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    Mehr zu: Institute for Contemporary Art Research

    Polyphonie. Eine Spekulation

    Deniz Soezen, Kahvehane Kaffeehaus, 2016
    Deniz Soezen, Kahvehane Kaffeehaus, 2016

    Polyphonie – verstanden als Vielstimmigkeit – bildet den Ausgangspunkt einer Reihe kollektiver Forschungsaktivitäten, initiiert von Barbara Preisig. Ausgehend von seinem musikalischen Ursprung lädt das Konzept dazu ein, Kunstwerke als Räume zu denken, in denen sich multiple Perspektiven und Erfahrungen gleichzeitig entfalten. Als spekulatives Werkzeug hinterfragt Polyphonie die Idee monophoner Autor*innenschaft und versteht Kunsterfahrungen als verflochtene, verkörperte und geteilte Prozesse.

    Das Konzept der Polyphonie bildet die gemeinsame Grundlage für eine Reihe von kollektiven Forschungsaktivitäten, die Barbara Preisig für das Institute for Contemporary Art Research organisiert. In der Musiktheorie bezeichnet „Polyphonie“ eine mehrstimmige Komposition, die aus zwei oder mehr gleichberechtigten Melodien besteht. In anderen Künsten lässt sich Polyphonie als eine Ansammlung mehrerer Personen oder Sprecher:innenpositionen in einem Werk verstehen, die sowohl Harmonie und Einklang als auch Dissonanz oder Kakophonie erzeugen kann. Das zentrale Prinzip der Polyphonie besteht darin, dass alle Stimmen gleichberechtigt sind, was dem Konzept einen utopischen Charakter verleiht. Es ermöglicht die Vorstellung einer Gesellschaft, in der gleichberechtigtes Sprechen und Zuhören möglich ist und Unterschiede anerkannt werden.

    Wie lässt sich nun das Konzept der „Vielfalt von Klängen“ oder „Stimmen“ auf den Bereich der Kunst übertragen? Kann ein Gemälde, ein Film oder eine Performance mit mehreren Stimmen sprechen? Oder ergibt sich Vielstimmigkeit aus den unterschiedlichen Weisen der Rezeption? Welche Art von Aufmerksamkeit ist erforderlich, um eine Polyphonie wahrzunehmen? Wie würde eine polyphone Feldforschung aussehen? Ist Zuhören eine Forschungsmethode?

    Mit diesen Fragen im Kopf entwickeln wir Forschungsinitiativen mit unterschiedlichen Kollaborateur:innen, in denen wir oft vernachlässigte relationale, auditive und rezeptive Aspekte der Kunst erproben und reflektieren. Wir untersuchen, wie Polyphonie als Wahrnehmungsinstrument – und nicht als definierender Begriff – einen spekulativen Ansatz für Kunst als Raum verflochtener, gemeinsamer Erfahrungen bieten kann und dabei hilft, alte, aber immer noch gültige Annahmen zu untergraben. Dazu gehören beispielsweise die Vorstellung einzelner, klar zentrierter Autor:innenschaft oder die klare Trennung zwischen Produktion und Rezeption.


    Projektleitung
     

    Barbara Preisig

    Projektpartner/Kooperationen

    Verschiedene Partner in Sub-Projekten
     

    Laufzeit
     

    01.01.2023-31.12.2030

    The Implosion Method Research Group

    Objects with Love, Installation views, ECAL, photos by Jimmy Rachez
    Weitere Informationen

    Collective Ear

    Four Radio Plays for Deep Listeners, 2025

    A pair of ears
    Weitere Informationen

    The Poly Listening Club

    A close listening event series, Spring 2024

    The Poly Listening Club, June 4, Photo: Richard Blasko
    Weitere Informationen

    Art & Research: One Body, many voices. Art Goes Poly. 

    Pool Seminar, Master Fine Arts, Fall 2022

    Bouchra Khalili, The Mapping Journey Project, 2008-11
    Weitere Informationen

    Sensing Beyond, or: How to Interview a Stone

    A public colloquium, April 3–5, 2023

    Poster
    Weitere Informationen