«Ich habe mich für einen Marathon angemeldet!» «Also einen Halbmarathon?» Miriam Pablé untersucht in ihrer Masterarbeit ihr eigenes Marathontraining als körperliche, gesellschaftlich lesbare und künstlerisch begleitete Praxis. Die Arbeit untersucht, wie geschlechtsspezifische und leistungsbezogene Normen im Körper wirksam werden. Das Training wird dabei nicht als neutrale sportliche Tätigkeit verstanden, sondern als Feld von Leistung, Selbstbewertung, Zweifel, Schmerz und Kontrolle. Mit autoethnografischen und künstlerischen Praktiken – Sprechen, Schreiben und Malen – begleitet sie den Trainingsprozess. Dabei entstehen Audioaufnahmen, Tagebucheinträge und Malereien, die Erfahrung nicht nur dokumentieren, sondern selbst hervorbringen. Besonders interessieren sie Brüche, in denen das Leistungsnarrativ des Trainings instabil wird. In diesen Momenten werden Normen im Körper, in Sprache und in künstlerischer Praxis wahrnehmbar. Die Arbeit sucht keine Überwindung dieser Normen, sondern fragt nach temporären Verschiebungen im Verhältnis zu ihnen. Im Nachhinein zeigt sich besonders die Malerei als Raum, in dem Körpererfahrung anders aufgenommen und befragt werden kann. So wird das Marathontraining zu einem Erkenntnisfeld für Körper, Leistung, Geschlecht und künstlerische Praxis.