Museum neu denken: Digitales Lernen mit historischen Objekten
Was zunächst wie ein typisch schweizerisches Objekt erscheint, offenbart bei genauerem Hinsehen komplexe Verflechtungen: Eine Appenzeller Pfeife erinnert an Alpenromantik, erzählt aber auch von Tabakhandel mit der Karibik, kolonialen Zusammenhängen und «erfundenen Traditionen» der Schweiz. Doch wie können solche verborgenen Verbindungen für Schüler:innen sichtbar und erlebbar werden?
Im Forschungsprojekt «Geschichte(n) für die globale Gegenwart» wurden historische, didaktische, kuratorische und gestalterische Expertisen miteinander verknüpft, um eine neue Form der digitalen Geschichtsvermittlung zu entwickeln. Zentrale Methode ist das «kuratorische Lernen». In einem virtuellen Museum können Schüler:innen stöbern, Sammlungsobjekte von allen Seiten betrachten, skurrile Analysegeräte ausprobieren, formale Zusammenhänge entdecken, Begriffe nachschlagen oder sich von sprechenden Pflanzen überraschen lassen. Dabei befragen sie die Sammlungsobjekte eigenständig, stellen sie in neue Kontexte und lernen etwas über die globalen Herkünfte der Gegenwart.
Zum Schluss tragen die Schüler:innen ihre Recherche in einer eigenen Ausstellung zusammen. Dabei geht es auch um die Frage von Gestaltung: Wie werden über die räumliche Anordnung und Inszenierung von Objekten, Bildern und Texten relationale Zusammenhänge sichtbar? Und was ist der Vorteil einer solchen Konstellation gegenüber linearen Narrativen?
«Wir können nicht einfach so mit dem Geschichtsbild aus dem 19. Jahrhundert weiterarbeiten», so Sophia Prinz, Projektleiterin und Professorin für Designtheorie und Geschichte an der ZHdK. Die zentrale Frage lautet: Wie können Geschichtsunterricht und Museen so gestaltet werden, dass globale und transkulturelle Beziehungen sichtbar und marginalisierte Stimmen hörbar werden? Durch gezielte Hinweise und spannende Aufgaben gelangen Schüler:innen selbst zu eigenen Erkenntnissen. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung historischer Fakten, sondern auch um eine bestimmte Haltung im Umgang mit Geschichte, um das Denken in Beziehungen und Zusammenhängen.