Túnel del viento in Puerto Rico
Neuer Windtunnel für Para la Naturaleza, Puerto Rico (seit Dezember 2025)
Im Dezember 2025 eröffnete Para la Naturaleza das neue «Centro de Percepción y Emisión de Señales» im Leuchtturm ihres Naturschutzgebiets «Cabezas de San Juan» (https://www.paralanaturaleza.org/centros/cabezas-san-juan), das in Zusammenarbeit mit dem fsp-t seit 2023 entwickelt wurde.
Im Rahmen der Eröffnung wurde ein neuer Windtunnel eingeweiht, eine künstlerische Dauerinstallation von Florian Dombois, Ale Hertell, Javier und Jaime Suárez. Der handbetriebene Tunnel in der Grösse eines Möbels wurde aus zahlreichen seltenen Hölzern gebaut, die Para la Naturaleza über viele Jahre gesammelt hat – aus Häusern der Kolonialzeit oder aus den Trümmern nach dem Hurrikan Maria: Guayacán, Ausubo, Teak u. a. Es handelt sich um historisch aufgeladene Materialien, deren Baumringe bis in die Zeit vor der Ankunft von Kolumbus zurückreichen.
Der «Túnel de viento» lädt das Publikum dazu ein, das Unsichtbare zu studieren, seien es atmosphärische Phänomene, die Wirkung der Hölzer aus Kolonialzeiten oder archäologische Reminiszenzen.
Der Windtunnel befindet sich in der ehemaligen Ölkammer des Leuchtturms, die einst gebaut wurde, um die Energie für das Orientierunglicht direkt darüber bereitzustellen. Er ist als kreisförmiges Möbelstück konstruiert, das sich an die runde Form des Leuchtturms anpasst, der das Zentrum des gesamten Gebäudes bildet. Der Ventilator des Windtunnels ist nach Nordosten ausgerichtet, während sich der Testbereich im Westen befindet. Der Ventilator wird über eine Handkurbel und einige Zahnräder betrieben, sodass die Besucher:innen die Windgeschwindigkeit durch das Drehen der Zahnräder selbst steuern können. Das Interesse liegt hier bei den langsamen Winde, daher ist keine schnelle Kurbelbewegung notwendig.
Es ist ein Ort der Kontemplation, in dem ein Teppich ausgelegt ist, damit die Menschen sich hinsetzen können.
Im Kontext: Situiert im Naturreservat Cabezas de San Juan
Der historische Leuchtturm von Cabezas de San Juan wurde zu einem Ort des Austauschs und der Begegnung umgestaltet – einem Raum, der dazu einlädt, Landschaft, Biodiversität und kulturelles Erbe auf neue Weise zu sehen und zu hören. Im Zentrum stehen vier neue Ausstellungen, die den Leuchtturm als lebendiges Archiv sowie als kreative und wissenschaftliche Plattform weiterentwickeln. Besucher:innen sind eingeladen, den Raum zu erkunden und sich auf Perspektiven einzulassen, die sowohl spielerisch als auch tiefgründig zum Nachdenken über Naturschutz heute anregen.
Situiert in einem Naturreservat, welches stets starken Naturphänomenen ausgesetzt ist, ist der Windtunnel mehr als nur eine Metapher für die unterschiedlichen Arten wie Wind den Menschen und ihrer Umwelt im Alltag begegnet. Im «Centro de Percepción y Emisión de Señales» soll eine mehr-als-menschliche, situierte sowohl kritisch-diskursive als auch körperliche Auseinandersetzung mit dem Wind ermöglicht werden.
Die ehemalige Brennkammer liegt etwa 3 Fuß unter der Erde, was bedeutet, dass der Windtunnel unterirdisch liegt. Dies lässt eine Verbindung zu den alten menschlichen Siedlungen in der Region Las Cabezas de San Juan anklingen – sei es zur Taíno-Kultur oder zu noch früheren Kulturen. Ein technisches Detail: In den Konstruktionsmaßen wurde sowohl Zentimeter als auch Fuß verwendet – eine Kombination, die sich überall im Leuchtturm findet und seine beiden kolonialen Geschichten aufruft: die spanische (metrische) und die US-amerikanische (angloamerikanische Maßeinheiten).
Der Windtunnel ist ein künstlerisches Konzept, das je nach (materiellem und immateriellem) Kontext sowie je nach den Personen, die ihn bauen, unterschiedliche Formen und Bedeutungen annimmt. Viele Faktoren beeinflussen seine endgültige Form: das verfügbare Material, das die Künstler:innen zwang, Maße und Formen anzupassen; der kreative Prozess selbst; und die Menschen, denen die Künstler:innen auf dem Weg begegneten und die zum Projekt beitrugen. Er ist ein Feld aus Kräften und Einflüssen, durch das wir uns in seiner Entstehung navigiert haben.
Jeder Windtunnel weist entlang der Richtung, in der der Wind strömt, variable Durchmesser auf, um Turbulenzen zu kontrollieren. Dieser Windtunnel verändert sich jedoch nur auf einer Seite, sodass er wie die Hälfte eines Windtunnels erscheint – und die obere Hälfte dazu gedacht werden muss.
Der Windtunnel im Leuchtturm ist der erste, den in einer von Hurrikans betroffenen Region gebaut wurde. Es ist also durchaus passend, Raum für Vorstellungskraft und Denken oberhalb des Kanals zu lassen, oder?
Text: Auszüge von der Website Para La Naturaleza sowie aus dem Booklet (siehe aufgeführte Links).
Túnel del viento Booklet: PDF















