Dieser Baustein vermittelt zentrale Grundlagen aus Neurophysiologie, Lernforschung und Bewegungslehre in direkter Anwendung auf instrumentales und vokales Musizieren. Ziel ist es, individuelle Übe- und Lernprozesse wirkungsvoller, nachhaltiger und gesundheitsbewusster zu gestalten sowie die künstlerische Ausdrucksfähigkeit zu erweitern. Behandelt werden Zusammenhänge zwischen Gehirn, Emotion, Aufmerksamkeit und Performance, mentale und differenzielle Übestrategien, Gedächtnisprozesse, Körperhaltung und Bewegungsorganisation, Konzentration und Flow sowie die Prävention typischer Überlastungserscheinungen.
Ziele
Die Teilnehmer:innen …
- verstehen zentrale neurophysiologische Prozesse des musikalischen Lernens
- reflektieren und optimieren ihre individuellen Übestrategien
- entwickeln nachhaltige Methoden für Technikaufbau und Repertoirearbeit
- verbessern Konzentration, Gedächtnisleistung und Auftrittssicherheit
- erweitern ihre Kompetenzen im gesundheitsbewussten Musizieren
Inhalte
Halbtag 1: Effizient üben ohne Überlastung
- Einführung in neurobasiertes Üben für Musiker:innen
- Ermüdungsprophylaxe beim Üben und Musizieren
- Effektive Pausenstrategien für lange und kurze Übesessions
- Bedeutung von Hirndurchblutung für Konzentration und Feinmotorik
- Steuerungs- und Kontrollprozesse im musikalischen Lernen
- Praxisfokus: Wie gestalte ich meine Übeeinheiten, um konzentriert und präzise zu arbeiten?
Halbtag 2: Gedächtnis, Emotion und musikalischer Ausdruck
- Wie Emotionen das musikalische Gedächtnis und seine Aufnahmefähigkeit beeinflussen
- „Türöffner“ für sicheres Auswendigspielen
- Umgang mit Stress, Lampenfieber und Blockaden
- Tempo- und Übeplanung bei komplexen Passagen
- Grundlagen: Synapsen, neuronale Netzwerke und Automatisierung
- Mentales und halbmentales Üben (z. B. ohne Instrument)
Praxisfokus: Sicherer auswendig spielen und emotionale Qualität gezielt entwickeln.
Halbtag 3: Körper und Spieltechnik als Einheit
- Wie Gehirn und Körper beim Musizieren zusammenarbeiten
- Überblick über relevante Hirnfunktionen für Motorik und Klangsteuerung
- Körperreflexe und ihre Auswirkungen auf Spieltechnik (Teil 1)
- Füße, Beine, Stand und Stabilität
- Körperreflexe und ihre Auswirkungen auf Spieltechnik (Teil 2)
- Becken, Bauch und Spielposition (sitzend oder stehend)
Praxisfokus: Ökonomischere Bewegungen, Tonus Verteilung in den Muskelketten, mehr Klangkontrolle und weniger ungünstige körperliche Belastung.
Halbtag 4: Gedächtnisstrategien für Musiker:innen
- Zusammenarbeit von „analytischem“ und „intuitivem“ Musizieren
- Verarbeitung und Interpretation musikalischer Information
- Gedächtnisformen beim Musizieren (motorisch, auditiv, visuell etc.)
- Aufbau stabiler Bewegungs- und Klangmuster
- Strategien gegen Blackouts im Konzert
- Arbeit mit inneren Bildern und Mind Maps (Checklisten) für Musik
Praxisfokus: Mehr Sicherheit auf der Bühne und flexibler Umgang mit Repertoire.
Halbtag 5: Nachhaltiges Üben und künstlerischer Flow
- Optimale Temponutzung für technische und musikalische Inhalte
- Differenzielles Üben und kreative Variationen, Fokusrotation
- Lernverstärker: Klarheit, Kontraste und Übertreibung
- Konzentration und gezielte Aufmerksamkeitslenkung
- Flow-Zustände im Musizieren erkennen, erreichen und stabilisieren
- Prävention musikerspezifischer Überlastungen (z. B. fokale Dystonie)
Praxisfokus: Effektiver üben, schneller lernen und mit mehr künstlerischer Freiheit musizieren
Zielpublikum
Instrumental- und Vokallehrpersonen, Musiker:innen
Leitung
Mischa Greull, Dozent Musikphysiologie, Prof. Major Horn
Daten/Zeiten
Mo, 1. Februar 2027
Mo, 8. Februar 2027
Mo, 8. März 2027
Mo, 15. März 2027
Mo, 22. März 2027
jeweils 18.00 bis 21.30 Uhr
Ort
Zürcher Hochschule der Künste, Toni-Areal
Kosten
CHF 850
Anmeldeschluss
Sonntag, 10. Januar 2027
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