In "machen denken - machend denkend" stellt Mina Karrer Pinsel her. Sie sammelt Materialien, dreht Holzstiele an der Drechselbank, bindet Borsten, malt. Ausgehend von Tim Ingolds "thinking through making" entstehen die Kapitel während dieses Herstellungsprozesses und tragen die Namen der Denkbewegungen: Sammeln, Drehen, Widersetzen, Erinnern, Gesten.
Denken im Machen ist dabei nicht nur anfängliches Konzept, sondern wird zur Methode. Sie versucht möglichst nahe am Material den Prozess des eigenen kunsthandwerklichen Arbeitens zu beobachten und als ein In-der-Welt-Sein zu praktizieren. Der Fokus richtet sich auf relationale Begebenheiten im Raum, den Einfluss von Materialien als Mitakteur*innen und verkörpertem Wissen.
Die Thesis bewegt sich zwischen Tagebucheinträgen, theoretischer Reflexion und Textanalyse und oszilliert zwischen Fragen aus Craft-Theorie, queerer Phänomenologie und Materialästhetik: Was bedeutet Wiederholen als Verlernen? Wer darf in der Werkstatt Platz einnehmen? Und wie kann ein nahes, materialgebundenes Arbeiten bestehende Dichotomien und Machtverhältnisse von innen heraus verschieben?
Die Pinsel, die dabei entstehen, haben Borsten auf beiden Seiten. Sie entziehen sich dem kontrollierten Malen. Wer hier wen führt, bleibt offen.