Genrefilme wie Horror und Komödie haben ein reichhaltiges Vokabular an Sounddesign-Praktiken entwickelt, das sowohl durch seine semantische Bedeutung als auch durch seine psychoakustischen Wirkungen bestimmt ist. Dieser Beitrag argumentiert, dass diese Praktiken analysiert und dekonstruiert werden können, um ihr Verhältnis zur semantischen und psychoakustischen Bedeutung sowie deren gegenseitige Beeinflussung zu verstehen. Indem die kontextunabhängigen Aspekte von ihren kontextabhängigen (semantischen) Gegenstücken isoliert werden, lassen sie sich anschließend auf realistisches Filmemachen übertragen, um den beabsichtigten affektiven Zustand, d. h. Angst und Lachen, zu erzielen.
Die praktische Anwendung dieser Praktiken auf zwei Kurzfilme, einen Horrorfilm und eine Komödie, zeigt, dass sich Horror aufgrund reflexhafter Reaktionen, die die Kognition umgehen, besser für kontextunabhängige Anwendungen von Sound eignet. Komödie hingegen ist enger an diese Semantik und an semantische Subversion gebunden, da der psychologische Mechanismus des Lachens ein kognitives Verständnis dieser Semantik voraussetzt, um Inkongruenzen zu erkennen.
Für die Sounddesign-Praxis bedeutet dies, dass es zwar gewisse Möglichkeiten gibt, Sounddesign-Praktiken kontextunabhängig anzuwenden, dass diese jedoch stets an die jeweilige Genresemantik gebunden bleiben, da es immer eines gewissen Maßes an Anpassung bedarf, um den beabsichtigten affektiven Zustand zu erreichen.
Weitere Forschung könnte aufzeigen, in welchem Maße sich diese kontextunabhängigen Praktiken auf andere Genres übertragen lassen und inwieweit Komödie auf der Subversion übergeordneter Filmsemantik beruht, die nicht genrespezifisch ist.