ZDOK.13

Wahrhaftigkeit dank Bildmanipulation?

Der international bekannte Schweizer Dokumentarfilmer Christian Frei zeigt anhand seiner Filme SPACE TOURISTS (CH 2009) und THE GIANT BUDDHAS (CH 2005) wie er CGI (Computer Generated Imagery) eingesetzt und welche Bedeutung die digitale Bearbeitung in seinem Schaffen hat.


Darf man das?  > Lange Zeit galt die Manipulation von Bild- und Tonmaterial innerhalb des Dokumentarfilms als nicht vertretbar, weil dadurch das Abbild und damit der Bezug zur Wirklichkeit auf unzulässige Weise verändert würde. Seit Mitte der Neunziger Jahre ist jedoch ein Paradigmenwechsel in der Haltung gegenüber digitaler Bearbeitungsmethoden zu beobachten.

Digitaler Pragmatismus  > An der Tagung ZDOK.13 werden Fragen der digitalen Gestaltung aus unterschiedlicher Perspektive diskutiert und problematisiert. 
Übergreifend steht die Frage im Vordergrund, inwiefern sich die digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten auf Ästhetik, Wahrnehmung und Authentizität von Dokumentarfilmen auswirken.

Digital überall: Effekt- und Look-Kontrolle von der Kamera bis zur Postproduktion

Hansjürg Zumstein, Redaktor beim Schweizer Fernsehen SRF, erläutert seine Arbeitsweise und visuelle Gestaltung beim Dokumentarfilm DER ERZWUNGENE RÜCKTRITT (CH 2012), bei dem er umfangreiche digitale Nachbearbeitungen auch von Archiv- und Newsbildern angewendet hat.

Töne aus dem Gestaltungslabor

Anhand einer Filmszene eines Kino-Dokumentarfilms demonstrieren der Geräuschemacher und Sound-Designer Peter Bräker und der Musiker und Komponist Balz Bachmann die Nähe und die kreative Verwandtschaft von Sound Design und Musik.

Der Schweizer Dokumentarfilmer Maurizius Staerkle-Drux zeigt live, wie filmische Narration massgeblich über die digitale Tonspur konstruiert werden kann.

Balz Bachmann, Peter Bräker, Maurizius Staerkle-Drux

Soundtrack Strategies

Lena Müller and Dragan von Petrovic will demonstrate how they built the sound track of their documentary DRAGAN WENDE - WEST BERLIN (Germany/Serbia 2013) and how, despite adverse shooting conditions, made the sound design an important factor of their film’s dramaturgical structure. (> English)

Their new documentary DRAGAN WENDE – WEST BERLIN won awards for Best Documentary at the Max Ophüls Preis in Saarbrücken and at the Trieste Film Festival in 2013.

Phänomene der Digitalisierung

Theoretische Beiträge zum Einfluss der digitalen Gestaltungsmittel auf den Dokumentarfilm treten mit den Präsentationen aus der Praxis in einen Dialog. Namhafte Forschende aus dem In- und Ausland geben Einblick in ihre Arbeit:

Visual Effects und Sound Design: Wahrnehmung und Gestaltung 
Barbara Flückiger, Professorin am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich, geht in ihrem Referat übergreifend auf die Wahrnehmungsgrundlagen und die Wirkungen von Visual Effects und Sound Design ein. Visuelle und auditive Wahrnehmung unterscheiden sich grundlegend sowohl in ihren physiologischen und psychologischen Voraussetzungen wie auch durch die kulturellen Funktionen, die sie ausüben. Das hat weit reichende Konsequenzen für die technologischen und ästhetischen Möglichkeiten von Visual Effects und Sound Design.

Trau-Schau-Wem: Wie die digitale Gestaltung hoffähig wurde
Kay Hofmann, Studienleiter Wissenschaft am Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart, wirft einen Blick auf die Entwicklung digitaler Methoden im Dokumentarfilm ab Anfang der Neunziger Jahre und untersucht, inwiefern sich in der Haltung der Filmschaffenden zu digitalen Gestaltungsmitteln ein Paradigmenwechsel vollzogen hat.

Composing with Reality: Digital Sound and Music in Documentary Film
Holly Rogers, a Senior Lecturer in Music at the University of Liverpool, will explore the authenticity, spontaneity and naturalism of documentary that makes use of digital soundscape composition and music. Locating the moments when actuality sound moves into the realm of music will allow us to identify a move between hearing and listening which suggests the emergence of new modes of documentary. 

Holly Rogers, Kay Hoffmann, Barbara Flückiger

Einführungsreferat und Moderation

Die Tagung ZDOK beginnt traditionellerweise mit dem Einführungsreferat des ZDOK-Leiters Christian Iseli:

Wennschon, dennschon: der digitalisierte Dokumentarfilm
Der Profilleiter Realisation Dokumentarfilm im Master of Arts in Film und Leiter des Forschungsschwerpunkts Filmwissen/Filmerfahrung an der ZHdK, führt aus einer praxisnahen Perspektive in das digitale Gestaltungsspektrum von Dokumentarfilmen ein.

Die Moderation der Diskussionen übernehmen die Mitglieder der ZDOK-Redaktion:
Sabine Gisiger, Marille Hahne und Christian Iseli

Sabine Gisiger, Marille Hahne, Christian Iseli

Tagungsort

Vortragssaal
Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Ausstellungstrasse 60
8005 Zürich


Kontakt
Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Fachrichtung Film / ZDOK
Postfach / 8031 Zürich
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Tel + 41 (0)43 446 31 14