ZDOK.17               30. / 31. März 2017

Das Gefühl, mit dabei zu sein: ZDOK.17 fragt nach dem immersiven Potential unterschiedlicher dokumentarischer Herangehensweisen. Im Vordergrund stehen Methoden, die für sich eine besondere Nähe zur Wirklichkeit in Anspruch nehmen: Die beobachtende Haltung in der Tradition des Direct Cinema sowie dokumentarische 360°-Videos oder Virtual Reality (VR).
 

 «The Feeling of Being There«

Seitdem die Zuschauer erschraken, als im Film L'arriveé du train (Gebrüder Lumiere, 1895) ein Zug auf sie zufuhr, bleibt die Auflösung der Grenze zwischen dargestellter und selbsterlebter Wirklichkeit eines der grundlegen Ziele des Filmschaffens. Auch im Dokumentarfilm wurde diesem Phänomen immer wieder starke Aufmerksamkeit geschenkt. Besonders euphorisch immer dann, wenn technische Innovation die Nähe zur Wirklichkeit scheinbar kleiner werden liess. Als die Aufzeichnungsgeräte mit Synchronton anfangs der sechziger Jahr portabel wurden, suchten die Pioniere des Direct Cinema den möglichst direkten Zugang zur Realität. Sie verzichteten wenn immer möglich auf Interviews und auf Kommentare und verschrieben sich der Beobachtung ohne Einflussnahme. Es ging darum, den Zuschauern das Gefühl zu vermitteln mit dabei zu sein, «the feeling of being there», wie es Direct-Cinema-Legende Richard Leacock ausdrückte.

 «Als wären Sie live dabei» 

Seit ein paar Jahren führen 360°-Videos, die vorzugsweise in interaktiven Virtual-Reality-Brillen angeschaut werden und deshalb auch VR-Videos genannt werden, zu einer ähnlich begeisterten Aufbruchsstimmung wie damals, als die portablen Kameras und Synchrontongeräte aufkamen. Tatsächlich ermöglichen sie ein bisher noch nie dagewesenes Wirklichkeitserlebnis. Mit einer VR-Brille ausgerüstet, können die Zuschauer umherblicken und autonom entscheiden, welche Teile der abgebildeten Realität für sie interessant sind. Die Tageszeitung Blick, die – wie viele andere Printmedien zuvor auch – vor kurzem 360°-Videos auf ihrer Online-Plattform anbietet und VR-Brillen aus Karton an die Leser verteilt, beschreibt die Wirkung denn auch mit den Worten "... als wären Sie live dabei!" Neben der weitverbreitenden Anwendung im Journalismus hat 360°-Video/VR auch im künstlerischen Dokumentarfilm Fuss gefasst. VR-Anwendungen werden seit ein paar Jahren zu einem festen Bestandteil internationaler Festivals.

  Weitere Infos demnächst hier auf www.zdok.ch

ZDOK.17 ist eine Zusammenarbeit des Forschungsschwerpunkts Filmder Fachrichtung Film und der Fachrichtung
Cast / Audiovisuelle Medien der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK.  
Medienpartner: SRF DOK.
Online-Anmeldung ab Januar 2017. Kontakt: zdok.info(at)zhdk.ch