Musikunterricht soll allen Menschen offenstehen – unabhängig von Alter, individuellen Voraussetzungen oder einer Behinderung. Musizieren ermöglicht die Erfahrung von gestaltetem Ausdruck, von Selbstwirksamkeit und kultureller Teilhabe. Eine Beeinträchtigung darf dabei kein Hindernis sein.
Lehrpersonen sind zunehmend gefordert, auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen ihrer Schüler:innen einzugehen. Bewährte Vermittlungsmethoden müssen differenziert, angepasst oder neu gedacht werden. Der instrumentale und vokale Einzelunterricht bietet hierfür besondere Chancen: Er ermöglicht es, individuelle Bedürfnisse wahrzunehmen, Ressourcen gezielt zu fördern und Lernwege flexibel zu gestalten und zu begleiten.
Dieser Baustein versteht ‘Inklusion’ nicht als Zusatzaufgabe, sondern als integralen Bestandteil qualitätsvoller Musikpädagogik. Er stärkt Lehrpersonen darin, musikalische Bildungsangebote so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen eine selbstverständliche und erfüllende Teilhabe am Musizieren erfahren können.
Inhalte
Dieser Weiterbildungs-Baustein widmet sich spezifischen Lern- und Entwicklungsbesonderheiten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Musikunterricht. Die Veranstaltung verbindet fachliche Vertiefung mit praxisnaher Begleitung. Die Verbindung von Theorie, Praxis und persönlicher Reflexion schafft einen geschützten Rahmen für professionelles Lernen und Austausch.
Plenumsveranstaltungen (4x 3 Std.) vermitteln Grundlagen, geben Einblicke in unterschiedliche Themenfelder und eröffnen Raum für gemeinsame Reflexion. Sie vermitteln einen ersten Einblick in an sich sehr komplexe Themenfelder, wie
- neuroentwicklungsbezogene Besonderheiten (z. B. ADHS/ADS, Autismus-Spektrum),
- Verzögerungen oder Beeinträchtigungen der kognitiven Entwicklung,
- Lernstörungen,
- motorische oder sensorische Beeinträchtigungen (z. B. Seh- oder Hörbeeinträchtigungen),
- Sprach- und Kommunikationsbesonderheiten,
- psychische oder emotionale Belastungen,
- besondere Begabungsprofile und asynchrone Entwicklungen,
- usw.
Individuelle Mentorate (2x 60 Min.) ermöglichen es, konkrete Unterrichtssituationen zu analysieren und weiterzuentwickeln. Im Zentrum der Diskussion der Treffen im Einzelsetting stehen einzelne Schüler:innen und die Weiterentwicklung des spezifischen Unterrichtssettings und Lernangebots. Vertraulichkeit, Schweigepflicht und Anonymisierung sind garantiert!
- Evaluation individueller Lernvoraussetzungen,
- Entwicklung differenzierter und den Ressourcen angepasster, didaktischer Strategien,
- Anpassung und Weiterentwicklung bewährter Unterrichtsmethoden,
- Gestaltung tragfähiger Lernbeziehungen,
- Reflexion der eigenen pädagogischen Haltung,
- usw.
Alle genannten Bereiche verstehen wir als Teil eines grossen Spektrums, welches das Individuum ausmacht, im Bewusstsein, dass es keine standardisierten Rezepte für das erfolgreiche Gestalten von Lernangeboten gibt. Unser Ziel ist es daher nicht, fertige Lösungen zu vermitteln, sondern zusammen mit den Teilnehmenden eine reflektierte, ressourcenorientierte Haltung zu entwickeln und in den individuellen Mentoraten konkrete Handlungsansätze für die Unterrichtspraxis einzelner Schüler:innen zu erarbeiten.
Zielpublikum
Der Kurs richtet sich an Instrumental- und Gesangslehrpersonen, die ihre Kompetenzen im Einzelunterricht individualisierend erweitern und im Sinne einer inklusiven Haltung vertiefen möchten.
Leitung
Prof. Edith Pia Stocker, Dozentin für Fachdidaktik, Pädagogik, Psychologie im Profil Musik und Bewegung / Schulmusik
Daten/Zeiten
Fr, 8. Januar 2027
Fr, 15. Januar 2027
Fr, 29. Januar 2027
Fr, 5. März 2027
jeweils 17.30 bis 21.00 Uhr
Die Termine für die beiden Mentorate werden individuell vereinbart.
Ort
Zürcher Hochschule der Künste, Toni-Areal
Kosten
CHF 850
Anmeldeschluss
Freitag, 11. Dezember 2026
→ Allgemeine Informationen zu den Bausteinen