Inventionen

Eine Vortragsreihe des BA Medien & Kunst / Vertiefung Theorie und des Instituts für Theorie der Zürcher Hochschule der Künste in Kooperation mit dem eipcp in der Shedhalle Zürich.

Konzept und Koordination: Roberto Nigro und Gerald Raunig.



„Das Wesentliche einer Invention ist, die Verbindung von Kräften herzustellen, die vor der Invention einander entgegengesetzt waren. Die Invention ist eine Assoziation von Kräften, die sich an die Stelle einer Opposition oder sterilen Gegenüberstellung der Kräfte setzt.“

(Gabriel Tarde, L’opposition universelle)

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Das einflussreichste Theoriegefüge des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist in die Jahre gekommen: Entstanden im politischen Kontext und den sozialen Milieus der 1960er und 1970er Jahre, war der „Poststrukturalismus“ keine Schule, und seine ProtagonistInnen arbeiteten nicht notwendigerweise zu den selben theoretischen Fragen. Er war vielmehr eine intellektuelle Hochkonjunktur, die mit tiefgehenden Umformungen der Lebensstile und Wissensformen, mit neuen diskursiven Ordnungen und sozialen Praxen einherging.

Viele seiner bedeutenden AutorInnen, unter ihnen die Theorie-Stars Foucault, Deleuze und Derrida, sind heute nicht mehr am Leben. Umso leichter gelingt es in unterschiedlichen Zusammenhängen, ihre Theoriebildung zu vereinnahmen, zu dekontextualisieren, zu entpolitisieren, nach Jahrzehnten der Hegung an den subkulturellen Rändern politisch zu zerreiben oder zum faden akademischen Mainstream zu verharmlosen.

Die Veranstaltungsreihe Inventionen betreibt die Präsentation aktueller Positionen des „Poststrukturalismus“ wie auch den Versuch einer erneuten Neuzusammensetzung, Transversalisierung und Queerung seiner Ströme. Die Neuerfindung des Politischen und seiner Theorie wird vor allem und gerade in eben jenen Gefilden erprobt, in denen sie schon Jahrzehnte lang gedeiht: (queer-)feministische Praxis, kritische Migrationsforschung, kritische Kunst- und Wissensproduktion, soziale Bewegungen und ausserakademische Philosophie.

Vielleicht wird auf diesem Weg sogar das Label „Poststrukturalismus“, nie viel mehr als ein Hilfskonstrukt, um sehr verschiedene theoretische Strömungen zusammenzufassen, nach Jahren zunehmender Aushöhlung und Entleerung gänzlich obsolet und durch ein neues Begriffsgefüge ersetzt. Die Inventionen sollen Anstösse dafür entwickeln, diese Erfindung eines neuen Begriffsgefüges und seine Assoziation mit sozialen Praxen möglich werden zu lassen.

Konzepttext


13. Dezember 2001, 19:00 Uhr

Anne Querrien (Paris)
Ludger Schwarte (Düsseldorf)



8. November 2011, 19:00 Uhr

Thomas Hippler (Lyon)
Anne Sauvagnargues (Paris)



25. Oktober 2011, 19:00 Uhr

Klaus Neundlinger (Wien)
Paolo Virno (Rom)

"singulär - gemeinsam"

Klaus Neundlinger ist Philosoph und Übersetzer und lebt in Wien.
Paolo Virno ist Philosoph, er arbeitet an der Universität Rom.



3. Mai 2011, 19:00 Uhr


Sandro Mezzadra (Bologna)
Toni Negri (Paris / Venedig)

"Wiederaneignung ('Ceci est à moi')"

Sandro Mezzadra lebt und arbeitet in Bologna, wo er an der Fakultät für Politikwissenschaften die Geschichte der politischen Doktrinen lehrt.

Toni Negri ist Philosoph und Politikwissenschaftler, er lebt in Paris und Venedig.



5.
April 2011, 19:00 Uhr

Rita Casale (Köln)
Ida Dominijanni (Rom)

"Krisis"

Rita Casale ist Philosophin und Professorin für Allgemeine Erziehungs-wissenschaft / Theorie der Bildung an der Bergischen Universität in Wuppertal, sie lebt in Köln.

Ida Dominijanni ist Schrifstellerin, Philosophin und Journalistin bei "Il Manifesto", sie lebt in Rom.



7. Dezember 2010,
19:00 Uhr

Antke Engel (Berlin)
Jasbir Puar (New Jersey)

"Queer Assemblages"

Antke Engel ist Philosophin und Direktorin des Institute for Queer Theory in Berlin.

Jasbir Puar ist queere Theoretikerin und arbeitet an der Rutgers University, New Jersey.



9. November 2010
, 19:00 Uhr
Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Manchester)
Boyan Manchev (Sofia)

"Transversalität"

Encarnación Gutiérrez Rodríguez ist Soziologin und arbeitet an der University of Manchester.

Boyan Manchev ist Philosoph und arbeitet an der New Bulgarian University in Sofia.



12. Oktober 2010, 19:00 Uhr
Maurizio Lazzarato (Paris)
Stefan Nowotny (Wien)

"Das politische Ereignis"

Maurizio Lazzarato ist freischaffender Philosoph und Soziologe und lebt in Paris.

Stefan Nowotny ist Philosoph am European Institute for Progressive Cultural Policies (eipcp) in Wien.



18. August 2010,
13:00
Erin Manning (Montreal)
Brian Massumi (Montreal)

"Generating the Impossible"

Erin Manning ist Künstlerin und Theoretikerin an der Concordia University (Montreal, Canada).

Brian Massumi ist Philosoph und Übersetzer an der Université de Montréal.



6. Mai 2010, 19:30
Katja Diefenbach (Berlin)
Thomas Seibert (Frankfurt)

"Politics of Potentiality"

Thomas Seibert ist Philosoph und politischer Aktivist in Frankfurt.

Katja Diefenbach ist Advising Researcher an der Jan van Eyck Academie (Maastricht) und lebt in Berlin.



6. April 2010, 18:00
Isabell Lorey (Berlin)
Angela Mitropoulos (Sydney)

"Prekarität, Prekariat, Prekarisierung"

Isabell Lorey ist Politikwissenschafterin und Gastprofessorin an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Angela Mitropoulos ist Researcher an der Queen Mary, University of London und lebt in Sydney.



25. März 2010, 18:00
Roberto Nigro & Gerald Raunig (Zürich)
Judith Revel (Paris)

"Construire le Commun"

Judith Revel ist Philosophin und Übersetzerin, maître de conférences an der Universität Paris-I Sorbonne.

Roberto Nigro ist Philosoph und arbeitet am Institut für Theorie der ZHdK.

Gerald Raunig ist Philosoph, arbeitet an der Vertiefung Theorie der ZHdK und am eipcp.



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