Ausgangslage der Masterarbeit von Larissa Hafner ist das Unbehagen bei ihren Waldspaziergängen, ausgelöst durch die schwindende Artenvielfalt im Anthropozän. Es ist das Gefühl, „landkrank“ zu sein – eine vom Soziologen Nicolaj Schultz geprägte Metapher für die schwindelerregende Handlungsohnmacht des Individuums angesichts der Klimakrise.
Bei ihren ästhetischen Erkundungen spürt Hafner der Zeit um die Jahrhundertwende nach, als Künstler:innen sich verstärkt der Natur zuwandten. Über die Erforschung der Pflanzenornamentik des 19. und 20. Jahrhunderts sucht sie nach Wegen, um dem Gefühl konstruktiv begegnen zu können. Die Arbeit schlägt dabei eine Brücke zur kunstpädagogischen Praxis: Es gilt, ein Bewusstsein für die Dramatik der Gegenwart zu schaffen, ohne in Handlungsunfähigkeit zu verfallen. Die gewonnenen Erkenntnisse äussern sich in einer gedanklichen Ausbildung der Linea Vitalis (lat. Lebensader), welche Hafner in einen Zustand des Mit-Werdens versetzt. Die Installation zeigt Reproduktionen von Tapeten um 1900, die das Publikum für die schwindende Artenvielfalt sensibilisieren soll.