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    1. Forschung
    2. Institute for Music Research
    Mehr zu: Institute for Music Research

    Das Institut

    IMR

      Als Forschungsinstitut an einer Kunsthochschule verstehen und gestalten wir Forschung primär anwendungsorientiert. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch in seinem musikalischen Tun. Unsere Hauptaufmerksamkeit gilt folglich den Musikstudierenden, Performer:innen und Musikpädagog:innen.

      Die verschiedenen Forschungsfelder des IMR untersuchen im Bereich der musikalisch-performativen Praxis den Prozess des Probens und Einstudierens, Konzertierens bzw. Interpretierens, Improvisierens und Komponierens. Zudem kann die Wirkung der entstandenen Musik auf Zuhörende Forschungsgegenstand sein. Weiter betrachten wir performative Handlungen im improvisatorischen Bereich und analysieren Musik im Kontext ihrer Entstehungsbedingungen. Im Bereich der musikalisch-pädagogischen Praxis fokussieren wir auf die Prozesse der Planung, Durchführung und Evaluation von Unterricht (Lehrprozesse) sowie auf die adaptive Gestaltung und Unterstützung von musikalischen Lernprozessen. Wir analysieren die fachdidaktische Aufbereitung musikalischer Inhalte sowie die Rahmenbedingungen einer optimalen Gestaltung von musikalischen Lehr-Lernprozessen. Beispiele hierfür sind kognitive, motorische, sozio-emotionale oder motivationale Entwicklungsniveaus beim Aufbau von musikalischen Kompetenzen.

      Diese Forschungsbemühungen dienen einerseits dazu, unseren Studierenden die berührende, begeisternde und existenzielle Erfahrung von Musik aller Epochen und deren Kontexte zu erschliessen. Andererseits sollen sie dadurch befähigt werden, diese Erfahrung ihrerseits in der Konzert- wie auch Unterrichtssituation vermitteln zu können. Weiter wollen wir mit unserer Arbeit eine solide und der individuellen Gesundheit zuträgliche Praxis des Musizierens und Unterrichtens fördern. So wollen wir die Erfolgschancen von Musiker:innen in einem hochkompetitiven und ökonomisch schwierigen nationalen wie internationalen Umfeld maximieren. Gleichzeitig reflektieren wir die gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen und Praktiken, in denen sie sich als Künstler:innen und Pädagog:innen bewegen.

      Eine besondere Stärke des IMR liegt in seiner transversalen Forschung. Sie entfaltet sich, wenn unterschiedliche Forschungsansätze in direktem Austausch stehen. Diese Ausrichtung stellt sicher, dass die Musiker:innen/Musikpädagog:innen und der gesamte Prozess des professionellen Musizierens und Unterrichtens multidimensional, das heisst aus verschiedenen disziplinären Perspektiven und mit einer Vielfalt an Methoden, untersucht werden. Dadurch sollen Erfolgspotenziale im Beruf von Musiker:innen und Musikpädagog:innen vervielfacht oder neu erschlossen sowie tradierte Praktiken bestätigt oder widerlegt werden. Unsere Forschungsarbeit trägt somit dazu bei, die komplexe Praxis der Musiker:innen und Musikpädagog:innen angemessen zu erfassen.

      Die Forschung am IMR findet seit seiner Gründung in Teams statt, die sich aus Wissenschaftler:innen verschiedener Disziplinen und aus Künstler:innen zusammensetzen. So sorgen wir nicht nur für einen hohen akademischen Forschungsstandard, sondern stellen auch sicher, dass sie für die Lehre und die künstlerische Praxis relevant ist. Musik sowie die Beziehungen zwischen Musiker:innen und Musikpädagog:innen sind komplex und facettenreich. Dementsprechend breit ist die über Jahrzehnte entstandene multi- und zum Teil interdisziplinäre Forschungsauffassung des IMR. Historische, musikphysiologische, musiktheoretische, musikpädagogische, ästhetische, musiktherapeutische und musiksoziologische Forschung sowie psychologische und naturwissenschaftliche Ansätze werden mit ihren vielfältigen Methoden parallel unter einem Dach betrieben. Unsere Forschungssystematik beruht auf drei Ansätzen. Sie können sich nacheinander oder parallel entfalten, nutzen jeweils eigene Methoden und bleiben dennoch durchlässig und im Austausch miteinander.

      •    Der erste Forschungsansatz untersucht Musik und deren Aufführungspraktiken im musikhistorischen und musikanalytischen Kontext. Unsere Ergebnisse vermitteln wir Studierenden und Dozierenden, Interpret:innen, Komponist:innen, Lehrpersonen und Forschenden sowie der interessierten Öffentlichkeit. Sie dienen als Anregung und Werkzeug für die tägliche Musik- und Unterrichtspraxis und deren Weiterentwicklung.

      •    Der zweite Forschungsansatz richtet den Blick auf die Praxis der individuellen Musiker:innen und Musikpädagog:innen. Er erforscht, wie sie ihr künstlerisches Wirken beim Komponieren, Improvisieren, Unterrichten oder Musizieren erleben, kontextualisieren und deuten.

      •    Der dritte Forschungsansatz greift diese praktischen Erfahrungen auf und untersucht sie wissenschaftlich weiter – etwa unter pädagogischen, physiologischen, psychologischen und musiktherapeutischen Aspekten, die die Praxis des Musizierens und Unterrichtens fördern oder behindern können. Er bietet also Erklärungen und Lösungsansätze für Fragen, die unmittelbar aus der Praxis entstehen.

      Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht die Notwendigkeit dieser transversalen Arbeitsweise: Der erste Forschungszugang liefert Erkenntnisse zur stilgerechten Intonationspraxis. Eine Violinistin nutzt dieses Wissen, um für ihre Abschlussprüfung ein Solo-Rezital vorzubereiten, das barocke Intonationskonzepte hörbar macht. Während der Vorbereitung bemerkt sie jedoch Unsicherheiten in Präzision und Stabilität ihrer Intonation. Weil Intonationskonzepte in der Praxis noch selten systematisch gelehrt und gelernt werden, kann sie diese Schwierigkeiten nicht einordnen, was zu wachsender Anspannung und übermässigem Üben führt. Hier setzt der dritte Forschungszugang an. Er untersucht die Grenzen der Intonationswahrnehmung, den Einfluss von Aufführungswiederholungen und Stressmanagement auf Bühnenangst sowie das Potenzial neuer Technologien, die Musiker:innen beim Erlernen differenzierter Intonationsvorstellungen unterstützen können. Im zweiten und dritten Forschungsansatz werden im Sinne einer evidenzbasierten Unterrichtspraxis die Gestaltung von Lernumgebungen in Bezug auf den Lerngegenstand «stilgerechte Intonationspraxis» untersucht und entwickelt. Dies hilft der zukünftigen Violinpädagogin, ihre Violinschüler:innen beim Aufbau einer kompetenten, stilgerechten Intonationspraxis zu unterstützen. Durch die Verbindung dieser Perspektiven – historisch informierte Aufführungspraxis, individuelle künstlerische Umsetzung sowie musikphysiologische, -psychologische und -pädagogische Forschung – entsteht ein umfassendes Verständnis musikalischer und musikpädagogischer Praxis.