Wie kann es gelingen, trotz bildungspolitischer Bedingungen wie Effizienznachweis, Legitimationsdruck und Optimierungsfantasien, fachdidaktische Forschung und Unterrichtsentwicklung anders zu denken?
FLAKS versucht mit Kooperationsprojekten, den bildungspolitischen Sachzwängen nicht legitimatorisch, sondern kritisch-konstruktiv zu begegnen: Dabei wird den (Gegenwarts-)Künsten ein subversives Potenzial im Umgang mit genau jenen ökonomischen Logiken (z. B. Kreativ-Kapitalismus) zugesprochen, welche die Debatten um die Rolle der Bildung und die Funktion des Kunstunterrichts in der Wissensgesellschaft derzeit dominieren – wohl wissend, dass Kunst selbst Teil dieser Logiken ist und «der Künstler/die Künstlerin» als Blaupause für eine erfolgversprechende Subjektivierung fungiert.
Um im Kontext fachdidaktischer Forschung auf komplexe gesellschaftliche wie bildungspolitische Bedingungsverhältnisse eingehen zu können, die unsere Fächer betreffen, sind nicht nur die Befunde der Praxis, sondern insbesondere auch die Erkenntnisse der Bildungstheorie für die Arbeit von FLAKS relevant. Abweichend vom Paradigma der Aktionsforschung, wonach die Frage aus der Praxis heraus zu entwickeln ist, sehen wir für die Forschung von FLAKS einen Gewinn darin, auch bildungstheoretische Thesen und Erkenntnisse zum Ausgangspunkt des Fragens zu machen. Das Aufsuchen der Bildungstheorie ermöglicht – wie auch die Bezugnahme auf Kunst – einen differenzierenden Blick auf das stark von Routinen und Alltagszwängen geprägte Denken und Handeln als Lehrperson.
Die Bildungstheorie zum Ausgangspunkt von Aktions- und Teamforschungsprozessen zu machen bedeutet, dass Fragen aufgeworfen werden, die sich nicht aus der alltäglichen Praxis heraus stellen. Gleichwohl aber berühren diese Fragen die Voraussetzungen und Prämissen – also die impliziten, nicht-bewussten Grundlagen – des eigenen Handelns. Die Auseinandersetzung mit bildungstheoretischen Einlassungen bedeutet für die forschenden Berufspraktiker_innen daher nicht selten zunächst eine Verkomplizierung, die aber eine Form der Distanznahme darstellt und Bedingung dafür ist, dass neue Differenzierungen erarbeitet werden können. Letztlich führt die Befremdung der eigenen Praxis durch Bildungstheorie zu einer Erweiterung des eigenen Handlungsspielraumes. Wenn wir es als die Aufgabe von FLAKS erachten, die Komplexität der Fachgegenwart herauszustellen, gilt es also auch zu fragen, wie Lehrende beim kunstbezogenen Vermitteln und Unterrichten unter komplexen, teilweise auch paradoxen Bedingungen handlungsfähig sein können.
FLAKS versteht und betreibt Unterrichtsentwicklung und fachdidaktische Forschung nicht im Sinne einer Optimierung von Unterricht, sondern als eine Herausforderung unterrichtlicher Routinen und fachdidaktischer Prämissen durch die Konfrontation mit bildungstheoretischen Erkenntnissen und mit den Ansprüchen von Kunst, Musik und Theater als Gegenstände einer fachlichen Auseinandersetzung.