Ästhetik@Subversion

 



Die Reihe wird im Herbstsemester 2010 fortgesetzt. Angaben zu den Veranstaltungen folgen demnächst.



Archiv:


Mittwoch 19. Mai 2010, 19:00 Uhr
Konrad Becker (Wien)

Von Taktik zu Strategie - Schlüssel nachhaltiger Subversion

Strategie wird oftmals dargestellt als würde sie sich auf eine Position der Macht beziehen, mit einem isolierten Territorium und einem deutlichabgegrenztem Anderem, als ob Strategie an sich konservativ wäre und aufmarginale Praxen heterogener Agenten von Veränderung nicht anwendbar. Wennaber das Konzept des Territoriums von absoluten Räumen (wie Mauern, Brücken,Strassen, Bergen oder Landesgrenzen) auf die relationale Raum-Zeit dessubjektiven Erlebens ausgedehnt wird, umfasst es auch Träume, Erinnerungen,Frustrationen, Sehnsüchte und Phantasmen. Die langfristigen Wirkungslinienverdeckten Imagineerings und der Technologien der Vorstellungskraft reichenweit über unmittelbare taktische Interventionen oder ihre dekorativenAneignungen hinaus. Strategien der Veränderung und der Beeinflussungrelationaler Raum-Zeit in der Informations-Matrix verwandeln Potenzialekognitiver Arbeit in strategische Realitäten.

Corner College
Perla-Mode, Langstrasse 84 / Brauerstrasse 37, 8004 Zürich
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Mittwoch 5. Mai 2010, 19:00 Uhr
Eva Paulitsch / Uta Weyrich

No stories videos – eine künstlerische Feldforschung

Die künstlerische Arbeitsweise des binationalen Künstlerteams Eva Paulitsch und Uta Weyrich (Österreich/Deutschland) besteht im Zerlegen, Sortieren und Untersuchen von ganz besonderem Filmmaterial- von Handyfilmen, die sie seit vier Jahren im öffentlichen Raum sammeln und in einem Archiv chronologisch einordnen.

Diese bizarre Sammlung entwickelt sich immer mehr zu einem faszinierenden Zeitdokument, zu einer eine Art Spurensicherung und Verortung der Gegenwart und ist die Basis ihrer künstlerischen Auseinandersetzung über Massenmedien und Trends und deren Einfluss auf sämtliche Bereiche der Gegenwartskultur.Die Filme als Indikator und Stellvertreter für gesellschaftliche Entwicklungen, Tendenzen und Diskurse wie  Bild/Medienpolitik, Alltagskulturen, Rollenmodelle, Gender, Urbanität, Web2.0, glokale Kulturen und mediatisierte Identitäten. Damit einhergehend:  stellen Handyfilme geeignete Werkzeuge dar die Welt abzubilden?

An diesen Abend werden die beiden Künstlerinnen ihr Archiv öffnen und Einblicke in das gesammelte Filmmaterial ermöglichen. Die Besucher werden animiert sich mit ihrem potentiellen know-how und der eigenen Wahrnehmung dem Phänomen Handyfilm kritisch und spielerisch auseinanderzusetzen.

Mehr Infos unter www.pw-videoblog.de

Corner College
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Mittwoch 14. April 2010, 19:00 Uhr
Cornelia Sollfrank (Hamburg/Dundee)

Kunst als Anti-Copyright-Aktivismus

Um immaterielle Güter vermarkten zu können, müssen sie über Urheber-, Marken- und Patentrecht abgesichert werden. Kein Wunder also, dass das Konzept des „geistigen Eigentums“ sich als zentrale Kategorie der Knowledge Economy etabliert hat. Doch mit der Forcierung der geistigen Eigentumsrechte in den letzten 15 Jahren sind auch die Paradoxe, die dieses Konzept hervorbringt, deutlich geworden: Während der Eigentumsbegriff einerseits dazu dient, sich Legitimität zu borgen von dem quasi „natürlichen“ Recht auf materielles Eigentum, gerät seine konsquente Durchsetzung zunehmend in Konflikt mit einer anderen zentralen Kategorie der Knowledge Economy: Kreativität. Insbesondere Künstler/-innen, die auf den Collage-Methoden der Moderne aufbauend, mit Hilfe von Computer und Internet Material „appropriieren“ und modifizieren, geraten zunehmend in innere und äußere Konflikte. In der Grauzone, die da immer schon bestanden hat, verschiebt sich der Ausgleich zwischen künstlerischer Freiheit und dem Schutz von geistigen Eigentumsrechten immer mehr zugunsten der Rechteinhaber – nicht selten Medienunternehmen.

Vor diesem Hintergrund hat sich unter vielen Künstler/-innen eine grundsätzliche Urheberrechtsfeindlichkeit breit gemacht. Schlagworte wie „Copyleft“, „Copywrong“, „Free Culture“, Konzepte wie die „Creative Commons“ und andere freie Lizenzen, und eine romatische Heldenverehrung von „Piraten“ formieren sich zu einer Art „Gegenbewegung“ zum geistigen Eigentum. Cornelia Sollfrank geht diesen Phänomenen auf den Grund. Als Künstlerin und Forscherin arbeitet sie praktisch und theoretisch zum Thema Kunst und Urheberrecht. Neben der Werkreihe zu den Warhol Flowers, die sie ausführlich vorstellen wird, hat sie zu Wiederholung und Re-enactment gearbeitet sowie zu Reproduktion und Bildrechten. Juristische Probleme werden performativ thematisiert und zu Material und Gegenstand ihrer Kunst. In der ansonsten von Juristen und Politikern dominierten Diskussion vesteht sie ihren Ansatz als einen explizit emanzipatorischen, künstlerisch-experimentellen Beitrag.

Shedhalle
Rote Fabrik
Seestrasse 395
8038 Zürich
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Mittwoch 31. März 2010, 20:30 Uhr
Christian Schmidt (Leipzig/Berlin)

Die zwei Seiten der PubliCity: Zum Verhältnis zwischen Street Art, Stadtpolitik und Stadtmarketing im Postfordismus

Anfang des neuen Jahrtausends gesellten sich zu den bereits bekannten Graffiti der Writer-Szene neue künstlerische Ausdrucksformen an den Wänden der europäischen Metropolen. Diese Installationen, Cut-Outs, Skulpturen, Posters, Stickers und Stencil Graffiti wurden bald unter dem Namen "Street Art" bekannt.

Ein enormer medialer Hype um diese neuartige Kunstform setzte daraufhin ein. Unzählige Zeitungsartikel, Fernsehreportagen und Bildbände versuchen bis heute, einen Mehrwert aus der Beschäftigung mit dem Phänomen zu schlagen. Nicht selten befeuern sie die mediale Verwertung immer wieder selbst, indem sie Street Art mit Etiketten wie "subversiv", "rebellisch" oder gar "widerständig" belegen. Etiketten, die nicht selten über die Oberflächlichkeit der Auseinandersetzung mit diesem Phänomen hinweg zu täuschen versuchen und kaum analytische Tiefe besitzen.

Mit dem Buch "Street Art. Legenden zur Straße", das im August 2009 im Verlag des Archiv der Jugendkulturen erschien, wollen die beiden HerausgeberInnen Katrin Klitzke und Christian Schmidt dieser Entwicklung entgegen steuern. Sie plädieren für eine differenzierte und multiperspektivische Betrachtung von Street Art. Ihr Buch versammelt künstlerisch-literarische Beiträge von Street Artists und analytische Essays junger WissenschaftlerInnen und bietet so "Legenden" in einem doppelten Sinne: Als Erzählungen von der Straße und als Erklärungsangebote für die Straße. www.jugendkulturen.de

Paranoia City Buchhandlung
Ankerstrasse 12, 8004 Zürich
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Mittwoch 10. März 2010, 19:00 Uhr
Jens Kastner (Wien)

An die Wand!
Aufstand, Subversion und die kulturelle (Wieder-)Aneignung des Politischen

In der südmexikanischen Stadt Oaxaca, Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, bestimmte in der zweiten Jahreshälfte 2006 ein Aufstand das politische, kulturelle und soziale Leben. Nachdem die von breiten Teilen der Bevölkerung unterstützte Erhebung Ende November mit Hilfe der Bundespolizei brutal niedergeschlagen worden war, gehörte es zu einer der ersten Maßnahmen der Behörden, alle Graffiti und Spuren von Street Art an den Wänden des historischen Zentrums und weit darüber hinaus zu übermalen. War die politische Wandmalerei zu subversiv?

Dass nicht jede Äußerung an den Wänden des öffentlichen Raumes diesen erst als emanzipatorischen konstituiert oder subversiv in ihn interveniert, lässt sich gerade in Mexiko zeigen, wo die politische Wandmalerei („Muralismus“) durchaus staatstragende und tourismusanziehende Funktionen erfüllt (hat). Dennoch zeugen auch diese bemalten Wände von der Geschichte der Involviertheit künstlerischer Praktiken in jene sozialer Bewegungen – eine Geschichte, die die akademische Kunstgeschichte bis heute weitgehend ignoriert.
Entgegen dieser Ignoranz ebenso wie gegenüber einem linken Euphorismus, der in jedem Wandbild Akte kreativer Subversion entziffert, gilt es, sich auf die Suche nach Kriterien für das Subversive der Kunst zu machen. Repression, wie das behördliche Übermalen von Bildern, kann ein solches Kriterium kaum sein. Man findet sie eher in der Beantwortung der Frage, wie sich Formen der „Insurrektion“ (Negri) mit dem Kampf um das „kollektive Unbewusste“ (Bourdieu) verknüpfen.

Corner College
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"Arte Jaguar", Oaxaca, Mexiko (Foto: Jens Kastner)



Mittwoch 3. März 2010, 19:00
Anja Kanngieser (Hamburg)

Pirates, pools and politics: creative experiments as radical politics

Over the past decade an experimental mode of radical politics has been appearing within the German radical left. This mode of “performative encounter” comprises a participatory, creative praxis that, through its affective qualities, mobilises its constituents into collective action and exchange. It uses tactics of humour, play, jokes, hoaxes, image subversion, over-affirmation and collective appropriation to create transversal links between “activists” and “nonactivists”, “artists” and “nonartists”, sparking transformations of singular and collective subjectivities, relations and worlds.

In this seminar I will introduce the campaigns and activities of five collectives: Berlin and Hamburg Umsonst, the Transnational Republic, the Bundesverband Schleppen und Schleusen and Meine Akademie. Through a critical analysis of these campaigns I show how their encounters responded to conditions associated with contemporary capitalism: the privatisation of public resources and spaces; the precarity of life and labour; the crisis of the nation-state and citizenship; human mobility; and the corporatisation of higher education. I will analyse how these encounters fostered spaces for political conversation and contestation beyond traditional activist or artist spheres. By considering the aesthetic and creative characteristics of the encounter through a critical political and philosophical lens, this seminar will illustrate one of the ways in which creative expressions and tools can facilitate new radically political spaces and relationships without a reduction of such strategies to the impotent dichotomies of art or politics.

Vortrag in englischer Sprache.

Infoladen Kasama
Militärstrasse 87a, 8004 Zürich
www.kasama.ch



Mittwoch, 13. Januar 2010, 19:00 Uhr
Dmitry Vilensky, Chto Delat (Petersburg)

Dialectics of Subversion / Subverting Dialectics

Chto delat (Was tun?) ist eine Gruppe von KünstlerInnen, KritikerInnen und PhilosophInnen aus Petersburg, Moskau und Nizhny Novgorod, die versucht, politische Theorie, Kunst und Aktivismus zu verknüpfen und damit eine Repolitisierung des intellektuellen Lebens in Russland zu erreichen. In den letzten Jahren hat die Gruppe in verschiedensten Kunstinstitutionen an Ausstellungen teilgenommen (zuletzt im Vanabbe-Museum in Eindhoven und bei der Istanbul Biennale), Performances und Videos produziert und vor allem durch ihre Zeitung internationale Beachtung gefunden. Im Rahmen von Ästhetik@Subversion wird Dmitry Vilensky die Arbeiten und Projekte der Gruppe präsentieren. www.chtodelat.org

Vortrag in englischer Sprache.

Shedhalle
Rote Fabrik
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8038 Zürich
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Chto delat? #03- 27: The Great Method


Mittwoch, 9. Dezember 2009, 18:00 Uhr
Klaus Theweleit (Freiburg)

"Open up your mind":
San Francisco Comix Underground 

Den halluzinatorisch-aufgeklärtesten Blick auf die Welt der zweiten Hälfte des 20. Jhds., vor allem die amerikanische Welt und ihre Verrücktheiten, entfaltete in den 60er Jahren eine eng verbundene Gruppe amerikanischer Comiczeichner in San Francisco. Was Robert Crumb, Bill Griffith, Kim Deitch, Gilbert Shelton, Jay Lynch, Art Spiegelman, Clay Wilson und ca. 20 weitere Zeichner (und bald auch Zeichnerinnen wie Trina Robbins) in dieser Stadt ab Mitte der 60er Jahre aufs Papier der von ihnen selbst produzierten und vertriebenen DIN A 5-Hefte, zuerst s/w und dann auch farbig, bringen, kann man heute als eine Sammlung ziemlich aller Verletzungen geltender Tabus (auch der zeichnerischen Tabus) ansehen, die bis dahin - vor allem für die Darstellung des Sexuellen in Amerika bestanden.

Als "Amerikas einzige wirkliche Revolution des 20. Jhds." hat Patrick Rosenkranz in seinem Buch Rebel Visions die Arbeit dieses SF Comic Underground bezeichnet. Die Comics bewirkten genau, was sie hatten bewirken wollen: sie rissen alle Formen sexueller Restriktionen rapide ein; nicht nur für die Generation der direkt Beteiligten in San Francisco, unzureichend bezeichnet mit Hippies; eine Kultur notorischer Drogenesser, die im Zuge der Auflösung konditionierter Körpergrenzen und Persönlichkeitsstrukturen auch die Struktur des Liebesobjekts auflöste; personaler Besitzanspruch im Sexuellen verschwand für ca. ein Jahrzehnt aus dem Verhaltensrepertoire eines Teils der ersten Nachkriegsgeneration Amerikas; insgesamt verstanden als große Öffnung. "Open up your mind": einer unzensierten Darstellung aller denk- und undenkbaren Formen des Sexuellen sowie der Lebensformen überhaupt. Der sexualkundlich psychiatrische Begriff der "Perversion" wurde seinem (leider noch nicht endgültigen) Untergang zugeführt.

Vom homosexuellen bzw. transvestitischen Personal des New Yorker Underground, zeitgleich zentriert in der Andy Warhol Factory - in den im Vortrag Abstecher unternommen werden - wurde gesagt, er habe America entscheidend geholfen, seinen Puritanismus loszuwerden (to get rid of it's puritanism - auch das leider nicht endgültig). In eher noch stärkerem Maß trifft diese Zuschreibung für den San Francisco Comix Underground zu.

Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich
Raum SQ 504, 5.OG
www.zhdk.ch

Robert Crumb's Sex Obsessions



Mittwoch, 25. November 2009, 18:00 Uhr
Joachim Baur (Berlin)

BESCHLAGNAHMT: Rolf Heissler
Objekte aus dem Gefängnis

(Vortrag zur Ausstellung im Corner College)

Rolf Heißler war Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF). In den 22 Jahren seiner Haft von 1979-2001 wurde seine Post überwacht, knapp 2000 Sendungen wurden beschlagnahmt. In ausgewählten Objekten zeigt die Ausstellung von Joachim Baur den Kampf um Kontrolle und die Kommunikation und Projektion unter den Bedingungen der Isolation. Sie wirft damit einen anderen Blick auf die lange Geschichte der Konfrontation von RAF, Staat und politischer Bewegung.

Ausstellung vom 25. bis 27. November 2009.

Corner College
Perla-Mode, Langstrasse 84 / Brauerstrasse 37, 8004 Zürich
www.corner-college.com

Artefakt aus der Sammlung


Donnerstag, 22. Oktober 2009, 18:00 Uhr
Friedemann Derschmidt/Karin Schneider (Wien)

Permanent Breakfast -
das immerwährende Frühstück im öffentlichen Raum

Permanent breakfast ist eine Kunstaktion, die vor 13 Jahren als Kette (Pyramidenspiel) von Wien seinen Ausgang nahm und seither in über 30 Ländern der Welt praktiziert wird: Jemand lädt zum Frühstück an einem schön gedeckten Tisch im öffentlichen Raum. Passant_innen werden eingeladen und mit den Spielregeln vertraut gemacht, die vor allem darin bestehen, selbst alsbaldig ein solches Frühstück zu organisieren. Das Frühstück wird jeweils von den Einladenden finanziert und den Geladenen geschenkt.

Diskutieren wollen wir, wie sich Fragen von Nutzung und Umnutzung des öffentlichen Raumes mit dem "tool" permanent breakfast vermitteln und ob über diese künstlerischen Praxen die politischen, sozialen, ökonomischen (etc.) Parameter verändert werden können, die den öffentlichen Raum bestimmen.

White Space – Office for Curating/Art/Theory
Militärstrasse 76, 8004 Zürich
www.whitespace.ch


Mittwoch, 14. Oktober 2009, 18:00 Uhr
Ursula Biemann (Zürich)

Gegengeografien

Anlässlich der Ausstellung „Videogeografien“ stellt die Künstlerin ihre investigative Videopraxis zur Diskussion, die sich im unbenannten Intervall zwischen Kunst, Politik und Theorie verortet. In einer eigenen ästhetischen Sprache erforscht sie die umstrittenen Territorien der Welt und entwirft eine komplexe humane Geographie der globalen Mobilität mit all ihren Nebenwirkungen und undokumentierten Bewegungen. Im Versuch, die anschwellenden Migrationsflüsse in den Griff zu kriegen, kommen europaweit kolossale Grenz- und Abwehrmechanismen zum Einsatz. Dieser Trend hat in der Kunst eine Faszination mit Kontrolltechnologien und repressiven Grenzregimes ausgelöst, deren kritische Wirkung auch wieder fraglich ist.

Im Gegenzug dazu untersuchen die Video-Erkundungen von Ursula Biemann durchwegs Gegengeografien, die sich durch verdeckte Operationssysteme, innovative Widerstandspraktiken und migratorische Selbstbestimmung herausbilden. Mit dem Betreten von off-limit Zonen, geheimen Leitwegen, klandestinen und virtuellen Territorien visualisieren die Videos eine subversive geografische Praxis und gehen der Frage nach, inwiefern sich Künstler und Künstlerinnen in diese symbolische und materiellen Räume einschreiben können.

Ab 17:00 Uhr Besuch der Ausstellung „Videografien“

Helmhaus
Limmatquai 31, 8001 Zürich
www.helmhaus.org

X-Mission, DVD, 35 min, 2008 (Videostill)



Mittwoch, 7. Oktober 2009, 18:00 Uhr
Anna Schober (Wien/Verona)

DADaVersionen – Ästhetischer Aktivismus und die Formen der Demokratie 

Dada wird oft mit Revolution, Aufbruch und Politisierung der Kunst verbunden. Wie jedoch war das Verhältnis Dadas zum sich gleichzeitig herausbildenden demokratischen politischen Erscheinungsraum? Welche Rolle spielte neodadaistischer Aktivismus in historischen Umbruchsituationen seit dem zweiten Weltkrieg? Und wie kann ästhetische politische Praxis jenseits der Dichotomie „Subversion versus Affirmation“ konzipiert werden?

Cabaret Voltaire
Spiegelgasse 1, 8001 Zürich
www.cabaretvoltaire.ch



Mittwoch, 23. September 2009, 20:30 Uhr
Klaus Schönberger/Ove Sutter (Zürich/Wien)

„Kommt herunter, reiht euch ein...“ Eine kleine Geschichte der Protestformen sozialer Bewegungen

(Buchpräsentation mit Klaus Schönberger)

Im Laufe der wechselvollen Geschichte der sozialen Bewegungen hat sich ein vielfältiges Repertoire an Protestformen herausgebildet, mit denen versucht wird, einzugreifen, zu verhindern oder zu behindern sowie gesellschaftliche Veränderung denkbar und möglich zu machen. Dazu gehören Straßendemonstrationen, Kundgebungen, Infostände, Happenings, Reclaim-the-Street-Partys, Pink & Silver, Rebel Clown Army, Streiks oder direkte Aktionen sowie Aktionen des zivilen Ungehorsams wie beispielsweise Boykott-Aktionen, Sitzblockaden oder Tortenwerfen. Um Protest nach außen zu vermitteln, werden Unterschriften gesammelt, Petitionen verfasst, Fahnen geschwenkt, Transparente gemalt, Plakate gelayoutet, Graffitis gesprüht, Flugblätter verteilt, Musik gespielt und Lieder gesungen oder auch einfach nur bestimmte Kleidungsstücke getragen.

Das AutorInnenteam um Klaus Schönberger und Ove Sutter beschreibt die wechselvollen Geschichten des Protests sozialer Bewegungen anhand dieser und anderer Aktionsformen sowie die damit verbundenen Kommunikations- und Handlungsmuster von 1848/49 bis heute. Erkenntnisleitend ist dabei die Frage nach dem Möglichkeitshorizont aktueller Protestformen.

Paranoia City Buchhandlung
Bäckerstrasse 9, 8004 Zürich
www.paranoiacity.ch


Mittwoch, 27. Mai 2009, 18:00 Uhr
Ralf Homann (Berlin)

„Wir brauchen eine neue globale Mobilitäts-Architektur“
Künstlerische Taktiken im politischen Feld von Migration und Grenzregime.

Was passiert mit der Kunst, wenn Regierungen Zeichen setzen, statt Fakten schaffen und ihre staatlichen Administrationen Bildwelten erfinden? Wird die Bildproduktion der Kunst dadurch einerseits automatisch politisch oder andererseits verdrängt in Aquarell und freiheitsfreie Galerienformate? Gibt es ein Drittes? Welche Taktiken des Unmittelbaren haben Künstler und Künstlerinnen das Bedrängnis staatlicher Definitionsmacht und ökonomisierter Funktionszuschreibung emanzipativ zu wenden? Gibt es einen Unterschied, ob sich der Kunstbetrieb politische Themen inkorporiert, oder ob aus dem Kunstbetrieb heraus politisch interveniert wird? Geht das überhaupt?

White Space – Office for Curating/Art/Theory
Militärstrasse 76, 8004 Zürich
www.whitespace.ch


Mittwoch, 11. März 2009, 18:00 Uhr
Rudi Maier (Ludwigsburg)

„What are you fighting for? Revolutionäre Ikonographie in kommerziellen Werbeanzeigen von 1967 bis heute“

„Join the Revolution!“, „Viva la libertad!“, „Radikalisiert das Leben!“ Auf den ersten Blick Parolen und Slogans aus dem Wörterbuch der neuen sozialen Bewegungen. Doch nur auf den ersten Blick. Denn diese Slogans und Parolen stammen allesamt aus kommerziellen Werbeanzeigen, die in den letzten Jahren ihren Weg in die Medienöffentlichkeit fanden. Bereits seit langer Zeit hat die Werbeindustrie die Bilderwelten linken und alternativen Protests für sich „entdeckt“. Während es in den 60er und 70er Jahren um die Disziplinierung, Umdeutung und Lächerlichmachung der Zeichen des Protests ging, werden heutige Anzeigen zur Anrufung des Selbst, als normative Aufforderung zum "anders sein" verwendet: "Be different" lautet die Maxime zur gou-vernementalen "Arbeit am Selbst". Im Vortrag des Ludwigsburger Kulturwissenschaftlers Rudi Maier, der in den letzten Jahren mehr als 2500 derartiger Print- und TV-Werbungen zusammengetragen hat, werden die visuellen und ästhetischen Stra-tegien der Werbenden im Laufe der vergangenen 40 Jahre nachgezeichnet und die sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen - vom fordistisch organi-sierten Industriekapitalismus zum "kognitiven Kapitlismus" (Yann Moulier Boutang) - anhand der Werbeanzeigen vor- und zur Diskussion gestellt.

Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich
Raum SQ 504, 5.OG
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Mittwoch, 25. Februar 2009, 18:00 Uhr
Gini Müller (Wien)

„Possen des Performativen - Aktivismus und queere Politiken im Theatrum Gouvernemental“

Im Begriff der Posse begegnen einander Theater, Performance und Politik, nicht zu-letzt als Spielräume emanzipatorischer Kämpfe gegen Körper- und Grenzregime. Possen des Performativen verweisen dabei sowohl auf minoritäres (Theater-) Ver-mögen zur Artikulation von Widerstand genauso wie auf subversive performative Strategien zur „Verqueerung“ des normierenden Geschlechtertheaters. Dabei geht es auch darum gegen gewisse inszenatorische Mechanismen und Szenarien des „Regierungstheaters“(z.B. Davos, G8-Gipeltreffen) – bzw. eines so genannten „thea-trum gouvernemental“ (in bezug zu Foucault (Techniken des Regierens), ein „thea-trum posse“ zu setzen, das gegen dieses ankämpft bzw. dieses subvertiert, aber auch in den eigenen Reihen interveniert.

Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich
Raum SQ 504, 5.OG
www.zhdk.ch

Radical Cheerleading, Melbourne 2006

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