DIPLOMPROJEKT
Ich und/oder du befinden uns anderswo – dazwischen eine gedankliche und/oder räumliche Trennung. Durch die Entfernung fühlt sich die Welt unsicherer an: Wer bin ich? Kann man den eigenen Erinnerungen wirklich vertrauen? Und worauf basieren meine moralischen Werte? Viele verlässlich geglaubte Grundlagen wanken. Hier sind Menschen, die nicht mehr in der gleichen Realität leben wie zuvor. Und wahrscheinlich bleibt das erstmal so.
Mit diesem Themenkomplex im Kontext von Krieg, Demenz oder Exil beschäftigen sich Yuri Birte Anderson, Valeria Karelina, Roman Lykov und Marie Fuchs in ihrem Abschlussprojekt. So entsteht ein Dreiteiler über die Schwierigkeit des Lebens in Distanz zu sich und anderen – in drei sehr verschiedenen künstlerischen Zugriffen:
One Way Ticket (inszeniert von Roman Lykov)
«Du kannst dein Dorf verlassen, aber dein Dorf verlässt dich nicht.» (Sprichwort)
Vom Auto aus blicken wir auf eine große, weiße Statue. Die Landschaft zieht vorbei, so wie damals, in den Kleinbus-Sammeltaxis. Nächster Halt: Die Hauptstadt! Siehst du diese Gebäude? Da habe ich studiert, da wurde ich festgenommen, da habe ich die schönste Zeit meines Lebens verbracht. Es braucht immer viel Zeit, zu erklären, woher ich komme und was mich hierhin geführt hat. Warum ich jetzt nicht mehr dort bin.
MIT: Yuri Birte Anderson, Cornelia Dexl, Elias Khani-Alemouti, Roman Lykov
TEXT: Iryna Serebriakova
KOSTÜM: Glykeria Makrygianni
LIVE-VIDEO: Vadim Levin
SOUND DESIGN: Sulthan Butiku
CHOREOGRAPHIE: Valentina Zatevalneva
OUTSIDE EYE: Caleb Chan, Egle Svedkauskaite
EXTERNES MENTORAT: Dominic Huber
Entgleitungen (inszeniert von Valeria Karelina)
«Der tägliche Umgang mit ihm glich jetzt immer mehr einem Leben in der Fiktion.» Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil
Ein Blick zwischen uns. Auge zu Auge. Aber … Warum kommen meine Blicke nicht bei dir an? Unsere gemeinsame Realität bröckelt. Ich bemerke, wie du immer mehr und mehr deine Wahrnehmung für die Wirklichkeit verlierst. Wie du mich, dich und die Welt immer weniger erkennst. Wie dein Erinnerungsvermögen verschwindet. – Eine Suche von Valeria Karelina und Team um das Beieinandersein, wenn die gemeinsamen Wahrnehmungsgrundlagen bröckeln.
MIT: Yuri Birte Anderson, Moritz Andrea Bürge, Janna Rottmann
KOSTÜM: Salome König, Léna Morvant
SOUND DESIGN: Dennis Enke
UNTERSTÜTZT DURCH: Stiftung Anne-Marie Schindler
Traces of us / сліди від нас (inszeniert von Yuri Birte Anderson)
Yuri Birte Anderson und Antonina Krim haben jahrelang in Theaterprojekten zusammengearbeitet. Doch seit 2022 ist das nicht mehr möglich. Seit 2022 kämpft Antonina als ukrainische Soldatin im Angriffskrieg. Seit 2022 ist nur noch digitale Kommunikation möglich. Mittlerweile bestimmen Abwesenheit und Unsicherheiten diese freundschaftliche Arbeitsbeziehung. Wie umgehen mit diesem persönlichen und künstlerischen Verlust? Als Performerin startet Yuri einen Versuch, sich ihrem Gefühlskomplex zu widmen und die Unmöglichkeit eines gemeinsamen kreativen Schaffens zu befragen. – Ein Versuch, im Jetzt nach dem Möglichen im Unmöglichen zu suchen.
MIT: Yuri Birte Anderson, Antonina Krim
VIDEO-CREDITS: Zee Upitis
VIDEOPRODUKTIONSASSISTENZ: Caleb Chan
OUTSIDE EYE: Egle Svedkauskaite
EXTERNES MENTORAT: Barbara Sommer