ZDOK.16

Die Wiederherstellung von vergangenen Ereignissen, um sie filmisch festzuhalten, hat im Dokumentarfilm eine lange Tradition. An der Tagung ZDOK.16 werden unterschiedliche Spielformen von Reenactment sowohl aus der Macher/innen-Perspektive als auch aus theoretischer Sicht zur Diskussion gestellt.

 

 Wie war es damals?

DIE MANNS – EIN JAHRHUNDERTROMAN von Heinrich Breloer

Von der offenen Form zum Dokudrama

Der deutsche Autor und Regisseur Heinrich Breloer zeichnet in seinem Vortrag die Entwicklung des Dokudramas nach, die er in seinen Filmen seit den achtziger Jahren vollzogen hat. Der vielfache Adolf-Grimme-Preisträger brachte seine Methode unter anderem in den grossen Mehrteilern DAS TODESSPIEL (1997), DIE MANNS (2001) und SPEER UND ER (2004) zur Geltung.

Vortrag | Heinrich Breloer

 Was wäre wenn? 

CLEVELAND VS WALL STREET von Jean-Stéphane Bron

Wenn Filmschaffende den Prozess selber machen

Nach langen Recherchen zu einem Prozess, den die Stadt Cleveland gegen Banken der Wall Street angestrebt hatte, stellte Jean-Stéphane Bron fest, dass die Gerichtsverhandlungen nie stattfinden würden, weil die Banken mit ihren Staranwälten immer wieder neue Möglichkeiten der Verhinderung finden würden. Der Schweizer Filmemacher entschloss sich, den Prozess zu inszenieren. Das Resultat heisst CLEVELAND VERSUS WALL STREET. In seinem Vortrag analysiert Bron sein Vorgehen.

Vortrag | Jean-Stéphane Bron

 Wie fühlt es sich an?

ANDERSON von Annekatrin Hendel

Der Verräter in der exakt wiederhergestellten Wohnung

Die Berliner Filmemacherin Annekatrin Hendel setzt ihren Hauptprotagonisten Sascha Anderson, Popstar und gleichzeitig heimlicher Verräter der ehemaligen DDR Künstlerszene, einer besonderen Art von Reeanctment aus. Die Fragen des Filmes: Was ist echt?, was ist Legende?, wie funktioniert Täuschung und Manipulation?, wie enthüllt sich doppeltes Spiel?, wie gehen wir damit um? sind nicht nur Gesprächsinhalt in Annekatrin Hendels Film. In einem von der Außenwelt abgeriegelten Studio, ist eine Kulisse gestellt, die wie im Spielfilm vorgibt, ein realer Raum zu sein. In ANDERSON zeigt sich das Reenactment somit vorwiegend über das Szenenbild, während die Filmemacherin einem Hauptprotagonisten begegnet, der zwei Leben führte.

Vortrag | Annekatrin Hendel

 Was ist wirklich?

DIE MOSKAUER PROZESSE von Milo Rau

Vom traumatischen Raum zum Möglichkeitsraum    

Der Vortrag des vielfach preisgekrönten Schweizer Regisseurs Milo Rau führt, entlang den Theater- und Filmprojekten (DIE MOSKAUER PROZESSE | DIE LETZTEN TAGE DER CEAUSESCUS) in die Arbeit des «International Institute for Political Murder» (IIPM) ein und zeichnet anhand praktischer Beispiele die Funktionsweisen seines «Neuen Realismus» nach.

Vortrag | Milo Rau

 Wie weit kann man gehen?

THE ACT OF KILLING von Joshua Oppenheimer

Bis es weh tut: Selbstentlarvung als Methode

Live Video-Gespräch: Der zweimal Oscar-nomminierte amerikanische Filmemacher Joshua Oppenheimer spricht mit Sabine Gisiger und Christian Iseli über seine Arbeitsmethode bei THE ACT OF KILLING und THE LOOK OF SILENCE. Er geht insbesondere auf die Strategie ein, Massenmörder ihre eigenen Grausamkeiten reinszenieren zu lassen. Wegen zu engem Terminplan kann Joshua Oppenheimer nicht selbst nach Zürich kommen und stellt sich deshalb einem einstündigen Skype-Gespräch. Als Bonus erhalten die angemeldeten ZDOK-Teilnehmer/innen einen Online-Zugang zu Oppenheimers Filmen. Neben THE ACT OF KILLING und THE LOOK OF SILENCE sind insgesamt sechs weitere frühere Werke des ausserordentlichen Filmemachers zu sehen.

Live-Gespräch | Joshua Oppenheimer

 Wie machen es die Schweizer?

DER KREIS von Stefan Haupt

Dokudrama CH

Das Dokudrama hat sich auch in der Schweiz sowohl bei den Kinofilmen wie auch im Fernsehen als erfolgreich erwiesen. In einer Podiumsdiskussion beurteilen Stefan Haupt (DER KREIS), Nathalie Rufer (stellvertretende Bereichsleiterin Dokumentarfilm und Reportage) und Werner Schweizer (VERLIEBTE FEINDE) die Chancen des Genres und geben Einblick in Machart und Wirkung der diskutierten Filme. Nathalie Rufer wird anhand des Films DER LANDESVERRAT (Hans-Jürg Zumstein) speziell auf produktionelle Bedingungen und die Publikumswirkung von Dokudramen beim SRF zu sprechen kommen.

Podium II | Stefan Haupt | Nathalie Rufer | Werner Schweizer

 Was kommt in der Schweiz neu heraus? 

CHRIS THE SWISS von Anja Kofmehl

Kreative Potentiale CH

Ihre Filme sind gerade fertig geworden oder sind noch im Entstehen. Drei Schweizer Filmemacherinnen berichten über ihren Zugang zu Reenactment. Podiumsdiskussion mit Anja Kofmel (CHRIS THE SWISS), Dominique Margot (LOOKING LIKE MY MOTHER) und Natalie Pfister (FAMILIENBRUCHSTÜCK).

Podium IAnja KofmelDominique MargotNatalie Pfister

 

 

Tagungsort

Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Theater der Künste / Bühne A
Gessnerallee 9
8001 Zürich