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    Public Data Lab (PDL)

    Public Data Lab (PDL)
    Image rights: Public Data Lab; Creator: Paula Meyer-Clason, Fabian Pitzer
    • Leuchtturmprojekt 4: Künstlerische Verhandlung von Daten/-prozessen und Indikatoren

    Leuchtturmprojekt 4: Künstlerische Verhandlung von Daten/-prozessen und Indikatoren

    Die DIZH-Struktur Public Data Lab widmet sich dem Ziel, die Komplexität des sozialen Lebens im Kanton Zürich differenzierter zu erfassen und eine evidenzbasierte Grundlage für Policy-Making und politische Entscheidungen zu schaffen. Zugleich fördert das PDL die Auseinandersetzung mit der zunehmend prägenden Funktion, die Daten in der Lenkung von gesellschaftlichen Entwicklungen einnehmen.

    Der Beitrag von Kunst und Design fokussiert auf die kulturellen, ästhetischen und relationalen Dimensionen von Daten, sowie auf Schnittstellen zur Öffentlichkeit und die Schaffung von diversen, auch widerständigen Verhandlungsräumen. Das IfCAR leitet und koordiniert den künstlerischen und Design-orientierten Teil des PDL, der durch die spezifischen Zugänge und Interessen der Mitglieder der ZHdK-Kerngruppe geprägt wird.

    In der aktuellen Aufbauphase der Struktur werden Aktivitäten und Projekte seitens der ZHdK in Bezug auf vier Perspektiven entwickelt und durchgeführt, die auf grundlegenden Beobachtungen basieren und eng miteinander verknüpft sind:

    • Daten, Wissen, Macht
    • Datafizierung und ihre Grenzen
    • Daten und diverse Wissensformen
    • Daten, Infrastruktur, Care

    Die Digitalisierung und technologischen Innovationen der jüngeren Zeit stärken die Möglichkeiten, gesellschaftliches Leben und Entwicklungen quantitativ zu erfassen. Zugleich zeichnet sich eine zunehmende Polarisierung der öffentlichen Meinung zu statistischen Indikatoren und Daten ab. Während diese im Zusammenhang mit politischen Entscheidungen als neutrale Grundlage gelten, hat z.B. die Covid-Pandemie deutlich gemacht, dass sich nicht alle Mitglieder der Gesellschaft in Daten repräsentiert sehen. Neben einer internationalen Bewegung, die wissenschaftliche Erkenntnisse ohnehin anzweifelt, machen diverse Individuen und Communities darauf aufmerksam, dass ihre Lebensrealitäten in Daten zu wenig abgebildet sind. Auch aus historischer und theoretischer Sicht lässt sich argumentieren, dass offizielle Statistiken nicht nur Wissensgrundlagen, sondern selbst politische Akteure sind. Sie wirken in institutionalisierte Ordnungen hinein, strukturieren die gesellschaftliche Wahrnehmung, legitimieren Handlungslogiken und reproduzieren strukturelle Ausschlüsse.

    Die Produktion von Ausschlüssen ist über konkrete Machtverhältnisse hinaus auch auf die epistemischen Grenzen der Datafizierung zurückzuführen. Statistisch-wissenschaftliche Vorgehensweisen schaffen messbares, überprüfbares und vergleichbares Wissen über die Gesellschaft in der Tradition des positivistischen Wissens. Dieses Wissenssystem trifft dort an seine Grenzen, wo Mehrdeutigkeit und das Nicht-Kategorisierbare sichtbar werden oder wo sich Subjekte und Dynamiken einer Erfassung widersetzen.

    Vor diesem Hintergrund stellt das PDL die Frage nach einer produktiven Auseinandersetzung mit den Grenzen der Datafizierung. Kann Kunst hervorbringen, was offizielle Statistiken nicht zu fassen vermögen, vernachlässigen oder auch verdrängen? Welche Ansätze des produktiven Umgangs mit Unschärfe – etwa durch das Offenhalten von Mehrdeutigkeit, die Sichtbarmachung von Lücken sowie durch situierte und relationale Perspektiven – eröffnen sich hier? Und welche Erkenntnisse über die Gesellschaft entstehen, wenn in den Fokus genommen wird, was sich einer quantitativen Erfassung grundsätzlich entzieht?

    Mit diesen Fragen ist das Interesse für diverse Wissensformen und für Praktiken verbunden, die epistemische Routinen irritieren oder komplementieren. Können andere, z.B. multisensorische und subjektive, Formen des Erfassens alternative Narrative eröffnen und neue Möglichkeiten der Teilhabe schaffen, ohne sozialwissenschaftliche Erkenntnisse grundlegend in Frage zu stellen?

    Die Verhandlung diverser Wissensformen ist gerade auch in Hinblick auf die gesellschaftliche Beziehung zu statistischen Daten zentral. Auch wenn sie oft im Interesse der Öffentlichkeit erhoben und ausgewertet werden, erschliessen sich die mit Daten verbundenen Vorgehensweisen, Darstellungsformen und Aussagen längst nicht allen Mitgliedern der Gesellschaft. Es würde jedoch zu kurz greifen, dies lediglich auf ein Bildungsdefizit zurückzuführen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass neben der rational-analytischen diverse andere Perspektiven und Zugänge zur Welt gesellschaftlich verbreitet sind. Diese werden jedoch gerade im Zusammenhang mit den Interfaces statistischer Daten zur Öffentlichkeit kaum adressiert oder ausgelotet.

    In einem solchen Ausloten liegt das Potential, mehr diverse Anknüpfungspunkte zu entwickeln. Mit diesem Ziel fokussiert das PDL auch auf ästhetischen Formen der Aneignung von statistischen Daten, und nach Formen von sinnlichem, körperlichem und situativem Wissen. Wie können solche Wissensformen gerade auch in der Gestaltung von Interfaces mitverhandelt werden? Wie lässt sich das Spannungsverhältnis zu rational-analytischen Daten- und Informationsverarbeitung erfahrbar machen, sodass eine Reflexion davon in Gang kommt, welche Arten von Wissen gesellschaftlich legitimiert werden und welche ausgeblendet bleiben?

    Formen der Aneignung und Transformation können auch künstlerische Praktiken umfassen, die Daten/-prozesse hacken, «Nebeneffekte» erfahrbar machen oder Resonanzräume eröffnen. Damit werden Wissensformen hervorgebracht, die sich von standardisierten, wiederholbaren wissenschaftlichen Verfahren unterscheiden. Zudem wird hier erfahrbar, wie Daten und Indikatoren in materielle, institutionelle und soziale Infrastrukturen eingelassen sind und welche Relationen dadurch entstehen.

    Gerade im Zusammenhang mit der Aufmerksamkeit für Infrastrukturen treten auch künstlerische und gestalterische Care-Praktiken in den Fokus. Wie kann Wissen fürsorglich erzeugt, geteilt und eingesetzt werden? Care wird hier als epistemische Haltung verstanden, die Kontextsensibilität, Relationalität und Transformativität betont. Künstlerische Care-Wissenspraktiken stärken alternative Narrative und machen marginalisierte Perspektiven sichtbar. Sie antworten auf epistemische Leerstellen offizieller Statistiken, indem sie eigenständige Räume der Sichtbarkeit schaffen. 


    Projektleitung
     

    Marcel Bleuler

    Projektpartner

    Kerngruppe ZHdK: Marcel Bleuler (DFA), Sarah Owens (DDE), Sophia Prinz (DDE), Felix Stalder (DFA), Julia Weber (DFA)

    PDL Steuerungsausschuss: Ross Purves, Marcel Bleuler, Julia Weber, Andrea Schnell, Matthias Mazenauer, Marisol Keller
     


    Kooperationen

    DIZH-Struktur in Kooperation zwischen der UZH, der ZHdK, dem statistischen Amt des Kantons Zürich und dem Verein opendata.ch
    Veranstaltungspartner: Genossenschaft Kalkbreite
      

    Laufzeit
     

    2025-2029
      

    Weblink
     

    publicdatalab.ch