Ästhetik@Subversion 2010

Mittwoch, 8. Dezember 2010, 19:00 Uhr
Brigitta Kuster (Berlin)

Widerstand und Specularities im kolonialen Diskurs


Mit der Exposition Coloniale Internationale, Paris 1931 erlebte der höchst ambivalente modernistische koloniale Diskurs um einen «colonialisme de progrès» seinen Höhepunkt. Der Vortrag, der das Konzept des «exhibitionary complex» (Tony Bennett) diskutiert, zeichnet die Ambivalenzen zwischen «citoyen» und «Sujet» nach, die sich innerhalb der Anrufung der «Plus Grande France» auf der Kolonialausstellung ergeben und – so die These – das Feld des Sichtbaren durchziehen. Dabei wird anhand von zeitgeössischen Fotos und Polizeiakten die Spur des sich formierenden Widerstands, insbesondere der auf der Ausstellung beschäftigten «indigènes» aufgenommen und in ein Feld von /specularities/ eingeschrieben.

Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich, Raum SQ 504, 5.OG
www.zhdk.ch



Mittwoch, 24. November 2010, 19:00 Uhr
Marc Herbst (Los Angeles) / Christina Ulke (Los Angeles)

Aesthetics and Protest

The editors of the Journal of Aesthetics & Protest come from California, a far-away diseased patient clamoring with ideas. Editing in dialog with local and international theoretical strains while committed to a cultural and DIY position, our perspective is contingent. We will present the buffeting of social practice in the weakness of California Sunshine and the waves of contemporary post-fordist economies and how our critical reflections shape our participation in the current University of California struggles and wider political and cultural dialogs.
http://www.journalofaestheticsandprotest.org


Vortrag in englischer Sprache.

Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Förrlibuckstrasse 62, 8005 Zürich, 2. OG, Foyer
www.zhdk.ch


Mittwoch, 10. November 2010, 19:00 Uhr
Zoe Romano (Mailand)

Fighting precarity with imagination

Chainworkers is a collective that merged labour activism with media activism. We started agitating in the year 2000, inspired by the movement of Seattle and No Logo by Naomi Klein to fight against new forms of exploitation and control brought by labor reforms and experimenting new ways of action and  communication. Our struggles against precarity has always been characterized by an extensive use of images mostly subverting existing popular culture traditions to penetrate the italian mediascape.


Vortrag in englischer Sprache.

Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich, Raum SQ 504, 5.OG
www.zhdk.ch


Montag, 1. November 2010, 18:00 Uhr / 20:00 Uhr
Oreet Ashery (London) / Roee Rosen (Jerusalem)

Every Alter Ego has a Different Memory

Oreet Ashery is a Jerusalem born, London-based, interdisciplinary visual artist working across performance, photography, video, objects and writing. Ashery’s performative practice engages with socio-political paradigms and tends to include participatory and delegated elements. Ashery frequently produces work as a male character. These characters have included an orthodox Jewish man, an Arab man, a black man, a Norwegian postman, a large farmer, a false messiah. Ashery is interested to expand the language of art in relation to other disciplines, and to further explore the relationships between various modes of production.

Doubled Self, Doubled Subversion

Roee Rosen will show a selection of works through which the motif of the doubled voice, the identity that negates and subverts itself, becomes a multilayered battleground wherein the private and the public, the political and the erotic, the ironic and the sincere all collide, A special emphasis will be paid to humor as a subversive mode within this context.


Vorträge in englischer Sprache.

White Space
Militärstrasse 76, 8004 Zürich
www.whitespace.ch

Oreet Ashery, After Duchamp, 2000


Mittwoch, 13. Oktober 2010, 19:30 Uhr
Stefan Nowotny (Wien) / Gerald Raunig (Zürich)

Kunst der Kritik

Michel Foucault hat die Frage nach der Kunst der Kritik mit dem viel erörterten Diktum «die Kunst nicht so regiert zu werden» beantwortet - und damit zugleich eine bestimmte Perspektive auf die Verknüpfung von Kritik und Politik eröffnet. Ausgehend von einem solchen Verständnis von Kritik werden kritische Haltung und kritische Praxis in diesem Band einerseits von ihrem Verhältnis zur Regierung, zur «politischen Ordnung» und den sie stabilisierenden Kräften her gedacht, und zugleich andererseits von der Kunst des Nicht-so-regiert-Werdens, von einer Notwendigkeit, in der Kunst der Kritik die Potenziale des Politischen neu und anders zu aktualisieren.
Birgit Mennel / Stefan Nowotny / Gerald Raunig (Hg.), Kunst der Kritik, Wien: Turia+Kant 2010


Buchhandlung im Volkshaus
Stauffacherstrasse 60, 8004 Zürich
www.helvetiabuch.ch

Mittwoch 19. Mai 2010, 19:00 Uhr
Konrad Becker (Wien)

Von Taktik zu Strategie - Schlüssel nachhaltiger Subversion

Strategie wird oftmals dargestellt als würde sie sich auf eine Position der Macht beziehen, mit einem isolierten Territorium und einem deutlichabgegrenztem Anderem, als ob Strategie an sich konservativ wäre und aufmarginale Praxen heterogener Agenten von Veränderung nicht anwendbar. Wennaber das Konzept des Territoriums von absoluten Räumen (wie Mauern, Brücken,Strassen, Bergen oder Landesgrenzen) auf die relationale Raum-Zeit dessubjektiven Erlebens ausgedehnt wird, umfasst es auch Träume, Erinnerungen,Frustrationen, Sehnsüchte und Phantasmen. Die langfristigen Wirkungslinienverdeckten Imagineerings und der Technologien der Vorstellungskraft reichenweit über unmittelbare taktische Interventionen oder ihre dekorativenAneignungen hinaus. Strategien der Veränderung und der Beeinflussungrelationaler Raum-Zeit in der Informations-Matrix verwandeln Potenzialekognitiver Arbeit in strategische Realitäten.

Corner College
Perla-Mode, Langstrasse 84 / Brauerstrasse 37, 8004 Zürich
www.corner-college.com


Mittwoch 5. Mai 2010, 19:00 Uhr
Eva Paulitsch / Uta Weyrich

No stories videos – eine künstlerische Feldforschung

Die künstlerische Arbeitsweise des binationalen Künstlerteams Eva Paulitsch und Uta Weyrich (Österreich/Deutschland) besteht im Zerlegen, Sortieren und Untersuchen von ganz besonderem Filmmaterial- von Handyfilmen, die sie seit vier Jahren im öffentlichen Raum sammeln und in einem Archiv chronologisch einordnen.

Diese bizarre Sammlung entwickelt sich immer mehr zu einem faszinierenden Zeitdokument, zu einer eine Art Spurensicherung und Verortung der Gegenwart und ist die Basis ihrer künstlerischen Auseinandersetzung über Massenmedien und Trends und deren Einfluss auf sämtliche Bereiche der Gegenwartskultur.Die Filme als Indikator und Stellvertreter für gesellschaftliche Entwicklungen, Tendenzen und Diskurse wie  Bild/Medienpolitik, Alltagskulturen, Rollenmodelle, Gender, Urbanität, Web2.0, glokale Kulturen und mediatisierte Identitäten. Damit einhergehend:  stellen Handyfilme geeignete Werkzeuge dar die Welt abzubilden?

An diesen Abend werden die beiden Künstlerinnen ihr Archiv öffnen und Einblicke in das gesammelte Filmmaterial ermöglichen. Die Besucher werden animiert sich mit ihrem potentiellen know-how und der eigenen Wahrnehmung dem Phänomen Handyfilm kritisch und spielerisch auseinanderzusetzen.

Mehr Infos unter www.pw-videoblog.de

Corner College
Perla-Mode, Langstrasse 84 / Brauerstrasse 37, 8004 Zürich
www.corner-college.com


Mittwoch 14. April 2010, 19:00 Uhr
Cornelia Sollfrank (Hamburg/Dundee)

Kunst als Anti-Copyright-Aktivismus

Um immaterielle Güter vermarkten zu können, müssen sie über Urheber-, Marken- und Patentrecht abgesichert werden. Kein Wunder also, dass das Konzept des „geistigen Eigentums“ sich als zentrale Kategorie der Knowledge Economy etabliert hat. Doch mit der Forcierung der geistigen Eigentumsrechte in den letzten 15 Jahren sind auch die Paradoxe, die dieses Konzept hervorbringt, deutlich geworden: Während der Eigentumsbegriff einerseits dazu dient, sich Legitimität zu borgen von dem quasi „natürlichen“ Recht auf materielles Eigentum, gerät seine konsquente Durchsetzung zunehmend in Konflikt mit einer anderen zentralen Kategorie der Knowledge Economy: Kreativität. Insbesondere Künstler/-innen, die auf den Collage-Methoden der Moderne aufbauend, mit Hilfe von Computer und Internet Material „appropriieren“ und modifizieren, geraten zunehmend in innere und äußere Konflikte. In der Grauzone, die da immer schon bestanden hat, verschiebt sich der Ausgleich zwischen künstlerischer Freiheit und dem Schutz von geistigen Eigentumsrechten immer mehr zugunsten der Rechteinhaber – nicht selten Medienunternehmen.

Vor diesem Hintergrund hat sich unter vielen Künstler/-innen eine grundsätzliche Urheberrechtsfeindlichkeit breit gemacht. Schlagworte wie „Copyleft“, „Copywrong“, „Free Culture“, Konzepte wie die „Creative Commons“ und andere freie Lizenzen, und eine romatische Heldenverehrung von „Piraten“ formieren sich zu einer Art „Gegenbewegung“ zum geistigen Eigentum. Cornelia Sollfrank geht diesen Phänomenen auf den Grund. Als Künstlerin und Forscherin arbeitet sie praktisch und theoretisch zum Thema Kunst und Urheberrecht. Neben der Werkreihe zu den Warhol Flowers, die sie ausführlich vorstellen wird, hat sie zu Wiederholung und Re-enactment gearbeitet sowie zu Reproduktion und Bildrechten. Juristische Probleme werden performativ thematisiert und zu Material und Gegenstand ihrer Kunst. In der ansonsten von Juristen und Politikern dominierten Diskussion vesteht sie ihren Ansatz als einen explizit emanzipatorischen, künstlerisch-experimentellen Beitrag.

Shedhalle
Rote Fabrik
Seestrasse 395
8038 Zürich
www.shedhalle.ch


Mittwoch 31. März 2010, 20:30 Uhr
Christian Schmidt (Leipzig/Berlin)

Die zwei Seiten der PubliCity: Zum Verhältnis zwischen Street Art, Stadtpolitik und Stadtmarketing im Postfordismus

Anfang des neuen Jahrtausends gesellten sich zu den bereits bekannten Graffiti der Writer-Szene neue künstlerische Ausdrucksformen an den Wänden der europäischen Metropolen. Diese Installationen, Cut-Outs, Skulpturen, Posters, Stickers und Stencil Graffiti wurden bald unter dem Namen "Street Art" bekannt.

Ein enormer medialer Hype um diese neuartige Kunstform setzte daraufhin ein. Unzählige Zeitungsartikel, Fernsehreportagen und Bildbände versuchen bis heute, einen Mehrwert aus der Beschäftigung mit dem Phänomen zu schlagen. Nicht selten befeuern sie die mediale Verwertung immer wieder selbst, indem sie Street Art mit Etiketten wie "subversiv", "rebellisch" oder gar "widerständig" belegen. Etiketten, die nicht selten über die Oberflächlichkeit der Auseinandersetzung mit diesem Phänomen hinweg zu täuschen versuchen und kaum analytische Tiefe besitzen.

Mit dem Buch "Street Art. Legenden zur Straße", das im August 2009 im Verlag des Archiv der Jugendkulturen erschien, wollen die beiden HerausgeberInnen Katrin Klitzke und Christian Schmidt dieser Entwicklung entgegen steuern. Sie plädieren für eine differenzierte und multiperspektivische Betrachtung von Street Art. Ihr Buch versammelt künstlerisch-literarische Beiträge von Street Artists und analytische Essays junger WissenschaftlerInnen und bietet so "Legenden" in einem doppelten Sinne: Als Erzählungen von der Straße und als Erklärungsangebote für die Straße. www.jugendkulturen.de

Paranoia City Buchhandlung
Ankerstrasse 12, 8004 Zürich
www.paranoiacity.ch


Mittwoch 10. März 2010, 19:00 Uhr
Jens Kastner (Wien)

An die Wand!
Aufstand, Subversion und die kulturelle (Wieder-)Aneignung des Politischen

In der südmexikanischen Stadt Oaxaca, Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, bestimmte in der zweiten Jahreshälfte 2006 ein Aufstand das politische, kulturelle und soziale Leben. Nachdem die von breiten Teilen der Bevölkerung unterstützte Erhebung Ende November mit Hilfe der Bundespolizei brutal niedergeschlagen worden war, gehörte es zu einer der ersten Maßnahmen der Behörden, alle Graffiti und Spuren von Street Art an den Wänden des historischen Zentrums und weit darüber hinaus zu übermalen. War die politische Wandmalerei zu subversiv?

Dass nicht jede Äußerung an den Wänden des öffentlichen Raumes diesen erst als emanzipatorischen konstituiert oder subversiv in ihn interveniert, lässt sich gerade in Mexiko zeigen, wo die politische Wandmalerei („Muralismus“) durchaus staatstragende und tourismusanziehende Funktionen erfüllt (hat). Dennoch zeugen auch diese bemalten Wände von der Geschichte der Involviertheit künstlerischer Praktiken in jene sozialer Bewegungen – eine Geschichte, die die akademische Kunstgeschichte bis heute weitgehend ignoriert.
Entgegen dieser Ignoranz ebenso wie gegenüber einem linken Euphorismus, der in jedem Wandbild Akte kreativer Subversion entziffert, gilt es, sich auf die Suche nach Kriterien für das Subversive der Kunst zu machen. Repression, wie das behördliche Übermalen von Bildern, kann ein solches Kriterium kaum sein. Man findet sie eher in der Beantwortung der Frage, wie sich Formen der „Insurrektion“ (Negri) mit dem Kampf um das „kollektive Unbewusste“ (Bourdieu) verknüpfen.

Corner College
Perla-Mode, Langstrasse 84 / Brauerstrasse 37, 8004 Zürich
www.corner-college.com

"Arte Jaguar", Oaxaca, Mexiko (Foto: Jens Kastner)



Mittwoch 3. März 2010, 19:00
Anja Kanngieser (Hamburg)

Pirates, pools and politics: creative experiments as radical politics

Over the past decade an experimental mode of radical politics has been appearing within the German radical left. This mode of “performative encounter” comprises a participatory, creative praxis that, through its affective qualities, mobilises its constituents into collective action and exchange. It uses tactics of humour, play, jokes, hoaxes, image subversion, over-affirmation and collective appropriation to create transversal links between “activists” and “nonactivists”, “artists” and “nonartists”, sparking transformations of singular and collective subjectivities, relations and worlds.

In this seminar I will introduce the campaigns and activities of five collectives: Berlin and Hamburg Umsonst, the Transnational Republic, the Bundesverband Schleppen und Schleusen and Meine Akademie. Through a critical analysis of these campaigns I show how their encounters responded to conditions associated with contemporary capitalism: the privatisation of public resources and spaces; the precarity of life and labour; the crisis of the nation-state and citizenship; human mobility; and the corporatisation of higher education. I will analyse how these encounters fostered spaces for political conversation and contestation beyond traditional activist or artist spheres. By considering the aesthetic and creative characteristics of the encounter through a critical political and philosophical lens, this seminar will illustrate one of the ways in which creative expressions and tools can facilitate new radically political spaces and relationships without a reduction of such strategies to the impotent dichotomies of art or politics.

Vortrag in englischer Sprache.

Infoladen Kasama
Militärstrasse 87a, 8004 Zürich
www.kasama.ch



Mittwoch, 13. Januar 2010, 19:00 Uhr
Dmitry Vilensky, Chto Delat (Petersburg)

Dialectics of Subversion / Subverting Dialectics

Chto delat (Was tun?) ist eine Gruppe von KünstlerInnen, KritikerInnen und PhilosophInnen aus Petersburg, Moskau und Nizhny Novgorod, die versucht, politische Theorie, Kunst und Aktivismus zu verknüpfen und damit eine Repolitisierung des intellektuellen Lebens in Russland zu erreichen. In den letzten Jahren hat die Gruppe in verschiedensten Kunstinstitutionen an Ausstellungen teilgenommen (zuletzt im Vanabbe-Museum in Eindhoven und bei der Istanbul Biennale), Performances und Videos produziert und vor allem durch ihre Zeitung internationale Beachtung gefunden. Im Rahmen von Ästhetik@Subversion wird Dmitry Vilensky die Arbeiten und Projekte der Gruppe präsentieren. www.chtodelat.org

Vortrag in englischer Sprache.

Shedhalle
Rote Fabrik
Seestrasse 395
8038 Zürich
www.shedhalle.ch

Chto delat? #03- 27: The Great Method