Customizing. Konfigurationen medialer Anpassung
Playlists, Feeds, Therapien, Interfaces und demnächst auch schulisches Lernen: Immer öfter sind Medien, Produkte und Dienstleistungen auf uns persönlich zugeschnitten. Wir wählen, justieren, filtern, „tweaken“ – und bewegen uns dabei in einer Welt, die sich scheinbar immer passgenauer an unsere Wünsche anschmiegt. Was zunächst nach Freiheit und Komfort klingt, verändert jedoch tiefgreifend unsere Wahrnehmung, unser Handeln und unser Verhältnis zu anderen. Wer ein Video auf TikTok wegwischt, weil es nicht den eigenen Interessen entspricht, trifft eine kleine, scheinbar harmlose Entscheidung. Doch genau solche Gesten trainieren eine Medienumgebung, die uns immer seltener mit dem konfrontiert, was fremd, irritierend, unangenehm oder widersprüchlich ist. Customizing verspricht Selbstbestimmung – und führt doch zunehmend zu einer schleichenden Verengung des Horizonts.
Das Internationale Jahrbuch für Medienphilosophie und Medienästhetik widmet sich in seiner neuesten Ausgabe diesem ambivalenten Phänomen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass sich mit generativer KI und datengetriebener Personalisierung ein grundlegender Wandel vollzieht: Der Mensch agiert weniger als Produzent, sondern zunehmend als Kurator, Care-Taker und Beurteiler dessen, was technische Systeme hervorbringen. Handeln wird zur Be-handlung – von Medien, Inhalten und nicht zuletzt des eigenen Selbst. Der Band fragt, welche ästhetischen, sozialen, politischen und epistemischen Folgen diese Formen medialer Anpassung haben. Hat Customizing kritisch-emanzipatorisches Potential, etwa als Korrektur normierender Standards? Und ab wann wird es zum Katalysator von Vereinzelung, Echokammern und dem Verlust des öffentlichen Raums?
Herausgegeben von Beate Ochsner und Markus Rautzenberg