Seit Stunden über den Tisch gebeugt, die Augen auf ein bedrucktes Stück Papier gerichtet. Die Nadel zieht den Faden durch die vorbereiteten Löcher, näht Papier an Papier. Meine Augen brennen. Mein Rücken hat sich verhärtet. Diese Verhärtung verkörpert die Geschichte des textilen Handwerks: Es wurde jahrhundertelang instrumentalisiert, um Weiblichkeit zu disziplinieren und zu formen – die stille und geduldige Frau, deren ‘Arbeit aus Liebe‘ natürlich erscheint. Doch das textile Handwerk kann neben dem Disziplinieren und Verhärten auch Erzählen und Aufweichen. Aufweichen wird hier als Möglichkeit verstanden fixierte und verhärtete Zuschreibungen zu öffnen.
Die Arbeit verbindet Strick- und Drucktechnik – fehlerhaft gestrickte Gewebe werden ge- druckt, zerschnitten, wieder zusammengenäht. Fehler entstehen bewusst: Knoten, Löcher, Laufmaschen. Sie unterbrechen die Performance normierter Weiblichkeit und eröffnen neue Möglichkeiten des Seins. Das wiederholende Machen und Auflösen der textilen Praxis verweigert Fixierung und Einengung.
Ich stricke, verhärte, mache Fehler, weiche auf, nehme mir dieses Recht auf Unabgeschlossenheit, auf Chaos, auf Möglichkeiten.