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    Vom Zeichnen

    Suchen und Auswählen

    Master Art Education - Kunstpädagogik

    Vom Zeichnen, Gianin Conrad, Zürcher Hochschule der Künste

    Markus Weggenmann habe ich vor ein paar Jahren flüchtig kennengelernt, weil er ein Haus in Cumbel, einem kleinen Dorf in der Surselva, besitzt. Darum sind wir uns bei mehreren regionalen Kulturveranstaltungen immer wieder begegnet. Markus bezeichnet sich selbst als jemanden, der sich für Farbe und Form interessiert. Der Grund meines Besuchs bei ihm im Atelier in Zürich Schwamendingen ist seine Ausstellung im Kunstmuseum Singen. In dieser Ausstellung wird sein Arbeitsprozess vom Suchen und Finden bis zu den fertigen Werken ersichtlich. Ungewöhnlich dabei ist, dass alles in der selben Ausstellung gezeigt wird. Er zeigt nicht entweder den Prozess oder das abgestimmte fertige Werk, sondern beides. Das hat stark mit der Methode zu tun wie Weggenmann zu seinen Inhalten und Sujets kommt. «Ich interessiere mich hauptsächlich für Farbe. Damit diese sich zeigen kann, so wie ich will, braucht sie aber auch eine Form und diese Farbformen will ich entwickeln», so Weggenmann. Dieses Entwickeln der Formen und Sujets nennt er seine Batterie. Unzählige A3 Papiere werden dabei direkt mit einem 3 cm Pinsel bearbeitet. Die Farbe hat er selber entwickelt. Viel Pigment und etwas Bindemittel auf wasserlöslicher Basis. Die Farben sind sehr deckend, leuchten satt und trocknen durch die verdichteten Pigmente sofort nach dem Auftragen. Beim Zeichnen – wie er seine Tätigkeit mit Pinsel und Farbe auf Papier nennt – versucht er keine Idee, kein Motiv umzusetzen. Eine Bewegung des Pinsels folgt einer anderen, bis sich dann doch eine Ahnung oder eine Idee einer Form einstellt. Er findet, «irgendwie ist man befangen und fällt ungewollt in Gewohnheiten zurück.» Weggenmann möchte mit seiner Methode sich selbst überraschen, Neues entwickeln. Dadurch, dass auch ich bei meinem Zeichnen oft mit Farbe arbeite, die ich mit dem Pinsel auftrage, fragten Besucher und Mentoren:innen, ob es sich dabei doch nicht eher um Malerei handle. Darum fragte ich auch Weggenmann, ob das, was er mache, nun Malerei oder Zeichnung sei. Ihm zufolge ist der Prozess des Zeichnens, den er als Batterie beschreibt, ein Vorgang des Suchens und Auswählens. Die Tätigkeit des Suchens mit Pinsel und Farbe verbindet Weggenmann eher mit dem Zeichnen. Er spricht dabei von einer «freien Assoziation». Weitere Schritte seines Arbeitsprozesses, in denen er eine solche Zeichnung mit Farbe und Form weiterverarbeitet und verdichtet, ist für ihn dann klar ein malerischer Anspruch. So entstehen bei Weggenmann hunderte Zeichnungen pro Monat, die er alle fotografisch dokumentiert und dann in Schachteln archiviert. Diese Zeichnungen werden in weiteren Schritten, durchgeschaut und verglichen. Dies geschieht physisch und digital. Bleibt sein Interesse an einer Zeichnung hängen wird diese umgesetzt. Dabei werden Fehler oder störende Elemente ausgemerzt. Diese Umsetzung ist teils analog auf Leinwand oder via Computer und Spritzwerk. Teils wechseln sich analoge und digitale Arbeit auch ab oder gehen Hand in Hand.

    Details

    • Disziplin

      Kunstvermittlung

    • Projekttyp

      Abschlussarbeit

    • Studienbereich

      Master Art Education - Kunstpädagogik

    • Autorinnen, Autoren

      Gianin Conrad

    • Datierung

      2026