Kinder können im spannenden Kunstumfeld viel erleben.

Wie hat sich das gesellschaftliche Klima in den letzten 17 Jahren verändert?
Patricia Felber: Es ist sehr viel passiert im Bereich Gleichstellung. Heute wird nicht mehr diskutiert, ob Frauen überhaupt in Führungspositionen gehören, und dass Männer Pensen für mehr Familienzeit reduzieren, ist kein Einzelfall mehr. Diskriminierung gibt es in meiner Wahrnehmung aber nach wie vor, sie ist einfach subtiler. Oft hängt sie damit zusammen, dass Stereotype tief verankert und bestehende Netzwerke schwer aufzubrechen sind. Da helfen Reglemente und Quoten nur bedingt.
CW: Die Veränderung muss in den Köpfen und im Bauch passieren. Ich denke, dass die Gesellschaft allgemein sensibler geworden ist für Genderthemen und deren Wichtigkeit. Ein aktuelles Beispiel ist das Reglement für Transmenschen an der ZHdK; dieses Thema wäre früher bestenfalls unter Chancengleichheit diskutiert worden, heute hat es einen eigenen Stellenwert.

Ist Gleichstellung in der Schweiz anders als im Ausland?
PF: Das Modell des Manns als Alleinernährer ist bei uns sicher stärker verankert als in anderen Ländern. Einerseits hat dies historische Gründe: In anderen Ländern waren Frauen während und nach dem Zweiten Weltkrieg wichtige Arbeitskräfte. Dem war in der Schweiz, die weitgehend vom Krieg verschont blieb, nicht so. Andererseits sind die Löhne hier sehr hoch, deshalb können es sich Familien leisten, dass nur eine Person arbeiten geht. Das traditionelle Rollenmodell wird auch in Werbung und Medien nach wie vor propagiert und scheint in den Köpfen stark verankert. Ein Beispiel ist die Namenswahl: Der Grossteil der Frauen nimmt bei der Heirat den Namen des Partners an, obwohl sie dies nicht mehr müssten.
CW: Bei Beratungen junger Mütter war es mir immer ein grosses Anliegen, aufzuzeigen, dass die Berufstätigkeit oder das Studium wegen Mutterschaft nicht lange unterbrochen werden müssen, wenn überhaupt. Es ist sehr schwierig, nach einer längeren Auszeit den Einstieg wieder zu finden. Und gerade wenn Beziehungen auseinandergehen, kann das fehlende Einkommen Frauen in eine prekäre Lage bringen.

Was können wir diesbezüglich vom Ausland lernen?
PF: Im Trinity College in Dublin besteht der Bereich Gender & Diversity aus zwanzig Mitarbeitenden, von denen nur eine Person für Gleichstellung von Mann und Frau zuständig ist. Andere Bereiche wie Gender, Behinderung oder Sprache haben einen hohen Stellenwert. An der Goethe-Universität in Frankfurt am Main ist der Bereich Care breiter abgedeckt – wie können Mitarbeitende unterstützt werden, die sich um ein krankes Familienmitglied kümmern müssen? Die Themen in einer Institution sind letztlich aber immer ein Spiegel der gesellschaftlichen Herausforderungen des jeweiligen Landes und können nicht eins zu eins übernommen werden.

Welche Ungleichheit würdet ihr aufheben, wenn ihr könntet?
CW: Die Machtungleichheiten zwischen Frauen- und Männerwelten. Sie sind so zäh wie Kaugummi auf dem Boden, der einfach nicht ganz abgekratzt werden kann.
PF: Dass Frauen immer noch nach Frisur, Stimmlage oder Schuhgeschmack beurteilt werden und erst im zweiten Anlauf aufgrund der beruflichen Qualifikationen und geleisteten Arbeit. Ich wünsche mir auch, dass sich Frauen mehr zutrauen und ihren Anspruch auf Führungspositionen und gleichen Lohn geltend machen.


Die Hände bewegen sich hin zur Tastatur des Klaviers oder des Computers, die Ellenbogen heben sich unbewusst seitlich etwas an – und bereits nach wenigen Minuten beginnt das schmerzhafte Ziehen im Schulter- und Nackenbereich, und die Oberarme versteifen sich. Solche Kompensationsbewegungen sind sehr häufig und führen oft zu phasenweise auftretenden oder sogar chronischen Beschwerden. Um diesen Berufskrankheiten vorzubeugen und um Haltungen und Bewegungen individuell zu optimieren, bietet das Handlabor der ZHdK seit 2010 ergonomische Beratungen und Workshops an Musikinstrumenten und Büroarbeitsplätzen an.

Über hundert Handeigenschaften

Da sich Hände und Arme in Form, Reichweite, Kraft und Beweglichkeit von Mensch zu Mensch stark unterscheiden, liefert eine individuelle Beratung wichtige Hinweise zur Behandlung berufsspezifischer Beschwerden. Das Handlabor führt eine wissenschaftlich fundierte Betrachtung der Hände und der Arme durch. Das angewendete Messverfahren für die biomechanische Untersuchung der Musikerhand geht auf den Arzt und Musiker Christoph Wagner zurück. Er entwickelte es ab 1964 am Max-Planck-Institut für Arbeitsphysiologie in Dortmund. Mittlerweile können über hundert instrumentenspezifische Handeigenschaften erfasst werden. Sie umfassen Kategorien wie etwa Handform und -grösse, aktive Beweglichkeit, passive Beweglichkeit und Kraft. Die eigens für das Handlabor entwickelten Geräte und die Möglichkeit, Daten aus mehr als fünfzig Jahren miteinander zu vergleichen, machen die Messungen im Handlabor zu einem bis heute einzigartigen wissenschaftlichen Verfahren. Die sogenannte passive Beweglichkeit der Hand als Mass für die Flexibilität und die Leichtigkeit von Bewegungen kann dank des spezialisierten Messinstrumentariums differenziert erfasst werden.

Hilfestellung durch ein individuelles Handprofil

Beschwerden beim Musizieren, Fragen zur Spielhaltung und zu Trainingsmöglichkeiten führen Musikerinnen ins Handlabor. Nach Beratung und Messungen wird auf Basis der computerbasierten Auswertung ein Handprofil erstellt, das die individuellen Werte der Hand im Vergleich zu den Daten professioneller Musiker der entsprechenden Instrumentengruppe zeigt. So können Vorzüge und Begrenzungen der einzelnen Hände und Arme aufgezeigt und Hilfestellungen für die Arbeit in verschiedenen Körperpositionen zum Beispiel an Tasteninstrumenten und Tastaturen, Streichinstrumenten, Akkordeon und Schlagzeug erarbeitet werden. Je nach Beschwerdebild können beispielsweise Hilfsmittel wie eine individuell geformte Schulterstütze oder ein vielfach verstellbarer Kinnhalter, eigens vom Handlabor und der Firma Wittner entwickelt, Erleichterung bringen. Bei Blasinstrumenten wie Klarinette oder Oboe bringt eine individuell geformte und verstellbare Daumenstütze in Kombination mit Kräftigungsübungen für den Daumen Entlastung. Und an der Gitarre helfen optimierte Sitzpositionen und Instrumentenstützen.

Jede Hand ist anders

Wie gross die individuellen Unterschiede sein können, zeigt ein Blick in die Datenbank des Handlabors. So variiert die aktive Spreizfähigkeit zwischen Mittel- und Ringfinger bei professionellen Pianisten von lediglich 4,2 Zentimetern beim kleinsten gemessenen Wert bis hin zu 11,2 Zentimetern. Diese Zahl ist relevant für den Fingersatz und bestimmt mit, welches Repertoire und welche Übungsintensität geeignet sind. Auch bei der seitlichen Beweglichkeit des Handgelenks zur Kleinfingerseite hin gibt es Unterschiede von fast 40 Grad. Dieser Wert gibt wichtige Hinweise zur Ökonomie der Bewegungen auf Tastaturen. Der kleinste gemessene Wert beträgt 18, der grösste 56 Grad. Grosse Unterschiede bestehen auch bei der Fähigkeit, den Unterarm mit Leichtigkeit nach innen zu drehen: 105 Grad liegen zwischen den gemessenen Werten. Beim kleinsten Wert von 5 Grad kann der Unterarm aus einer Stellung mit dem Daumen nach oben kaum ohne Anstrengung in Richtung Tastatur gedreht werden. Dies führt oft zu Verspannungen in der Muskulatur von Oberarmen, Schultern und Nacken. Für Personen mit einem kleinen Winkelgrad, die oft an Klavier- oder Computertastaturen arbeiten, gibt es aber gute Neuigkeiten: Bereits eine geringe Schrägstellung der Hand zum kleinen Finger hin abwärts erlaubt Oberarmen und Ellenbogen eine entspanntere Position und erleichtert die tägliche Arbeit, ob im Studium, im Orchester oder im Büro.


In Zürich sind im Verhältnis zu anderen Schweizer Städten überproportional viele Start-ups im Gaming-Bereich, Entwicklerstudios, Technologie-Schmieden und Agenturen mit Fokus auf Gamification aktiv. Viele dieser Kreativstudios nahmen an der ZHdK ihren Anfang. Seit 2004 kommt der Fachrichtung Game Design mit ihrem generalistischen Bachelorstudienangebot eine Vorreiterrolle in Europa zu. Visuelle Originalität, Experimentierfreude und narrative wie auch spielmechanische Raffinesse zeichnen viele der aktuellen Projekte aus und prägen die Selbst- und Fremdwahrnehmung der Schweiz als Produktionsstätte für ausgeklügeltes Game Design massgeblich mit. Auch der Forschungsbereich Serious & Applied Games stützt die Relevanz und die Wirksamkeit von Spielen, die sich «ernsten» Inhalten verschreiben und Einsatz im edukativen und therapeutischen Bereich finden, und gewinnt wichtige Partner in Wirtschaft und Schweizer Bildungsinstitutionen.

Über die Notwendigkeit der Kultur- und Wirtschaftsförderung für Schweizer Spiele

Dank des grossen Engagements der Kulturstiftung Pro Helvetia werden heute viele Schweizer Entwicklerinnen und Entwickler, darunter zahlreiche Absolventinnen und Absolventen der ZHdK, national und international wahrgenommen. Was in der öffentlichen Diskussion zu Schweizer Spielen aber zu wenig zur Sprache kommt, ist die Kluft zwischen Kultur- und Wirtschaftsförderung. Beide Förderbereiche sind jedoch wichtig, um über ausgewogene Finanzierungsstrategien zu verfügen, und so der Vielfalt des nationalen Game-Schaffens auch in Zukunft Rechnung zu tragen.

Schweizweit können sich nur wenige Studios hauptberuflich auf die Entwicklung von Games konzentrieren. Die grosse Mehrheit der Entwicklerstudios ist im Independent Markt verortet, wird in hohem Mass durch Kulturgelder quersubventioniert oder finanziert ihre Projekte über verwandte Tätigkeiten in der Kreativbranche. Aufgrund der derzeitigen Fördersituation können sich viele Studios nur tiefe Löhne auszahlen, wenn sie ihr Spiel zum Release führen wollen. Dies darf aber keine langfristige Perspektive sein.

Die Kulturförderung kann die Kosten für die gesamte Wertschöpfungskette eines Videospiels (Konzept, Entwicklung, Promotion, Vertrieb, Markteintritt) unmöglich alleine stemmen – und dies ist auch nicht ihre Aufgabe. Was fehlt, um Schweizer Games auch zu wirtschaftlichem Erfolg zu verhelfen, ist eine institutionalisierte Wirtschaftsförderung und damit eng verknüpft Investorinnen, Publisher sowie Beratungsstellen für Startups im Rechts-, Finanzierungs- und Vermarktungsbereich. Was fehlt, ist ein auf die Bedürfnisse junger Game Designerinnen und Game Designer zugeschnittener Hub, ähnlich dem «Dutch Game Garden» in Utrecht, der die genannten Expertisen nachhaltig unter einem Dach vereint. Was es braucht, ist eine koordinierte Förderstruktur für Games, die sich aus der Summe von Kultur-, Innovations- und Wirtschaftsförderung ergibt.

Politische Meilensteile für langfristige Perspektive der Schweizer Game-Branche

Die Fachrichtung Game Design hat den kürzlich veröffentlichten Bericht «Games. Ein aufstrebender Bereich des Kulturschaffens» des Bundesrats durchaus positiv aufgenommen. Es darf aber nicht vergessen werden, dass die hier vorgenommene Bestandesaufnahme überfällig ist. Erst wenn die Politik Farbe bekennt und wirtschaftliche Anreize setzt, kann sich Schweizer beziehungsweise Zürcher Game Design weiter entfalten. Wenn wir vermeiden wollen, dass in der Schweiz ausgebildete Game-Design-Talente ins Ausland abwandern, ist es jetzt an der Zeit, eine Balance zwischen Kultur- und Wirtschaftsförderung zu finden.


Das Protest-Selfie ist ein Selbstporträt mit einer handgeschriebenen politischen Nachricht, das sich mit vielen anderen der gleichen Art in sozialen Netzwerken zu einem Selfie-Protest zusammenfügt. Eine solche Bewegung funktioniert über Einzelbilder, die dasselbe Hashtag verwenden und so einen virtuellen Schwarm bilden. Die Partizipationskultur in den sozialen Medien ermöglicht deren globale Verbreitung. Nicht zu verwechseln ist das Protest-Selfie mit Selbstporträts bei real stattfindenden Demonstrationen. Es geht beim Protest-Selfie nicht um die Dokumentation der eigenen Protest-Partizipation, sondern vielmehr um die Verwendung des Selfies als Mittel zum Protest. Der Körper der Protestierenden steht dabei voll im Zentrum, nicht auf der Strasse, sondern in der grösstmöglichen Öffentlichkeit – im Internet. Die Protestierenden greifen hierbei auf gesellschaftlich verankerte Bildgenres zurück: Die Schilder, die sie vor die Kamera halten, erinnern an das Emporhalten von selbstgemachten Transparenten auf Demonstrationen.

Der Selfie-Protest #bringbackourgirls für die Freilassung der von der islamistischen Gruppierung Boko Haram im Norden Nigerias entführten Mädchen gehört zu den bisher breitenwirksamsten Selfie-Protesten, weil er im Vergleich zu anderen Online-Protesten von Beginn an entlokalisiert funktioniert hat. Das Hashtag wurde eins zu eins von den Parolen der Strassenproteste in Nigeria übernommen und weltweit vervielfacht. Die Selbstporträts werden so zur öffentlichen Darstellung einer Identifizierung mit den Betroffenen.


Elastic Plastic Space Power Gangster Future Pop ist ein Musikstil, der im Jahr 2016 im Grossraum Zürich entstanden ist. Hauptinitiator und bis heute einziger Vertreter dieses Genres ist das Duo Ikan Hyu, aka Ikan Paus!, bestehend aus Hannah Bissegger und Anisa Djojoatmodjo, aka Fox und Mojo.

In einer Ästhetik zwischen Weltall und Tiefsee weicht die übliche Rollenverteilung innerhalb einer Band einem unkonventionellen Set-up: satte Synthesizerbässe und elektronische Bass-Drum-Sounds auf dem Meeresgrund, ausdrucksstarker Gesang und Rap im Weltall, elektrische Gitarre, Drum- und allerlei sonstige Samples dazwischen. Optional werden folgende Instrumente und Synthesizer eingesetzt: Arp Omni 2, Kaossilator Pro, Microkorg, Omnichord, маэстро und Theremin. Genretypisch werden alle Instrumente von nur zwei Personen gespielt, die auffällige Bühnenoutfits – vorzugsweise aus silbernem Plastikleder und Jeansstoff gefertigt – tragen.

Die lyrische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konstrukten, aber auch der kreative Ausdruck in Form von Nonsenstexten und eine selbstironische Haltung sind weitere wichtige Bestandteile dieser Musikrichtung. Neben Haien und Walfischen sind Zebras bevorzugte Symbole im Elastic Plastic Space Power Gangster Future Pop. Zebras oder deren Streifen erscheinen des Öftern in Songtexten und als Aufdruck auf Schlagzeugteppichen oder Bühnenoutfits.


«Das wird durch die Decke gehen!» So und ähnlich lautete das Echo auf die Präsentation, die Anna Lisa Martin-Niedecken diesen Frühling an der FIBO in Köln, der weltweit grössten Fitnessmesse, gehalten hatte. Vor 400 CEOs hatte die Jungunternehmerin am Branchentreffen darüber geredet, wie sie sich die Zukunft der Fitnessindustrie vorstellt: Auf wissenschaftlicher Forschung basierende und individuell anpassbare Games bieten Fitnessfans ebenso wie Sportscheuen Training, das Spass macht und Körper und Geist optimal fordert. Doch nicht nur dies: Multimediale Erfahrungen in sogenannten Cubes lassen die Gamer in neue Welten eintauchen – als Mitglieder einer internationalen Community spielen sie mal alleine, mal mit oder gegen Freunde auf der ganzen Welt. Dass die Rednerin mit den innovativen Ideen von einer Kunsthochschule kommt, habe die Neugierde des Publikums zusätzlich geweckt, erinnert sich Martin-Niedecken: «Einer meiner Vorredner war Rainer Schaller, der CEO von McFit Global, ich war an diesem Forum schon ein wenig eine Exotin.»

Woher kommt diese Frau, die der Fitnessbranche eine Innovationsspritze verpassen will? Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer orthopädischen Klinik studiert Martin-Niedecken Sportwissenschaft an der TU Darmstadt. Begleitend arbeitet sie bei einer Fitnessstudiokette als Therapeutin und Trainerin. Im Jahr nach Studienabschluss besucht sie ein sportwissenschaftliches Seminar zum Thema Serious Games: «Es war die Zeit, als die Nintendo Wii und viele Fitnessspiele rausgekommen sind. Das Thema lag in der Luft.» Ihr künftiger Doktorvater fragt sie, ob sie nicht Lust hätte, sich in einem Doktorat mit digitalen Sportspielen zu beschäftigen. Während ihres PhD-Studiums lernt sie an einer Konferenz einen Game-Design-Dozenten der ZHdK kennen. Von ihm erfährt sie später, dass das Institut für Designforschung der ZHdK einen Senior Researcher im Bereich bewegungsbasierte Games sucht – sie bewirbt sich und erhält die Stelle.

Immer dem Glitzern in den Augen nach

2014 stösst Martin-Niedecken in einem wissenschaftlichen Paper auf das Konzept des «Dual Flow». Damit ist ein Zustand gemeint, in dem sich ein Individuum sowohl auf der motorischen als auch auf der kognitiven Ebene in Balance befindet: Es wird nicht unter- und nicht überfordert. Die junge Forscherin hat eine Eingebung: «Es braucht ein bewegungsbasiertes Game, das den Spieler genau in dieser doppelten Balance hält.» Zwischen diesem Gedanken und dem realisierten Spiel stehen «gefühlt 1 000 000 Absagen» von Stiftungen und anderen Institutionen, die Martin-Niedecken für die Finanzierung der Forschung und der Entwicklung eines solchen Spiels zu gewinnen sucht. Es ist schliesslich der Sportfonds des Kantons Zürich, der das Potenzial erkennt und sie aktiv unterstützt. 2015 dann die Zusage, dass das Projekt in die Nachwuchsförderung des Instituts für Designforschung der ZHdK aufgenommen wird. Zusammen mit Koboldgames, einem von ZHdK-Absolventinnen und -Absolventen gegründeten Game-Studio, entwickelt Martin-Niedecken «Plunder Planet», ein bewegungsbasiertes Spiel für Kinder, ein sogenanntes Exergame.

Spätestens als an der Berner BEA 2017 innerhalb weniger Tage 50 000 Messebesucherinnen und -besucher Plunder Planet spielen wollen und die Nachwuchsforscherin wieder und wieder die Frage «Wieso kann ich das nicht kaufen?» beantworten muss, wird ihr klar: «Ich muss was machen!» Sie holt ihren Mann, einen Finanzspezialisten und leidenschaftlichen FIFA-Gamer, den bestens vernetzten Personal Trainer und Bewegungswissenschaftler Dave Baucamp sowie den Fitness-Business-Developer Helko Roth als Mitgründer ins Boot. Zusammen entwickeln sie ein Businesskonzept und suchen und finden einen Investor. Ihr Start-up sphery hat die Fitnessbranche und den Trend hin zur Gamification verschiedener Erfahrungen im Blick: «Wir wollen mit personalisierbaren Exergames und immersiven Raumkonzepten die Generation Y, die Digital Natives ansprechen und ins Fitnessstudio holen», sagt die zum CEO gewordene Sportwissenschaftlerin. Für die Game-Entwicklung zuständig ist abermals das im Badener Technopark ansässige Game-Studio Koboldgames: «Sie brennen für dieselbe Sache und hatten von Anfang an dieses Glitzern in den Augen, das ich bei allen sehen will, mit denen ich zusammenarbeite.»

Entwicklung mit der Zielgruppe

Als Businessfrau zu agieren sei noch etwas ungewohnt, erzählt Martin-Niedecken: «Das Grün hinter den Ohren muss möglichst schnell weichen. Die Unterstützung durch das Z-Kubator-Förderprogramm der ZHdK und meine Businesspartner ist in dieser Hinsicht sehr wertvoll.» Der Zeitplan der Jungunternehmer ist ehrgeizig: Sie starten mit einem Pop-up in Zürich, im Frühling 2019 soll dann bereits der eigene Flagship-Store eröffnet werden. Es gehört zum Business- und Kommunikationskonzept von sphery, die Zielgruppe ab dem ersten Spielprototyp in die Entwicklung der Produkte miteinzubeziehen und eine Community aufzubauen, die mit dem Unternehmen wächst. Auch der wissenschaftliche Ansatz gehört zur Unternehmens-DNA und wird weiterverfolgt: «Wir gleisen gerade Kooperationen mit verschiedenen Universitäten und Hochschulen auf, so auch mit der ZHdK; wir wollen in allen Bereichen mit den relevanten Expertinnen und Experten im Gespräch sein», so Martin-Niedecken. Sie selbst wolle weiterhin an der ZHdK forschen, unterrichten und mentorieren, auch wenn die Doppelbelastung gross sei und ihre Tage und Wochenenden mit Fachkonferenzen, Pitch-Trainings und Start-up-Treffs mehr als ausgebucht seien. Es ist ihre Mission, aus der sie die Energie dazu holt: «Wir wollen zeigen, dass Games nicht nur etwas für Couch Potatoes sind, sondern zum Sport motivieren können! Ich will erleben, dass Exergames olympisch werden!»


«Die Arbeit auf Spitze ist höchst anspruchsvoll und bedarf sehr guter Schulung, Geduld und Disziplin. Es dauert lange, bis die Leichtigkeit sichtbar wird», sagt Steffi Scherzer, künstlerische Leiterin der Tanz Akademie Zürich (taZ). Sie weiss, wovon sie redet. Ihre Karriere – von der Gruppentänzerin bis hin zur Primaballerina – hat 28 Jahre gedauert. «Die Schülerinnen brauchen einige Zeit, bis sie das geeignete Spitzenschuhmodell gefunden haben. Es ist ein ständiges Ausprobieren», fügt Tina Goldin an. Sie ist Dozentin für Klassischen Tanz und Spitzentanz an der taZ. Zudem wird der Spitzenschuh individuell angepasst, mögliche Druckstellen werden vorsorglich weichgeklopft, Gummibänder angenäht oder die Sohle bearbeitet. Das kann gut und gerne eine Stunde Zeit in Anspruch nehmen. Nicht selten bereiten Ballerinen mehr als ein Paar Spitzenschuhe pro Vorstellung vor. Es kann durchaus sein, dass die Tänzerin zwischen den Szenen den Schuh wechseln muss.

Eine neue Rolle für den Fuss

Es war die legendäre Marie Taglioni, die 1832 in Paris erstmals eine ganze Aufführung auf den Zehenspitzen tanzte. Die fortan «Primaballerina» Genannte gab damit der Figur der Luftfee – Sylphide – eine neue Art von Körper- und Schwerelosigkeit. Zudem trug Marie Taglioni im gleichnamigen Ballett zum ersten Mal ein Tutu – ein «romantisches» Tutu, wie es im Fachjargon heisst. Eine weitere Sensation: Bis zu diesem Zeitpunkt tanzten die Ballerinen in Reifröcken. Stein des Anstosses war die Länge – oder vielmehr die Kürze – des Tutus. Es reichte bis etwa Mitte der Wade, um den freien Blick auf die Fussarbeit der Ballerina zu gewähren. Dem Fuss der Tänzerin fiel somit eine neue Rolle zu: Er wurde zu einem Bestandteil des tänzerisch-künstlerischen Ausdrucks.

Zahllose Tricks zur Fusspflege

Aus medizinischer Sicht erhält der Fuss einer Ballerina im Spitzentanz eine neue Funktion. Sie steht auf dem «gestreckten» Fuss – ein kleiner Evolutionsschritt, könnte man sagen. Das Gewicht des Körpers wird in der mit mehreren Stoffschichten verleimten Kappe des Spitzenschuhs auf kleinster Fläche balanciert. Um professionell und sicher mit Spitzenschuhen tanzen zu können, müssen die Füsse unter fachkundiger Leitung über mehrere Jahre hinweg durch ein ganz bestimmtes Training gestärkt werden.

Die derart beanspruchten Füsse bedürfen intensiver Pflege. Die Schülerinnen der taZ massieren sie mit Gummibällen, polstern die Spitzenschuhe aus, kleben und binden die Zehen mit Spezialband ein. Ausgiebiges Eincremen, damit die Haut möglichst weich und elastisch bleibt, gehört ebenso zum Tagesritual wie die Stärkung der Füsse durch spezielle Übungen mit dem Thera-Band. Kurzum, die Liste der Tricks und Kniffs in Sachen Fusspflege für Ballerinen ist so lange und so individuell, wie es unterschiedliche Füsse gibt.

Beweglichkeit ist Voraussetzung

«Und hochrollen! Stabil über der Spitze stehen! Arme hoch! Halten die Balance!», so ungefähr lauten die Anweisungen von Tina Goldin im Grundstudium. «Wir beginnen mit einfachsten Übungen an der Stange, die auf dieser Stufe in erster Linie dem Kraftaufbau dienen», erläutert sie. Die einzelnen Elemente sind noch klar voneinander getrennt. «Zudem soll der Fuss eine gewisse Elastizität behalten», ergänzt Steffi Scherzer. Eine von Natur gegebene Beweglichkeit und Flexibilität der Füsse wie auch des gesamten Körpers ist Voraussetzung. «Denn Beweglichkeit können wir zwar unterstützen und fördern, aber nicht erzeugen. Sie ist Voraussetzung für den klassisch akademischen Tanz.»

Was einfach beginnt, endet höchst anspruchsvoll. In den oberen Klassen geht es um Schnelligkeit und darum, die unterschiedlichen Dynamiken zu meistern und die einzelnen Elemente virtuos zu verbinden – das Weiche und Ausdrucksstarke im Adagio wie auch das Schnelle und Spritzige im Allegro. Auf dieser Stufe darf der Spitzenschuh kein Fremdkörper mehr sein, er ist Teil des Fusses, des Beines, des gesamten Körpers geworden.


Andrea Zeller: Wieso hast du dich für diesen Studiengang entschieden?
Salome Tschudin: Das Studium ist sehr praktisch angelegt, wir lernen das Vermitteln von gestalterischen Inhalten im Unterricht und während Praktika. Ich arbeite sehr gern mit Menschen zusammen und gebe mein Wissen mit Freude weiter. Dabei kann ich davon profitieren, dass ich aus meiner Vorbildung bereits verschiedene Erfahrungen mitbringe. Zudem ist ein grosser Teil gestalterische Arbeit, wir verbringen viel Zeit in den Werkstätten.

Welche aktuellen Projekte verfolgst du?
Ich starte bald mein erstes Praktikum im Vorkurs der Berufsschule für Gestaltung Zürich. Die Teilnehmenden sind Jugendliche im Alter von 16 Jahren, die danach voraussichtlich eine Lehrstelle im gestalterischen Bereich absolvieren werden. Ich und eine weitere Studentin können den Unterricht mitgestalten und einen eigenen Kurs erarbeiten.

Brauchen wir Kunst?
Ja, wir brauchen Kunst. Einerseits macht sie die Welt spannender und farbiger, andererseits gibt sie uns Denkanstösse und hilft uns auf diese Weise, andere Perspektiven zu entwickeln.

Welches Kunstwerk hat dich zuletzt begeistert?
An der Documenta hab ich ein Werk des Künstlers Herman de Vries gesehen. Auf dem Bild sind farbige Rechtecke zu erkennen. Es handelt sich dabei um ausgeriebene Erde aus der ganzen Welt. Diese zahlreichen Farbvariationen von Erde haben mich inspiriert.

Wo bist du am liebsten in Zürich?
Am schönsten finde ich die Stadt von Weitem. Ich bin gerne auf dem Üetliberg, am Türlersee oder im Restaurant Albishorn, das nur zu Fuss erreichbar ist und das beste Siedfleisch Zürichs serviert.

Wie sieht dein Traumberuf aus?
Ich möchte in einer Vermittlungsposition arbeiten – mit Schülern oder Erwachsenen. Vielleicht hole ich auch noch die Matura nach und studiere an der Uni Kunstgeschichte, wer weiss? Meiner Erfahrung nach ergeben sich immer wieder neue Möglichkeiten, wenn man einfach offen bleibt und sich keinen Druck aufbaut.


 Annina Maria Jaggy: Was ist Leder eigentlich?
Franziska Müller-Reissmann: Haut wird durch Gerben zu Leder. Sie wird in ihrer Struktur verändert und dauerhaft haltbar gemacht. Bereits früh in der Menschheitsgeschichte nutzte man die Hirnmasse erlegter Tiere als Gerbstoff für deren Haut. Diese sogenannte Sämischgerbung, die auf tierischen Fettsäuren beruht, wurde bald einmal durch die vegetabile Gerbung mit Eichenrinde und anderen pflanzlichen Stoffen ergänzt.

Wie lange dauert der Gerbprozess?
Die traditionellen vegetabilen Gerbverfahren nehmen bis zu 18 Monate in Anspruch. Nicht zuletzt deshalb wurden sie im 20. Jahrhundert durch die heute dominierende effizientere chemisch-mineralische Gerbung mit Chrom verdrängt. Eine Chromgerbung dauert nur gerade vier Stunden und passt damit besser zur heutigen Massenproduktion und Konsumkultur. Im Unterschied zur zeitintensiven Pflanzengerbung ermöglicht die chemische Gerbung auch ganz andere Produkte: Mit weichen Schuhen und leicht färbbarer Kleidung hat sie die Ledernutzung revolutioniert und zugleich das Lederhandwerk industrialisiert.

Weshalb finden sich heute kaum mehr Gerbereien in Europa?
Das liegt vor allem an den strikten Umweltauflagen für das Chromgerben. Es ist wirtschaftlicher, ausserhalb Europas gerben zu lassen, in Ländern, in denen die Auflagen hinsichtlich Abfallchemikalien und Arbeitssicherheit weniger streng sind oder nicht kontrolliert werden. Um 1900 gab es in der Schweiz 350 Ledergerbereien, heute sind es noch deren drei. Mit ihrem meist vegetabil gefärbten Leder bedienen sie einen kleinen Kreis von Privatkunden und Liebhabern.

In vielen anderen Bereichen erlebt das Handwerk in der Schweiz zurzeit ein Revival – weshalb ist Ledergerben nicht trendy?
Ledergerben ist unabhängig vom Gerbstoff ein schmutziges Handwerk, dessen Arbeitsschritte wie Entfleischen, Äschern, Gerben und Zurichten sich schlecht mit der Ästhetisierung von Vorzeigehandwerk und regionaler Kulturpropaganda vertragen. Daher scheint der Verlust dieses Handwerks in der Schweiz verschmerzbar. Das Fehlen von Gerbereien hilft uns zudem dabei, die Bedingungen, unter denen heutige Massenleder produziert werden, zu verdrängen. Entsprechend werden Kinderarbeit und Umweltskandale rund um chromgegerbte Leder nicht unbedingt mit dem Schuh, den wir am Fuss tragen, assoziiert.

Obwohl sie nicht unumstritten sind, ist die Nachfrage nach Kleidern und Objekten aus Leder ungebrochen. Was verbinden wir – bewusst oder unbewusst – mit dem Material?
Wir sind es gewohnt, eine Barriere zwischen uns und dem «Echten» zu errichten: Verpackungen zwischen Essen und uns, Mode zwischen Kleidung und uns, Medien zwischen Erfahrungen und uns. In dieser «Echtheitslücke» scheint Leder eine besondere Funktion einzunehmen. Obwohl wir weder jagen noch schlachten oder gerben, ist Leder, besonders dasjenige aus der Haut wilder Tiere, für uns trophäisch aufgeladen. Ob als Print oder echt: Exotenleder sind sowohl Ausdruck von Macht wie auch Wildheit. Die Haut des getöteten Lebewesens, die wir uns überziehen, polarisiert dabei stark: Veganer lehnen Leder kategorisch ab, anderen ist es ein Zeichen für Naturverbundenheit, wieder anderen für Luxus.

Wie beurteilst du als Expertin den Einsatz von Leder?
Ob wir Leder tragen, können wir selbst entscheiden. Wie es hergestellt wird leider nicht. Jenseits von Handwerksromantik und Misstrauen gegenüber industrieller Fertigung bedeutet das Wegfallen des Gerberhandwerks eine Verschleierung des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier. Wenn wir uns die Haut anderer Lebewesen schmückend umlegen, ist eine ethische Haltung von uns unbedingt gefragt. Sowohl Konsumentinnen und Konsumenten wie auch Gestalterinnen und Künstler, Modedesigner oder Kulturvermittlerinnen sollten sich deshalb vertieftes Hintergrundwissen zum Thema Leder und Gerben aneignen.


«Der erste Schreibworkshop in Beirut war wie eine Therapie für Kriegstraumas», erinnert sich Mudar Alhaggi. Erik Altorfer sitzt neben ihm und ergänzt: «Was wir über Syrien wissen, das wissen wir aus den Medien. Dieser medialen Übermacht wollten wir eine andere Perspektive gegenüberstellen: Junge Syrerinnen und Syrer sollten eine Plattform bekommen und selbst zu Akteuren werden.»

Angefangen habe alles im Jahr 2015 in Beirut. Der Theatermann Alhaggi war damals selbst aus Syrien in den Libanon geflüchtet. Das Schreibprojekt «Future Stages» war die erste Zusammenarbeit mit Altorfer. In einem Hotel in den Bergen oberhalb von Beirut habe man sich innerhalb eines Jahres dreimal für je eine Woche getroffen. Die acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer, alle vor dem syrischen Bürgerkrieg geflüchtet, arbeiteten an ihren ersten Theaterstücken. Die Texte seien stark von den Erlebnissen des Krieges geprägt gewesen: «Viel Leid, viel Trauer, viel Unverarbeitetes», erzählt Alhaggi. Dennoch sei es ihnen gelungen, über die Texte und nicht direkt über das Erlebte zu sprechen. Diese professionelle Distanz sei wichtig: «Nicht sentimental werden. Keine Tränen», meint Alhaggi. Und Altorfer erinnert sich auch an das Potenzial der gemeinsamen Schreibarbeit: Während sich die jungen Autorinnen und Autoren der Realität des Krieges hilflos ausgeliefert fühlten, erlebten sie ihre Bühnentexte als etwas Formbares, Gestaltbares. Sie hätten mit ihrer Fantasie – so habe es ein junger Autor ausgedrückt – eine neue, eine andere Realität geschaffen.

Ihre Zusammenarbeit setzten die beiden im Juni 2016 am Schauspielhaus Graz fort: In der Schreibwerkstatt «Our Stories» kamen junge Geflüchtete aus Syrien und Afghanistan mit österreichischen Jugendlichen zusammen. «Wir investieren am Anfang jeweils viel Zeit ins Team Building», erläutert Altorfer. So hätten zu Beginn Spiele und Schreibübungen im Zentrum gestanden, um sich gegenseitig kennenzulernen und das Eis zu brechen. Selbstständig hätten die Jugendliche die Themen formuliert, über die sie schreiben wollten; diese – so zeigte sich – liessen sich unter dem Titel «Ängste und Wünsche» zusammenfassen. Alhaggi meint, dass durch dieses gemeinsam gefundene Thema vermeintliche Unterschiede eingeebnet würden: Spreche etwa ein Flüchtling davon, dass er gerne Polizist werden würde, lernten ihn die österreichischen Jugendlichen über einen konkreten Berufswunsch kennen – fernab von Stereotypen oder Opferrollen. Während eines Monats befanden sich die zwölf Jugendlichen in einem Safe Space. Hier konnten sie sich schreibend ausprobieren.

Recht auf Verdrängung 

Erik Altorfer erzählt von einem jungen Afghanen. Dieser habe eine Geschichte geschrieben, die davon handelte, dass er auf seiner Flucht einen Freund gefunden habe. Da die Schreibwerkstatt am Schauspielhaus Graz einen autobiografischen Rahmen gehabt habe, seien alle Beteiligten davon ausgegangen, dass die Geschichte wahr sei. Hinterher habe der junge Mann dies aber verneint und gesagt, dass die Erzählung frei erfunden sei. In einem weiteren Text für einen Blog erklärte er, dass es schlicht zu traurig für ihn sei, über seine Vergangenheit zu schreiben.

Keine Tiere im Zoo 

Andrea Zimmermann, die als Projektleiterin an der ZHdK mit geflüchteten Kunstschaffenden in Kontakt steht, treibt die Frage um, wie sich Identitätszuschreibungen vermeiden und Flucht und Migration gleichwohl als gewichtiger Teil der persönlichen Geschichte anerkennen lassen. Alhaggi antwortet kurz auf diese Frage, wenn er sagt: «Vertrauen ist das Wichtigste.» Dieses müsse man sich erarbeiten. Erik Altorfer nennt mit Blick auf die eigenen Erfahrungen zwei Aspekte. Zum einen «wollen immer wieder Leute zur Probe kommen, die es total gut meinen. Dennoch besteht die Gefahr, dass sich die Flüchtlinge beobachtet fühlen, wie Tiere im Zoo.» Vor diesen «awkward situations» gelte es, geflüchtete Menschen zu schützen. Und zum anderen nehme man die Geflüchteten dann ernst, wenn sie Akteure seien, die unter eigenem Namen ihre (oder eine) Geschichte erzählen dürften. Altorfer erwähnt als Negativbeispiel den Workshop «Green light» des Künstlers Olafur Eliasson. Flüchtlinge würden dort unter Anleitung von Aufsichtspersonen grüne Lampen zusammenbasteln. Weder die Idee noch die Materialien kämen dabei von ihnen. Und als Zusammenbauer von Eliassons Lampen seien sie – ob sie wollten oder nicht – namenlos: «Sämtliche Workshop-Teilnehmer sind austauschbar», so Altorfer.

Zimmermann will wissen: «Was kann eine Kunsthochschule tun, um die Zusammenarbeit zwischen Flüchtlingen und lokalen Künstlern zu fördern?» Alhaggi findet, dass jede einzelne Veranstaltung helfe, weil sie Begegnungsmöglichkeiten schaffe. Altorfer ist da etwas fordernder, er meint: «Viele Syrienflüchtlinge sind künstlerisch hervorragend ausgebildet. Man sollte sie als Lehrer anstellen; so hätte man auch unter den Dozierenden einen anderen Blick auf Flüchtlinge, die sich für ein Studium bewerben.»


2008 hat es klick gemacht – im Fotografiestudium an der ZHdK. Doch bevor Rico Scagliola und Michael Meier als künstlerisches Duo zusammenfanden und als Dozenten tätig wurden, waren beide mit eigenen Projekten beschäftigt: Rico setzte sich während des Studiums mit einer Zürcher Agglomerationsgemeinde auseinander, indem er Vorortidyllen als Tatorte inszenierte oder Selbstporträts in der Umgebung machte, um eine Art Enzyklopädie idealisierter Vorstellungen des Lebens in Schweizer Vorstädten zu schaffen. Michael wuchs in einer Berggemeinde auf und wohnte während seines Studiums an der Zürcher Langstrasse. Hier begegnete er randständigen Personen, mit denen er das Gespräch suchte und die er zu porträtieren begann: Er fotografierte Obdachlose, Sex Workers und Suchtkranke und zeichnete Gespräche auf, die er den Bildern gegenüberstellte.

Die Methoden waren zwar unterschiedlich, aber das gegenseitige Interesse an der Arbeit des anderen wuchs. Und bald realisierten sie, dass sich diese sogar in idealer Weise ergänzten: Ricos inszenierte Bildwelten und Michaels direkter Zugang zu fremden Lebensrealitäten waren im Grunde beide vom Interesse getrieben, soziologische Prozesse und Normen zu untersuchen.

Bedachtsamkeit trifft auf Improvisation und Spielerei

Für das erste gemeinsame Projekt, das Buch «Neue Menschen» von 2011 (Edition Patrick Frey), inszenierten und fotografierten sie während dreier Jahre Teenager aus verschiedenen Jugendkulturen. Dies führte ihnen vor Augen, wie sich ihre Arbeitsweisen und Qualitäten ergänzten: Rico erprobt neue Ideen eher vorsichtig und mit Bedacht, während Michael stärker auf Zufall, Improvisation und Spielerei setzt. Ihre Arbeitsweise ändern sie mit beinahe jedem Projekt. Eine bestimmte Arbeitsmethode zu einer künstlerischen Handschrift zu verfestigen, liege nicht in ihrem Interesse, erklärt das Duo. So bleibt auch die Rollenverteilung fliessend. Sie teilen alle Arbeitsschritte auf, fotografieren, schreiben, filmen, editieren, schleppen, werben in harmonischem Austausch.

Spiel mit dem vermeintlich Ungewöhnlichen

Die Frage, ob sie denn ein ungewöhnliches Paar seien, trifft auch gleich eines der Kernthemen ihres künstlerischen Schaffens: Was ist gewöhnlich, was ungewöhnlich? Wo wird Abweichendes akzeptiert? Mit diesen Fragen wollen sie den ihre Kunst Betrachtenden einen Spiegel vorhalten, damit diese auch die eigenen Wertvorstellungen und Normen hinterfragen. Tatsächlich mögen es beide im Alltag aber auch mal ganz gewöhnlich: Sie kochen füreinander, unterhalten sich über Politik, das Wetter oder neue Kleidung. «Ungewöhnlich wären wir vielleicht gerne», erklärt Michael, «und teilweise sind wir das auch, zumindest wenn wir uns selbst als Figuren in Bildern darstellen. Oft will man uns als ungewöhnliches Paar sehen – genau damit spielen wir gerne.»

Das Volksfest und seine soziale Funktion

Zurzeit editieren sie das Filmmaterial, das sie im Sommer 2019 an den «Fêtes des Vignerons» in Vevey aufgenommen haben. Das riesige Volksfest, das nur alle 20 Jahre stattfindet und an dem sich Tausende Statistinnen und Statisten beteiligen, interessiert sie weniger wegen der spezifischen Traditionen als vielmehr wegen der sozialen Mittlerfunktion zwischen öffentlicher und individueller Lebensgestaltung.

Und solange sie zusammenarbeiten, bleibt auch ihr Interesse an neuen Projekten bestehen: Wäre jeder für sich alleine, hätte Rico vielleicht einen kleinen Spezialitätenladen mit Filmverleih und Michael würde sein artistisches und musikalisches Talent auf den Kleinbühnen dieser Welt zum Besten geben.


Die Ökobilanz erfasst und bewertet Ressourcenverbrauch und Emissionen der ZHdK. Im Fokus steht dabei die Treibhausgasbilanz. Sie bildet die Informationsgrundlage für die Planung und Priorisierung von Klimaschutzmassnahmen. Insgesamt beläuft sich die Treibhausgasbilanz der ZHdK 2019 auf 3477 Tonnen.

Wärme und Kälte, gefolgt von Flugreisen und Gastronomie, sind die grössten Treibhausgasquellen der ZHdK. Dies deckt sich auch mit der Umweltbelastung durch den Schweizer Konsum insgesamt: Auch da sind die Bereiche Gebäude/Wohnen, Mobilität und Ernährung führend.

Bis 2050 soll die Schweiz klimaneutral werden. Mit der Unterzeichnung des Climate Emergency Letter hat sich die ZHdK verpflichtet, dieses Ziel bereits 2030 zu erreichen. Gegenüber 2018 konnte die Treibhausgasbilanz  bereits um 10 Prozent verbessert werden. Der überwiegende Teil dieser Reduktion wurde durch geringere Emissionen aus Flugreisen erreicht. Hier besteht bereits seit einigen Jahren ein Monitoring mit individuellen Zielsetzungen der Departemente. Die Erfolge, die in kurzer Zeit realisiert werden konnten, sind beispielhaft und weisen den Weg für Optimierungen in weiteren Bereichen. In einem nächsten Schritt wird der Reduktionspfad der ZHdK zur Klimaneutralität bis 2030 skizziert.


Lea Dahinden: What is the major-minor model about?
Michèle Graf: By introducing the major-minor model, we intend to exploit ZHdK’s potential even better. Ever since relocation to the Toni-Areal, students, teaching staff, researchers and guests have been meeting under one roof. ZHdK is one of the few arts universities where disciplines exist in such close proximity to each other. However, obstacles to cooperation across disciplinary boundaries or in terms of international mobility still persist. This is precisely where the major-minor model comes in: It aims to make offerings more permeable and to expand students’ options.

What might these options look like?
Let’s take a game design major who wants to choose a minor: They could minor in serious games in their core area of study, use the minor in virtual production to acquire skills in another discipline or opt for immersive arts as an overarching, transversal minor. If our negotiations are successful, students could also attend the minor in computer science at another university.

Why do we need this model?
Studying at ZHdK ought to offer students both more in-depth training and broad experience for the future. The coronavirus pandemic has clearly shown how versatile artists, designers or educators need to be. In the professional world there is talk of “T-Shaped Professionals.” These are people who have both in-depth and broad knowledge. At an arts university, crossing and questioning disciplinary boundaries also belong to contemporary practice in the arts and design.

Isn’t there a danger of studying “a little bit of everything, but nothing properly”?
Our credo is: No compromises with quality! No other European arts university emphasises permeability as much as we do. Our students spend a lot of time in their majors. That’s their disciplinary home and mainstay. But pursuing one or several minors offers them the opportunity to move away from their core subject or to delve deeper. Learning to deal with a lot of unfamiliar things as a student is an advantage for professional life.

How do I choose the right minor?
If students wish to specialise, they choose a minor in their major field of study. If they intend to acquire the basics in another discipline, they choose a minor in another field of study. If they are interested in doing a course elsewhere, they can choose a minor at a partner university. We will soon be starting negotiations. We also envisage a greater opening of Zurich as a higher education hub. Finally, they may also opt for a transversal minor if they wish to gain an overarching perspective. Transversal minors are open to all students and provide insight into ZHdK’s core spheres of competence. Topics range from sustainability through research to entrepreneurship.

The major-minor model affects many areas of ZHdK. What ends up on your desk?
The project involves many changes and raises questions across ZHdK. For example, our workshop managers are worried that inexperienced students might injure themselves. HR has asked whether new executive positions will be created, while lecturers fear that they might lose their teaching load. The time pressure is a challenge for everyone, because the project is running alongside day-to-day operations.

How do you deal with all these questions, concerns and wishes?
I try to keep track of things and to practise the principles of agile project management. For instance, I divide the work into manageable packages. We have strong project teams, which are firmly anchored in the departments and institutes and voice their needs. It is important to me to involve as many people as possible. We regularly organise forums where everyone can participate in discussions.

What stage is the project currently at?
We reached an important milestone at the beginning of 2020 by completing our work on the rough concepts. Once the structure is defined, we can concentrate on content. We are aiming to define course offerings in the first half of 2021. We hope to gain important insights from a project simulation: How do students make their way around our platform? What information do they look for first? Which offerings do they choose? Do they miss anything?

What subject would you choose if you studied again?
Well, I’m a historian, not an artist. I would want to put my own discipline into a larger context. Maybe I would choose something from design or be interested in writing. I would certainly also be attracted to studying independently of any specific location, to benefit from a network of partner universities, for example, in Hong Kong or London.


Lea Dahinden: Worum geht es bei Major-Minor?
Michèle Graf: Mit dem Major-Minor-Modell wollen wir das Potenzial an der ZHdK noch besser ausschöpfen. Seit dem Einzug ins Toni-Areal begegnen sich Studierende, Lehrende, Forschende und Gäste unter einem Dach. Die ZHdK ist eine der wenigen Kunsthochschulen, in denen die Disziplinen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander stehen. Allerdings gibt es immer noch Hindernisse bei der Zusammenarbeit über disziplinäre Grenzen hinweg oder in Bezug auf die internationale Mobilität. Genau dort setzt das Major-Minor-Modell an: Es will die Angebote durchlässiger machen und die Wahlmöglichkeiten für die Studierenden ausbauen.

Wie könnten solche Wahlmöglichkeiten aussehen?
Nehmen wir als Beispiel eine Studentin mit Major Game Design, die sich für einen Minor entscheiden will:
Sie könnte sich mit einem Minor Serious Games in ihrer Studienrichtung vertiefen, mit dem Minor Virtual Production Kompetenzen in einer anderen Disziplin erwerben, mit Immersive Arts einen übergreifenden, transversalen Minor wählen oder, falls wir in unseren Verhandlungen erfolgreich sind, den Minor Computer Science an einer anderen Hochschule besuchen.

Weshalb braucht es dieses Modell?
Ein Studium an der ZHdK soll sowohl eine vertiefte Ausbildung wie auch breite Erfahrung für die Zukunft bieten. Die Corona-Zeit hat deutlich gezeigt, wie vielseitig Künstlerinnen, Designer oder Vermittlerinnen sein müssen. In der Berufswelt wird von «T-Shaped Professionals» gesprochen. Damit sind Personen gemeint, die sowohl Tiefen- als auch Breitenwissen mitbringen. Für die Kunsthochschule kommt dazu, dass das Überschreiten und Infragestellen disziplinärer Grenzen zur zeitgenössischen Praxis in den Künsten und im Design gehören.

Besteht nicht die Gefahr, dass «ein bisschen alles, aber nichts richtig» studiert wird?
Unser Credo lautet: Keine Abstriche bei der Qualität! Wir haben keine europäische Kunsthochschule gefunden, die in ihrem Anspruch an Durchlässigkeit so weit geht wie wir. Unsere Studierenden verbringen viel Zeit in ihrem Majorstudium, dort ist ihre disziplinäre Heimat, dort haben sie ihr Standbein. Aber sie haben im Minorstudium auch die Möglichkeit, in die Ferne zu schweifen oder in die Tiefe zu gehen. Wer bereits im Studium lernt, mit viel Unbekanntem umzugehen, hat im Berufsleben Vorteile.

Wie entscheide ich mich für den richtigen Minor?
Will ich mich spezialisieren, wähle ich einen Minor in der Studienrichtung meines Majors. Will ich mir Grundlagen in einer weiteren Disziplin aneignen, wähle ich einen Minor in einer anderen Studienrichtung. Interessiert mich ein externes Angebot, kann ich einen Minor an einer Partnerhochschule wählen. Die diesbezüglichen Verhandlungen nehmen wir demnächst auf. Wir stellen uns auch eine stärkere Öffnung des Hochschulplatzes Zürich vor. Und schliesslich gibt es noch die transversalen Minors als Option, wenn übergreifende Perspektiven mein Ziel sind. Transversale Minors stehen allen Studierenden offen und vermitteln einen zentralen Kompetenzbereich der ZHdK. Die Themenfelder reichen von Nachhaltigkeit über Forschung bis hin zu Entrepreneuring.

Das Major-Minor-Modell betrifft viele Bereiche der ZHdK. Was landet bei dir?
Das Projekt bringt für die gesamte ZHdK Veränderungen und viele Fragen mit sich. Beispielsweise sind die Verantwortlichen aus den Werkstätten besorgt, dass sich ungeübte Studierende verletzen könnten. Die Personalabteilung fragte, ob es neue Leitungsstellen geben werde, während Dozierende befürchten, sie könnten ihr Pensum verlieren. Und für alle ist der Zeitdruck eine Herausforderung, weil das Projekt parallel zum Tagesbetrieb läuft.

Wie gehst du mit diesen vielen Fragen, Sorgen und Wünschen um?
Ich versuche, den Überblick zu behalten und das Projekt agil zu führen. Ich teile mir die Arbeit deshalb in überschaubare Pakete ein. Es gibt starke Projektteams, die in den Hochschulbereichen verankert sind und deren Bedürfnisse einbringen. Mir ist wichtig, möglichst viele Leute einzubeziehen. Wir veranstalten regelmässig Foren, in denen alle mitdiskutieren können.

Wo steht das Projekt aktuell?
Wir haben Anfang 2020 mit den Grobkonzepten einen wichtigen Meilenstein erreicht. Ist die Struktur definiert, können wir uns auf den Inhalt konzentrieren. In der ersten Jahreshälfte 2021 wollen wir das Angebot definieren. Wichtige Erkenntnisse erhoffen wir uns von der Projektsimulation: Wie bewegen sich Studierende auf unserer Plattform? Welche Informationen suchen sie zuerst? Welche Angebote wählen sie aus? Vermissen sie etwas?

Was würdest du wählen, würdest du nochmals studieren?
Nun, ich bin Historikerin, keine Künstlerin. Ich würde meine eigene Disziplin in einen grösseren Kontext stellen wollen. Vielleicht würde ich etwas aus dem Design wählen oder mich fürs Schreiben interessieren. Mich würde sicher auch das ortsunabhängige Studieren reizen, um vom Netzwerk mit Partnerhochschulen, beispielsweise in Hong Kong oder London, zu profitieren.


Man glaubt es nicht. Aber Anna Gebert, die mit 14 Jahren Mitglied des Gustav Mahler Jugendorchesters und mit 18 Jahren des Mahler Chamber Orchestra wurde, Stipendiatin der Karajan-Stiftung der Berliner Philharmoniker war, mit einem Fulbright-Stipendium zwei Jahre in Bloomington, Indiana, studierte und über lange Jahre als Konzertmeisterin bei europäischen Orchestern arbeitete, Anna Gebert, die seit Sommer Hauptfachdozentin Violine an der ZHdK ist, diese Anna Gebert hat fast ein Leben lang an Bühnenangst gelitten. «Das Lampenfieber hat zeitweise meine Persönlichkeit zerstört.» Wer die 41-Jährige sieht, die kurzen Haare, die klaren Gesichtszüge und den breiten Mund, aus dem ein so offenes Lachen sprudelt, kann das kaum glauben.

Von Ängsten und Darmsaiten

Heute weiss sie: «Man muss lernen, die Angst zu umarmen, an ihr stark zu werden.» In ihrer Ausbildung waren psychische Probleme tabu. Das sei heute anders. «Pädagogin sein heisst auch Psychologin, Inspiratorin, Mentorin sein», umreisst sie ihr Lehrkonzept. Im Unterricht spricht sie offen über eigene Erfahrungen und hat damit vielen Studierenden geholfen, mit der Bühnenangst umzugehen.

Ebenso selbstverständlich gehören auch perfekte Übungstechniken, die erst die Seele der Musik zum Klingen bringen können, zu Geberts Unterricht – die historische Aufführungspraxis genauso wie zeitgenössische Werke. Zudem Körperbewusstsein, um Verletzungen vorzubeugen, und die Fähigkeit, sich selbst kritisch zuzuhören, um Schwächen zu erkennen. Sie habe fantastische Lehrer gehabt, sagt sie; sie nennt Magdalena Rezler in Freiburg im Breisgau, die Meisterklasse von Ana Chumachenco in München, Miriam Fried oder Stanley Ritchie in Bloomington. Ritchie eröffnete ihr mit dem Spiel auf der Barockvioline ein völlig neues Feld. «Eine Zeit lang habe ich nur noch auf Darmsaiten gespielt, so fasziniert war ich davon, die Unvollkommenheit zu spüren, andere Farben und Obertöne aus dem Instrument zu kitzeln.» Sie spielt bis heute in Barockorchestern, aber Gebert ist neugierig, beseelt davon, ständig Grenzen zu erweitern und Neues zu entdecken. «Ich will mich nicht einschränken. Es gibt viel zu viel Schönes, das sich auf Darmsaiten nicht spielen lässt.»

Musik hörte Anna Gebert schon im Mutterbauch. «Bei uns zu Hause hiess es immer: ‚Entweder man wird Musiker oder Müllmann.‘ Etwas anderes gab es nicht.» Lachend erzählt sie vom Onkel, der wirklich Müllmann und sehr glücklich wurde. Aber die anderen – alle Musiker. Der Vater Jerzy Gebert: Pianist. Die Mutter Grazyna Zeranska-Gebert: Geigerin. Bruder Alexander: Cellist.

Das Toni-Areal als brodelnde Kunstfabrik

Wie sehr ihr die Musik Sicherheit und Geborgenheit geboten hatte, verstand sie erst in der Rückschau. Sie wurde 1979 in Warschau geboren und zog mit der Familie schon ein Jahr später nach Finnland. 13 Jahre und acht Umzüge lang hiess es: «Wir gehen zurück.» – «Wir waren immer die Fremden in Finnland, lebten isoliert. Da wurde die Musik meine Sprache, mit der ich mich immer verständigen und Existenzielles zum Ausdruck bringen konnte.» Sie sprach diese Sprache in Kammermusikformationen, in Barock-, Sinfonie- und Opernorchestern. Sie entdeckte die Arbeit der Konzertmeisterin, arbeitete etwa vier Jahre als stellvertretende Konzertmeisterin beim Gürzenich-Orchester, dem Kölner Sinfonieorchester. Auf Bergtouren in der Weite Norwegens fand sie ein neues Glücksgefühl, verliebte sich in das Leben mit der Natur und in ihr. Sie zog nach Trondheim, wurde Dozentin am NTNU Department of Music und erste Konzertmeisterin beim Trondheim-Sinfonieorchester. Jetzt wechselt sie nach Zürich. Der Ruf der Stadt als Kunststadt, die Interdisziplinarität und das hohe Niveau der Studierenden, der Professorinnen und Professoren an der Kunsthochschule haben sie angezogen. «Im Toni-Areal ist man in einer Kunsthalle, einer Kunstfabrik», sagt sie beeindruckt. «Darin köcheln alle Künste gemeinsam, voneinander inspiriert und bereichert.» Sie kennt und schätzt ihre Kollegen Ilya Gringolts, Alexander Sitkovetsky und Sergey Malov seit gemeinsamen Auftritten beim Kuhmo-Kammermusik-Festival in Finnland. Sie reizt die Aufgabe, sich als Professorin eine Klasse aufzubauen und wieder «mitten in Europa» zu leben. «Die Barockmusik ist in Zürich auch gut vertreten. Das ist sicherlich kein Nachteil.»


Lightning and thunder. Rain lashes the deck. The “Flying Dutchman“ navigates dangerous waves while Davy Jones, its captain, cheers on his crew. He takes to his cabin — plays the organ, a meter-high, smoke-breathing, coral-covered edition. This scene is from the Hollywood blockbuster “Pirates of the Caribbean 2.“ The sacred instrument has thus made its way from churches to movie theatres.

Actually, it should come as no surprise that popular culture has taken a liking to the organ. After all, no other instrument combines as many superlatives. Every organ is unique. Some are as small as a piano, others as tall as a two-storey house. The largest playable organ stands in a department store in Philadelphia, its 28,500 pipes reaching across seven floors. No other instrument blasts out its sounds louder than the organ. The Guinness World Record as the loudest musical instrument ever built is held by an organ in South Korea with 138.4 decibels, which corresponds roughly to the noise of an aircraft taking off.

Organs never simply stand somewhere accidentally. Duly fitting their nickname, “king,“ they are always assigned a special place. Traditionally, this was the church gallery. In line with tradition, ZHdK has also dedicated a special room to its organ, one of the main attractions of the Toni-Areal. Its black walls and light reflections make the organ hall a mystical oasis amid turbulent campus life.

Mixing and flavouring sounds

Organ lecturer Tobias Willi has remained faithful to his instrument for over 30 years. “An organ places a whole orchestra under two hands and two feet.“ Mixing sounds, imitating the timbres of other instruments, playing up to eight octaves — none of this poses a problem for the king. “It’s like standing in front of the spice rack in one’s kitchen: Organ players can combine ingredients as they please,“ says Willi.

Nowadays the organ is often presented in a very clichéd fashion. Davy Jones is not the only seafarer who sails the oceans playing the organ. He is modelled on Jules Verne’s Captain Nemo, who plays the organ in his submarine “Nautilus.“ Other eerie organists include the Phantom of the Opera or the murderous Dr. Phibes in his “Chamber of Horrors.“ Yet another example is “Yoko Tsuno et l’orgue du diable,“ a comic strip published in 1972 in which a huge organ serves as an instrument of torture with its deadly low frequencies. The favourite instrument of marauding pirates, cold-blooded murderers and even a torture machine: Why is the organ often connoted quite so darkly? Tobias Willi explains with a smile: “In popular culture, organists are often depicted as neurotic or psychopathic loners.“ One usually plays the organ alone, despite its imposing form. “This certainly fuels the image of the megalomaniac organist able to make a cathedral tremble.“

The organ conquers new spheres

“Today, fewer and fewer people are attending church services regularly. Many of us are no longer familiar with the organ,“ says Willi. But he also sees advantages: “It gives us organists carte blanche, the freedom to try out the unexpected.“ Organists frequently employ this leeway: Organ meets modern ballet, organ meets saxophone, organ meets poetry … The list of new constellations is growing longer and longer — because these unusual pairs are very well received by the audience. Tobias Willi experiences this whenever he improvises live on the organ to accompany silent films. “People then realise that the organ doesn’t simply make booming noises — as someone once told me — at church services; there are a thousand delicate gradations.“ His longest performance lasted two and a half hours: “It was a ‘real slog.’ As an organist, however, you can take emotions to a whole new level.“

Giulia Adagazza: Wieso hast du dich für das Studium im Master Fine Arts entschieden?

Ishita Chakraborty: Ich habe in Indien an der Rabindra Bharati University in Kolkata bereits einen Master in Fine Arts abgeschlossen. Danach lehrte ich Design an der Amity University Kolkata. Während dieser Zeit bewarb ich mich für ein Artist-in-Residence-Programm im Gastatelier Krone in Aarau. Ich blieb ein halbes Jahr in der Schweiz und besuchte während dieser Zeit auch die ZHdK. Ich fühlte mich sofort wohl und wusste, dass ich gerne hierhin zurückkehren würde. Nun hat es geklappt, und es ist toll, wieder Studentin zu sein.

Wurden deine Erwartungen an das Studium bis jetzt erfüllt?

Ja. Mir gefällt insbesondere, dass die Hierarchien an der Hochschule sehr flach sind und das eigene, freie Denken gefördert wird. Das waren wichtige Voraussetzungen für mich, um ein Studium an einer europäischen Hochschule wie der ZHdK anzutreten.

Was inspiriert dich?

Während meiner Kindheit bin ich mit meiner Familie sehr oft innerhalb Indiens umgezogen, und nun bin ich nach Europa ausgewandert. Meine persönliche Migrationsgeschichte hat meine Kunst massgeblich geprägt. Identität und Sprache sind zwei Hauptpfeiler meiner künstlerischen Arbeit.

Welches sind deine aktuellen Projekte?

Ich entwickle meine Arbeit «What Leaf? What Mushroom?» weiter. Eine Installation, die aus Tausenden von kleinen Keramikpilzen besteht. Die Installation beleuchtet Themen wie Migration, Identität und die Koexistenz verschiedener Kulturen. Wie findet man mit einem Migrationshintergrund seinen Platz in einer neuen Kultur? Bleibt man als Immigrantin stets Teil einer kleinen innerhalb einer grossen Gemeinschaft? Das sind Fragen, die ich mir bis heute stelle. Die Installation soll dereinst aus 10 000 Pilzen bestehen. Ich plane Workshops mit Immigrantinnen und Immigranten an der Autonomen Schule Zürich, in deren Rahmen gemeinsam Pilze kreiert werden. Es freut mich unglaublich, dass ich im Jahr 2021 meine Arbeiten an der Biennale Internationale de Casablanca in Marokko ausstellen darf.

Welches Kunstwerk hat dich zuletzt begeistert?

Die Installation «Covering Letter» des zeitgenössischen indischen Künstlers Jitish Kallat, die ich an der Biennale in Venedig gesehen habe. Er projiziert einen Brief Gandhis an Hitler auf einen Wasserfall aus Rauch. Diese Art von politischer Kunst begeistert mich.


Frederic Poppenhäger: Wieso hast du dich für die Vertiefung Trends & Identity entschieden?

Sahili Albert: Um ehrlich zu sein der Bezeichnung wegen. Sie steht für das, was mich zum Zeitpunkt der Studienwahl am meisten bewegte: die Suche nach meiner Identität. Als Bürgerin mehrerer Staaten, darunter auch die Schweiz, verspürte ich immer eine gewisse Unruhe, was meine eigentliche Herkunft anbelangt. Nach meinem Studium der visuellen Künste in der Dominikanischen Republik hatte ich das Gefühl, dass ein Designstudium an der ZHdK der logische nächste Puzzlestein in der Lösung dieses Rätsels darstellt.

Was inspiriert dich?

Ich ziehe meine Inspiration seit jeher aus meinem kulturellen Hintergrund, der mexikanisch, dominikanisch und schweizerisch ist. Ich hinterfrage etablierte Ideologien, habe aber trotzdem grossen Respekt vor Traditionen und über Generationen überlieferten Bräuchen. Zudem inspirieren mich lange Gespräche mit Menschen aus meinem Umfeld zum Thema, wie wir mit unserer Identität und der Konfrontation mit Unbekanntem umgehen.

Wie prägen das Leben und das Studium in Zürich deine Kunst?

Ich betrachte Kunst und Design als eine Art Zwiegespräch und stelle fest, dass ich meine visuellen Entscheidungen hier in Zürich viel bewusster fälle als während meines Studium der visuellen Künste in der Dominikanischen Republik. Die Ästhetik ist eine andere, die Farben und Konzepte sind hier in stetem Wandel, und das schlägt sich in meiner künstlerischen Arbeit nieder. Das Thema ethnische Herkunft ist für mich zentral geworden, seit ich hier lebe, da ich diesbezüglich mit vollkommen neuen Problemen konfrontiert wurde, die ich nur vom Hörensagen kannte. Als Afrolatina will ich mich dieser Problematik aktiv stellen. Ich bin selbstbewusster geworden und stolz auf meine Herkunft.

Welche Rolle spielen Trends in unserer Gesellschaft?

Trends definieren sich in unserer Gesellschaft laufend neu. Sie spielen eine wichtige Rolle dabei, wie wir uns definieren, anderen gegenüber erklären und charakterisieren, und wie wir eine mögliche Zukunft sehen. Trends spielen zugleich mit der Nostalgie dessen, was war, und den aufregenden Verheissungen der Zukunft.

Welches sind deine Pläne für die Zeit nach dem Studium?

In letzter Zeit versuche ich mit der Idee anzufreunden, dass ich das nicht wirklich weiss, und dies auch einfach so zu sagen. Ich verändere mich laufend, und mein Leben, meine Träume und Pläne haben sich grundlegend gewandelt, seit ich hier lebe.

Wer oder was verdient eine Renaissance?

Ich nehme diese Frage wörtlich und beantworte sie ganz persönlich. Ich würde mir wünschen, dass mein Vater wiedergeboren wird. Er starb, als ich neun Jahre alt war. So hätte ich die Möglichkeit, ihn, seine Träume und seine Erwartungen an das Leben besser kennenzulernen.


Lea Ingber: «Expanding the Arts» – wieso haben Sie dieses Thema für die Konferenz gewählt?
Maria Hansen: An der Biennial Conference 2020 dreht sich alles um Transdisziplinarität. Wir untersuchen die mutigsten und innovativsten Ideen. Zum Beispiel stellt Christine Böhler von der Universität für angewandte Kunst in Wien das Programm «Cross-Disciplinary Strategies» vor, das Methoden verschiedenster Disziplinen vermittelt und dadurch der fortschreitenden Fragmentierung der Wissenschaften entgegentritt. Kunsthochschulen müssen die aktuellen technologischen und sozialen Veränderungen aufgreifen, um die Welt von morgen mitzugestalten. Das verdeutlicht ein zweites Beispiel der Konferenz: Die Universität der Künste Berlin und die Technische Universität Berlin berichten über das neue, gemeinsame Masterprogramm «Design and Computation».

Was kann die ZHdK den Teilnehmenden zum Thema Transdisziplinarität vermitteln?
Basil Rogger: Wir wollen aufzeigen, wie Transdisziplinarität an unserer Hochschule seit Jahren gelebt wird und welch grosse Chancen sich ergeben, wenn Menschen aus Art Education, Design, Film, Fine Arts, Musik, Tanz und Theater unter einem Dach zusammen studieren, forschen und lehren. Wir an der ZHdK sind mit unserem grossen Gebäude und der modernen Infrastruktur natürlich privilegiert. Wir wollen aber zeigen, dass es auch für kleinere Institutionen möglich ist, über Disziplinen, Formate und Medien hinweg zusammenzuarbeiten.

Sie kündigen «the most participatory biennial yet» an.
Maria Hansen: Dieses Jahr richtet sich die Konferenz explizit auch an Studierende. Denn wie können wir über die Zukunft sprechen, ohne die Studierenden zu Wort kommen zu lassen? Wir wollen die Stimme der Studierenden in unsere Gespräche einbinden und von jungen, talentierten Menschen lernen.

Basil Rogger: Wir hoffen, dass möglichst viele Dozierende mit ihren Studierenden an der Konferenz teilnehmen. Das war bis jetzt leider nicht die Regel. Es ist sicherlich einer der Vorteile, welche die digitale Umsetzung der Konferenz mit sich bringt.

Genau, die Konferenz wird dieses Jahr aufgrund der Coronasituation digital durchgeführt – eine Premiere für ELIA und die ZHdK.
Basil Rogger: Wir waren Mitte März mit der Planung fertig. Und dann mussten wir nochmals von vorne beginnen und die Konferenz für das digitale Format völlig neu konzipieren. Da stieg zwar die Nervosität, aber auch die Experimentierfreude.

Haben Sie nie überlegt, die Konferenz abzusagen?
Maria Hansen: Es war uns ein Anliegen, unseren Mitgliedern gerade in diesem turbulenten, geschichtsträchtigen Jahr trotz der Dramatik der Ereignisse etwas zu bieten. Wir sehen, welche fatalen Folgen die Coronakrise für kulturelle Institutionen hat. Aber wir entdecken auch neue Möglichkeiten, innovative Formate und Formen. Deshalb passt das Motto «Expanding the Arts» umso besser: Genau jetzt brauchen wir mutige Ideen und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Welches ist die grösste Herausforderung im Rahmen einer digitalen Konferenz?
Basil Rogger: Bei Konferenzen geht es um mehr als bloss Inhalte, die von prominenten Gastrednerinnen und -rednern präsentiert werden. Es geht um Networking, um das Aufeinandertreffen an einem Ort, ums Beisammensein. Es sind viel Kreativität und technisches Know-how gefragt, um diesen direkten persönlichen Austausch angemessen zu ersetzen. Wir möchten die Teilnehmenden und uns selbst mit experimentellen Formaten des digitalen Beisammenseins überraschen.

Das Programm beinhaltet über 40 Präsentationen und Workshops, darunter Keynote Speeches der New Yorker Künstlerin und Schriftstellerin Coco Fusco und des isländischen Performancekünstlers Ragnar Kjartansson. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Maria Hansen: Ich freue mich besonders auf den Austausch mit vielen unserer Mitglieder, wenn leider auch nur digital. Wir versuchen, mit einem kleinen Team nach Zürich zu reisen, um dieses Abenteuer gemeinsam an der ZHdK zu erleben.
Basil Rogger: Am meisten freue ich mich auf die Beteiligung der Studierenden. Im Fall der ZHdK namentlich der School of Commons, aber hoffentlich auch vieler weiterer Studierender von hier und aus der ganzen Welt.


Den Thonet B9 entdeckte ich im ersten Band des von Girsberger publizierten Werks über Le Corbusier. Mir fiel sofort auf, wie perfekt er in das Haus passte, das Le Corbusier 1923 in Paris für den Kunstsammler Raoul La Roche und die Familie Jeanneret entworfen hatte, und ebenso zur Ausstattung der Häuser in der innovativen Siedlung Frugès in Pessac (1925). Der visionäre Industrielle Frugès hatte Le Corbusier mit einer Cité Jardin für seine Arbeiter beauftragt und ihn aufgefordert, dabei seine Theorien zu einer radikalen wirtschaftlichen und baulichen Reform des Wohnens in die Praxis umzusetzen. Wenige Seiten später stiess ich, immer noch im selben Buch, erneut auf die essenzielle Geometrie dieses überraschenden Thonet, diesmal in den Räumen des Pavillon de l’Esprit Nouveau, den Le Corbusier und Pierre Jeanneret im selben Jahr für die «Internationale Ausstellung für moderne dekorative Kunst und Kunstgewerbe» in Paris konzipiert hatten.
Dann, 1961 in Mailand im Studio Boggeri, bekam ich ihn endlich real zu Gesicht. In seiner zeitlosen Schönheit. Antonio Boggeri hatte seiner Tochter Anna diesen wunderbaren Stuhl geschenkt. Und in ihrer Schönheit begleiten mich Anna und ihr B9 seit mittlerweile fünfzig Jahren.


Frederic Poppenhäger: Why did you decide to specialize in Trends & Identity?
Sahili Albert: Honestly, I chose to study Trends & Identity because of the programme’s name. It stands for what I was looking for when I was choosing a degree course: my own identity. Having different nationalities, including Swiss citizenship, but also my most unknown one, has always left me feeling restless about not knowing where I really come from. After studying visual arts in the Dominican Republic, I felt that the next piece of my identity puzzle was to study design at ZHdK in Switzerland.

What inspires you?
I think my inspiration has always come directly from my cultural background, which is Mexican, Dominican and Swiss. I am questioning established ideologies while admiring and respecting traditions and age-old customs. I am also inspired by long conversations with people in my surroundings about how we approach our identity and how we might confront the blind spots in it.

How has staying and studying in Zurich influenced your art?
I consider art and design a kind of conversation. Here in Zurich, I am more aware and conscious of the visual choices I make than when I studied visual arts in the Dominican Republic. The aesthetics are different. Colours and concepts are constantly evolving, as reflected in my practice. Talking about ethnical origin has become crucial since living here, because I have experienced things I only read about before. And as an Afro-Latina, I feel the need to become vocal about this. I have become more aware and somehow also more proud of who I am and where I come from and about the issues I want to talk about.

What role do trends play in our society?
Trends are always redefining themselves in a society. I think trends play an important role in how we explain our present and our current circumstances to others and to the future. Trends, for me, play with the nostalgia of our past and with the excitement of our future.

What are your plans after you graduate?
I have recently been trying to say «I don’t know.» I always find myself changing a lot while life goes through me. My dreams and plans have changed completely since I moved here.

What or who deserves a renaissance?
Let me answer this question literally and very personally. I would like my father, who died when I was nine years old, to be born again. This would give me the chance to better get to know him and his perspectives and wishes for life.


Giulia Adagazza:What made you do a Master of Fine Arts?
Ishita Chakraborty: I have already done a Master of Fine Arts at Rabindra Bharati University in Kolkata, India. Afterwards, I taught design at Amity University Kolkata and applied for an artist-in-residence programme at Gastatelier Krone in Aarau. I stayed in Switzerland for half a year and also attended ZHdK. I immediately felt at home here and knew that I wanted to return. Now it has worked out and it is great to be a student again.

Has the programme met your expectations?
Yes. I particularly like the fact that hierarchies at ZHdK are very flat and that free thinking is encouraged. These were important prerequisites for me to study at a European university.

What inspires you?
When I was a child, our family very often relocated within India and now I have emigrated to Europe. My personal migration story has had a major impact on my art. Identity and language are the cornerstones of my artistic work.

What are your current projects?
I am continuing to develop my work “What Leaf? What Mushroom?” This installation consists of thousands of small ceramic mushrooms and illumines themes such as migration, identityand the coexistence of different cultures. How do you find your place in a new culture with a migration background? As an immigrant,do you always remain part of a small community within a large community? I am still asking myself these questions today. One day the installation will consist of ten thousand mushrooms. I am planning workshops with immigrants at the Autonome Schule Zürich where we will be creating mushrooms together. I am absolutely delighted to be able to exhibit my work at the Biennale Internationale de Casablanca in 2021.

Which artwork inspired you most recently?
The installation “Covering Letter” by the contemporary Indian artist Jitish Kallat, which I saw at the Venice Biennale. He projects a letterfrom Gandhi to Hitler onto a waterfall of smoke. This kind of political art thrills me.


Frederic Poppenhäger: Why did you decide to specialise in visual communication?
Cherry-Ann Davis: Visual communication has always intrigued me. From my earliest childhood memories, of growing up in an impoverished and marginalised community, art has been my escape. I’ve always felt like my purpose is to “Create something, Anything!” From the doodling that got me into trouble as a child, I have evolved my style and sought productive ways to channel this creative energy and foster a career.

What are you currently working on?
One of my passion projects is #BlackGirlMagic, a series of digital portraitures exploring the magic that is the African female. Many of the images of black women portrayed by the mainstream media are in a negative light, and I wanted something that counteracted that narrative. My way of doing so is to show the softer side of the often misrepresented stereotyped “angry black woman”; something elegant and graceful: a woman who is beautiful in every state. My study of illustrations declares our beauty isn’t a version of beauty, but it is beauty in its own right.

What is the purpose of visual communication in our society?
In my opinion, our society is a very visual one: We share and get our news and most information from screens. Visual communication is the best way to share, tell and have people engage with us and the stories we tell. I think visual communication is the evolution of graphic design with the advancement of technology according to the needs of society.

What were you doing before you came to study at ZHdK?
Before moving to Switzerland, I was in a leading creative position in the Caribbean financial sector. I worked my way up from being an office assistant, to administrative assistant and on to my dream job as the lead graphic designer over a six-year period. I also started a blog with a friend of mine that focused on showcasing the food, lifestyle and fashion industry of Trinidad and Tobago.

Who or what doesn’t suit you at all?
What doesn’t suit me is a limited view of possibilities as I am generally a hopeful person. Many things can be accomplished with the proper planning and seizing of opportunities or making opportunities where there may not have necessarily been any.

What are your plans after your studies?
After my studies, I will be starting or expanding my business into a media studio providing business consulting on advertising and design. I would also like doing more pattern designing for fashion and interior design, which is my favourite thing to do at this time.


Frederic Poppenhäger: Why did you decide to specialise in visual communication?
Cherry-Ann Davis: Visual communication has always intrigued me. From my earliest childhood memories, of growing up in an impoverished and marginalised community, art has been my escape. I’ve always felt like my purpose is to “Create something, Anything!” From the doodling that got me into trouble as a child, I have evolved my style and sought productive ways to channel this creative energy and foster a career.

What are you currently working on?
One of my passion projects is #BlackGirlMagic, a series of digital portraitures exploring the magic that is the African female. Many of the images of black women portrayed by the mainstream media are in a negative light, and I wanted something that counteracted that narrative. My way of doing so is to show the softer side of the often misrepresented stereotyped “angry black woman”; something elegant and graceful: a woman who is beautiful in every state. My study of illustrations declares our beauty isn’t a version of beauty, but it is beauty in its own right.

What is the purpose of visual communication in our society?
In my opinion, our society is a very visual one: We share and get our news and most information from screens. Visual communication is the best way to share, tell and have people engage with us and the stories we tell. I think visual communication is the evolution of graphic design with the advancement of technology according to the needs of society.

What were you doing before you came to study at ZHdK?
Before moving to Switzerland, I was in a leading creative position in the Caribbean financial sector. I worked my way up from being an office assistant, to administrative assistant and on to my dream job as the lead graphic designer over a six-year period. I also started a blog with a friend of mine that focused on showcasing the food, lifestyle and fashion industry of Trinidad and Tobago.

Who or what doesn’t suit you at all?
What doesn’t suit me is a limited view of possibilities as I am generally a hopeful person. Many things can be accomplished with the proper planning and seizing of opportunities or making opportunities where there may not have necessarily been any.

What are your plans after your studies?
After my studies, I will be starting or expanding my business into a media studio providing business consulting on advertising and design. I would also like doing more pattern designing for fashion and interior design, which is my favourite thing to do at this time.

Christina Wallat: Du willst durch Musik die Welt verändern. Was heisst das konkret?

José Sifontes: Ich möchte nur die Welt der Menschen, die ich in Musik unterrichte, verändern. Das heisst, dass sie lernen, Musik als Werkzeug zu benutzen, um besser mit dem Leben zurechtzukommen und es mithilfe von Musik geniessen zu können.

Was bedeutet die Arbeit mit Kindern für dich, und warum eignet sich Musik dafür besonders gut?

Die Kindheit ist perfekt, um die Freude an der Musik zu wecken. Kinder lernen schnell, spielerisch und ohne Stress. Es macht Spass, zu sehen, wie sehr man mit der Musik die emotionale Seite der Kinder öffnen kann.

Du kommst aus Venezuela – welchen Stellenwert haben Musik und Bewegung in deiner Heimat?

Musik und Bewegung sind Teil von uns Venezolanern. In der Schweiz habe ich erlebt, dass man zum Beispiel an Geburtstagsfeiern trinkt, isst und viel spricht. In Venezuela gehört nebst viel essen auch viel tanzen dazu. Musik und Bewegung/Tanz sind Teil jeder Feier, damit drücken wir unsere Emotionen aus.

Warum hast du dir die ZHdK als Studienort ausgesucht, und wurden deine Erwartungen an das Studium bis jetzt erfüllt?

Ich wusste, dass ich Kindern Musik näherbringen wollte. In Venezuela ist die Situation diesbezüglich schwierig. Darum habe ich einen anderen Ort gesucht, um meine Ziele zu erreichen. Ich hatte viel Glück und bin vielen guten Menschen auf meinem Weg begegnet, die mir geholfen haben, hier in der Schweiz studieren zu können. Das Studium hat bis jetzt alle meine Erwartungen übertroffen. Das Toni-Areal ist ein wunderbares Gebäude, in dem man gerne studiert, die Fächer sind sehr interessant und herausfordernd und die Dozierenden einfach toll.

Welches sind deine Pläne nach dem Studium? Kehrst du nach Venezuela zurück?

Seit meiner Jugend ist mein Plan, Musik zu unterrichten und irgendwo auf der Welt zu leben. In Venezuela habe ich alles, was ich über Musik weiss, gelernt, und ich bin dankbar dafür. Eines Tages möchte ich die Gelegenheit haben, mit einem Musikprojekt etwas zurückzugeben. Im Moment werde ich aber nicht nach Venezuela zurückkehren, weil meine Frau bald ein Baby bekommen wird.

Was inspiriert dich?

Hart arbeitende Menschen. Sie bringen mich dazu, mich zu fragen: «Wie kann man so viel leisten? Kann ich das auch?»

Welche Person ist dein grösstes Vorbild, und wie hat sie deine Biografie beeinflusst?

Ich bin vielen grossartigen Leuten begegnet und habe von ihnen gelernt. Deshalb ist es schwierig für mich, nur eine Person als mein grösstes Vorbild zu wählen. Ich würde aber sagen, dass meine Eltern meine grössten Vorbilder sind. Sie sind hart arbeitende Menschen, ehrlich und lieb, und sie haben mir geholfen, gute Entscheidungen im Leben zu treffen.

Welches sind die grössten Herausforderungen, die du seit der Corona-Krise zu meistern hast?

Die grösste Herausforderung ist, produktiv zu bleiben. Zu Hause bin ich «too relaxed».

Wer oder was passt gar nicht zu dir?

Negative Leute. Ich mag es nicht, mit Leuten zusammen zu sein, die sich die ganze Zeit beschweren oder die traurig sind, die nur über Probleme sprechen oder die permanent an sich zweifeln und meinen, ihre Ziele nicht erreichen zu können.


Giulia Adagazza: Wieso hast du dich für den Bachelor Design mit Vertiefung Industrial Design entschieden?

Linus Maurmann: Ich habe eine Lehre als Schreiner absolviert. Die Arbeit gefiel mir, doch früher oder später hätte mir in diesem Beruf wohl die Vielseitigkeit gefehlt; auch weil ich nicht nur mit Holz arbeiten wollte. Ich bewarb mich an der ZHdK für die Vertiefungen Industrial Design und Interaction Design. Bei beiden steht der Gestaltungsprozess im Vordergrund. Das gefiel mir.

Wurden deine Erwartungen an das Studium erfüllt?

Ich hätte mit mehr Theorie und weniger Hands-on-Unterricht gerechnet. Dank meine Arbeitserfahrung als Schreiner kann ich Zeit und Aufwand bei Projekten zum Glück gut einschätzen. Vielen Studierenden fällt dies gerade zu Beginn des Studiums schwer.

Was ist «roh» an deinem Schaffen?

Ich verzichte wo möglich auf Verschalungsteile. Im mag es, wenn man sieht, wie ein Gerät funktioniert. Ausserdem bleibe ich gerne den Materialien treu.

Was inspiriert dich?

Alles, was eine Wirkung auf mich hat und mich an neue Orte führt. Das können die Berge sein, in denen die Umgebung auf ein Minimum reduziert ist, aber auch eine Ausstellung, die ganz viele Eindrücken mit sich bringt.

Deine Pläne nach dem Studium?

Nächstes Jahr werde ich im Rahmen des Studiums Praktika in der Industrie und in einer Agentur absolvieren. Ich möchte die verschiedenen Seiten des Berufsfeldes Industrial Design besser kennenlernen und erhoffe mir von den Praktika mehr Klarheit für meine beruflichen Pläne.

Dein Lieblingsort in Zürich?

Die Badi Unterer Letten. Die Natursteinwand dort ist der perfekte Kletterspot.


Giulia Adagazza: Wieso hast du dich für den Master Film, Drehbuch entschieden?

Timo von Gunten: Da ich nach dem Gymnasium an keiner Filmschule aufgenommen wurde, habe ich mir das Filmhandwerk in Praktika selber angeeignet. Auslöser für das Masterstudium war dann mein oscarnominierter Kurzfilm «La femme et le TGV». Stefan Jäger, ZHdK-Praxisfeldleiter Drehbuch, kontaktierte mich und ermutigte mich, eine Bewerbung für das ZHdK-Masterstudium einzureichen. Da ich meine Entwicklung als Autor weiter vertiefen wollte, kam ich an die ZHdK.

Welches sind deine aktuellen Projekte?

Ich konnte im Filmprojekt «Sonnenwende», das als wissenschaftliches Experiment an der ZHdK in Zusammenarbeit mit der Universität Bern umgesetzt wird, als Regisseur und Drehbuchautor mitwirken. Dabei entstanden zwei Filme. Einer stammt von mir und einer von ZHdK-Alumna Wendy Pillonel. Beide Filme wurden doppelt gedreht: einmal in realer Umgebung und ein weiteres Mal im Studio mit Green Screen. Ob die verschiedenen Drehorte einen Einfluss darauf haben, wie das Publikum Emotionen wahrnimmt? Dieser Frage wird nun in einer Kinostudie nachgegangen. Ausserdem arbeite ich derzeit intensiv an meinem Masterprojekt, einer Coming-of-Age-Drama-Komödie.

Was inspiriert dich?

Ich tauche gerne in fremde Welten mit einem Touch magischem Surrealismus ab. Ich bin ein Filmemacher, der Geschichten mit Bezug zur Wirklichkeit gerne in Märchen verpackt.

Welcher Film hat dich zuletzt begeistert?

«Parasite» des Regisseurs Bong Joon-ho. Dieser Film ist ein Fest. Er schafft einen beeindruckenden Genrespagat zwischen Komödie und Thriller/Horrorfilm.

Dein Lieblingsort in Zürich?

Das Kaffee im Buchsalon im Kosmos, wobei es dort mittlerweile aber zu überlaufen ist. Im Café du Bonheur sinniere ich auch gerne bei einem Chai Latte.


Frederic Poppenhäger: Warum hast du dich auf visuelle Kommunikation spezialisiert?

Cherry-Ann Davis: Visuelle Kommunikation hat mich schon immer fasziniert. Seit meiner frühesten Kindheit, als ich in einer verarmten und ausgegrenzten Gemeinschaft aufgewachsen bin, ist Kunst mein Zufluchtsort. Ich hatte immer das Gefühl, dass mein Lebenssinn darin bestehe, «etwas zu schaffen, irgendetwas». Seit den Kritzeleien, die mich als Kind in Schwierigkeiten gebracht haben, habe ich meinen Stil weiterentwickelt und nach produktiven Wegen gesucht, diese kreative Energie zu kanalisieren und meine Karriere voranzutreiben.

Woran arbeitest du derzeit?

Eines meiner Herzensprojekte ist #BlackGirlMagic, eine Serie digitaler Porträts, die die Magie der afrikanischen Frau erforschen. Viele der Bilder schwarzer Frauen, die von den Mainstream-Medien geschaffen werden, werfen ein negatives Licht auf sie, und ich wollte dieser Sichtweise etwas entgegensetzen. Meine Art und Weise, dies zu tun, besteht darin, die weichere Seite der oft falsch dargestellten, stereotypen «wütenden schwarzen Frau» zu zeigen; etwas Elegantes und Anmutiges: eine Frau, die in jedem Zustand schön ist. Meine Auseinandersetzung mit der bestehenden Darstellung betont, dass unsere Schönheit keine Version der Schönheit ist, sondern Schönheit an sich.

Welchen Sinn und Zweck hat die visuelle Kommunikation in unserer Gesellschaft?

Meiner Meinung nach ist unsere Gesellschaft sehr visuell: Wir teilen und erhalten Nachrichten und die meisten Informationen über Bildschirme. Visuelle Kommunikation ist der beste Weg, uns und die Geschichten, die wir erzählen, zu teilen und die Menschen mit uns und unseren Geschichten in Kontakt zu bringen. Meiner Meinung nach ist visuelle Kommunikation die Weiterentwicklung des Grafikdesigns mithilfe des technologischen Fortschritts – entsprechend den gesellschaftlichen Bedürfnissen.

Was hast du vor deinem Studium an der ZHdK gemacht?

Bevor ich in die Schweiz gezogen bin, war ich in einer führenden kreativen Position im karibischen Finanzsektor tätig. Ich habe mich über sechs Jahre von der Büroassistentin über die Verwaltungsassistentin bis zu meinem Traumberuf der leitenden Grafikerin hochgearbeitet. Mit einem Freund begann ich auch einen Blog, der sich auf die Präsentation der Lebensmittel-, Lifestyle- und Modeindustrie von Trinidad und Tobago konzentrierte.

Wer oder was passt überhaupt nicht zu dir?

Was mir nicht passt, ist eine eingeschränkte Sicht auf bestehende Möglichkeiten, da ich generell ein hoffnungsvoller Mensch bin. Vieles lässt sich erreichen, wenn man richtig plant und Chancen nutzt oder Gelegenheiten wahrnimmt, wo es nicht unbedingt welche gegeben hat.

Welche Pläne hast du nach dem Studium?

Nach meinem Studium werde ich mein eigenes Unternehmen gründen, das Unternehmensberatung im Bereich Werbung und Design anbieten wird. Ausserdem würde ich gerne mehr Schnittmuster für Mode und Innendesign entwerfen, was ich zurzeit am liebsten mache.


Giulia Adagazza: Why did you choose to do a Master’s in screenwriting?
Timo von Gunten: Since no film school accepted me after grammar school, I did several internships and taught myself filmmaking. My Oscar-nominated short film “La femme et le TGV” kick-started things. Stefan Jäger, Head of Screenwriting at ZHdK, contacted and encouraged me to apply for a place on their Master’s. My desire to further develop as an author brought me to ZHdK.

What inspires you?
I like to delve into strange worlds and apply magical surrealism. As a filmmaker, I enjoy wrapping stories related to reality in fairy tales.


Giulia Adagazza: What are your current projects?
Linus Maurmann: I am implementing a World Archive for ZHdK’s International Office. The project involves producing an interactive physical world map that provides information about ZHdK’s partner universities. The individual countries can be removed as tiles from the map and placed on a screen, which provides the corresponding information. Outside my studies I do scenography and sound design projects. At the moment I am preparing a solo exhibition for a Berlin gallery that will be shown in June 2020. For the exhibition I am designing electronic tools that measure my movements, pulse and heartbeat live for two weeks. Software then converts this data into images and sounds. I also produce my own range of touring skis in my studio in Schaffhausen.

What is “raw” about your work?
Whenever possible, I work without casing. I like seeing how a device works. Besides, I like staying true to the materials.


Christina Wallat: You want to change the world through music. What exactly does that mean?
José Sifontes: I just want to change those people’s world whom I teach music. This means that they learn to use music to cope better with life and to enjoy it through music.

What does working with children mean to you? And why is music particularly suitable in this respect?
Childhood is a perfect time for awakening the joy of music. Children learn quickly, playfully and unstressed. It’s fun to see how much music can open up the emotional side of children.

You come from Venezuela: How important are music and movement in your home country?
Music and movement are part of us Venezuelans. In Switzerland, I have experienced that people drink, eat and talk a lot at birthday parties, for example. In Venezuela, besides eating a lot, dancing is also part of things. Music and movement/dance are part of every party. It’s how we express our emotions.

What made you choose to study at ZHdK? Has your programme so far met your expectations?
I knew that I wanted to bring music closer to children. In Venezuela, the situation is difficult in this respect. That’s why I was looking for another place to achieve my goals. I was very lucky and met many good people who helped me to study in Switzerland. The programme has so far exceeded all my expectations. The Toni campus is a wonderful building to study in, the subjects are very interesting and challenging and the lecturers are simply great.

What are your plans after your graduate? Will you return to Venezuela?
Ever since I was young, my plan has been to teach music. In Venezuela, I learned everything I know about music and am grateful for this. One day, I would like to be able to give something back with a music project. At the moment, though, I will not return to Venezuela because my wife is expecting a a baby.

What inspires you?
Hard-working people. They make me ask myself, “How can you achieve so much? Can I do that too?”

Who is your greatest role model and how have they influenced you?
I have met many great people and learned from them. So it’s difficult to choose only one person as my greatest role model. But if I had to choose, I would say my parents have been most influential. They are hard-working, honest and kind, and have helped me to make good decisions in life.

What are the greatest challenges you have faced during the corona crisis?
The greatest challenge has been to stay productive. At home, I become “too relaxed.”

Who or what doesn’t suit you at all?
Negative people. I don’t like to be with people who keep complaining or are sad, who only talk about problems or doubt themselves all the time and think they can’t achieve their goals.


Lukas Zitzer: Why do you study art?
Gaia Del Santo: Art enables me to express myself and my ideas, to dissolve, to grow, and find myself again.

What are you currently working on?
I am reflecting on the relation I bear to my data profiles. We never meet but constantly influence each other. I do not want others to see them. Yet somehow, I don’t care about them.

Is there a recurring theme in your artistic work?
Hard to say. I often engage with many different topics at the same time. The individual works always have a core theme. But it varies greatly from work to work. The most important topics to me are Generation Z, the Internet, subcultures, the exchange with my environment, and dealing with certain feelings. In general, what it means to be a human being nowadays.

What inspires you?
It really cannot be more clichéd, but my inspiration comes from all aspects of life and my environment. Really everything, from Mother Nature to the Matrix – Mother Internet. Everything is connected, influences each other, and then affects me. At the moment, my thoughts and ideas are mainly concerned with social and political issues dealing with Generation Z.

Who or what doesn’t suit you at all?
I cannot stand censoring myself. It feels like I am burying small pieces of my personality in an imaginary graveyard somewhere in the front of my head, which then totally nags me. Self-censorship is sometimes necessary, but fake.

Which object could you not do without in quarantine?
I think I would be pretty lost without my charging cables. In a way, devices are eternal newborns. They are constantly being separated from their umbilical cord and sooner or later have to go back to the matrix. A beautiful and likewise sad thought.


Lukas Zitzer: Why do you study art?
Gaia Del Santo: Art enables me to express myself and my ideas, to dissolve, to grow, and find myself again.

What are you currently working on?
I am reflecting on the relation I bear to my data profiles. We never meet but constantly influence each other. I do not want others to see them. Yet somehow, I don’t care about them.

Is there a recurring theme in your artistic work?
Hard to say. I often engage with many different topics at the same time. The individual works always have a core theme. But it varies greatly from work to work. The most important topics to me are Generation Z, the Internet, subcultures, the exchange with my environment, and dealing with certain feelings. In general, what it means to be a human being nowadays.

What inspires you?
It really cannot be more clichéd, but my inspiration comes from all aspects of life and my environment. Really everything, from Mother Nature to the Matrix – Mother Internet. Everything is connected, influences each other, and then affects me. At the moment, my thoughts and ideas are mainly concerned with social and political issues dealing with Generation Z.

Who or what doesn’t suit you at all?
I cannot stand censoring myself. It feels like I am burying small pieces of my personality in an imaginary graveyard somewhere in the front of my head, which then totally nags me. Self-censorship is sometimes necessary, but fake.

Which object could you not do without in quarantine?
I think I would be pretty lost without my charging cables. In a way, devices are eternal newborns. They are constantly being separated from their umbilical cord and sooner or later have to go back to the matrix. A beautiful and likewise sad thought.

Christina Wallat: Du hörst viel Pop, warum also ein Jazzstudium?

Jeanaine Jarret: Ich habe nach acht Jahren klassischem Klavierunterricht auf Jazz gewechselt und zusätzlich begonnen, Kontrabass zu lernen. Seit der Gymnasialzeit habe ich mich mit Jazztheorie auseinandergesetzt und eine Faszination für den Sound entwickelt. Im Jazz sind so viele verschiedene Stile verpackt, die ich sowohl gerne höre wie auch spiele.

Dein Hauptinstrument ist der Bass. Seit Kurzem begleitest du dich selbst auch singend. Was ist die Herausforderung daran?

Die grösste Herausforderung ist für mich die Intonation. Kontrabass und Gesang sind beides Instrumente, bei denen man intonieren muss. Kommt hinzu, dass die Ranges der beiden Instrumente weit auseinanderdriften. Es ist manchmal schwierig, die Töne des Basses genau wahrzunehmen und mit dem Gesang zum Klingen zu bringen. Die Koordination war für mich in dieser Zusammenstellung etwas Neues. Ich begleite mich seit ich Kind war an der Gitarre oder am Klavier. Am Kontrabass ist das Feeling jedoch ein ganz anderes. Ich musste lernen, am Kontrabass rhythmisch stabil zu bleiben, während sich der Gesang frei bewegt.

Was bedeutet es für dich, deine eigene Musik zu performen, und wie unterscheidet sich dies davon, Musik zu covern?

Am Bachelorkonzert im September 2020 habe ich zum ersten Mal ein ganzes Set meiner eigenen Musik gespielt. Mit meinen eigenen Liedern kann ich mich voll und ganz identifizieren. Die Lyrics erzählen wahre Geschichten und Erlebnisse. Bei Covers bin ich gefühlsmässig zwar dabei, habe aber oftmals kein spezifisches Bild im Kopf. Sie sind für mich viel weniger persönlich.

Welches sind deine aktuellen Projekte?

Ich werde mein eigenes Projekt «Jeanaine Jarret» weiterziehen. Mit Joachim Frey und Samir Böhringer, die beide auch an der ZHdK studieren, habe ich vor Kurzem ein Trio gebildet. Wir spielen eigene Kompositionen und interpretieren moderne Folksongs neu im Kontext eines elektrischen Jazztrios. Zudem spiele ich mit der Berner Band HOME, die vom Saxofonisten Marco Karrer geleitet wird, Contemporary Jazz, und beim Singer-Songwriter Tobias Jensen spiele ich E-Bass.

Wer oder was verdient eine Renaissance?

80er-Jahre-Musik – einfach ein guter Vibe! Wenn ich an die Eighties denke, kommen mir sofort Whitney Houston und Michael Jackson in den Sinn. Ich bin ein sehr grosser Fan von beiden und würde sofort an ein Konzert von ihnen gehen, wenn sie noch lebten.


Lea Ingber: Wieso hast du dich für den Bachelor Contemporary Dance entschieden?

Gion Treichler: Der Studiengang bietet für mich die bestmögliche Vorbereitung, um professioneller Bühnentänzer zu werden. Unser Alltag kommt der Realität in einer Tanzkompanie sehr nahe: Morgens haben wir Technikstunden, nachmittags Proben. So gewöhnt man sich an lange Tage. Zudem gibt es an der ZHdK nur eine Klasse pro Jahrgang. Dadurch kennt man sich untereinander, und das Programm wird auch individuell auf die Studierenden zugeschnitten. Wir können zum Beispiel Einzelstunden bei Trainern und Trainerinnen buchen. Das schätze ich sehr, und es hilft mir auch, mich stetig weiterzuentwickeln.

Was hast du Neues gelernt?

Ich komme vom Ballett, habe die Tanz Akademie Zürich (taZ) und die Ballettschule für das Opernhaus Zürich besucht. Jetzt habe ich mehr Contemporary-Stunden und lerne dadurch neue Techniken. Wir haben viele Gastdozierende, was neue Facetten des Tanzens mit sich bringt. Man muss sich immer wieder neu einstellen. Das hat mich persönlich enorm weitergebracht. Zum Beispiel habe ich mich anfangs mit akrobatischen Elementen schwergetan. Durch das Studium habe ich heute mehr Mut, Neues auszuprobieren, und traue mir auch mehr zu.

Was bedeutet Tanzen für dich?

Tanzen ist für mich ein grosses Glück und eine immense Freiheit. Durch das Tanzen kann ich mich persönlich ausdrücken. Ich kann dabei alles vergessen. Auch wenn ich kaputt bin und Muskelkater habe: Sobald ich in ein Tanzstudio darf, beflügelt mich die Musik. Im Tanzstudio bin ich immer glücklich.

Als männlicher Tänzer bist du ja oft in der Unterzahl.

In der professionellen Welt hat es etwa gleich viele Männer wie Frauen. Aber gerade in jungen Jahren ist man als Knabe oft allein, was schade ist. Dabei ist es wirklich ein Klischee, dass Knaben nicht gerne tanzen. Trotzdem werden sie aber von ihrem Umfeld zum Teil weniger gefördert oder trauen sich nicht. Es wäre schön, wenn mehr Jungs die Leidenschaft fürs Tanzen entdecken würden.

An welchem Projekt arbeitest du momentan?

Eines der Highlights im zweiten Studienjahr sind die Auditions. Wir stellen uns Tanzkompanien für ein Internship im dritten Studienjahr vor. Normalerweise reist man dafür zu Kompanien, oder die Direktoren kommen zu uns. Aufgrund der Coronasituation ist jetzt aber alles unsicher. Die ZHdK ermöglicht es uns, ein professionelles Bewerbungsvideo mit Ballett- und Contemporaryübungen sowie einem Solo aufzunehmen.

Welches ist dein Ziel nach dem Studium?

Ganz klar: Ich möchte in einer Tanzkompanie arbeiten, irgendwo auf der Welt.

Wer oder was verdient eine Renaissance?

Ich fände es toll, wenn in Klubs wieder mehr Standardtänze getanzt würden. Und die Menschen könnten mehr Briefe schreiben. Ich zum Beispiel verschicke im Moment gerne Postkarten.


Frederic Poppenhäger: Warum hast du dich für die Vertiefung Cast / Audiovisual Media entschieden?

Elay Leuthold: Ich möchte mich für ungehörte Stimmen einsetzen und dadurch andere inspirieren, aufklären und wichtige Diskussionen anregen. Cast / Audiovisual Media ist eine moderne Studienvertiefung, die mir die dafür nötigen Fähigkeiten vermittelt. So kann ich von der Konzeption bis zur Distribution eigentlich alles alleine an die Hand nehmen. Ob dabei am Ende ein Podcast, ein animiertes Video oder eine Reportage entsteht, ist ganz mir überlassen.

Welche Projekte hast du bisher realisiert?

Ich habe unter anderem eine Guideline über die Missstände in Bezug auf LGBTQIA+-Menschen in Polen erstellt. Mittels Interviews mit Queers vor Ort wurden einerseits Einblicke gegeben, andererseits aber auch Informationen vermittelt, wie man aktiv zur Verbesserung ihrer Situation beitragen kann. Ein anderes Projekt war eine Reihe «Übers Mann-Sein», eine Gesprächsrunde über «Männlichkeit» unter Männern.

Wieso interessierst du dich gerade für Männerthemen?

Ich denke, weil ich selber ein Mann bin. Gerade als schwuler Mann macht man sich manchmal verstärkt Gedanken zu seiner Männlichkeit und wie man sich selbst sieht und identifiziert. Nach meinem Empfinden wird der Begriff «Mann» in der heutigen Zeit ganz neu definiert.

Was inspiriert dich?

Manchmal ganz vieles und manchmal gar nichts. Manchmal finde ich Inspiration in Zürich, und manchmal muss ich doch etwas weiter weg. Ich verlasse mich aber meistens darauf, dass mich die Inspiration findet und nicht umgekehrt.

Wie bringst du deine im Studium erworbenen Fähigkeiten in deinen Alltag ein?

Ich war schon immer kreativ, aber seit ich das Studium begonnen habe, schwirren mir nonstop Ideen und Projekte durch den Kopf. Durch die ZHdK wurde ich auf jeden Fall noch kreativer und motivierter, auch mal Neues auszuprobieren.

Welches sind deine Pläne nach dem Studium?

Ich lasse die Dinge auf mich zukommen. Im Moment macht mir alles Spass, und ich kann mir auch alles vorstellen. Wichtig ist mir, dass ich kreativ bleiben kann, ein cooles Team um mich habe und etwas produzieren kann, das die Welt ein wenig verbessert.

Wer oder was verdient eine Renaissance?

Selbstliebe und Selbstbewusstsein! Wir sollten alle mehr Vertrauen in uns selber und unsere Visionen und Projekte haben.


Sophie Käser: Wieso hast du dich für das Studium Master Theater, Bühnenbild entschieden?

Robi Voigt: Ich habe viele Jahre Videokunst, Licht- und Stage Design für Konzerte, TV-, Theater- und Opernproduktionen gemacht. Für das Studium entschied ich mich, um neben der «Auftragskunst» ohne wirtschaftlichen Druck Dinge ausprobieren zu können und mich weiterzubilden. Ich bin schon etwas älter als der Durchschnittsstudent und war gespannt, was ich alles dazulernen kann.

Du wirst das Studium bald abschliessen. Wurden deine Erwartungen erfüllt?

Ich wusste gar nicht genau, was mich erwartet. Besonders bereichernd finde ich aber den Austausch mit Gleichgesinnten. Und die Möglichkeit, im Immersive Arts Space der ZHdK ein Projekt zu realisieren: Die technische Infrastruktur und das zur Verfügung stehende Know-how wären auf dem freien Markt nur schwer zu finden.

Welches sind deine aktuellen Projekte?

Am meisten beschäftigt mich momentan mein Masterprojekt: eine performative Installation zum Thema «Träumen». Ihr Herzschlag ist ein mit Nebel gefüllter Kubus, in dem eine Tänzerin Videoprojektionen, Sound und Bühnenmaschinerie mittels Motion Tracking steuert. Schön wäre, wenn jeder Zuschauer und jede Zuschauerin etwas anderes darin sähe.

Was inspiriert dich in deiner Arbeit?

Wenn ich intensiv an einem Projekt arbeite, habe ich die meisten meiner Ideen tatsächlich, wenn ich schlafe – also im Traum. Wenn ich nach dem Aufwachen einen Gedanken toll finde, versuche ich, ihn mir zu merken und umzusetzen. Ansonsten ist die Grundlage von allem, was ich tue, die Musik.

Welche Inszenierung hat dich zuletzt begeistert?

Letzten Sommer habe ich eine regelrechte Entdeckung gemacht: Ich arbeitete an der Oper in Amsterdam mit Musik von Karlheinz Stockhausen. Zuerst dachte ich: Dieser Sound ist so disharmonisch, gleichbleibend, eigentlich unhörbar. Doch die Musik ist richtig in mir aufgegangen – und seither liebe ich sie.

Welches sind deine Pläne nach dem Studium?

Ich würde meine Arbeit gerne mehr mit der bildenden Kunst verzahnen. Installationen, die für sich stehen, interessieren mich sehr.

Wer oder was passt gar nicht zu dir?

Schon oft habe ich gedacht, etwas passe nicht zu mir, und dann bei näherer Beschäftigung damit bemerkt, dass das gar nicht stimmt. Eine Ausnahme gibt’s: Weihnachtsmärkte.


Martina Egli: Wieso hast du dich für den Master Transdisziplinarität entschieden?

Zainab Erbudak Lascandri: Im Rausch meiner künstlerischen Projekte bleibt mir kaum Zeit, meine Arbeit zu reflektieren. Der Studiengang Transdisziplinarität gibt mir Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit meiner eigenen künstlerischen Position und deren Umgebung: etwa den Formen der Zusammenarbeit.

Woran arbeitest du gerade?

Die Auflagen des Bundes in Bezug auf COVID-19 hatten einen sofortigen Stopp all meiner Konzerte, meiner Arbeit als Szenenbildnerin auf einem Kinofilmset und meines Projekts für das Bühnenbild eines Theaterprojekts zur Folge. Momentan konzentriere ich mich auf eine Textarbeit, die im Wechselspiel mit meiner praktischen Masterarbeit entstehen soll. Der Text hinterfragt den Backstage-Bereich im philosophischen, symbolischen und architektonischen Sinn als Zwischenraum. Parallel dazu arbeite ich an meinem Bandprojekt, dem Duo None Of Them.

Was bedeutet produktiv sein für dich?

Für mich gibt es ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen, um produktiv zu sein. Manchmal hilft es mir, mich Methoden oder Strukturen hinzugeben. Manchmal versuche ich mir Raum ohne zeitlichen und ökonomischen Druck zu schaffen, um experimentieren zu können. Manchmal ist es der Moment der Langeweile, der mir Produktivitätsimpulse gibt. Auf alle Fälle gehört dazu der bewusste Versuch, Ideen praktisch oder theoretisch zu verfolgen und umzusetzen.

Was inspiriert dich?

Momente, Menschen, Objekte oder auch abstrakte Begebenheiten, die mich irritieren.

Wer oder was passt gar nicht zu dir?

Gewohnheiten nicht zu verändern, passt gar nicht zu mir.

Was würdest du in Zürich verändern?

Aus meiner utopischen Perspektive gäbe es Zürich nicht mehr, es wäre schlicht ein Teil unserer Erde. Wir hätten ein Gesellschaftskonzept, in dessen Rahmen die Menschen weniger mit Stigmata der geografischen und kulturellen Herkunft, des sozialen Status, der sexuellen und religiösen Orientierung oder der gewünschten familiären Struktur konfrontiert würden. Wir hätten mehr Raum und Zeit für Lebewesen, qualitative Arbeit, Freizeit, Kreativität, Langeweile und Experimente.


Christina Wallat: Warum studierst du Schulmusik?

Moritz Stadtmüller: Aus zwei Gründen: Seit ich temporär als Nachhilfelehrer in Französisch arbeite, habe ich realisiert, wie viel Spass mir das Vermitteln von Wissen und vor allem das Unterstützen der Schülerinnen und Schüler macht. Zudem gibt es mir mehr finanzielle Sicherheit, wenn ich auch in der Pädagogik ein Standbein habe.

Wurden deine Erwartungen an das Studium bis jetzt erfüllt?

Ja, ich bin generell sehr zufrieden. Der Studiengang Schulmusik legt im Bachelor den Fokus zu Beginn auf die instrumentalen Fertigkeiten und widmet sich dann erst im Master dem Pädagogischen. Obwohl mir dieser Aufbau sinnvoll erscheint, wünschte ich mir trotzdem etwas mehr pädagogischen Input während des Bachelors.

Gibt es eine Person, die deinen Berufswunsch wesentlich beeinflusst hat, und wenn ja, warum?

Nein, es waren eher verschiedene Personen und Situationen, die meinen Berufswunsch hervorgebracht haben. Müsste ich eine Person nennen, dann am ehesten meinen Vater, da ich mit ihm viel Musik gemacht habe: Wir haben zusammen Stücke von den Beatles, REM oder Pink Floyd gesungen. Er hat mich aber auch auf der Gitarre begleitet, wenn ich Stücke auf der Trompete spielen wollte.

Wie stellst du dir den idealen Musikunterricht vor?

Ich denke, das Musizieren sollte neben dem Aneignen von Musiktheorie und Musikgeschichte eine grosse Rolle spielen. Konzerte besuchen, komponieren, verschiedene Musikstile hören … die Liste ist lang. Eine wichtige Komponente eines guten Unterrichts ist meiner Meinung nach die Fähigkeit, die Schülerinnen und Schüler auf der sozialen Ebene abzuholen. Sie sollten spüren, dass man ihnen gegenüber Respekt zeigt und sie ernst nimmt.

Was bedeutet für dich Vermittlung?

Vermitteln bedeutet für mich zuhören, reagieren, einen genauen Plan dessen haben, was man von den Schülerinnen und Schülern erwartet und verlangen kann.

Welches ist dein grösster Traum?

Meine Träume wandeln sich. Im Moment habe ich verschiedene Vorstellungen: So möchte ich zum Beispiel meine eigene Musik spielen, Formationen leiten und vor allem einen guten Unterricht bieten.

Was inspiriert dich?

Aus musikalischer Sicht zum Beispiel die Begeisterung für gute Kompositionen, aber natürlich auch Konzerte aller Art. Aus pädagogischer Sicht sind es die ausserordentlich guten Lehrpersonen, die ihre Art zu unterrichten gefunden haben und zu Vorbildern geworden sind.

Welches sind die grössten Herausforderungen, die du seit der Corona-Krise zu meistern hast?

Ehrlich gesagt, fühle ich mich trotz allem sehr wohl. Wirkliche Herausforderungen in Bezug auf die Krise haben sich mir bis jetzt nicht gestellt. Schade ist nur, dass die Musikworkshops an der ZHdK nicht stattfinden können. Das fehlt mir.

Wer oder was passt gar nicht zu dir?

Machogehabe, Red Bull, Trump, Diskriminierung, Justin Robinson und Spinnen.


Lukas Zitzer: Warum studierst du Kunst?

Gaia Del Santo: Kunst ermöglicht es mir, mich und meine Ideen zu verwirklichen, mich aufzulösen, wiederzufinden und zu wachsen.

Woran arbeitest du momentan?

Ich reflektiere das Verhältnis, das ich zu meinen Datenprofilen habe. Wir sehen uns nie. Beeinflussen uns aber konstant. Ich möchte nicht, dass sie andere zu sehen bekommen. Trotzdem sind sie mir irgendwie egal.

Gibt es ein wiederkehrendes Thema in deiner künstlerischen Arbeit?

Schwierig zu sagen. Meistens beschäftige ich mich mit vielen Themen gleichzeitig. Die einzelnen Arbeiten haben immer ein Kernthema. Dieses variiert jedoch stark von Werk zu Werk. Am prominentesten vertreten scheinen mir Themen wie Generation Z, Internet, Subkulturen, mein Wesen im Austausch mit der Umwelt und Gefühle. Ganz allgemein, was es bedeutet, Mensch zu sein in der heutigen Zeit.

Was inspiriert dich?

Es könnte wirklich nicht klischeehafter sein, aber mein ganzes Leben und mein Umfeld. Wirklich alles, von Mutter Natur bis zur Matrix, Mutter Internet. Alles hängt ja irgendwie zusammen, übt Einfluss aufs andere aus und wirkt dann auf mich. Momentan werden meine Gedanken und Ideen vor allem von sozialen und politischen Missständen geprägt, bei denen die Generation Z im Zentrum steht.

Wer oder was passt gar nicht zu dir?

Ich kann es nicht leiden, mich selbst zu zensieren. Es ist, als ob ich ein Stückchen meines Seins in einem imaginären Friedhof begraben würde. Irgendwo ganz vorne in meinem Kopf, was mich dann mega nervt. Selbstzensur ist manchmal nötig, aber fake.

Auf welches Objekt könntest du in der Quarantäne auf keinen Fall verzichten?

Ich glaube, ich wäre ohne meine Ladekabel ziemlich aufgeschmissen. Irgendwie sind Geräte ewige Neugeborene. Ständig werden sie von der Nabelschnur getrennt und müssen früher oder später wieder an die Matrix. Ein schöner und zugleich trauriger Gedanke, finde ich.


Montagmorgen, 9 Uhr, Tanzsaal 2: Wie jeden Tag absolvieren die Studierenden des Bachelors Contemporary Dance ihr Training. Alles scheint normal. Doch es ist eine neue Normalität: geprägt von «Physical Distancing» und Corona-Schutzkonzept. Aber wie soll das gehen, tanzen ohne Nähe und Kontakt? Für die Tänzerinnen und Tänzer hat sich viel verändert: So tanzen sie etwa in neu geformten Kleingruppen, die Choreografinnen und Choreografen unterrichten auf Distanz. Auf freiwilliger Basis wird Fieber gemessen. Dies, um den Studierenden ein kleines Stück Sicherheit zu geben, erklärt der operative Leiter Bachelor Contemporary Dance, Gianni Malfer. Getanzt wird ausserdem mit Maske: «Da sie Hochleistungssport betreiben und deshalb viel Sauerstoff brauchen, ist das Tragen einer Maske eine grosse Herausforderung. Aber wir müssen die Studierenden auf eine Berufswelt vorbereiten, in der sie eventuell mit Maske tanzen müssen – international ist das bereits der Fall.»

Neue Ideen sind gefragt

Anpassen an die neue Situation, lautet die Devise. Das war bereits im März 2020 so. Könnten sich die Tänzerinnen und Tänzer nicht ausgiebig bewegen, würden sie schnell in ein psychisches Loch fallen, so Malfer. «Wir mussten deshalb im Lockdown eine neue Struktur aufbauen: mit täglichem Training, Aufgaben in Musiktheorie und Career Development. Zudem engagierten wir Choreografinnen und Choreografen, die mit den Studierenden über Zoom arbeiteten. So hatten diese einen Grund, morgens überhaupt aufzustehen.» Eigentlich sei die Umstellung erstaunlich schnell gelungen: «Die Gruppendynamik war enorm. Alle litten unter den Umständen, waren alleine und hatten wegen Jobverlusten nichts anderes zu tun, als zu tanzen.» Und vor allem hatten alle dasselbe Ziel: unter allen Umständen das Semester beenden! Besonders ein Bild wird Malfer bleiben: «Der Bildschirm mit diesen 15 Zoom-Fenstern und die Vorstellung, dass eine Person in Italien, eine in Japan, eine in Kanada ist – das war schon verrückt.»

Getanzt wird rund um die Uhr…

Aus Kanada schaltete sich jeweils mit neun Stunden Zeitverschiebung Julian Beairsto zu. Er wird diese speziellen Monate nie mehr vergessen: «Wir waren plötzlich in unsere Küchen und Schlafzimmer verbannt, mussten in diesen kleinen Räumen tanzen.» Da es bei ihm zu Hause zu eng war, suchte sich Julian draussen einen Platz zum Trainieren: eine Holzplattform mitten im Wald. Damit er nachts um 1 Uhr etwas sehen konnte, setzte er Flutlicht ein. «Es war wirklich hart. Aber ich war froh, dass ich weiterhin trainieren konnte», so der 20-Jährige. Seine grösste Herausforderung: die Einsamkeit. Etwas, das er mit seinen Mitstudierenden teilte. «Sie hatten Sehnsucht nach dem Tanzpartner, der Tanzpartnerin, nach Körperkontakt – und natürlich nach Vorstellungen vor Publikum. Das bringt Entzugserscheinungen mit sich. Wenn du dein Können nicht zeigen kannst, fehlt dir etwas, ein Sinn», erklärt Malfer. Für Julian war dieses Auf-sich-bezogen-Sein aber auch eine spannende Erfahrung: «Im Tanzsaal vergleicht man sich oft mit anderen. Per Zoom ist man alleine, hat keine äusseren Einflüsse. Ich gab einfach mein Bestes, ob jemand besser oder schlechter war, spielte keine Rolle. Das war erfrischend.»

… auf dem Schiffsteg oder im Wald

Als sie im Herbstsemester 2020 endlich wieder im Tanzsaal trainieren dürfen, ist die Freude bei den Tänzerinnen und Tänzern riesig. «Die Studierenden sind demütiger geworden, schätzen die Infrastruktur an der ZHdK, die grossen Räume, den Sprungboden, dass man überhaupt wieder zusammen tanzen kann», bemerkt Malfer. Und nicht nur das: «Durch die Krise wurden die Studierenden reifer und sich ihres Körpers bewusster.» Einige seien nicht nur reflektierter, sondern als Folge tatsächlich auch technisch besser geworden. Diese Selbstreflexion wolle man nun vermehrt in den Unterricht einbinden. Auch sonst schafft es Gianni Malfer, der einschneidenden Krise positive Erkenntnisse abzugewinnen: «Wir gehen mit Distanzen anders um. So konnten etwa Choreografinnen und Choreografen aus Deutschland oder Israel engagiert werden, die mit den Studierenden via Zoom arbeiteten. Diese Möglichkeit wollen wir beibehalten.» Auch Auditions potenzieller Studierender sollen künftig per Video oder Livestream abgehalten werden können. «Wir sind eine physische Disziplin, die Raum braucht. Aber Corona hat gezeigt: Der Raum kann auch mal irgendwo sein – auf dem Rasen, dem Schiffsteg, im Wald.»

Das Gefühl aber, gemeinsam auf der Bühne zu stehen und für ein reales Publikum zu tanzen, kann kein digitales Medium ersetzen. «It’s magical!», sagt Julian Beairsto. «Dafür leben wir.» Genau das merkt man auch an diesem Montagmorgen im Tanzsaal: eine Energie, einfach magisch!


Naomi Gregoris ist Journalistin und Podcasterin. In ihrem Podcast «Untenrum» spricht sie mit Menschen über Sexualität und entlockt ihnen Dinge, die sie so noch nie gesagt haben. Naomi möchte einen Journalismus machen, der, wie sie selbst sagt, «nicht erklärt, sondern erkundet». Nun hat sie den Prix Netzhdk 2020 gewonnen.

In ihrer Laudatio unterstreicht Esther Eppstein, Prix-Netzhdk-Jurymitglied, Naomis Herangehensweise als «jene der Künstlerin», sie taste publizistische Formate nach neuen Möglichkeiten ab. Zur spannenden Frage, ob Worte Kunst sein können, spricht Naomi im Podcast mit Ruedi Widmer, Leiter Vertiefung Kulturpublizistik im Master Art Education. Ausserdem entlockt sie ihm, wie er sie als Studentin wahrgenommen hat, was er seinen Studierenden mitgeben möchte und wie es um die Kritikkultur im Studiengang bestellt ist.


Christina Wallat: Why are you studying school music?
Moritz Stadtmüller: For two reasons: Giving private French lessons has made me realise how much I enjoy imparting knowledge and, most of all, supporting students. Besides, having a foothold in teaching gives me more financial security.

Has your programme so far met your expectations?
Yes, I’m generally very satisfied. The BA in School Music first focuses on instrumental skills before teaching pedagogical skills on the consecutive MA. Although this structure makes sense, I would still like a bit more pedagogical input during the Bachelor’s.

Has anyone in particular influenced your career aspirations? If so, how?
No, it was rather different people and situations that shaped my career aspirations. If I had to name anyone, it would be my father, because we played a lot of music together, the Beatles, REM or Pink Floyd. He also accompanied me on the guitar when I wanted to play pieces on the trumpet.

How do you imagine ideal music lessons?
I think that playing music ought to be central alongside music theory and music history. Attending concerts, composing, listening to different styles of music … the list is long. In my opinion, an important component of good teaching is being able to address students on a social, interpersonal level. They should feel that they are respected and taken seriously.

What does teaching mean to you?
It means listening, reacting, having a precise plan of what is expected and required of students.

What is your greatest dream?
My dreams change. Right now, I have different ideas: to play my own music, lead formations and, above all, teach good lessons.

What inspires you?
Musically, enthusiasm for good compositions, and of course all kinds of concerts. Pedagogically, the exceptionally good teachers who have discovered their way of teaching and have become role models.

What are the greatest challenges you have faced during the corona crisis?
To be honest, I have felt very comfortable despite everything. I haven’t faced any real challenges in relation to the crisis so far. It’s a pity, though, that the music workshops at ZHdK can’t take place. I miss that.

Who or what doesn’t suit you at all?
Machismo, Red Bull, Trump, discrimination, Justin Robinson and spiders.


Christina Wallat: You listen to a lot of pop, so why are you studying jazz?
Jeanaine Jarret: After eight years of classical piano lessons, I switched to jazz and also started learning the double bass. Since high school, I have been studying jazz theory and have developed a fascination for sound. So many different styles are packed into jazz, which I enjoy both listening to and playing.

Your main instrument is the bass. You recently began accompanying yourself singing. What is the challenge?
Jeanaine Jarret: The biggest challenge for me is intonation. The double bass and vocals are both instruments that require intonation. In addition, their ranges tend to drift far apart. It is sometimes difficult to perceive the bass tones exactly and to make them resonate with the singing. Coordination was new for me in this constellation. I have been accompanying myself on the guitar or the piano since I was a child. But on the double bass the feeling is completely different. I had to learn to remain rhythmically stable on the double bass while the singing moves freely.

What does it mean to perform your own music? And how is this different from covering other music?
At the Bachelor Concert in September 2020, I played a whole set of my own music for the first time. I can fully identify with my own songs. The lyrics tell true stories and experiences. Although I am emotionally involved with cover versions, I often don’t have a specific image in my head. They are far less personal to me.

What are your current projects?
I will continue my own project “Jeanaine Jarret.” I recently formed a trio with Joachim Frey and Samir Böhringer, who are also studying at ZHdK. We play our own compositions and interpret modern folk songs in a new way in the context of an electric jazz trio. I also play contemporary jazz with the Bernese band HOME, which is led by saxophonist Marco Karrer, as well as the electric bass with singer-songwriter Tobias Jensen.

Who or what deserves a renaissance?
80s music — or any good vibe! When I think of the eighties, Whitney Houston and Michael Jackson immediately come to mind. I am a very big fan of both and would immediately go to one of their concerts if they were still alive.


Lea Ingber: Why did you decide to do a Bachelor’s in Contemporary Dance?
Gion Treichler: The programme offers me the best possible preparation to become a professional stage dancer. Our daily routine closely resembles what happens in a real dance company: we have technique classes in the mornings and rehearsals in the afternoons. This gets us used to our long days. Besides, there is only one class a year at ZHdK. This means that people know each other and coursework is tailored to students’ needs. For example, we can book individual lessons with instructors. I really appreciate this, and it also helps me to constantly develop.

What new things have you learned?
I come from ballet and have gone through Zurich Dance Academy (taZ) and the ballet school at Zurich Opera House. Now I have more Contemporary classes and am learning new techniques. We have many guest teachers, who introduce new facets and techniques. So as students we need to keep adjusting. This has developed me enormously. Initially, for instance, I struggled with acrobatic elements. Overall, my course has given me more courage to experiment. I am also much more self-confident.

What does dancing mean for you?
Great happiness and immense freedom. Dancing allows me to express myself. I can forget everything else. Even if I am exhausted and have sore muscles: as soon as I am allowed into a dance studio, the music enraptures me. I am always happy in a dance studio.

As a male dancer, you are often outnumbered, aren’t you?
In the professional world, there are about the same number of male and female dancers. But especially at a young age you are often alone as a boy, which is a shame. But it’s really a cliché that boys don’t like to dance. Nevertheless, they are sometimes less encouraged by their surroundings or do not dare to dance. It would be nice if more boys discovered the passion for dancing.

What project are you working on at the moment?
One of the highlights of our second year is the auditions. In preparing for our transition to the professional world, we imagine dance companies where we would like to do an internship in our third year. Usually, we travel to companies or the directors come to us. But because of the corona situation, everything is uncertain now. ZHdK enables us to record a professional application video containing ballet and contemporary exercises and a solo.

What are your plans after you graduate?
I definitely want to work in a dance company, somewhere out in the world.

Who or what deserves a renaissance?
I would like to see more ballroom dancing in clubs. And people could write more letters. I, for example, like sending postcards at the moment.


Frederic Poppenhager: Why did you decide to study Cast / Audiovisual Media?
Elay Leuthold: I would like to make unheard voices heard and thus inspire and enlighten others, as well as stimulate important discussions. Cast / Audiovisual Media is a state-of-the-art specialization that builds the necessary skills to tell such stories. The programme enables me to manage the whole process, from conception to distribution, on my own. Whether the outcome is a podcast, an animated video or a report is entirely up to me.

Which projects have you realized so far?
Among others, I have produced a guideline on the deplorable conditions of Poland’s LGBTQIA+ community. My interviews with members of this community offer not only insights into their circumstances but also information on how others can actively contribute to improving their situation. Another project was a series “On Being a Man,” a round table discussion on “masculinity” among men.

Why are you interested in men’s issues?
Well, because I’m a man myself. Especially as a gay man you sometimes think more about your masculinity and how you see and identify yourself. In my opinion, the term “man” is being completely redefined today.

What inspires you?
Sometimes a lot and sometimes nothing at all. Sometimes I find inspiration in Zurich, and sometimes I need to go further afield. But I mostly rely on inspiration finding me and not vice versa.

How do you apply your course skills to your everyday life?
I’ve always been creative. But ever since I started my studies, ideas and projects have been buzzing through my head non-stop. My time at ZHdK has definitely made me more creative and more motivated to try out new things.

What are your plans after you graduate?
I’m going to let things happen to me. At the moment, I’m enjoying everything and can imagine everything. It’s important for me to stay creative, to have a cool team around me and to produce whatever makes the world a little better.

Who or what deserves a renaissance?
Self-love and self-confidence! We should all have more confidence, in ourselves and in our visions and projects.


Sophie Käser: Why did you decide to do a Master’s in Stage Design?
Robi Voigt: I have spent many years doing video art, lighting and stage design for concerts, TV, theatre and opera productions. I enrolled at ZHdK to be able to experiment without any financial pressure and to continue my education. I’m already a bit older than most student and was curious to see what I could learn.

You’ll be graduating soon. Were your expectations fulfilled?
I didn’t exactly know what to expect. But I have found exchanging ideas and experiences with like-minded people very enriching. I have relished the opportunity of doing a project at ZHdK’s Immersive Arts Space: The technical infrastructure and the available know-how are hard to find on the free market.

What are your current projects?
At the moment, I’m mostly working on my Master’s project: a performative installation about “dreaming.” Its heartbeat is a fog-infused cube in which a female dancer controls video projections, sound and stage machinery through motion tracking. It would be nice if every spectator saw something different in it.

What inspires your work?
When I work intensively on a project, most of my ideas come to me in my sleep — in my dreams. If I find a thought great after waking up, I try to remember it and put it into practice. Otherwise, the basis of everything I do is music.

Which production inspired you most recently?
I made a real discovery last summer: I was working at Amsterdam Opera House with music by Karlheinz Stockhausen. At first I thought: This sound is so disharmonious, neverchanging and inaudible. And yet, the music really took root in me — and I’ve loved it ever since.

What are your plans after you graduate?
I’d like to link my work more to the visual arts. I’m very interested in stand-alone installations.

Who or what doesn’t suit you at all?
I’ve often thought that something doesn’t suit me — only to discover, on closer scrutiny, that this wasn’t true at all. There is one exception: Christmas markets.


Martina Egli: Why did you choose the MA in Transdisciplinary Studies?
Zainab Erbudak Lascandri: I get so carried away with my artistic projects that I barely have time to reflect on my work. The MA programme enables me to critically examine my own artistic position and its environment: for example, various forms of collaboration.

What are you working on?
The federal covid-19 regulations have stopped all my concerts, as well as two set design projects, one for a film, the other for the stage. Right now, I am developing my writing project in interaction with my practical master’s thesis. My text explores backstage as an interstice, a space inbetween, in a philosophical, symbolic and architectural sense. In parallel, I am working on my band project, the duo None Of Them.

What does being productive mean to you?
For me there are very different basic conditions for being productive. Sometimes it helps if I devote myself to methods or structures. Sometimes I try to create a space without any time and financial pressure to be able to experiment. Sometimes boredom stimulates me to be productive. In any case, being productive includes consciously attempting to pursue and implement ideas practically or theoretically.

What inspires you?
Moments, people, objects or even abstract events that irritate me.

Who or what doesn’t suit you at all?
Not changing habits.

What would you change in Zurich?
In my utopian perspective, Zurich would no longer exist. It would simply be a part of our Earth. We would have a concept of society in which people would be less stigmatised, be it by their geographical and cultural background, social status, sexual and religious orientation or desired family structure. We would have more space and time for living beings, qualitative work, leisure, creativity, boredom and experiments.



    Slowdown during lockdown. Students from the Bachelor in Contemporary Dance translated this feature of the pandemic into a dance choreography. The motif guiding their film is playing with rhythm, pace and temporal distortion. Even during lockdown, dance continued at ZHdK, although practising was complicated by the closed studios, having to wear masks or adhering to distancing rules. Even if restraint and restriction played their part: thanks to creative solutions and team spirit, dance students and faculty are confidently looking to the future.


    Slowdown during lockdown. Students from the Bachelor in Contemporary Dance translated this feature of the pandemic into a dance choreography. The motif guiding their film is playing with rhythm, pace and temporal distortion. Even during lockdown, dance continued at ZHdK, although practising was complicated by the closed studios, having to wear masks or adhering to distancing rules. Even if restraint and restriction played their part: thanks to creative solutions and team spirit, dance students and faculty are confidently looking to the future.


    Slowdown during lockdown. Students from the Bachelor in Contemporary Dance translated this feature of the pandemic into a dance choreography. The motif guiding their film is playing with rhythm, pace and temporal distortion. Even during lockdown, dance continued at ZHdK, although practising was complicated by the closed studios, having to wear masks or adhering to distancing rules. Even if restraint and restriction played their part: thanks to creative solutions and team spirit, dance students and faculty are confidently looking to the future.


    Entschleunigung im Lockdown. Dieses Merkmal der Pandemie setzten Studierende des Bachelors Contemporary Dance tänzerisch um. Das Spiel mit Rhythmik, Tempo und zeitlicher Verzerrung bildet das Motiv des Tanzfilms. Auch während des Lockdowns ging die Tanzpraxis an der ZHdK weiter, allerdings erschwert durch Schliessungen der Trainingsräume, das Tragen von Masken oder das Einhalten der Abstandsregeln. Auch wenn das Gefühl des Aufgehaltenseins und Eingeschränktseins mitspielte: Dank kreativer Lösungen und Teamgeist blicken Tanzstudierende und -dozierende vertrauensvoll in die Zukunft.


    Der Ausdruck «ästhetisches Denken» hat einen Doppelsinn. Er kann in zwei Genitiven ausgedrückt werden: «Ästhetik des Denkens» und «Denken des Ästhetischen». Der erste verweist auf die Poetik, auf Denken unter Anwendung rhetorischer Figuren oder im Medium der kunstvollen Rede. Der zweite, «Denken des Ästhetischen», ist der interessantere, aber auch umstrittenere, weil philosophisches Denken immer an die Aussage, an Argumentationen und Begründungen geknüpft wird, die wiederum auf einen Diskurs verweisen. Die Behauptung, dass es ein Denken im Ästhetischen gebe, sprengt insbesondere den Alleinvertretungsanspruch des wissenschaftlichen Diskurses und unterstellt, dass es auch andere Formen und Medien gibt, in und mit denen argumentiert, geurteilt oder geforscht werden kann: mit Farben, Tönen und Stillen, Klangsequenzen, Entwürfen, Animationen oder Szenen und dergleichen – dass also Gestaltungen nicht nur Arten sind, sich auszudrücken, sondern auch Erkenntnisse produzieren. Man muss dabei «ästhetisches Denken» wörtlich nehmen: Ästhetik, von griechisch aisthēsis, Wahrnehmung, weshalb es sich um ein Denken nicht in Worten, die etwas sagen, handelt, sondern um Denkweisen im Sichtbaren, Hörbaren oder Fühlbaren, die etwas zeigen und sich stets mitzeigen.


    Design prägt uns. Gestaltung hat grossen Einfluss darauf, wie wir Dinge wahrnehmen und unsere Eindrücke einordnen. Im Bachelor Visual Communication an der ZHdK werden aus Studierenden die Gestalter:innen von morgen. Als Designschaffende in der Werbung, in Grafikbüros oder als Künstler:innen bestimmen sie mit, wie wir in Zukunft die Welt «sehen». Hier setzt das Theorieseminar «Identität» in Visual Communication im Bachelor Design an. Die Lehrbeauftragten Mayar El Bakry im Departement Design und Sophie Vögele im Bereich Art Education des Departements Kulturanalysen und Vermittlung bringen den Studierenden die gesellschaftlichen Dimensionen von Identität näher. Sie schlagen Brücken zur Praxis, indem sie gängige Muster und Normen hinterfragen und auf die Verteilung von Privilegien und marginale Positionen blicken.

    Die eigene Verantwortung kennen

    «Design ist exklusiv, und das by design. Design kann niemals neutral sein, es steht immer im Verhältnis zum sozialen Wandel der Gesellschaft», so Mayar El Bakry. «Als Designer:in ist es deshalb wichtig, sich mit Identität auseinanderzusetzen», ergänzt Sophie Vögele. «Jede gestalterische Entscheidung kann politisch gesehen werden.» Die künftigen Gestalter:innen arbeiten sich durch Grundlagentexte und kritische Theorien zu Feminismus und postkolonialen Perspektiven. Sie besprechen Dimensionen wie Geschlecht, Race, Nationalität, soziale Herkunft oder Intersektionalität. Ziel ist es, die eigene Arbeit zu reflektieren und die eigene Rolle in Kampagnen, Produkten oder der eigenen Kunst zu erkennen und zu verstehen. «Es ist wichtig, mir die eigene Verantwortung dafür bewusst zu machen, wie ich etwas darstelle», so El Bakry. Wie mache ich beispielsweise Farbenblinden Design zugänglich? Für ihre Seminararbeiten haben die Teilnehmenden Themen erarbeitet, die in Anlehnung an die Diskussionen im Seminar ihre eigenen Interessen und Fragen aufnehmen. Eine Arbeit fragt, wie Adobe Cloud & Co. die Art und Weise, wie wir gestalten, beeinflussen, und thematisiert den sogenannten Unconscious Bias. Eine andere geht der Verankerung von Design in kapitalistischen Strukturen nach und setzt sich mit der Differenzierung von ethischer und unethischer Praxis auseinander.

    «Welche Rolle spielen Geschlecht und soziale Herkunft für das Selbstverständnis einer Designerin und ihr Schaffen?», fragt eine weitere Arbeit. «Die Fragestellungen unseres Seminars öffnen den Blick für die eigene Identität», beobachtet Vögele. Die Frage: «Wie privilegiert bin ich und was bedeutet das für meine Praxis?», beschäftigt die Studierenden in ihren Arbeiten. Ein Teilnehmer stellt persönliche Überlegungen zur eigenen, als «cis-männlich» gelesenen Geschlechtsidentität an und nähert sich dem Konzept der Allyship aus feministischer Perspektive. Die Seminararbeiten werden am Ende in einem Booklet zusammengefasst.

    Identitätsfragen in der Designausbildung

    Das Seminar gibt den Studierenden Tools an die Hand, um antidiskriminierendes, antirassistisches und antisexistisches Design zu schaffen. Sie lernen, empathischer und inklusiver zu gestalten und zu erkennen, was sie mit ihrer Ästhetik bewirken können. «Unser Verständnis von Design bezieht sich seit Langem auf das Bauhaus und damit auch auf diese Denkrichtung. Das ändert sich aber, unsere Gesellschaft wird immer inklusiver», so El Bakry. Die gemeinsame Vision des Duos: «[…] dass gesellschaftliche Dimensionen von Identität als Thema nachhaltig Fuss fassen in der Designausbildung. Der gesellschaftliche Diskurs ist sehr lebendig, hier sollte eine Brücke von der Lehre zur realen Welt geschlagen werden.»


    Tina Tishev: Wieso hast du dich für den Master Film Editing entschieden?
    Riccarda Schwarz: Nach dem Bachelor habe ich als Schnittassistentin gearbeitet, Trailer und Kurzfilme geschnitten und so mein technisches Wissen erweitert. Nach zwei Berufsjahren wusste ich, dass ich mich in der Filmmontage vertiefen wollte.

    Erzähl mal von spannenden Projekten aus dem Studium!
    Im Sommer habe ich eine Episode der zweiten Staffel der SRF-Serie «Neumatt» geschnitten. Derzeit arbeite ich an einem Dokumentarfilm von Dorentina Imeri. Der Film erzählt von der Emanzipation ihrer Tante in Südserbien, die einen Hochzeits- und Coiffeursalon betreibt. Ich habe Trailer in Fremdsprachen geschnitten, diverse Theater- und Imagefilme, eine Installation für das Museum für Gestaltung Zürich, Hybridfilme und experimentelle Tanzfilme. Ich finde es spannend, durch diese Projekte in diverse Kulturen und Milieus einzutauchen.

    Was ist dir wichtig, wenn du an ein neues Projekt herangehst?
    Der Austausch mit der Regie. Ich versuche, die Haltung der Regie im Schnitt auszudrücken. Ich steige gern in ein Filmprojekt ein, wenn bereits eine Vision da ist, die ich mitentwickeln und in der ich die Regie unterstützen kann. Durch Diskussionen im Schnittraum entstehen neue Ideen und Erzählformen.

    Wird Editieren als Schritt im Produktionsprozess unterschätzt?
    Ja, absolut. Dabei haben wir grossen Einfluss auf den Film: Wir wählen das Material aus, erarbeiten die Dramaturgie sowie den Rhythmus und legen die Länge des Films fest. Im Schnitt wird ein grosser Teil der Story mitgestaltet und im Prozess ständig verändert. Ich würde mir wünschen, dass alle Schritte der Filmherstellung gleich wertgeschätzt werden: Filme produzieren ist Teamarbeit.

    Wo siehst du den künstlerischen Aspekt im Editing?
    Die technische Umsetzung ist für mich Kunst. Ich arbeite mit Bild und Ton, beurteile das Schauspiel, die Dialoge und wähle die passende Musik aus. Für meine Arbeit sind Rhythmus und Tempo, Sounddesign und Musik entscheidend, um die passende Atmosphäre für den Film zu kreieren.

    Was gibt dir selbst am meisten Energie?
    Der Austausch mit Menschen ausserhalb der eigenen «Bubble». Ich habe Freunde in verschiedenen Städten, das gibt mir kreative Inputs und neue Energie für meine Arbeit. Ausserdem tanze ich sehr gerne.

    Lea Dahinden: Sonnhild Kestler, woran erinnerst du dich, wenn du an deine Studienzeit in den 1980er-Jahren zurückdenkst?

    Sonnhild Kestler: Da fällt mir zuerst die Ateliersituation ein, die wir an der Schule für Gestaltung Zürich hatten. Wir hatten Werkstätten, wir hatten Platz, wir hatten Zeit. Wenn ich zum Beispiel etwas fotografiert habe, bin ich zu den Fotografen hochgegangen und wir haben den Film zusammen entwickelt. Die Schule war ein Ort, der über das Textile hinaus lehrte. Lisa Brühlmann: Ja, das war bei uns ähnlich. Ich habe fünf Jahre an der ZHdK studiert, zuerst an der Limmatstrasse und später im Toni-Areal. Ich habe das Studium immer als grossen Spielplatz empfunden. Der ist da, den kannst du nutzen, du kannst Leute fragen und von ihrem Wissen profitieren. Mich hat das total inspiriert: die Freiheit, aber auch die Möglichkeiten.

    Warum habt ihr euch für ein Studium an unserer Hochschule entschieden?

    Lisa Brühlmann: Ich war ja vorher Schauspielerin. Und es gibt viele Schauspielerinnen, die direkt in die Regie gehen. Aber ich habe klar gesagt: Nein, ich will das Handwerk lernen. Ich möchte wissen, weshalb die Lampe dort stehen muss. So blöd es auch klingen mag: An der ZHdK habe ich zu scheitern gelernt, das hat mir enorm viel gebracht. Natürlich ist es dann cool, wenn man Erfolg hat und Leistung bringt. Aber für diesen Zwischenschritt, für den ist ja die Ausbildung da. Sonnhild Kestler: Zu meiner Zeit … Ich habe mich für Textilien und Schmuck interessiert, in München gab es da eine tolle Schule. Ich habe dann den Vorkurs bestanden und für mich war es danach total „fadegrad“ mit Zürich. Ich musste nicht mehr schauen, wo noch irgendeine andere Schule wäre.

    Wie entwickelt man als Künstlerin eine eigene Sprache?

    Sonnhild Kestler: Indem du immer arbeitest und aufmerksam bist. Ich wollte selber rausfinden, was relevant ist oder was ich spannend finde. Ergibt das einen Sinn und will das jemand? Lässt sich das verkaufen? Schliesslich will man ja auch davon leben. Sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen waren alles harte Übungen, jahrzehntelange Übungen. Lisa Brühlmann: Meine eigene Sprache finde ich in der Auseinandersetzung mit der Welt und mit mir. Einerseits nehme ich wahr, was in der Welt los ist, was mir gefällt und mich zum Erzählen anregt. Andererseits werde ich mir bewusst, was mir persönlich wichtig ist, was ich erzählen möchte und aus welchen Gründen. Das prägt meine Filmsprache. Im Film ist ja alles schon mal gemacht worden – in der Mode auch, oder? Sonnhild Kestler: Ja, im Textilen war alles schon da.

    Und was macht man, wenn alles schon da ist?

    Lisa Brühlmann: Man fragt sich zum Beispiel: Warum gefällt mir das und wie kann ich es neu interpretieren? Man richtet den Blick auch gegen innen, um sich selbst besser kennenzulernen. Es ist sehr wichtig, irgendwann zu wissen, wer man ist und welche Geschichte man zu erzählen hat. Sonnhild Kestler: Ja, die eigene Kunst ist halt einfach dein Leben. Meine Arbeit ist mein Leben. Darum bin ich auch eng verbunden damit, ich habe keine Distanz dazu. Ich frage mich selbst ab und zu: „Warum machst du das? Warum treibt dich das so an?“ Es hat mit dem eigenen Charakter zu tun und damit, dass man hinkriegen will, was man im Kopf oder sonst wo in sich hat. Diese intensive Auseinandersetzung mit dem Textilen grenzt an Besessenheit – wie sie sich wohl auch beim Filmen entwickeln kann. Man tut etwas, weil es sein muss, nicht weil man ein Ziel vor Augen hat. Man macht einfach drauflos.





    Leona Veronesi: What is Museumjung about?
    Nicola von Albrecht: Schools are laboratories of tomorrow’s society. In this sense, we want to integrate a local school into our project as an echo chamber for forward-looking museum work. Museumjung is intended to function as a mirror that serves internal museum reflection. The project focuses on the cultural heritage preserved in our collections and on social participation in that heritage — especially among younger members of society.

    That sounds like a pioneering venture in the Swiss museum landscape.
    We are seeking to offer children and young people more differentiated and individual access to our collections than museums usually do. We need their opinions and ideas! After all, they are a kind of “indicator species” for developments in society as a whole. We are very eager to learn from them and also willing to implement the project results in future everyday museum life.

    What specifically would you like to learn from young people?
    We would like schoolchildren and young people to tell us what the collections (might) mean to them in relation to the global and local issues they are concerned with, what they are currently engaging with, and which objects in the museum fascinate them and why. Do the collections speak to them at all? What role might design education play in this regard? What makes the museum a lively place for young people? Where and how do they want to get involved? How can the “museum” as an institution become part of their cultural identity(ies)? Which conventions and routines in museum work might also need to be changed?

    You have three years to answer these questions. Such a long project is a
    novelty in the Museum für Gestaltung Zürich’s outreach programmes.

    Time is a major factor in collaborative processes. Those involved need to commit time and energy, as well as reciprocate, to establish sustainable cooperation structures. Thanks to the support of the Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, we now have the chance to pursue such an ambitious and resource-intensive project.

    How did the idea for this project arise?
    During my time at the Werkbundarchiv – Museum der Dinge in Berlin, our cooperation with a school under the motto “The Museum – a School of Things” served as a kind of think tank for museum work dedicated less to representing cultural heritage than to community participation. That was a great experience and encouraged me to launch a similar project in Zurich.

    What results are you hoping for, and how will they impact the museum?
    Children and young people tend to associate the museum as an institution with restrictions rather than with creative stimulation, pleasurable learning, individual development and personal engagement. Museumjung is intended to act as a catalyst that can intensify and accelerate the museum’s change process towards greater cultural participation, more participatory exhibition practices, and the further development of innovative design education. By 2024, the results should feed directly into the conception, design and outreach programme of a critical and activating, sensual and pleasurable presentation of the collections at Toni-Areal in a new way and that meets the growing expectations and well developed habits of a young audience in terms of interaction and participation.


    Leona Veronesi: Worum geht es im Projekt Museumjung?
    Nicola von Albrecht: Schulen sind Labore der Gesellschaft von morgen. In diesem Sinne möchten wir die in der Nachbarschaft gelegene Schule Limmat als Resonanzraum für eine zukunfts­gerichtete Museumsarbeit einbinden. Museumjung soll wie ein Spiegel funktionieren, welcher der internen musealen Reflexion dient. Im Fokus stehen das in den Samm­lungen bewahrte Kulturerbe und die gesellschaftliche Teilhabe daran – insbesondere des jungen Teils der Gesellschaft.

    Das klingt nach einer Vorreitrolle in der Schweizer Museumslandschaft.
    Mit dem Projekt wollen wir mehr als sonst in Museen üblich Kindern und Jugendlichen differenzierte und individuelle Zugänge zu den Sammlungen ermöglichen. Wir brauchen ihre Meinungen und Ideen! Denn sie sind eine Art «Indikatorspezies» für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Seitens des Museums besteht eine grosse Neugierde, von ihnen zu lernen, und auch die Bereitschaft, Projektergebnisse im künftigen Museumsalltag umzusetzen.

    Was möchtet ihr konkret von den Jugendlichen erfahren?
    Wir möchten von den Schüler:innen wissen, was die Sammlungen für sie konkret in Bezug auf die globalen und lokalen Fragen, die sie gerade umtreiben, bedeuten (könnten), wofür sie sich engagieren, von welchen Objekten im Museum sie wirklich fasziniert sind und warum. Können sie mit den Sammlungen überhaupt etwas anfangen? Welche Bedeutung kann dabei der Designvermittlung zukommen? Was macht das Museum zu einem lebendigen Ort für junge Menschen? Wo und wie wollen sie sich einbringen? Wie kann die Institution «Museum» Teil ihrer kulturellen Identität(en) werden? Welche Konventionen und Routinen in der Museumsarbeit gilt es vielleicht auch zu verändern?

    Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, habt ihr drei Jahre Zeit. Eine solch lange Projektdauer ist in der Vermittlung des Museum für Gestaltung Zürich ein Novum.
    Bei kollaborativen Prozessen spielt der Faktor Zeit eine grosse Rolle. Es braucht ein intensives wechselseitiges Kennenlernen, um tragfähige Kooperationsstrukturen aufzubauen. Dank der Förderung der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte haben wir jetzt die Chance, ein inhaltlich so ambitioniertes und ressourcenintensives Projekt zu realisieren.

    Wie ist die Idee zu diesem Projekt entstanden?
    In meiner Zeit am Berliner Werkbundarchiv – Museum der Dinge war die Kooperation mit einer Schule unter dem Label «Das Museum – eine Schule der Dinge» eine Art Ideenschmiede für eine Museumsarbeit, die sich weniger der Repräsentation des Kulturerbes verschrieben hat als vielmehr der Partizipation daran. Das war eine tolle Erfahrung und gab den Impuls, in Zürich ein ähnliches Projekt zu lancieren.

    Welche Ergebnisse erhoffst du dir von diesem Projekt und welchen Einfluss werden sie auf das Museum haben?
    Die Institution Museum wird von Kindern und Jugendlichen eher mit Einschränkungen in Verbindung gebracht als mit kreativer Anregung, vergnüglichem Lernen, individueller Entfaltung und persönlichem Engagement. Museumjung soll wie ein Katalysator wirken, der den Veränderungsprozess des Museums in Richtung einer stärkeren kulturellen Teilhabe, einer partizipativeren Ausstellungspraxis und der Weiterentwicklung einer innovativen Designvermittlung intensivieren und beschleunigen kann. Die Resultate sollen bis 2024 direkt in die Konzeption, die Gestaltung und das Vermittlungsprogramm einer kritischen und aktivierenden, sinnlichen und lustvollen Neupräsentation der Sammlungen im Toni-Areal münden, welche die wachsenden Erwartungen und avancierten Gewohnheiten eines jungen Publikums hinsichtlich Interaktion und Partizipation erfüllt.


    Lea Ingber: You co-chair Verso. What exactly does that mean?
    Soraya-Thashima Rutschmann: We advocate for students’ concerns at ZHdK and try to meet as many of their needs as possible. To do this, it’s important that we stay in contact with students. For example, we’re working on improving the university’s feedback culture, that is, how grades are accounted for. Verso ran a survey at the Department of Design, which will be replicated in other departments.

    David Bircher: We also dialogue with the university and work together on various levels to represent and communicate students’ interests. As co-presidents, we manage and coordinate these processes.

    What issues are you concerned with most right now?
    David Bircher: This spring we’ll have a premiere: the first university-wide Verso elections. All students will be able to run for office, campaign with posters and elect their future representatives. So far, students interested in running for office have been confirmed by their department representatives. So we’re very much looking forward to the elections and hope to address and involve even more students directly.

    Why do you find getting involved in Verso important?
    Soraya-Thashima Rutschmann: I find highlighting the student perspective important. Our views are key to the university, because as students we’re ist heart and soul.

    David Bircher: Being involved in Verso balances my studies very well. I learn a lot about organisation and how associations work. This knowledge nicely complements my artistic work.

    What would you change at ZHdK?
    David Bircher: ZHdK is extremely diverse. That’s very enriching. But it also means that there are probably more opinions than people. We are constantly trying to simplify and improve everyday student life.

    Soraya-Thashima Rutschmann: Exactly! We want to help shape the university and its development so that students receive the best and most upto- date education possible. In the best case, we do our job so well that students face as few hurdles as possible during their studies.

    13 Jahre ZHdK: Welches ist Ihre schönste Erinnerung?

    Thomas D. Meier: Das sind vor allem die oft grossartigen Produktionen und Werke von Studierenden, die ich miterleben durfte. All das hat mich beeindruckt, angeregt und meinen kritischen Geist wachgehalten. In solchen Momenten wusste ich immer, wieso ich gerne hier arbeite und wozu unsere Arbeit dient. Und auch der Bezug des Toni-Areals ist eine schöne Erinnerung. Das war ein Meilenstein für unsere weitere Entwicklung. Meilensteine waren auch die grossen Vorhaben im Bereich der Internationalisierung und beim Aufbau der Doktoratsprogramme.

    Was fanden Sie herausfordernd?

    Veränderungsprozesse, und die waren mir immer wichtig, sind sachliche und emotionale Wechselbäder. Hier mit Gelassenheit, einer positiven und pragmatischen Haltung dranzubleiben, war zuweilen herausfordernd. Ermüdend konnten die wiederkehrenden Anstrengungen sein, kurzsichtiges Silodenken zu überwinden. Aber ich bin ein zähes Arbeitspferd. (lacht)

    Verraten Sie uns Ihre Lieblingsanekdote?

    Ich schnappe teilweise Ganggespräche zwischen Studierenden auf. Wenn da zum Beispiel eine Musikstudentin einer anderen erklärte, dass sie sich für ein bestimmtes Werk von Schubert zu jung fühle, war das für mich verblüffend und erhellend zugleich. Es macht deutlich, dass Musik sich nicht im technisch perfekten Abspielen von Noten erschöpft. Die Kunst beginnt erst danach und kennt andere Regeln. Und bei der Toni-Eröffnung hörte ich eine Fine-Arts-Studentin sagen, eigentlich wünsche sie sich einen gebrauchten Volvo und kriege nun einen Porsche hingestellt. Diese zufälligen Begegnungen halfen mir zu verstehen, was die Studierenden bewegt und wie eigensinnig die Disziplinen sind.

    Was ist Ihnen besonders am Herzen gelegen?

    Mir ist wichtig, dass wir das Gespür für die Realität unserer Studierenden nicht verlieren. Die meisten unserer Dozierenden sind in stabilen Arbeitsverhältnissen angekommen, unsere Studierenden hingegen bereiten sich darauf vor, in hoch kompetitiven Berufsfeldern erfolgreich zu sein. Wie können wir dafür wach bleiben? Wie nehmen wir diesbezüglich unsere Verantwortung in Lehre und Forschung wahr? Das hat mich während meiner ganzen Amtszeit beschäftigt.

    Welche Form der Kunst praktizieren Sie selbst?

    Ich habe lange E-Bass in Rockbands gespielt. Ob das als Kunst durchgeht, wage ich nicht zu beurteilen. Seit meiner Anstellung an einer Kunsthochschule habe ich das nur noch inkognito getan. In den letzten Jahren fehlte mir dafür leider die Zeit. Irgendwann werden wir vielleicht wieder damit beginnen. Virtuos waren wir nie. Das war eher verpönt. Ein Wiedereinstieg sollte deshalb nicht allzu schwierig sein. (lacht)

    Und worin sind Sie völlig talentfrei?

    Räumliches Vorstellungsvermögen und Small Talk. Beides ist harte Arbeit für mich.

    Als Rektor einer Kunsthochschule steht man immer wieder unter Legitimationsdruck. Nervt Sie das?

    Nein, ich mache die Übersetzungsarbeit gerne. Ich verstehe durchaus, dass wir einen höheren Erklärungsbedarf haben als Bildungsinstitutionen, die Pflegepersonal oder Lehrkräfte ausbilden. Systemrelevant sind jedoch auch die Künste. Um das klarzumachen, müssen wir Brücken schlagen zu Menschen, die uns nicht unbedingt nahestehen. Sprechen aus der Bubble heraus funktioniert nicht. Mein erster Job war Museumspädagoge, Vermittlung war immer ein wichtiger Bestandteil meines Selbstverständnisses.

    Sei es der Zusammenzug der ZHdK von 39 Standorten ins Toni-Areal 2014 oder aktuell das neue Studienmodell Major-Minor. Sie haben viele grosse Neuerungen umgesetzt oder angestossen.

    Grosse Neuerungen sind nicht immer das, was sich die Menschen wünschen. Aber wir sind verantwortlich dafür, dass sich die Hochschule im Interesse der Studierenden weiterentwickelt. Die Welt verändert sich rasant und wir müssen uns mit verändern. Innovation habe ich immer so verstanden, dass die Institution über die Veränderung der Rahmenbedingungen die Entstehung von Dingen befördert, für die in der alten Struktur wenig Raum war. Das Toni-Areal und Major-Minor sind Beispiele dafür.

    Welche grosse Neuerung steht der ZHdK noch bevor?

    Bildungspolitisch bleibt relevant, dass wir als Kunsthochschule in den Fachhochschulen nicht optimal verortet sind. Wir sind kaum mit der Berufsbildung verknüpft, aus der die Fachhochschulen herausgewachsen sind. Zudem fehlt uns das Promotionsrecht, über das unsere internationalen Partner meist verfügen. Das führt zu einem grossen Konkurrenznachteil und hemmt unsere Entwicklung. Da besteht dringender Handlungsbedarf, wenn die ZHdK ihren Platz als eine der führenden Kunsthochschulen Europas halten will.

    Welche Herausforderungen sehen Sie für die ZHdK?

    Der Künstler Olaf Breuning, den wir am letzten Hochschultag als Honorary Companion geehrt haben, hat sich im Nachgang bei mir bedankt und dabei festgehalten: «Here in America, the focus is more on victims of life than critical observers.» Diese Entwicklung ist längst bei uns angekommen. Diversität und Chancengerechtigkeit sind für die ZHdK zentrale Werte. Gleichzeitig verbreiten sich auch bei uns Überzeugungen, die aus dem amerikanischen Kontext stammen und hier oft unreflektiert und bis in die amerikanische Terminologie hinein übernommen werden. Klar ist, dass der Fokus auf die Opfer von Geschichte und Gesellschaft vielen eine Stimme gibt, die vorher nicht gehört worden sind. Das ist unbedingt zu begrüssen.

    Aber?

    In seiner aktivistischen Form kann das entsprechende Engagement jedoch zu einer Instrumentalisierung der Kunst, zu einem reduktionistischen Verständnis davon, was die Kunst zu leisten vermag, zu Sprechverboten und Zensur führen. In dieser Debatte Haltung zu zeigen, halte ich für essenziell, nicht nur für den Kulturbetrieb, sondern auch für Bildungsinstitutionen, die mit ihm verbunden sind.

    Im September 2022 treten Sie als Rektor zurück. Und dann?

    Da sind vier spannende Stiftungsmandate, die ich weiterführen werde. Wir werden uns zudem einen Hund zulegen und vielleicht ein Haus im Süden bauen. Das reicht für den Anfang. (lacht)


    Tina Tishev: Why are you doing a master’s in film editing?
    Riccarda Schwarz: After my bachelor’s, I worked as an assistant editor, editing trailers and short films and thus expanding my technical knowledge. After two years in the business, I knew that I wanted to go deeper into film editing.

    Tell us about some exciting projects you’ve been doing on your programme!
    In the summer, I edited an episode of the second season of SRF series “Neumatt”. Currently I’m working on a documentary film by Dorentina Imeri. The film tells the story of how her aunt, who runs a wedding and hairdressing salon in southern Serbia, emancipates herself. I have edited trailers in foreign languages, various theatrical and image films, a museum installation for Zurich’s Design Museum, hybrid films and experimental dance films. I find immersing myself in diverse cultures through these projects very exciting.

    What is important when you approach a new project?
    Exchanging ideas with the director. My editing tries to express the director’s stance. I like getting involved in a film project when a vision exists that I can help develop and support the director in realizing. New ideas and narrative forms emerge from discussions in the editing suite.

    Is editing underestimated as a stage of the production process?
    Yes, absolutely. Editors can significantly influence a film: we select the material, work out the dramaturgy, the rhythm, and determine the length of the film. Editing helps shape the story, which constantly evolves in the process. I would like all stages of the production process to be equally valued: filmmaking is teamwork.

    What about the artistic aspect of editing?
    For me, implementing the technical aspects of a film is art. I work with image and sound, evaluate the acting, the dialogues and choose the appropriate music. In my work, rhythm and tempo, sound design and music are crucial in creating the right atmosphere for the film.

    What energizes you most?
    Exchanging ideas and experiences with people outside my “bubble.” I have friends in different cities, which gives me creative impetus and new energy for my work. I also love to dance.


    Studierende der ZHdK können zukünftig ihren Studienschwerpunkt, den Major, mit einer Auswahl aus knapp 90 neu geschaffenen, teils disziplinübergreifenden Minors individuell erweitern oder vertiefen. Die ZHdK nimmt mit diesem neu konzipierten Angebot das Bedürfnis der Studierenden wahr, spezifische Profile für die Arbeitswelt von morgen zu entwickeln. Je nach Kombination erhalten sie entweder Zugang zu Kompetenzen und Fachwissen ausserhalb ihres Kernstudienbereichs oder tauchen mit spezialisierten Minors noch tiefer in ihr Fachgebiet ein.


    Divers, durchlässig, nachhaltig

    Dabei profitieren die Studierenden von der disziplinären Vielfalt, die die ZHdK unter einem Dach vereint. Durch den Austausch mit Studierenden anderer Fachrichtungen – von Design über Film, Fine Arts, Musik, Tanz, Theater, Transdisziplinarität bis hin zu Art Education – erweitern sie nicht nur ihren Horizont, sondern sammeln auch wichtige Erfahrungen in der übergreifenden Zusammenarbeit und im Wissenstransfer. Fachübergreifende Minors zu Themen wie Nachhaltigkeit, Gender und Diversity sowie Entrepreneurship eröffnen neue Wissensfelder.

    «Mit diesem zukunftsweisenden Modell erhalten unsere Studierenden eine an europäischen Kunsthochschulen einzigartige Wahlfreiheit an Bildungsangeboten. Sie übernehmen die Verantwortung und entscheiden selbst, ob sie ihr Wissen in der Breite oder in der Tiefe ausbauen wollen», sagt Karin Mairitsch, Rektorin der ZHdK. «Zusätzlich wollen wir sie dazu ermutigen, über den Tellerrand hinauszuschauen und den Grundstein für eine nachhaltige, offene sowie kreative persönliche Entwicklung zu legen.»


    Starke Netzwerke und individuelle Betreuung

    Als eine der führenden Kunsthochschulen Europas ist die ZHdK inner- und ausserhalb der Schweiz optimal vernetzt und arbeitet in allen Disziplinen mit renommierten Partnerinstitutionen zusammen. Dabei wird viel Wert auf Exzellenz, persönliche Freiräume und die diskursive Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen gelegt. Die individuelle Betreuung durch Dozierende und die ausgezeichnete Infrastruktur bieten den Studierenden ein ideales Umfeld, sich und ihre Fähigkeiten praxisnah zu entfalten.


    Zukunftsorientiert denken und agieren

    In zehn Jahren werden Absolventinnen und Absolventen der ZHdK in Berufsfeldern arbeiten, die heute noch nicht bekannt sind. Klar ist bereits jetzt, dass in Zukunft vielfältige, individuelle und fachübergreifende Kompetenzen gefragt sein werden. Das neue Major-Minor-Studium startet im Herbstsemester 2023/24 im Bachelor, ein Jahr später dann auf Masterstufe. Das bisherige Studienmodell läuft parallel aus. Die Website zhdk.ch bietet eine Übersicht über die Majors und Minors und schlägt Studieninteressierten auf Basis ihrer Kompetenzen und Interessen passende Kombinationen vor. Die Anmeldephase für das Major-Minor-Studium endet je nach Disziplin im Februar oder März 2023.

    Einen ersten Überblick erhalten Studieninteressierte im Rahmen der Infotage der ZHdK vom 21. bis 25. November 2022.


    Den Tag mit einem Freudenlied begrüssen, unter der Dusche eine Arie schmettern oder in einem unbeobachteten Moment des Glücks eine Melodie vor sich hin summen: Wir erheben unsere Stimme, ohne gross über ihre Rolle und über die ihres Klangs nachzudenken. Sie erscheint uns als etwas Banales. Dabei hat sie das Zeug, uns gesund und glücklich zu machen. In den vergangenen Jahrzehnten wurde vermehrt über die positive Wirkung und stärkende Kraft des Singens geforscht. Zum Beispiel wurde bei Singenden ein erhöhter Sauerstoffgehalt im Blut nachgewiesen. Ein Nebeneffekt der tiefen Atmung, die wir für die Gestaltung längerer Phrasen brauchen. Auch von höheren Immunglobulin-A-Werten profitieren Sängerinnen und Sänger. Diese Eiweisse bilden sich an den Schleimhäuten und stärken den Schutz gegen Krankheitserreger. Besonders spannend sind die Ergebnisse der «Impact Study 2019» von Chorus America, einem Verband US-amerikanischer Chöre. Für diese Studie wurden singende Menschen aller Altersgruppen nach der Wahrnehmung des Singens in ihrem Alltagsleben befragt. Die Resultate decken sich mit meinen Beobachtungen aus der Praxis.


    Was hat dich am meisten überrascht an der neuen Universität? Was war die grösste Herausforderung während deines Auslandssemesters? Was hättest du gerne gewusst, bevor du dein Austauschsemester angetreten bist? Austauschstudierende beantworten Fragen rund um ihr Austauschsemester.

    Die ZHdK hat ein grosses und vielfältiges Netz von internationalen Kooperationsbeziehungen. Es ist die Basis für den Austausch von Studierenden. Pro Jahr kommen ca. 60 Studierende für ein Austausch- oder Gastsemester an die ZHdK. Ein grosser Teil der Aktivitäten wird im Rahmen des «Swiss European Mobility Programme» durchgeführt. In Anlehnung an die Aktivitäten von Erasmus+ bietet SEMP Schweizer Hochschulen den Anschluss an das europäische Programm. Das Mobility Office organisiert den Austausch der Studierenden und sorgt dafür, dass die Gäste von anderen Kunsthochschulen alle nötigen Informationen erhalten.


    Singen ist Erfüllung

    Singen wir in einem Chor, sind wir Teil einer Gemeinschaft. Es wird gemeinsam auf ein Ziel hingearbeitet. Die Gruppe bewältigt die schwierige Einsingübung und bringt danach ein Meisterwerk zur Aufführung. Oder sie hockt, wenn’s nicht gleich ums Ganze geht, nach einer Probe noch beieinander. Menschen, die Teil einer Chorgemeinschaft sind, investieren etwas, sie bringen sich ein – vom Einrichten des Probesaals bis zum Verkauf von Grillwürsten vor der Migros, um die leere Chorkasse zu füllen. Das Gemeinschaftserlebnis im Chor wird von den Beteiligten als bereichernd und erfüllend wahrgenommen. Diese positiven Effekte werden in den Alltag hinausgetragen und sind letztlich ein Gewinn für unsere Gesellschaft.


    Singen bringt uns zusammen

    In einer singenden Gemeinschaft kommen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, aus verschiedenen Lebenssituationen und meist unterschiedlichen Alters zusammen. Singende lernen den Mitsingenden zuzuhören – auch nach den Proben. Man steht der Zusammenarbeit generell offener gegenüber, trainiert immer wieder seine Teamfähigkeit. Das gemeinsame Singen erhöht die Sozialkompetenz und die Toleranz anderen gegenüber. In einer Chorprobe sind Begegnungen, Blickkontakte und Gespräche wichtige Aspekte des Miteinanders.

    In unserer Welt sind Abermillionen Menschen auf der Flucht, noch immer werden Minderheiten im Alltag diskriminiert und Menschen, die sich durch Aussehen oder Herkunft von der Masse unterscheiden, ausgeschlossen. Die vielen Chöre von Geflüchteten oder die Chorgesang-Festivals von und für die LGBTQIA+-Gemeinschaft zeigen, dass Integration wesentlicher Bestandteil des gemeinsamen Singens ist. Wer einmal ein offenes Singen auf dem Fraumünsterplatz in Zürich zusammen mit Hunderten Mitsingenden erlebt hat, weiss: In diesem Moment sind alle Unterschiede aufgehoben und das Herz geht im gemeinsamen Klingen auf. Singen ist gelebte Integration.


    Singen beflügelt

    Wir werden immer älter. Wenn wir singend und zuhörend am Leben teilnehmen, fordern wir damit unsere physischen und kognitiven Kräfte und steigern unsere Lebensqualität. Bereits in den 1990er-Jahren haben Studien gezeigt, dass Mitglieder von Chören und Gesangsgruppen eine signifikant höhere Lebenserwartung haben als Menschen, die nicht singen. Besonders für ältere Menschen können wöchentliche Chorproben eine Bereicherung des eintönigen Alltags sein. Werden Singende nach dem Grund für ihre Leidenschaft gefragt, reichen die Antworten von der musikalisch-kreativen Herausforderung bis hin zum Spassfaktor. Die meisten Singenden würden aber unisono bestätigen, dass das Singen sie bewegt und die endlos kreisenden Gedanken, die Erschöpfung oder das nervöse Unwohlsein nach einem langen Sitzungstag in den Hintergrund treten lässt. Kurzum: Singen beflügelt! Erheben wir doch öfter unsere Stimme, um mit dieser Kraft den Weg zu einer positiven Grundeinstellung im Alltag zu finden.



    Lionel Martin gewinnt den vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft ausgerichteten Wettbewerb «Ton und Erklärung» 2022. Er studiert im BA Musik Violoncello bei Thomas Grossenbacher. Der 19-jährige Cellist überzeugte Jury und Publikum gleichermassen mit seiner Präsentation von Schostakowitschs erstem Violoncellokonzert und gewann als Jüngster der Finalist:innen den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis.

    2021 wurde er zum «SWR2 New Talent» gewählt.

    Zum Beitrag auf NDR kultur